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und außerdem noch?


Wider die Legendenbildung
Flyer aktualisiert zum 27.01.09
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Was mir an Literatur in diesem Zusammenhang aufgefallen ist
Diese Zusammenstellung ist höchst zufällig und willkürlich. Sie ergab sich aus meiner eigenen Lektüre in den letzten Monaten. Sie ist in jeder Hinsicht ergänzungsfähig.
Demokratie heute - Theorie und praktische Bedeutung
Christoph Möllers
Demokratie – Versprechen und Zumutungen
Im gleichen Verlag (Wagenbach) sind in der gleichen Reihe (auf der Verlagsseite "Alle Bücher" anklicken und dann "Politik" im Untermenü) weitere Bücher erschienen, die zu lesen sich ebenfalls lohnt.
Karl-Hermann Flach
Noch eine Chance für die Liberalen
Die Grundlagenschrift für den sozialliberalen Aufbruch vor vierzig Jahren ist immer noch aktuell, aber leider nur noch antiquarisch zu erhalten. Wer will, kann gern auch suchen, ob er die Freiburger Thesen noch irgendwo findet. Als Grundsatzprogramm der F.D.P. von 1971 fordert und beschreibt es die liberale Alternative zum Marktkannibalismus der Wester-Niebels.
Der Kapitalismus – mal wieder ...
Max Otte Der Crash kommt
Dieses Buch beschreibt die (zum Erscheinungstermin erst bevorstehende) globale Kapitalismus-Krise. Warum waren die Chaos-Banker und Politiker nur so überrascht, als die Krise auftrat?
Naomi Klein Die Schock-Strategie
Es ist ein Krimi! Die marktkannibalistische Ideologie Milton Friedmans wird auf ihrem Zug rund um die Welt begleitet: Von Chile und Lateinamerika aus den 1970er Jahren über Asien, Afrika bis zu den nachkommunistischen Ökonomien Osteuropas und dem kapitalistischen Wandel der letzten großen KP-Herrschaft (sic!) in China. Bemerkenswert die Wechselwirkungen zwischen dem marktkannibalistischen, ideologischen Handeln einerseits und der jeweils eintretenden Demokratie- und Menschenrechtsdefizite andererseits. Man muss Naomi Klein in der ein wenig gestrig erscheinenden positiven Wertung staatlichen Wirtschaftshandelns nicht folgen, die das Buch über weite Kapitel durchzieht. Die Entwicklung unter der jüngeren Bush-Administration in den USA, die im Land selbst aber vor allem auch im Irak Kernaufgaben des Staates privatwirtschaftlichem Zugriff ausliefert, eröffnet jedoch eine höchst bedenkliche Zukunftsvision: gegenseitig abgeschottete Zonen gesellschaftlich privilegierter geschützter "Eliten" ("grüne Zonen") gegenüber einer in die Armut und gesellschaftliche Nutzlosigkeit gestoßene Restbevölkerung, die in "roten Zonen" der Kriminalität und der Skrupellosigkeit privater "Sicherheitsindustrie" überlassen wird. "Small is beautiful" könnte man als Motto über die letzten Seiten des Buches setzen. Geschildert werden die wiederum lateinamerikanischen Ansätze der Post-Friedman-Ära: Kleinteilige Wirtschaftsunternehmen, gern auch als Genossenchaften, die ihrer Region verhaftet sind, versorgen die örtlichen Bürger und produzieren, was darüber hinaus dem überregionalen und internationalen Handel angeboten wird.
Belletristik zum Thema
Heinrich Mann Der Untertan (in der Reihe Fischer Klassik)
Der Weg ist kurz von Willem II über die antidemokratischen Kreise der Weimarer Republik bis zum Terror der Nazis. Aber: "Der Schoß ist fruchtbar noch ..." – und die Mechanismen, die Heinrich Mann aufzeigt, werden immer noch praktiziert – in größerem Maße, als uns lieb sein mag oder wir uns vorstellen wollen.
Franz Kafka Das Schloß
Mit diesem Klassiker begann meine Lesereise. Vielleicht hätte es auch ein anderer Roman Kafkas sein können. Nun, es war halt dieses (von Kafka nicht mehr vollendete) Werk ...
Aldous Huxley Schöne neue Welt
George Orwell 1984
George Orwell Farm der Tiere
Nicht übergehen darf man auch die drei Klassiker der pessimistischen Gesellschaftsprognose. Die scheinbar so gegensätzlichen Visionen der beiden Autoren sind heute näher an der Wirklichkeit, als die Autoren es sich womöglich selbst vorstellen mochten. Zwischen Volksverdummung, Privatfernsehen und Schäubles und der Wirtschaft Sicherheitswahn ist ein "schönes neues 1984" auf dem Weg Realität zu werden – und natürlich sind einige "gleicher" als der Rest der Gesellschaft. ...
Dialektik ohne Synthese
Florian Felix Weyh Die letzte Wahl – Therapien für die liberale Demokratie
Dieses interessante Buch aus der Reihe "Die andere Bibliothek" des Eichborn-Verlags enthält alle notwendige Kritik an den Zuständen der Parteien-"Demokratie", konfrontiert uns mit mancherlei höchst unorthodoxen Vorschlägen, die allerdings wohl vor allem der Verfremdung dienen und uns so von den ausgefahrenen Gleisen routinierten, heutigen Demokratie-Verständnisses lösen sollen. Er führt uns so u.a. zurück in historische Demokratie- und Republik-Praxis in den italienischen Städtestaaten der Renaissance bis zum antiken Athen. Die dann jedoch erwarteten produktiven Vorschläge für eine praktikable Wiederherstellung der Demokratie fehlen indes. Das ganze ist in eine höchst wirkungsvoll verfremdete Erzählumgebung eingebettet.
Satirisches mit viel Realitätssinn und -bezug
Dieter Hildebrandt Nie wieder achtzig! (als Taschenbuch bei Heyne erschienen)
Der Altmeister des Kabaretts liefert wieder einmal den Beweis, dass er in der Kombination von harten, bitteren Inhalten und satirischer Verpackung ungeschlagen ist. Besonders bemerkenswert erscheint mir die Episode "Geschlossene Gesellschaft".
Urban Priol Hirn ist aus
Auch mit diesem Buch (in gebundener Ausgabe bei Blessing) stellt Urban Priol unter Beweis, warum "Neues aus der Anstalt" der würdige Nachfolger des "Scheibenwischers" ist.
Ephraim Kishon Kein Mensch hört zu
Eine schöne Satire aus dem Jahr 1974 spießt die Kommunikationsresistenz zahlloser Mitbürger – und besonders Politiker – auf. Der angegebene Libri-Link verweist auf eine Gesamtausgabe, die den kurzen Text enthält. Und irgendjemand wollte mir weismachen, Kishon sei ein "Zyniker" – wahrscheinlich ist die einzige Lektüre, die dieser Frau frommt, irgendwo zwischen Gartenlaube und Rosamunde Pilcher anzusiedeln, was sie zugleich ihrerseits zu einer Zynikerin macht in unseren Zeiten ...
Für Literatur-Vorschläge bin ich gern und jederzeit zu ansprechbar:
info(at)archivseite.de
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