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Die Helfer

Johannes Kleimann - Miep Gies - Bep Voskuijl - Victor Kugler



 Victor Kugler

Wurde im Jahre 1900 im Österreichischen Hohenelbe geboren, nahm aber im Jahre 1938 die niederländische Staatsbürgerschaft an. Miep beschreibt ihn als gut aussehend, stämmig und dunkelhaarig, korrekt, höflich und immer ernst, ein Mann, der eifrig seiner Arbeit nachging. Er war einer der ersten Angestellte in der Firma von Otto Frank. Persönlich war er Verheiratet, aber Kinderlos. Zur Anfangszeit arbeitete Victor Kugler sehr intensiv mit Otto Frank zusammen, später als Herr van Pels in die Firma kam, Arbeitete er Hauptsächlich mit diesen Zusammen. Für Anne Frank brachte er jeden Montag, während der Untertauchzeit, die Zeitschrift „Cinema & Theater“ mit, die Anne so gern las. Kugler trug einen Grossteil der Verantwortung für die Untergetauchten, dies ist unter anderem auch aus dem Tagebucheintrag vom 26. Mai 1944 zu erfahren, in dem es heißt:

Miep und Kugler spüren am stärksten die Last, die wir ihnen machen. Miep durch ihre Arbeit und Kugler durch die kolossale Verantwortung für uns acht, eine Verantwortung, die ihm manchmal zu groß wird. Dann kann er fast nicht mehr sprechen vor unterdrückter Nervosität und Aufregung.

Kugler hatte Angst. Er war sich der Gefahren, in der er und die anderen, standen ständig bewusst. Und wenn die Untergetauchten Unvorsichtig waren, so war er derjenige der ihnen schwere Vorwürfe machte. Bei einem solch höflichen und korrekten Mann, kann man das als ein Ausdruck der unterdrückten Angst werten. Umso bewundernswerter ist seine stets zuverlässige Hilfsbereitschaft. Seine loyale Haltung scheint weder er selbst noch jemand anders in Frage gestellt zu haben. Aber aus welchen Gründen er half, kann man nicht Wissen, denn er scheint, nach Aussage von Mirjam Pressler [Deutsche Übersetzerin des Tagebuchs], kein persönlicher Freund, der Familie Frank, wie Miep oder Kleimann gewesen zu sein. Mirjam Pressler geht davon aus das Victor Kugler ein Mitfühlender, Anteilnehmender Mensch war, der andere nicht ihm Stich ließ, wenn sie in Not gerieten, auch wenn das bis an die Grenze seiner psychischen Belastbarkeit ging.



 Johannes Kleimann

Wurde 1896 in Koog an der Zaan geboren. Kleimann war ein enger Freund von Otto Franks, der ihn schon aus der Zeit kannte, als Otto das erste Mal Amsterdam besuchte um eine Außenstelle seiner Bank zu gründen. Miep beschreibt ihn als einen Mann in mittleren Jahren, von zerbrechlicher Statur, blass, mit feinen Zügen und einer sehr schmalen Nase, auf der eine Brille mit großen, dicken Gläsern saß. Johannes Kleimann entwickelte damals die Idee, die Familie Frank im Hinterhaus zu Verstecken. Kleimann war im Hinterhaus immer da wenn er gebraucht wurde, so war er derjenige der Fritz Pfeffer ins Hinterhaus brachte. Mit ihm besprach Otto Frank auch Geschäftliche Probleme. Er war auch derjenige der die Sachen Verkaufte wenn das Geld ausging, er lieh für Anne Mädchenbücher aus, er besorgte denn Radioapparat, er streute Flohpuder aus, als das Hinterhaus von Flöhen heimgesucht wurden. Er stand zur Verfügung wenn kleine Überraschungen und Geschenke für Geburtstage oder Nikolaus geplant wurden. Kleimann informierte die Untergetauchten auch regelmäßig über die Welt außerhalb des Hinterhauses, was eine wichtige Abwechslung für die Untergetauchten darstellte. Ihm scheint es am besten gelungen zu sein, die Untergetauchten abzulenken und fröhlich zu stimmen. Auch Anne nannte ihn den Aufheiterer der Untergetauchten. Am 10. September 1943 schrieb sie dazu:

„Wenn Herr Kleimann hereinkommt, geht die Sonne auf“, sagte Mutter gerade neulich und damit hat sie recht.

