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und außerdem noch?


Wider die Legendenbildung
Flyer aktualisiert zum 27.01.09
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Gewaltexzesse in Schule, U-Bahn und Kiez
Niemand wird als Gewalttäter geboren!
Wenn die für den Neuköllner Kiez zuständige Jugendrichterin Kirsten Heisig zum ersten Mal Kontakt zu einem jugendlichen Delinquenten bekommt, dann lasten bereits 14 Jahre Familien-, Schul- und Gesellschaftsversagen auf dessen Schultern. Denn mit dem vollendeten 14. Lebensjahr wird man hierzulande strafmündig und kann damit dem Zugriff des Jugendstrafrechts ausgesetzt sein. Die vorangegangenen 14 Jahre haben indes bleibende Schäden angerichtet: Eine Familie, die als staatenlose Palästinenser hierzulande nur "geduldet" ist und von einem Termin beim Ausländeramt zum nächsten in existentieller Bedrohung lebt, kann keine Perspektive entwickeln. So haben wir Zustände wie in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Südlibanon, im Westjordanland und im Gaza-Streifen eben nun auch im Rollbergviertel in Neukölln und anderwärts in der Republik. Arbeitserlaubnis für die Eltern? Fehlanzeige! Bildung und Schulbesuch für die Kinder? Lange Zeit hindurch verboten! Selffulfilling prophecy einer asozialen Entwicklung! Asozial ist die Gesellschaft, die ein Vegetieren außerhalb aller Chancen zu Arbeit, Bildung und Lebensglück nicht nur zulässt, sondern von Amts wegen verordnet!
Die Fiktion einer reinen, deutschen Gesellschaft
Und das alles im Rahmen jener Fiktion von der reinen, deutschen Gesellschaft, denn wir sind ja kein Einwanderungsland, Gott bewahre! Es blieb (wieder einmal) Edmund Stoiber vorbehalten, gegen die "durchrasste Gesellschaft" zu wettern, gedacht haben das ganz viele, vor allem konservative Volksgenossen. Was jetzt den Ausländern mit "Duldungs"-Status geschieht, das passierte schon den "Asylbewerbern", als hätte es nie ein Grundrecht auf Zuflucht vor Verfolgung im Grundgesetz gegeben und als wären alle internationalen Verpflichtungen, Flüchtlingen Schutz zu gewähren, reine Augenwischerei. Kein Geld, statt dessen nur Einkaufsschecks, am liebsten gleich Heim-Speisung; rigide Beschränkungen in den Bewegungsmöglichkeiten, auch wenn irgendwo anders in der BRD Verwandte untergebracht worden waren. Wer Schutz vor politischer Verfolgung sucht, ist nicht "Asylbewerber" sondern Flüchtling! Ihn zu schützen, ist nicht Gnadenerweis, sondern humanitäre Verpflichtung.
Als BRD und DDR billige Arbeitskräfte brauchten, da holte man "Gastarbeiter" und "Vertragsarbeiter" ins Land. Die sollten aber schön unter sich bleiben und möglichst bald wieder zurückgehen und durch neue Gastarbeiter ersetzt werden. ... wäre ja schlimm, wenn die sich an das Leben hier gewöhnen würden. Doch es kam bekanntlich anders: Luigi, Slobodan und Mehmet holten Frau und Kinder nach. Ähnliches galt mit erheblichem Zeitverzug auch für Nguyen im östlichen Teil des vereinigten Deutschlands; trotz allergrößter Probleme mit der deutschen Sprache richtete er sich hierzulande ein. Die Kinder (zweite Generation) besuchten die Schule – und hatten trotz aller Widrigkeiten Erfolg dabei. Sie sprachen Deutsch und suchten nach der Schule eine Ausbildung, doch dann haperte es: kaum ein Ausbildungsunternehmen wollte Ayse und Bülent eine Chance geben; zugleich zogen sich zahlreiche Firmen vollständig aus der betrieblichen Ausbildung zurück. Je mehr Automaten in den Produktionsprozess einzogen, desto geringer schien der Wert einer qualifizierten beruflichen Ausbildung. Der Arbeitsmarkt teilte sich auf in einen Bereich unqualifizierter Anlernlinge und einen Bereich der Praxis-Akademiker. Auf der Strecke blieb der "smarte" Arbeiter, selbst simpelste handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten gingen verloren. Das gilt natürlich in gleicher Weise auch für die herkunftsdeutschen Jugendlichen.
Deutsche Bildungsmisere und die Heimweh-Generation
Es folgte eine "Heimweh-Generation": Zumindest gedanklich und ideologisch wollte die dritte Generation in die Werte des einstigen Herkunftslandes eintauchen – oder in etwas, das sie dafür hielt. Moderne Verkehrs- und Kommunikationsmittel machten das viel leichter, als es etwa vor 200 bis 250 Jahren gewesen wäre. Damals war schon die Umsiedlung von Franken nach Hannover ein unwiderruflicher Schritt. Heute jedoch konnte man sich mit einer Frau aus Anatolien verheiraten (lassen) oder die eigene Tochter nach Diyarbakir vermählen. Diese Übergangs- und Heimweh-Generation, die in keiner der "Heimaten" wirklich zu Hause ist, verlängert sich so von der dritten zur vierten Generation und sicher auch noch zur fünften und sechsten und ...
