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Literatur-Hinweise

 

 

 

 

 

 

www.rosa-winkel.de

www.schwule-geschichte.de

Wider die Legendenbildung

Flyer aktualisiert zum 27.01.09
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www.homo-denkmal.de

www.gedenkort.de

Der schrittweise Rückzug aus Politik und Gesellschaft

Die Entwicklung von der APO zum Tattoo in Westdeutschland

Vierzig Jahre nach 1968 sind zahllose Hoffnungen und Ideale zerstoben, die damals das politische Leben prägten. Die einzelnen Abschnitte dieser Entwicklung folgen hier nicht einem strengen Zeitraster, sondern einer inhaltlich gedachten Reihung:

Die "Achtundsechziger" dachten über die großen, weltumspannenden Ziele politischer Veränderung nach. Vietnam und die Notstandsgesetze in der BRD lieferten den Anstoß, doch schon die Auseinandersetzung mit dem "Muff von tausend Jahren" in der BRD-Nachkriegsgesellschaft war Grund genug, Veränderungen zu fordern.

Der umfassende neue Gesellschaftsentwurf sollte es sein, dem man sich verschreiben wollte. Als Muster diente vielen ein sozialistisches Modell, je nach persönlicher Weit- und Einsicht nach sowjetischem, chinesischem oder sozialdemokratischem Muster. Für die reformerische Variante stand Willy Brandt als neuer Bundeskanzler und die von ihm geprägte und getragene Aufbruchstimmung. Das reichte weit über das traditionell linke Spektrum hinaus. Unvergessen ist die per Megafon ausgetragene Diskussion zwischen Rudi Dutschke und Ralf Dahrendorf vor dem Freiburger Stadttheater, wo gerade der FDP-Parteitag stattfand.

Mehr als nur einen Knacks erhielt die weltpolitische Perspektive mit dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in der CSSR des Prager Frühlings (am 21. August 1968). Das auch nicht bessere Bild der Vereinigten Staaten wurde mit dem US-generierten "Streik" der Transportunternehmer in Chile und der Ermordung des demokratisch gewählten chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende bestätigt.

"Wir sind die stärkste der Parteien" – Die "achtundsechziger" Bewegung zersplitterte sich in unzählige sektiererische Grüppchen und Parteien. Eine gesellschaftliche Wirksamkeit dieses politischen Flickerlteppichs war nicht mehr auszumachen. Was ansonsten als "Divide et impera!" (Teile und herrsche) von den Herrschenden gezielt eingesetzt wird, hatte hier als selbstwirkender Spaltpilz die außerparlamentarische Opposition von innen zerfressen. Nun gut, vielleicht hatten auch verschiedentlich Agents provocateurs der "Verfassungsschutz"-Ämter ihre Hände im Spiel ...

Gleichzeitig nahte der bleierne "deutsche Herbst" der gewaltverherrlichenden Terroraktionen, die eine Revolution herbeibomben wollten, aber nur den Rechtsstaat zu beschädigen halfen.

Mit dem Regierungswechsel 1982 von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl begann zugleich eine Entwicklung, die politische Steuerungselemente des Staates abbaute – zunächst zugunsten einer angeblichen Selbstregulierung der Wirtschaft, später bis zur völligen Lähmung des politischen Sektors, wie wir es heute etwa im Bereich der Gesundheitspolitik feststellen müssen.

Die weltpolitische Perspektive war also gescheitert. Warum dann nicht vor der eigenen Haustür kehren? Konkretere Ansätze waren gefragt: Kampf gegen die Volkszählung, Kampf um die alten Stadtviertel gegen eine flächenhafte Kahlschlag- und Neubau-Sanierung, Spurensuche zur Geschichte des Stadttells, Umweltschutz und sanfte Verkehrspolitik, antiautoritäre Erziehung und selbstverwaltete Kinderläden. Ganz praktische Formen des politischen Handelns entstanden, aber auch hier kam der Frust: Kaum eines der besetzten Häuser wurde "legalisiert". Statt dessen räumte die Polizei mit viel Gewalt die vor der Besetzung teils seit Jahren leerstehenden und verfallenden Häuser. Ansätze ernstzunehmender Bürgerbeteiligung in der Kiezpolitik gab es nur vereinzelt.


Aus den Trümmern dieser Ansätze entstand eine neue Partei – die Grünen:
 
"Wählt nicht mehr das kleinere Übel, wählt endlich das Gute, den Widerstand gegen die Filz- und Profitpolitik, die Arbeitslose produziert, die die Umwelt zerstört und die Rechte der Bürger aushöhlt."
So stand es 1979 im Wahlaufruf der "Alternativen Liste für Demokratie und Umweltschutz" zu den West-Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlen.
 
Bereits zwei Jahre später war die Illusion des "endlich Guten" geplatzt.
 

Dieser Phase konkreten politischen Engagements folgte – weiterer Schritt des persönlichen Zurückweichens – die Flucht in entrückt-fernöstliche oder allein egoistisch-neuwestliche religiöse Wagenburgen.

Doch auch damit war noch nicht Schluss: Als völlige Aufgabe jeder gesellschaftlichen Perspektive wandte man sich dem Konsum und der Mode zu. Marken-Klamotten waren scheinbar wichtiger als die (nicht vorhandenen?) eigenen Gedanken. Man begann, den eigenen Körper zu "stylen": nicht nur variabel wie mit Frisuren und Accessoires, sondern auch mit der Bereitschaft, sich für irgendein Schönheitsideal unters Chirurgenmesser zu legen oder sich mittels Tattoos, Piercings, Brandings und irgendwelchen unter die Haut geschobenen Implantaten zu "verschönern".

Den Höhepunkt dieser selbstzerstörerischen Aktionen bilden nunmehr die Ernährungsstörungen – völlig egal, ob als hemmungslose Verfettung der "Generation Hamburger" oder als das Gegenteil mit Mangelernährung und Bulimie.

Mit den letzten beiden Absätzen ist eine Etappe beschrieben, die zeitlich bereits über die Vereinigung von BRD und DDR hinausreicht. Ich glaube aber, dass diese Selbstverstümmelungen notwendig in den Zusammenhang der BRD-Entwicklung gehören. Vieles könnte man noch anführen: die überwiegend verhängnisvollen Wirkungen der Privatfernsehens etwa, der immer rigidere Zugriff der Parteien und der politischen Kaste auf alle gesellschaftlichen Lebensbereiche, die Entwertung jeder sich wissenschaftlich gebenden Expertise in einer gesellschaftlichen Lage, wo als "Experte" nur noch eingeladen wird, von wem bereits vorher klar ist, was er aus freien Stücken oder als Knecht eines Geldgebers mitzuteilen weiß.

Da sich die Entwicklung in der DDR und Ostberlin ganz wesentlich von der westdeutschen Entwicklung unterscheidet, hier ein eigener Text dazu:
Damals war's ­ in der DDR: Einige Bemerkungen zum Haupt- und Nebenwiderspruch in der Diktatur des Proletariats

Ob es einen Hoffnungsschimmer gibt, der aus diesem Jammertal wieder herausführt, dazu habe ich – zusammenfassend für Ost und West auf der Leitseite meines Web-Auftritts noch ein paar Worte verloren:

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Link zu Schäubles Rede vom 3. Juli 2007 und hier
der Link zu
»seinem Kampf«
(Schäuble-Rede
vom 3. Juli 2007)
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