Kein Wunder, also, dass alle ihn mochten. Aber Kleimann war nicht Gesund und das machte den Untergetauchten Sorgen. Immer wieder hatte er Magenblutungen und musste Zuhause bleiben. Johannes Kleimann war Verheiratet und hatte eine Tochter, Jopie. Seine Frau wusste von Anfang an bescheid, über die Untergetauchten und besuchte sie auch. Er muss viel Angst gehabt haben, auch wenn er seine Ängste gut vor den Untergetauchten verbergen konnte. Seine häufigen Magenblutungen waren wohl, wenigstens zu einem kleinen Teil, auf die massiven psychischen Belastungen zurückzuführen, unter denen er gestanden hat. Ein Tapferer „Aufheiterer“.



 Miep Gies [Hermine Santrouschitz] & Jan Gies

Geboren 1909 in Wien/Österreich. Als Hermine 1920, kurz nach dem ersten Weltkrieg, im Rahmen eines Hilfsprogramms, für Not leidende Kinder, nach Holland, in eine Pflegefamilie kam, fühlte sie sich dort gleich heimisch. Ihre Pflegeeltern gaben ihr kurz darauf den Holländisch-Liebkosenden Namen „Miep“. Im Rahmen des Hilfsprogramms sollte sie nur ein paar Monate in Holland bleiben um sich nach dem langen Hunger, während des Krieges in Österreich, wieder zu erholen, als sie mit 16 Jahren, dann jedoch vor die Entscheidung gestellt wurde, ob sie in Holland bleiben möchte, viel ihr die Entscheidung nicht schwer. Im Herbst 1933 suchte Otto Frank, nach der schweren Erkrankung seiner damaligen Bürohilfe, schnell nach Ersatz. Kurze Zeit später stellte er Miep als Bürohilfe, in Opekta ein. Die kleine Frau mit dem Dunkelblondgewellten Haaren und dem runden Gesicht war bescheiden und doch bestimmt, ruhig und doch resolut. Eine geschickte Person Mitte Zwanzig, die sich nicht lang zierte, sondern zuzupacken verstand. Miep, die in einem früheren Arbeitskollegen, dem Holländer Jan Gies, ihre Liebe fürs Leben gefunden hatte, entwickelte sich schnell zum guten Geist des Büros. Sie erledigte die Korrespondenz, stellte Rechnungen aus, kochte zwischendurch Kaffe, beantwortete telefonisch und schriftlich Anfragen und Beschwerden der Kunden, erklärte ihnen unermüdlich das Dosierverhältnis von Opekta Gelierzucker und frischen Früchten und kümmerte sich um die Platzierung von Opekta Werbeanzeigen in Zeitschriften und Zeitungen. Miep war ein Mädchen für alles – heute könnte man sie Marketing-Expertin nennen. Miep bewunderte Otto Frank, seine freundliche, zurückhaltende Art und wurde im Laufe der Jahre eine wirkliche Freundin der Familie. So war es kein Wunder, dass gerade sie, als der Aufruf für Margot kam, mit ihrem Mann gerufen wurde, um bei den Vorbereitungen zum Untertauchen zu helfen. Während Jan Gies die Untergetauchten durch seine oft lustigen Geschichten bei Laune hielt, übernahm Miep, die zwar, laut Anne, ebenfalls gern und viel erzählte, vor allem die mehr praktischen Aufgaben. Sie bereitete mit Bep kleine Überraschungen zu den Geburtstagen vor, auch zu Nicolaus, den die Untergetauchten 1942 zum ersten Mal feierten. Sie besorgte Schuhe für Anne und ein verbotenes Buch über Mussolini für Pfeffer und als eine der Katzen krank wurde, ging sie mit ihr zum Tierarzt. Sie sorgte für Kuchen zu Weinachten und ein Rosinenbrot zu Pfingsten. Miep liebte kleine Überraschungen. Doch vor allem war Miep zuständig für den Einkauf von Nahrungsmittel. Bezeichnend schrieb Anne dazu, am 11. Juli 1943, in ihr Tagebuch:

