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Chronik der ostdeutschen Hochseefischerei
1947 - 1991
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"Ernten ohne zu säen, dass konnten nur die Fischer" - Der Neubeginn in Sassnitz Mit dem Befehl Nr.11 der sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) begann am 11.Januar 1946 der Aufbau einer eigenen ostdeutschen Fischwirtschaft, nach dem im Vorkriegsdeutschland Ostdeutschland kaum eine Rolle spielte. Jede Tonne Fisch, die dem Meer abgerungen wurde, war lebensnotwendig und lebenserhaltend für die geschundene Bevölkerung der damaligen sowjetischen Besatzungszone, denn sie enthielt leichtabbaubares Eiweiß, dass nur Fisch in dieser Form lieferte. Erst die Zweistaatlichkeit Deutschlands bescherte Sassnitz eine Fischereientwicklung, die selbst kühne Fortschrittsgläubige nicht für möglich hielten. Am 06.10.1948 wurde angewiesen bis 1950 die ersten 110 Holzkutter, Hafenanlagen und Wohnungen für die Fischer zu bauen. Am 07.02.1949 wurden die ersten 12 17m-Kutter an die Fischwirtschaftgenossenschaften (Volkseigentum) übergeben. Am 15.10.1950 wurde der erste Bückling in der neuerbauten Räucherei aus dem Ofen geholt. Angesichts der erforderlichen Fangleistungen wurde bereits 1949 mit der Einstellung und Ausbildung der ersten 5 Lehrlinge begonnen, 112 waren es dann schon 1950 im Lehrlingswohnheim. Im November 1952 wurde ein neues LWH seiner bestimmung übergeben. 1951 lagen nun schon 167 und bis Ende 1953 bereits 189 Kutter an den viel zu kleinen Landanlagen in Sassnitz Nach 6 Jahren betrug die Belegschaftsstärke bereits 1514 Beschäftigte. 1951 wurde die Einzelfischerei Schritt für Schritt durch die Fischerei mit 5 Kuttern in einer Brigade abgelöst. Am 01.10.1952 wurden die ersten Vollkonserven ausgeliefert. 1953 begann die Fischerei in der Nordsee und damit kam immer mehr Fisch ins Land. 1955 wurde in Sassnitz das Seemannsheim mit 202 Betten eröffnet, damit erhielt das Leben der Hochseefischer an Land eine höhere Lebensqualität. Anfang 1956 waren die wesentlichen landseitigen Anlagen( Fischanlandehalle für 200 Tonnen Rohware in 24 Stunden, Eisfabrik für 420 Tonnen Eisproduktion, ein Netzboden zur Reparatur und Neubau von Fischereinetzen, die Reparaturwerkstatt und die 3 Anlegebrücken ) in Sassnitz fertig. Am 01.01.1957 wird die Abteilung Fischverarbeitung in den selbständigen Betrieb VEB Fischwerk Sassnitz überführt. 1957- 1959 erfolgte der Zugang von 50 26,5m Kutter, einher ging damit eine Typenbereinigung. Einige davon fischen heute noch in privaten Händen. 1965 wurde die Flotillenfischerei mit den Mutterschiffen "Stubnitz und "Granitz" eingeführt. Sie löschten ihren Fang jedoch in Rostock-Marienehe, da dafür Sassnitz nicht mehr gerüstet war. Einige Kutter leisteten ab 1984/85 bis 1989 vor Südostafrika den Mosambikianern Entwicklungshilfe. Mehr als 5500 Jugendliche , darunter auch Afrikaner, erhielten bis 1989 in Sassnitz eine Berufsausbildung. Wirtschaftsorganisatorische Notwendigkeiten führten 1984 zur Neuaufteilung der Fischereiaufgaben zwischen Sassnitz und Rostock, damit gingen ca 700 Sassnitzer Hochseefischer mit ihren 17 neuen Frosttrawlern nach Rostock. 1594 Mitarbeiter, davon 450 seefahrendes Personal wurden am 01.07.1990 bei der Umwandlung in die Kapitalgesellschaft Sassnitzer Fang-, Verarbeitungs- und Hafenbetriebsgesellschaft mbH noch beschäftigt. Hinzu kamen für die Fischer drastische Auflagen zur Verringerung der Fangkapazitäten auf die Hälfte. Unter diesen schwierigen Bedingungen erwarben am 18.01.1991 14 Schiffsführer die über 30 Jahre alten Kutter zur Gründung privater Unternehmen, da sie die Fischerei wahrscheinlich als ihren wesentlichen Lebensinhalt ansehen und den Fischfang für ihre Existenzsicherung benötigten. Die Sassnitzer Fischer durchlebten in 2 Jahren das, was die Hochseefischerei in der alten BRD in 2 Jahrzehnten verträglich abwickelte. |