Die Geschichte meines baumlosen Pfiff-Sattels

Im Sommer 2007 kaufte ich einen 2 Mal benutzten baumlosen Sattel, von dem ich nicht wußte, von welchem Hersteller er war. Heute weiß ich, dass es sich um einen baumosen Trekkingsattel von "Pfiff" handelt.
Ich wollte das baumlose Reiten einfach nur ausprobieren und hatte noch keine Ahnung davon.

So sah der Sattel damals aus:



Zum Testritt benutzte ich eine normale Schabracke:



Mein Pferd Ganymeth (Ganny) lief mit dem Sattel besser als mit seinem Baumsattel (Stübben Scandica, von dem ich vermutete, dass er zu eng geworden war). Ich spürte irgendwie eine komische Falte im Sattel, fühlte mich ansonsten aber wohl darin. Mir gefiel nicht so recht, dass der Sattel direkt über den Widerrist verlief.
Ich bestellte mir eine spezielle Satteldecke für baumlose Sättel (das Softback Pad von Krämer). Der Widerrist war immer noch nicht frei, aber ich spürte keine Falte mehr und Ganny lief mit dem Sattel zunehmend immer besser.

Weil ich die Schnallen der Westernfender (die leider oben waren) an meinem Oberschenkel spürte, tauschte ich sie durch die Steigbügel und -riemen von meinem Baumsattel aus (allerdings genauso verschnallt wie im Baumsattel: mit den Schnallen nach oben).

Hier sieht man, dass der Widerrist nicht frei war:



Ich verkaufte dann meinen Baumsattel und ritt nur noch mit diesem Pfiffsattel. Da ich aber immer wieder ein schlechtes Gewissen hatte, weil der Widerrist nicht frei war, probierte ich ein halbes Jahr später einen Wintecsattel. Aber so richtig wohl fühlten Ganny und ich uns nicht. Deswegen wolte ich es weiter mit baumlosen Sätteln versuchen. Deswegen kaufte ich einen Barefoot Cherokee. Ich dachte, er dürfte in etwa wie der Pfiff sein, nur noch viel besser wegen den Pressure Pads links und rechts der Wirbelsäule, die auch den Widerrist frei halten müssten. Das war allerdings überhaupt nicht der Fall. Ganny hatte trockene Stellen links und rechts des Widerrists und ich konnte nicht so bequem in dem Sattel sitzen, fiel teilweise nach vorne. Also verkaufte ich den Barefoot wieder und benutzte weiterhin meinen Pfiff.
Dann probierte ich noch einen Trekker Dressage Endurance. Doch auch mit diesem war ich nicht zufrieden.

Mit dem Pfiffsattel ging Ganny einfach am besten und mich störte eigentlich nur, dass der Widerrist nicht frei war. Ich kam auf die Idee, meinen Sattel zu polstern. Wie bei einem Barefoot wollte ich die Pressure Pads nachbauen.

vorher:




Dazu klebte ich zwei dicke Teppichstücke mit Filzunterseite übereinander



und steckte sie in den Sattel (der auf der Unterseite extra einen Klettverschluss zum Aufpolstern hat).



Das Ergebnis:





Das Cantle, was beim Barefoot flexibel und bei meinem Pfiff aber star war, unterlegte ich auch mit Teppich:



So ritt ich eine Weile und hatte ein besseres Gefühl. Dann erfuhr ich im Internet vom "Knetpadtest". Ich bastelte mir ein solches Pad, um zu kontrollieren, ob der Sattel irgendwo drückte.

Das Ergebnis war schockierend:





Ich hatte das Knetpad zwar falsch hergestellt (aus einem Stück, anstatt aus 2 Teilen), es hatte bereits einen Knick und ich hatte es dazu noch schief aufgelegt, aber trotzdem wollte ich so nicht weiter reiten. Der Widerrist musste irgendwie frei gehalten werden und die Steigbügelaufhängung darf sich nicht durchdrücken.

Im Internet hatte ich gelesen, dass jemand das Unterteil des Sattels mit Schrauben an die Fork angeschraubt hatte. Ich überlegte, dass auch zu machen, aber leider hatte meine Fork schon einen Riss (da wo die zwei Teile aneinandergeklebt sind). Also würde die Fork komplett durchreißen, wenn ich dort etwas anschraube. Also versuchte ich es anders. Ich bohrte die Löcher komplett durch und bastelte ein paar Unterlegscheiben aus Plastik und die obere aus Metall (damit das Band nicht die Löcher der Fork durchschneiden kann).
Dann befestigte ich das Sattelunterteil mit Hilfe eines straffen Bandes an der Fork.







Das Ergebnis:







Und so war es vorher. Der Klettverschluss reichte nichts aus, um das Sattelunterteil an der Fork "eingekammert" zu halten:





Ich nähte mir zusätzlich eine neue Schabracke (nähte zwei alte Schabracken zusammen) und befüllte sie mir den Einlagen aus dem Softback Pad.

Zum ersten Mal hatte ich bei diesem Sattel eine Widerristfreiheit. Sie war zwar nicht groß, aber es lag endlich nichts mehr auf dem Widerrist auf.