Miep schleppt sich ab wie ein Packesel. Fast jeden Tag treibt sie irgendwo Gemüse auf und bringt es in großen Einkaufstaschen auf dem Fahrrad mit. Sie ist es auch, die jeden Samstag fünf Bücher aus der Bibliothek mitbringt.

Ein Bild, das noch verstärkt wird, wenn man ihr Buch „Meine Zeit mit Anne Frank“ liest. Darin erzählt sie ausführlich von den Schwierigkeiten, zusätzlich zu ihrem eigenen Bedarf täglich Lebensmittel für acht Menschen zu besorgen. Eigentlich für neun. Denn Miep und Jan Gies lebten unter einer zusätzlichen Belastung: Im Frühjahr 1943 hatten sie bei sich zu Hause einen Jungen Studenten aufgenommen, der sich geweigert hatte, eine von den Deutschen geforderte Loyalitätserklärung zu unterschreiben und daher Untertauchen musste. Miep und Jan Gies hielten ihren Privaten Untergetauchten geheim, sie wollten ihre Freunde im Hinterhaus nicht beunruhigen. Miep als Packesel, auch im Übertragenden Sinn. Sie versuchte, nicht ins Grübeln zu geraten, sie funktionierte. Miep kaufte und machte und schleppte und arbeitete. Trotz aller Sorgen versuchte sie aber, ebenso wie die anderen Helfer, den Untergetauchten ein fröhliches Gesicht zu zeigen. Nur einmal, am 26. Mai 1944, berichtet Anne Frank über die Differenzen zwischen ihr und ihren Schützlingen:

Miep kam eines Nachmittags mit feuerrotem Kopf zu Vater und fragte ihn geradeheraus. ob wir annähmen, dass sie auch vom Antisemitismus angesteckt wären. Vater erschrak gewaltig und redete ihr den verdacht aus. Aber etwas ist hängen geblieben. Sie kauften mehr für uns ein, sie interessieren sich mehr für unsere Schwierigkeiten, obwohl wir ihnen damit sicher nicht zur Last fallen dürfen. Es sind so herzensgute Menschen!

Das Miep überhaupt das Gefühl hatte, man könne sie des Antisemitismus verdächtigen, ist doch ein Zeichen dafür, wie vergiftet die allgemeine Atmosphäre in der Besatzungszeit war, wie schleichend sich Misstrauen überall ausbreitete, selbst unter Menschen, die einander nahe standen. Der Beweis für Miep's alles andere als judenfeindliche Grundhaltung zeigt sich schon in ihrer Reaktion, als sie von dem geplanten Untertauchen erfuhr. Als Otto Frank, sie im Frühjahr 1942, in den Plan einweihte und fragte ob sie Einwände gegen den Plan hätte, antwortete sie mit „Nein“. Und dann fragte er sie, ob sie bereit sei, die Verantwortung zu übernehmen und sie zu versorgen wenn sie untergetaucht wären. Ihre Antwort bestand aus einem einzigen Wort: „Selbstverständlich“. Ohne wenn und aber. Dabei war es alles andere als Selbstverständlich. Sie hat ihr Versprechen gehalten. Die Trauer darüber, dass sie die acht Menschen trotz allem nicht hat retten können, wird sie wohl nie verlassen.



