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V. Standort


Ein weiteres Rätsel ist der ehemalige Standort des Kolosses, denn in keiner uns erhaltenen antiken Quelle werden darüber irgendwelche Angaben gemacht.
Wenn man auch allgemein die Rekonstruktion des spreizbeinigen Hafenwächters verwirft, so gibt es doch immer noch Forscher, die der Statue den Platz am Hafeneingang auf jeden Fall erhalten möchten. Zu diesen gehört auch Dr. Wolfram Hoepfner, nach dessen Ansicht der Standpunkt des "auf Fernsicht berechneten" [41] Kolosses so gewählt war, dass eine Betrachtung aus größerer Nähe unmöglich war. Denn nur aus der Nähe und von unten zu betrachten wäre das Riesenstandbild seiner Ansicht nach wenig attraktiv gewesen. Er lokalisiert den Koloss daher an der Stelle des heutigen Forts Ajios Nikólaos (St. Nikolaus) am Ende der langen Mole, welche den nördlichen, Mandráki genannten Hafen schützt. Aber an dieser Stelle wäre die Fundamentierung des gewaltigen Monuments überaus schwierig gewesen und auch seine Errichtung und Montage auf engstem Raum ist laut Werner Ekschmitt kaum denkbar. [42] Außerdem hätte man inzwischen schon irgendwelche Überreste finden müssen, wenn der Koloss, was bei diesem Standpunkt zwingend der Fall gewesen wäre, ins Meer gestürzt wäre. Ganz davon abgesehen berichtet ein Scholion zu Platons "Philebos", dass der Koloss bei seinem Einsturz eine Reihe von Häusern zerstört habe [43], was auf der Mole nicht hätte der Fall sein können. Hoepfner hält den betreffenden Satz allerdings für eine "später hinzugefügte Randbemerkung ohne Beweiskraft." [44]
Wahrscheinlicher ist ein Standort mitten in der Stadt oder in der Nähe der ehemaligen Johanniterburg, des sogenannten "Großmeisterpalastes". Dort stand zu Zeiten der Kreuzfahrer eine Ordenskirche mit dem Namen "St. Johannes Colossensis", die heute verschwunden ist [45], "deren Beiname aber vielleicht eine alte Überlieferung vom Standort des Kolosses lebendig erhielt" [46], so Werner Ekschmitt.
Dr. Ursula Vedder vertritt in ihren Veröffentlichungen zum Koloss von Rhodos die Theorie, dass sich der Standort der Kolossalstatue im Heliosheiligtum der Stadt befunden haben muss, welches bisher noch nicht lokalisiert werden konnte, aller Erfahrung nach aber nicht auf der Hafenmole errichtet worden war. Ein Hinweis darauf wäre, dass in keiner Quelle eine Angabe zum Standort des Kolosses zu finden ist, eben "weil es in der Antike selbstverständlich war, dass ein Weihegeschenk im Heiligtum der geehrten Gottheit aufgestellt wurde." [47]
Man stellt sich vor, dass der Helios mit Blick in Richtung Osten stand, wo die tägliche Fahrt des Sonnengottes über den Himmel beginnt.




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[41] Wolfram Hoepfner"Der Koloss von Rhodos, 2000" in "Die Sieben Weltwunder der Antike – Wege der Wiedergewinnung aus sechs Jahrhunderten", Ausstellung des Winckelmann-Museums Stendal 2003 – Mainz 2003 – S. 148

[42] vgl. Ekschmitt – S. 180

[43] vgl. Scholion ad Plato Philebos p. 140 C

[44] Hoepfner – S. 148

[45] 1856 durch eine Explosion zerstört

[46] Ekschmitt – S. 181

[47] Ursula Vedder"Der Koloss von Rhodos – Mythos und Wirklichkeit eines Weltwunders" in "Nürnberger Blätter zur Archäologie" Heft 16, Jahrgang 1999/2000 – S. 28



© Matthias K. Bothe 2004




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