Dauerhafte Entwurzelung ist die Folge. Das gilt auch für die Familie, in die man geboren wurde. In der Kluft zwischen vom Fernsehen vermittelter Konsumerwartung und der Lebensrealität zu Hause pervertieren Stolz und Respekt zu einem Popanz, der nur noch gewalttätig behauptet werden konnte. Das Heimweh mutiert zu "Heimwehr"-Gangs; die Gewalt eskaliert.
Perspektiven tun not! – Ziele für Cem und Mahmoud
Motivieren ist angesagt – doch daran hapert es gewaltig! Den Teufelskreis gilt es zu durchbrechen. Das kann vor allem bei den Kindern gelingen. Ernsthafte Chancen und echte Zuwendung sind nötig – mehr und bessere Krippen, Kindergärten und Schulen, die auch auf muslimische Kinder vorbereitet sind. Wer als Jugendlicher erst einmal mit Richterin Heisig konfrontiert ist, hat wesentlich schlechtere Chancen, die Kurve noch zu kriegen. Viel wichtiger als die 17. Wiederkehr der ideologischen Debatte um Haupt- oder Gesamtschule sind intakte Schulgebäude, motivierte Lehrer, Ganztagsangebote mit entsprechendem Personal: Sozialarbeiter, Sport-, Musik- und Spielerzieher, Kantine und Schulgarten. Die Schule muss ein Ort ganzheitlichen Lernens werden und die Fähigkeiten und Fertigkeiten integrieren, die die Schüler von zu Hause mitbringen: Sprachen, Musik, Handwerkliches und Lebenskultur. Mit einem Wort: Unsere Gesellschaft muss bunter und vielfältiger werden. Dabei ist natürlich der Schwerpunkt darauf zu setzen, dass in der Schule der Spracherwerb der deutschen Sprache im Mittelpunkt steht und die Vermittlung der Ethik, die auf den Menschenrechten und dem Grundgesetz beruht.
Das kostet Geld! Aber diese Ausgabe zu vermeiden, kostet (später) noch mehr Geld, wenn es gilt, den Scherbenhaufen aufzukehren!
Pro Reli – rette sich, wer kann, vor den fremden Monstern!
Ja, es ist klar: Den Kirchen laufen die Steuerschäflein weg. Existenzkrise ist angesagt, auch hier. Da kommt natürlich die Idee auf, die Schäflein unter der Knute zu halten: Kirchenkampf gegen die "Bremer Klausel" des Gundgesetzes, die es Bundesländern erlaubt, den Religionsunterricht neben dem allgemeinen Unterricht zu erteilen. Der ehemalige Leiter einer Hauptschule wandte sich deshalb an Bischof Huber (
Offener Brief). Wem es um die Inhalte geht, dem kann es egal sein, ob der Lernerfolg nun im Gesamtzeugnis oder separat bescheinigt wird. Wer konfessionsgebundenen und konfessionsbeherrschten Religionsunterricht fordert muss zunächst beantworten, ob er damit einen Freibrief für Scientology, obskure Sekten und sich organisierende Fundamental-Islamisten ausstellen mag. Aber nein, an die ist mit der Initiative natürlich nicht gedacht. Es geht doch nur um die treudeutschen Amtskirchen. Aber ist das dann wirklich mit dem Grundsatz der Religionsfreiheit vereinbar?
Je geringer die Bindung an überkommene Religionsgemeinschaften ist, desto wichtiger wird ein Ethik-Unterricht für alle Schüler. Dabei macht die Anwesenheit frommer Schüler gerade die Chance zu größerer Lebendigkeit des Unterrichts aus. Streiten kann man über Lehrpläne oder die stunden- und phasenweise Einbeziehung religionsgebundener Lehrkräfte, um religiöse Inhalte mit "größerer Authentizität" vermitteln zu können, so wie auch in anderen Fächern externe Referenten gang und gäbe sind. Nicht genügend qualifiziertes Lehrpersonal für Ethik zu haben, ist kein Argument gegen das Fach. Es ist ein Argument gegen die allenthalben spürbare Bildungsmisere!
»Getretner Quark wird breit, nicht stark«
So formulierte es der deutsche Dichterpapst Johann Wolfgang von Goethe im "West-östlichen Diwan". Wer eine ganze Gesellschaft aufs Unterjochen bauen will, wird damit keinen Erfolg haben. Entweder wird sich (von der Bronx über Liverpool, die Banlieus bis Griechenland) Widerstand und Gewalt erheben, oder die Gesellschaft wird in einem Jammertal der Lustlosigkeit und Ineffizienz versinken.
Basis allen Erfolgs ist: »Arbeit muss Spaß machen – nicht nur, aber auch!« Wer als Führungskraft diesen Grundsatz missachtet, setzt alles aufs Spiel: das erreichte Know-How des Unternehmens, die eigenen Mitarbeiter und vor allem auch das eigene geschäftliche und private Vermögen. »Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.« Dieses Lenin zugeschriebene Zitat beherrscht die gesellschaftliche Realität. Doch wo Vertrauen fehlt oder missbraucht wird, ist alles vergebens! Deshalb führt der Schäuble-Staat direkt ins KZ.
Auf Dauer ist nur ein Gemeinwesen erfolgreich, das von aktiven Bürgern getragen wird, das ein ethisches Fundament besitzt, das belastbar ist und nicht auf Sand gebaut.
Unsere Gesellschaft muss die Herzen wieder gewinnen!
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