Da ich mit meiner Stallkollegin einen Tagesritt machen wollte, und mir die Wirbelsäulenfreiheit dafür immer noch zu wenig erschien, probierte ich noch etwas aus.
Ich hatte mir für den baumlosen Trekker eine Satteldecke von Grandeur (Future II) gekauft hatte, die auch polsterbar war und stellte fest, dass sie von der Rückenlänge für den Pfiffsattel auch ausreichend war. Sie ließ sich viel besser einkammern. Ich schnitt mir noch ein paar Einlagen aus einer Isomatte zu. Das Material war aber etwas zu weich. Deswegen zerschnitt ich die Einlagen aus dem Softback Pad, so dass sie in das Grandeurpad passten. Zusätzlich zu den 3 mm dicken Mossgummieinlagen, die standardmäßig zum Grandeurpad gehörten, hatte ich also nun eine etwa 1 cm dicke Neopreneinlage (aus dem Softbackpad) und noch eine Lage etwa 5 mm von einer Isomatte.

Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden:







Beim Reiten:



Die Form der Grandeur Satteldecke passte allerdings nicht so recht:



Ich hatte außerdem zu dieser Zeit (ein Jahr nach dem Kauf des Sattels) noch zwei Sachen geändert:

Die Schnallen der Steigbügelriemen habe ich nach unten genommen (wie auf dem Bild oben zu sehen) und das starre Cantle hab ich durch eine weiche Polyesterfüllung (aus einem alten Kopfkissen) ersetzt. Der Grund war, dass ich immer auf dem Cantle zu sitzen kam (auf dem aller ersten Foto dieser Seite sehr gut zu sehen), dadurch ein Hohlkreuz machte und Ganny vielleicht zu sehr hinten in die Lenden drückte.

Irgendwann habe ich dann noch meine Westernfender vom Sattler umändern lassen. Ich habe die Schnallen nach unten versetzen lassen und die originalen (starren, dicken, mit Nylon unterlegten) Riemen durch gut gebrauchte, geschmeidige Bügelriemen ersetzen lassen:



Da ich den Trekker wieder verkaufte, änderte ich die Grandeursatteldecke einfach ab, so das sie die Form meines Pfiffsattels bekam. Zusätzlich veränderte ich Befestigungskletts und nähte zusätzliche Schlaufen für die Gurtstrippen an:



So war ich nun sehr zufrieden mit dem Sattel. Leider hielt die Freude nicht lange an, denn das Band, mit dem ich das Sattelunterteil an der Fork befestigt hatte, riss durch. Es war also keine dauerhafte Lösung.

Ein Band war nicht haltbar genug, also kam ich doch wieder auf Schrauben und entschloss mich anstatt Holzschrauben einfach Schlossschrauben mit Muttern zu verwenden, die die Fork in sich stabilisierten sollten.

Hier der Riss in der Forkmitte. Die beiden äußeren schwarzen Markiereungen zeigen, wo die Löcher sind, bzw. wie schräg die Schrauben durch die Fork gesteckt wurden:



Da ich die Löcher damals bewusst schräg durch die Fork bohrte (um oben einen möglichst großen Abstand zu bekommen, damit das Material nicht durchbricht), musste ich die Schrauben nun krumm biegen, damit sie unten gerade anliegen konnten.

Die verwendeten Eisenwaren:



Der Sattel von unten:



von oben:



Die Schraubenenden habe ich abgeschnitten und noch etwas mit einem weichen Lappen abgepolstert:



Dadurch wurde die Widerristfreiheit noch mal gesteigert, da die Schrauben einfach straffer als das Band sind:



Mit der Passform war ich nun sehr zufrieden.





Doch nicht genug der Bastelei. Ich wollte so gern einen Westernsattel und probierte einen Barefoot Arizona. Dieser war jedoch total unbequem im Vergleich zu meinem Pfiff (ich spürte eine dicke Falte und die Sitzfläche war zu klein, außerdem war der Widerrist nicht so schön frei wie bei meinem Pfiff).

Ich verkaufte den Arizona ganz schnell wieder. Der Pfiff ist und bleibt einfach der Beste. Doch nun hatte ich mir neue Anregungen geholt und mich entschlossen, noch ein bisschen an der Optik des Pfiffs zu arbeiten und noch ein paar Feinheiten zu verbessern.

Ich fand das Cantle noch nicht optimal. Ein solches wie in den Barefoots hätte mir besser gefallen. Als ich ein Stück alten Schaumgummi fand, schnitze ich einfach eins daraus und ersetzte die improvisierte Polyesterfüllung dadurch:





Mit Ausschnitt für die Wirbelsäule:



Es ist perfekt so - sogar weicher als das von Barefoot.

