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Anne Frank Haus

Im Herbst 1999 ging für das Anne Frank Haus eine Zeit des Umbruchs zu Ende, die mehr als zehn Jahre gedauert hat. In diesem Zeitraum ist hart gearbeitet worden, um die museumspädagogischen Maßnahmen und die museale Situation nachhaltig zu verbessern. Die wichtigsten Ziele des Projekts Erhaltung und Zukunft des Anne Frank Hauses waren die Rekonstruktion des Vorderhauses - dem ehemaligen Betrieb von Otto Frank - das nun stilistisch und atmosphärisch der Zeit der Untergetauchten gerecht wird, die Konservierung des Hinterhauses, die Verbesserung der musealen Situation und die Optimierung der Dienstleistungen für das Publikum. Immer mehr Besucher kommen ins Anne Frank Haus. Aufgrund des begrenzten Raumangebots des Museums kann nur ein globaler Eindruck von der Umgebung Anne Franks - sie ist eines von sechs Millionen jüdischen Opfern des Nationalsozialismus - und von den Umständen, unter denen sie ihr Tagebuch schrieb, vermittelt werden.

Am 18. November 1993 hat die Gemeinde Amsterdam die Aufgabe übernommen, neben dem Anne Frank Haus ein neues Gebäude zu errichten, in welchem wichtige museale und museumspädagogische Bereiche sowie die Büros des Anne Frank Hauses untergebracht werden sollten. Das Anne Frank Haus erstellte einen Plan für die Rekonstruktion, Konservierung und Renovierung der Häuser Prinsengracht 263, in dem Anne Frank untergetaucht war, und 265, des Nachbarhauses. 1995 wurde mit der Ausführung des Projekts begonnen.

Rekonstruktion des Vorderhauses

Gut zwei Jahre lang lebten Anne Frank, ihre Schwester Margot, ihre Eltern und vier weitere Untergetauchte im Hinterhaus des Gebäudes Prinsengracht 263. Im Vorderhaus war seit 1940 der Betrieb von Annes Vater Otto Frank untergebracht. Hier arbeiteten während des zweiten Weltkriegs die Leute, die alle acht Untergetauchten mit Lebensmitteln, Kleidung und Nachrichten von draußen versorgten. Abends und an Wochenenden wagte sich Anne Frank manchmal in die Räume des Vorderhauses, um der bedrückenden Atmosphäre des Hinterhauses für kurze Zeit zu entkommen. Das Vorderhaus wurde in ihrem Tagebuch ausführlich beschrieben und spielte eine wichtige Rolle in der Zeit des Verstecks.

Am Vorderhaus wurden vor der Eröffnung des Museums 1960 und einige Jahre später noch einmal umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt. Wegen des Platzmangels war es damals nötig gewesen, den Eingangsbereich, Empfangssaal, Museumsshop, die Ausstellungsräume und Büros für die Mitarbeiter des Anne Frank Hauses im Vorderhaus unterzubringen. Die ursprünglichen Magazin-, Lager-, und Büroräume waren nicht mehr als solche zu erkennen. Otto Frank sah den Plänen der baulichen Veränderung des Vorderhauses mit Bedauern entgegen. Am 23. Juni 1957 gab er seiner Hoffnung Ausdruck: "Was das Vorderhaus angeht, würde ich, wenn irgend möglich, die Restaurierung vorziehen, denn ich möchte, daß auch die Situation im Vorderhaus so bleibt, wie Anne sie in ihrem Tagebuch beschrieben hat."

Gut vierzig Jahre später geht Otto Franks Wunsch doch noch in Erfüllung. Ab Herbst 1999 werden die Besucher nicht nur im Hinterhaus, sondern auch im Vorderhaus in eine andere Zeit geführt. Damit ist das Anne Frank Haus zu einen Museum geworden, dessen Beziehung zum Ort selbst noch weiter in den Mittelpunkt gerückt ist. Die Besucher können sich eine bessere Vorstellung davon machen, was sich an diesem Ort abgespielt hat. Die Zimmer sind nicht möbliert, geben aber die ursprüngliche Einteilung und Atmosphäre sehr gut wieder. Die Geschichte wird mit den entsprechenden Zitaten aus dem Tagebuch Anne Franks erzählt, so daß sich die Funktion und Atmosphäre jedes einzelnen Raumes sehr gut nachvollziehen läßt. Die Einrichtung besteht aus Originalgegenständen, Dokumenten und Fotos, die den persönlichen Aspekt des Lebens im Versteck noch verstärken. Auf dem Dachboden des Vorderhauses wird mit Hilfe von Fotos und Dokumenten der Weg der acht Untergetauchten durch die verschiedenen Konzentrationslager gezeigt. Eine Reihe von Videofilmen stellt die persönliche Geschichte in einen historischen Zusammenhang.

Konservierung des Hinterhauses

Das Hinterhaus ist immer unverändert geblieben. Um es instand zu halten, und damit es die vielen Besucher aufnehmen kann, sind das Versteck und die Bilder der Filmstars in Annes Zimmer konserviert worden. Die bedrückende Atmosphäre des Verstecks wird wegen der verdunkelten Fenster spürbar. Die Zimmer im Hinterhaus sind leer, denn die Möbel sind gleich nach der Verhaftung abtransportiert worden. Doch zum ersten Mal werden im Hinterhaus einige erhalten gebliebene persönliche Dokumente und Gegenstände der acht Untergetauchten ausgestellt.

Renovierung der Prinsengracht 265 und Neubau

Das alte Haus in der Prinsengracht 265 neben dem ehemaligen Büro von Otto Frank ist renoviert worden. Hier sind Informationen über das Tagebuch und seine Bedeutung zu finden. Das Original des ersten, karierten Tagebuchs von Anne Frank wird permanent gezeigt.

Im Neubau neben dem ursprünglichen Museum befinden sich der Eingangsbereich, der Empfangssaal für (Schul-)Gruppen, der Raum für Wechselausstellungen, der CD-ROM-Raum, das Museumscafé, der Museumsshop, der Ausgang und die Büros für die Mitarbeiter des Anne Frank Hauses.

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