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Literatur-Hinweise

 

 

 

 

 

 

www.rosa-winkel.de

www.schwule-geschichte.de

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Flyer aktualisiert zum 27.01.09
PDF-Dokument zum Download

www.homo-denkmal.de

www.gedenkort.de

»Aber früher war alles besser ...«

Wie Killerphrasen Herrschaft sichern

Irgendwann in meiner Schulzeit besuchte meine Mutter einen Elternabend. Der relativ junge und hochmotivierte Deutschlehrer sprach über Ansätze moderner Pädagogik, über die Bedeutung der Motivation der Schüler für den Lernerfolg, über fächerübergreifenden Projekt-Unterricht und über die notwendige Integration von praktischen, musischen und kognitiven Inhalten. Anschließend kam meine Mutter mit dem Lehrer ins Gespräch. Sie sprach über ihre Erfahrungen aus den 1920er Jahren, über Reformpädagogik und die Hermann-Lietz-Landschulheime – in einem solchen hatte sie unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkriegs als Lehrerin gearbeitet. Der Deutschlehrer bestätigte ihr, dass die von ihm vorgetragenen Ideen auf den Reformansätzen der 1920er Jahre beruhten. Aber die Nazi-Zeit habe diese Ansätze eben verschüttet und deshalb seien sie für viele Lehrer und Eltern geradezu "unerhört". Es ist beschämend, dass diese Debatte heute, über vierzig Jahre später, noch immer mit den selben verbissenen, ideologischen Kämpfen ausgetragen wird.


So haben wir das früher doch nicht gemacht ... ... geht nicht ... ... keine Zeit ... ... haben wir doch alles schon versucht ... Dazu sind wir jetzt noch nicht in der Lage ... ... alles graue Theorie ... Da wäre doch schon früher jemand draufgekommen, wenn sich damit was anfangen ließe ... ... zu altmodisch ... ... zu modern ... Darüber lässt sich ein andermal reden ... Ich verstehe gar nicht, wo Sie da Schwierigkeiten sehen ... Wir haben doch schon so viele andere Projekte ... Was für ein Phantast ist denn darauf gekommen ... Man weiß doch, das lässt sich einfach nicht machen ... Damit muss sich ein Ausschuss beschäftigen ... Überlegen wir uns das lieber noch eine Weile, und warten erst einmal die Entwicklung ab ... Das geht uns nichts an ... Die werden denken, wir sind nicht ganz bei Trost ... Schon wieder Sie mit Ihren ... Ich sehe keinen Zusammenhang ... Das ist doch gegen die Vorschriften ... ... klingt ja ganz gut, aber ich glaube nicht, dass das geht ... Die Anweisungen lauten doch ganz anders ... ... macht nur einen Haufen Arbeit ... Das wächst uns noch über den Kopf ... Man wird sich aufregen ...

zitiert nach Ch. Clark
 

Wahrscheinlich ist jedem Leser bei der Lektüre noch eine Vielzahl weiterer Killer-Phrasen eingefallen, wie sie im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag als Herrschaftsinstrument regelmäßig verwendet werden.

Projektarbeit, gemeinsames Brainstorming und gemeinsames Erarbeiten von Ideen, Aktionen und Strategien, wie ich das im Rahmen einer Seminarreihe, aus der die hier zitierten "Killer-Phrasen" stammen, gelernt habe, spielt im praktischen Leben heute fast keine Rolle mehr. Hierarchisierung, Profilneurosen, Vereinzelung und das "Sich-Bedeckt-Halten" von Personen mit selbsternannter "Führungsfunktion" verhindert Qualität und das Ausschöpfen des kreativen Potentials von Unternehmen, Verbänden und gesellschaftlichen Gruppen.

Die Kleingeister ertragen es eben nicht, »wenn andre klüger sind als wir«. Die Folge ist, dass solche Menschen sich immer nur mit Zuträgern umgeben, die ihnen zwar den Speichel lecken, aber nicht das Wasser reichen können: Negativ-Auslese noch unterhalb der Kriterien des Peter-Prinzips, nach dem Menschen in Bürokratien und Hierarchien aufsteigen, bis sie den Zustand der eigenen Überforderung zuverlässig erreicht haben. Angst bestimmt Verhalten und Entscheidungen, wo Intellekt, Kraft, Motivation und Diskurs nötig wären. Wie viel schlimmer wird das noch, wenn sich gedankliche Blässe mit Herrschaftssucht und opportunistischer Gier verknüpfen.


Wenn andre klüger sind als wir,

das macht uns selten nur Pläsier,

doch die Gewißheit, daß sie dümmer

erfreut fast immer.

Busch
 

Eine Kalligraphie dieses Aphorismus schmückte einst das Arbeitszimmer meines Großvaters. Wie ich gestehen muss, habe ich zu diesem Satz Wilhelm Buschs ein gespaltenes Verhältnis. Zu sehr klingt mir da Überheblichkeit durch.

 

 

 
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vom 3. Juli 2007
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