Da zu einem Westernsattel auch Sattelstrings gehören (diese obendrein noch praktisch sind um Gepäck fest zu binden), befestigte ich zwei dicke Schnürsenkel an den hinteren Ösen:




So ganz gefiel es mir aber nicht, so dass ich mich später für echte Strings aus Leder entschied. Dazu kaufte ich mir noch Chonchos und befestigte das ganze wie folgt (das Loch im Nylonband hab ich mit dem Feuerzeug versiegelt):



Durchgeschlauft (mit jeweils 2 Schlitzen in den Strings)







Und hinten mit zwei Löchern durch den Sattel:



und zusammen:



Ein Westernsattel ohne Horn? Das geht nicht, deswegen musste ein Horn her - doch wie?
Ich ersteigerte zwei Barefoot-Westernforks. Eine braune engere und eine schwarze weite.
Da ich vorne aber nur einen Reißverschluss hatte, trennte ich zuerst ein Mal die Naht auf einer Seite auf, um einen zweiten Reißverschluss einfädeln zu können:



Leider fand ich keinen Reißverschluss, der passte. Deswegen entfernte ich ihn einfach hinten (das Cantle brauchte ich ja nicht mehr auszutauschen, da es mir so sehr gut gefiel) und nähte die Cantletasche einfach zu:



Nun fädelte ich den zweiten Reißverschluss vorne mit ein und vernähte die Öffnung wieder:



Die fertige Tasche mit zwei Reissverschlüssen:



Doch leider war sie für die Barefootfork zu groß:



Also musste ich wieder improvisieren und die Tasche einfach enger nähen:



Da Ganny's Widerrist weit in den Rücken hinein reicht und der Sattel so immer leicht nach hinten abfällt, habe ich meine Polsterung im Sattel verändert:

Die beiden "Kissen" habe ich mit Strick miteinander verbunden, damit sie weniger verrutschen. Die Polsterungen habe ich so gekürzt, dass sie erst hinter der Fork beginnen (da es vorne sonst zu eng geworden wäre).



Außerdem habe ich durch verschieden lange Lagen einen Keil gepolstert. Der Keil ist schmaler als der Rest, damit man nicht so breit sitzt:





Im Sattel:



Der Sattel lag jetzt schön in Waage, aber zufrieden war ich mit dieser Variante nicht. Es war mir zu kantig und zu instabil.
Dann aber entdeckte ich folgendes Sitzkissen aus Verbundschaum:



und schnitzte mir daraus Polster für den Sattel:



So sah das ganze dann im Sattel aus:



Und von hinten:



Die Gurtstrippen des Sattels gefielen mir schon immer nicht. Ich bin dann auf Biothane gestoßen und habe mir daraus neue gebastelt.

So spöde waren die originalen:



Die neuen hab ich mit geweils 2 Chicagoschrauben an die abgeschnittenen alten befestigt:



Die neuen waren nun auch kürzer (hätten nen Tick länger sein können, aber es geht auch so). Die alten, langen kreuzten sich nämlich unter dem Bauch, wenn man sie in den Gurt steckte, wodurch dieser dann so dick wurde.

Die neuen Strippen am Sattel:



Aus dem Biothane machte ich mir außerdem neue Fenderriemchen, die ich ebenfalls mit Chonchos verzierte.

Da ich am vorderste "Lappen" der Sitzfläche oft mit der Jacke hängen blieb (wegen des Kletts unten dran), befestigte ich diesen einfach mit einem Stück Schnürrsenkel am Horn (hab es gleich durch die Reißverschlüsse mit gezogen, damit diese nicht von selbst
aufgehen können).



Die braune Fork hat übrigens besser gepasst - nur eben farblich nicht. Deswegen habe ich sie mit Lederfarbe geschwärzt. Das Sattelunteteil habe ich wieder mit Schrauben an die Fork geschraubt. Diesmal reichten allerdings einfache Holzschrauben mit Unterlegscheiben, da die Fork nicht beschädigt ist.

Mir schliefen bei längeren Ritten dann immer die kleinen Fußzehen ein, dass lag daran, dass meine Bügel nur Kindergröße hatten und rund waren. Ich kaufte dann ein paar gebrauchte von Barefoot und bin damit nun sehr zufrieden.

Wegen dem Gepäck bestellte ich mir zusätzlich eine Schabracke von Grandeur (wieder das Modell Future). Nach ein paar kleinen Veränderungen (Verkleinern der Polstertaschen, damit meine alten Einlagen auch wieder passten) und Verändern der Form der Lederverstärkung unten (statt eckig hab ich das Lederstück abgerundet), bin ich mit meinem Sattel nun super zufrieden.

Und das sind die Einlagen im Pad:
Unten (die zum Pferd zu) das ist weicher Mossgummi und oben das ist festes, stabiles Neopren:



Hier noch ein paar Bilder vom Sattel im Einsatz:



Hier sieht man die Widerristfreiheit so schön:




Ich hab mir sogar noch eine farblich zum Sattel passende gebisslose Wanderreitzäumung dazu gebastelt:



Mit dem Sattel bin ich nun super zufrieden. Klar hätte ich gerne die Sattelblätter gekürzt und aus der englischen Gurtung eine Westerngurtung gemacht... aber naja, so funktioniert es auch. Ich liebe diesen Sattel und Ganny anscheinend auch ;-)

So sieht das gute Stück nun im jetzigen Zustand aus:



Wie ihr seht, lohnt sich das Basteln.
Falls ihr dazu noch Fragen habt, meldet euch einfach bei mir.