|
 
Home – aktuell
Home – Leitseite
BRD: Von der APO zum Tattoo
DDR: Haupt- & Nebenwiderspruch
Wider die Leisetreterei
Die Mutation der drei Affen
Herrschaftsmittel Killerphrasen
T-Shirts gegen den totalen Staat
Schäubles Nachtgedanken
Beratungen BKA-Gesetz 2008
Stellungnahmen BT-Anhörung 2008
BKA-Ermächtigungsgesetz 2008
zum Vergleich: Reichstag 1933
Lebenslauf Otto Wels (extern, DHM)
Zur Lage der Republik
Gewaltexzesse in Schule und Kiez
Die SPD und der Autismus
Yps-Effekt macht Koch zum Gärtner
Übersicht Wahlergebnisse
Braunau liegt in Österreich?
USA – Eine Welle der Hoffnung
Getretener Quark wird breit ...
Wettbewerb, Marktwirtschaft (2005)
Die Ökonomie und die Ideologie
Politik statt Staatskombinaten
Links zu einigen externen Seiten
Literatur-Hinweise

(Banner für Links auf diese Site)
Dieses ist eine rein private Website zur Verbreitung meiner Ansichten. Impressumpflichtige Zwecke sind damit nicht verbunden.
und außerdem noch?


Wider die Legendenbildung
Flyer aktualisiert zum 27.01.09
PDF-Dokument zum Download



|
 |
»Aber früher war alles besser ...«
Wie Killerphrasen Herrschaft sichern
Irgendwann in meiner Schulzeit besuchte meine Mutter einen Elternabend. Der relativ junge und hochmotivierte Deutschlehrer sprach über Ansätze moderner Pädagogik, über die Bedeutung der Motivation der Schüler für den Lernerfolg, über fächerübergreifenden Projekt-Unterricht und über die notwendige Integration von praktischen, musischen und kognitiven Inhalten. Anschließend kam meine Mutter mit dem Lehrer ins Gespräch. Sie sprach über ihre Erfahrungen aus den 1920er Jahren, über Reformpädagogik und die Hermann-Lietz-Landschulheime – in einem solchen hatte sie unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkriegs als Lehrerin gearbeitet. Der Deutschlehrer bestätigte ihr, dass die von ihm vorgetragenen Ideen auf den Reformansätzen der 1920er Jahre beruhten. Aber die Nazi-Zeit habe diese Ansätze eben verschüttet und deshalb seien sie für viele Lehrer und Eltern geradezu "unerhört". Es ist beschämend, dass diese Debatte heute, über vierzig Jahre später, noch immer mit den selben verbissenen, ideologischen Kämpfen ausgetragen wird.
Wahrscheinlich ist jedem Leser bei der Lektüre noch eine Vielzahl weiterer Killer-Phrasen eingefallen, wie sie im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag als Herrschaftsinstrument regelmäßig verwendet werden.
Projektarbeit, gemeinsames Brainstorming und gemeinsames Erarbeiten von Ideen, Aktionen und Strategien, wie ich das im Rahmen einer Seminarreihe, aus der die hier zitierten "Killer-Phrasen" stammen, gelernt habe, spielt im praktischen Leben heute fast keine Rolle mehr. Hierarchisierung, Profilneurosen, Vereinzelung und das "Sich-Bedeckt-Halten" von Personen mit selbsternannter "Führungsfunktion" verhindert Qualität und das Ausschöpfen des kreativen Potentials von Unternehmen, Verbänden und gesellschaftlichen Gruppen.
Die Kleingeister ertragen es eben nicht, »wenn andre klüger sind als wir«. Die Folge ist, dass solche Menschen sich immer nur mit Zuträgern umgeben, die ihnen zwar den Speichel lecken, aber nicht das Wasser reichen können: Negativ-Auslese noch unterhalb der Kriterien des Peter-Prinzips, nach dem Menschen in Bürokratien und Hierarchien aufsteigen, bis sie den Zustand der eigenen Überforderung zuverlässig erreicht haben. Angst bestimmt Verhalten und Entscheidungen, wo Intellekt, Kraft, Motivation und Diskurs nötig wären. Wie viel schlimmer wird das noch, wenn sich gedankliche Blässe mit Herrschaftssucht und opportunistischer Gier verknüpfen.
 |
Wenn andre klüger sind als wir,
das macht uns selten nur Pläsier,
doch die Gewißheit, daß sie dümmer
erfreut fast immer.
Busch
|
 |
Eine Kalligraphie dieses Aphorismus schmückte einst das Arbeitszimmer meines Großvaters. Wie ich gestehen muss, habe ich zu diesem Satz Wilhelm Buschs ein gespaltenes Verhältnis. Zu sehr klingt mir da Überheblichkeit durch.
|