 Bep Voskuijl

Geboren um 1919. Bep wurde 1937 als Bürogehilfin in die Firma Otto Franks Eingestellt. Miep beschrieb Bep als braunblonde, große und furchtbar Schüchterne junge Frau. Miep und Bep mochten sich sofort und freundeten sich schnell an, woraufhin wenig später auch Beps Vater als Lagerarbeiter Angestellt wurde. Bep kümmerte sich neben Miep um den Einkauf, z.B. kaufte sie für Anne Schreibhefte oder neue Röcke. Einmal ließ sie für Anne sogar eine Ansichtskarte von der ganzen königlichen Familie abziehen. Anne fand dies riesig nett von Bep, daran erkennt man auch das beide sehr gut befreundet waren. Anne und Bep hatten sich auch oft über Filmschauspieler unterhalten. Bep ging gern ins Kino und sie sagte Anne schon immer im Vornherein in welchen Film sie am Samstag gehen wolle. Anne rasselte ihr sofort die Hauptdarsteller und die Kriterien herunter. Auch Miep erzählt, Anne habe sich mit jedem Zuhörer den sie finden konnte über Filme und Filmstars unterhalten. Zu Bep war Anne direkter und lockerer als gegenüber den anderen Helfern, sie erwähnte sie auch häufiger, vielleicht weil Bep auch wesentlich jünger war als die anderen Erwachsenen, etwa 10 Jahre jünger noch Miep. Anne mochte Bep und reagierte mit bedauern auf die Nachricht, dass Bep einige Wochen zu Hause in Quarantäne bleiben müsse, weil ihre kleine Schwester Diphtherie hatte. Von keinem anderen Helfer, auch nicht von Miep, erwähnt Anne so oft wie von Bep, wie er oder sie sich fühlte. Unter dem Datum vom 29 September 1943 berichtet Anne, Bep habe einen halben Nervenzusammenbruch bekommen, weil sie so viel einholen musste und dann auch noch an ihr herumgemeckert wurde. Ganz deutlich zählte Anne, Bep ehr zu den Jugendlichen als zu den Erwachsenen und fühlte sich ihren Problemen nahe. Beps Situation war aber komplizierter als es auf den ersten Blick scheint, denn eine ihrer Schwestern hatte ein Verhältnis mit einem SS-Mann. Trotzdem hat sie offenbar unter der Belastung und der Bedrohung durch die äußeren Umstände nicht so sehr gelitten wie die anderen. Sie war noch jung und ziemlich unbeschwert. Um die folgen dessen, worauf sie sich eingelassen hatte, scheint sie sich am wenigsten Sorgen gemacht zu haben. Für Anne war sie gerade dadurch eine wichtige Person unter den Helfern.

Einer, dessen Dienste für die Untergetauchten oft Übersehen werden, war Herr Voskuijl, Beps Vater, der bis zu seiner Erkrankung als Lagerarbeiter in der Firma arbeitete. Anfangs wusste er nichts von den Untergetauchten, doch dann wurde er informiert und war, wie Anne es formulierte, die Hilfsbereitschaft selbst. Er baute auf Kuglers Wunsch das drehbare Regal und schenkte den Untergetauchten selbst gebastelte Gegenstände. Anne bedauerte ihn sehr wegen seiner Krankheit und reagierte mit Ärger auf die Ärzte, die ihm mitgeteilt hatten, dass er an einem inoperablen Krebs litt. Auch Herr Voskujil, ein so genannter "einfacher Mann" scheint auf die Tatsache, dass da acht Juden im Hinterhaus lebten und jeder, der ihnen half, sich in Gefahr brachte, mit großer Hilfsbereitschaft reagiert zu haben. Eine ganz und gar nicht "einfache" Reaktion.



Ausgearbeitet von mir aus dem Buch: Ich sehne mich so (Die Lebensgeschichte der Anne Frank) - von Mirjam Pressler

Näheres zum Buch findet ihr unter "Literatur"



Victor Kugler

Johannes Kleimann

Miep Gies

Bep Voskuijl