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Erinnerung an die Winterreise 1968    

von Michael Glockemann

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In wenigen Tagen jährt sich die Eishavarie der " Jungen Garde " zum 41.Mal. Auch ich habe dieses Unglück hautnah miterlebt. 1966 hatte ich meinen Facharbeiterbrief als Matrose der Hochseefischerei in der Tasche und stieg als junger Matrose auf ROS. 210 " Henningsdorf " auf.

Diese Truppe war es dann auch, die im Sommer 1967 den Zubringertrawler ROS. 415 " Heinz Priess " als damals 100 -e Schiffseinheit des Fischkombinates Rostock in Dienst stellte. Kapitän war Helmut Hegermann, 1. NO Dietmar Fabritz. Wir waren glaube ich mich zu erinnern der erste Spezi, der ohne größere Probleme die ersten Reisen durchfahren konnte.

Dann kam die Winterreise 1968. Jeder wußte, das das eine sehr schwere, aber auch eine sehr gute Reise werden konnte. Damals gab es bei Labrador noch viel Kabeljau zu fangen. Allerdings war uns auch klar, das Temperaturen bis -20 Grad auch nichts ungewönliches sind. Und so kam es dann ja auch. Wir hatten unsere Zubringertätigkeit schon fast beendet, als das Unglück passierte.

Unsere Reise brachte ein hervorragendes Ergebnis, ich erinnere mich an 1600 t Konsumfisch und an einen LVP von ca. 750 TM, ein damals hervorragendes Fangergebnis. Dann passierte es.

Wir waren wohl als einer der ersten Spezis bei der Garde und sollten versuchen, eine Schleppverbindung herzustellen, damit sie nicht wieder ins Eis treiben kann. Wir übernahmen als Vorläufer einen Gienläufer und zusammen mit Ankerkette von unserem Ankergeschirr stellten wir ein Schleppgeschirr zusammen. Jeder der auf einem Spezi ohne Back gefahren war weiß, was alleine das Hieven der Kette aus dem Kettenkasten für eine schwere Arbeit war. Dazu noch der Frost und die Vereisungen auf dem Vorschiff.Aber wir schafften es und irgendwann waren wir klar und konnten den ersten Versuch starten. Nicht das wir nun die Garde gleich nach St. Johns schleppen wollten, nein wir sollten sie nur vom Eis freihalten, damit die Garde mit ihrem Lechsegel besser arbeiten konnte.

Irgendwann war es dann geschafft und die Schleppverbindung war hergestellt. Wir schleppten langsam an und alles schaute gebannt auf die Trossenzüge unserer Netzwinde, ob wir es denn auch schaffen.

Es war eine Totenstille auf der Brücke, man getraute sich nicht einmal zu husten. Auf einmal ging das Funkschott auf und unser Funker, ein schon älterer Kollege, er war schon während des 2. Weltkrieges als Puster gefahren, stürmte auf die Brücke um uns die neuesten Oberligaergebnisse vom Fußball mitzuteilen.

Das Gesicht von unserem " Alten " hättet ihr sehen sollen, aber irgenwie hat sich das alles ganz schnell wieder beruhigt. Der weitere Verlauf der Aktion ist ja schon öfter beschrieben worden.

Das Wetter war grausam, die Schleppverbindungen brachen öfters, man muß bedenken wir hatten damals auch nur 26mm Kurrleine und die hatte auch schon eine Eisreise hinter sich. Zusammen mit ROS. 419 " Phillip Müller " und ROS. 413 " Karl Wolf " schafften wir es dann aber doch und lieferten die Garde, ich glaube nach 10 Tagen in St. Johns ab. Die Karl Wolf hatte dann wohl nur noch Ankerkette als Schleppgeschirr und wenn sie mal alleine beim Schleppen war, ist die Garde dann mit der Wolf durch die Gegend getrieben und vom Schleppen war dann keine Rede mehr.

Ich habe es auch deshalb noch so gut in Erinnerung, weil ich damals als Windenfahrer meinen Dienst auf der Brücke hatte. Nachdem wir dann endlich in Kanada waren und alles erledigt war konnten wir unsere wohlverdiente Heimreise antreten, aber wir mußten noch eine weitere Traurigkeit erleben, denn wir mußten dann noch einen tödlich verunglückten Kollegen Maschinisten mit nach Rostock nehmen. Das war dann nach der erfreulich guten Reise, dem glücklichen Ende der Rettungsaktion doch noch ein trauriger Abschluß der Winterreise Labrador 1968.

Freitag, 13. Februar 2009