|
VI. Zerstörung
Das Ende des Kolosses kam Plinius zufolge schon 66 Jahre nach seiner Errichtung. Bei einem Erdbeben [48] um 225 vor Christus brach der Helios an den Knien ab [49] und stürzte zusammen. Obwohl die Rhodier planten, das Riesenstandbild wiederaufzubauen, wozu sie sogar Hilfe von auswärts, besonders von dem ägyptischen König Ptolemaios III. Euergétes (dt.: "der Wohltäter" – ca. 284 – 222/221 v. Chr.) erhalten hätten [50], ließen sie wegen eines Orakelspruches von dem Vorhaben ab. [51] So blieb das zerstörte Bildwerk also liegen wie es zusammengestürzt war und so scheint es auch noch zur Zeit des Plinius dagelegen zu sein, welcher eine Reihe näherer Angaben wie zum Beispiel das Innere der zerbrochenen Teile macht. [52]
Der byzantinische Schriftsteller Johannes Malalas aus Antiochia (491-503 – 577 n. Chr.) [54], welcher lange Zeit in einem äußerst schlechten Ruf bei der altertumswissenschaftlichen Forschung stand und zum Teil auch heute noch steht, behauptet in seiner "Chronographia", der ältesten erhaltenen byzantinischen Weltchronik, dass der römische Kaiser Hadrian in seiner Regierungszeit den Koloss von Rhodos wiedererrichten ließ, welcher seinen Angaben zufolge 342 Jahre am Boden lag, ohne dass etwas von ihm zerstört wurde. [55] Wie schon oben erwähnt ist auch Dr. Wolfram Hoepfner dieser Ansicht, weil er erklären muss, wieso ausgerechnet Bronzestatuetten 400 Jahre nach der Zerstörung des Standbilds den Koloss darstellen. Allerdings deutet nichts darauf hin, dass diese Nachricht der Wirklichkeit entspricht. Auch die Zeitangabe ist merkwürdig. Wie mir Dr. Ursula Vedder mitteilte, gibt es dazu verschiede Erklärungen: "Zum einen nimmt man eine Verwechslung mit Informationen zum Koloss des Nero in Rom an, zum anderen eine Vermischung mit Informationen zu den Kolossen des Nebukadnezar." __________________________
[48] vgl. Plinius "Naturalis historiae" XXXIV, 41
[49] vgl. Strabon "Γεωγράφικα" XIV, 2, 5 [652]
[50] vgl. Polybios "Ἱστορίαι" V, 88f.
[51] vgl. Scholion ad Plato Philebos p. 140 C und Strabon "Γεωγράφικα" XIV, 2, 5 [652]
[52] vgl. Plinius "Naturalis historiae" XXXIV, 41
[53] vgl. Konstantin VII. Porphyrogennetos "De administrando imperio" 20f.
[54] vgl. Mischa Meier "Ioannis Malalae Chronographia" in "Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 4" – 2001 – S. 1073 – 1081 (http://www.gfa.d-r.de/4-01/meier2.pdf) und Hans-Udo Rosenbaum "Johannes Malalas" in "Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon" – 1992 – Band III col. 468 – 473 (http://www.bautz.de/bbkl/j/Johannes_Mal.shtml)
[55] vgl. Johannes Malalas "Chronographia" XI 279, 14
[56] vgl. Pressestelle FU Berlin, Pressedienst – "Neues vom Koloss von Rhodos" – http://www.fu-berlin.de/presse/fup/archiv/pdw00/pdw_00_019.html – Berlin 20. 7. 2000 – S. 2 © Matthias K. Bothe 2004 |