Der Bahnhof Papestraße
Der Bahnhof Papestraße war eigentlich bisher immer ein Bahnhof der lange, sogar der sehr langen Wege. Schon bei seiner Eröffnung wurde über die extrem weit auseinanderliegenden Bahnsteige gemeckert. Der Ringbahnsteig lag weit oben auf dem Damm der Ringbahn und der Vorortbahnsteig lag unterhalb aber seitlich reichlich versetzt. Bis in die 60er Jahre gab es eine Holzbrücke, die es ermöglichte, dass man die Wahl hatte entweder durch die Katakomben untenherum zum Vorortbahnsteig oder gleich hinter der Ringbahntreppe links herum, vorbei an Wurst-Agnes, über die Holzbrücke zum Vorortbahsteig zu gelangen.
Mein Schwiegervater schwärmt noch heute von der Jauerschen, die es dort gab. Später gab es dort dann auch Currywurst und böse Zungen meinten, das der Wurststand in Verbindung mit dem Getränkeimbiss auf dem Vorortbahnhof stand. Die Curry/Cayenne-Mischung war so dimensioniert, das man dort dann erst mal die Schärfe wegspülen musste.
Diese Holzbrücke ist in den 60er Jahren abgebrannt und nie wieder ersetzt worden. Ob durch Funkenflug der damals noch fahrenden Dampfloks oder Brandstiftung ist wohl nie genau geklärt worden. Man musste also ab dann immer durch den Tunnel gehen.
Der Bahnhof, so wie ich den kenne, hatte nie Fernbahnsteige und war ein reiner S-Bahn-Umsteigebahnhof. Während man auf dem Ring noch mit Dampf fuhr, war unten am Vorortbahnhof schon die Elektrifizierung mit der Lichterfelder Vorortbahn in Betrieb. Diese elektrische Versuchsbahn hatte noch die Schienenspannung von 500Volt mit einer von oben abgetasteten Stromschiene.
Neben den S-Bahngleisen waren noch die Gleise der Dresdner und der Anhalter Bahn vorhanden, die sich hier noch gemeinsam ein Trasse teilten. Nördlich des Vorortbahnhofs war noch das sog. Kaisergleis. Dieses war jedoch seit dem 2. Weltkrieg ohne Funktion und war nur noch für Insider zu entdecken. Nachdem der Anhalter Bahnhof für den Fernverkehr geschlossen wurde, verloren auch die Fern Gleise an Bedeutung. Ob hierüber das Postamt 77 mit Zügen beschickt wurde, weiss ich nicht. Die Anlagen verfielen im Laufe der Zeit. Es gab noch ein oder zwei Gleise, die Betriebsfähig blieben. Darunter auch das Anschlußgleis des MVT (Museum für Verkehr und Technik).

Unmittelbar südlich des Bahnhofs unterquert der Sachsendamm die Vorortgleise. Bedingt durch die Statuslage der Eisenbahn in Berlin (West) gab es Probleme beim Weiterbau der Stadtautobahn. Die Stadtautobahn hörte in Schöneberg vor der Eisenbahn auf, quälte sich durch das Sachsendamm-Nadelöhr und ging auf Tempelhofer Seite weiter. Eine Einigung über die notwendigen Baumaßnahmen zwischen dem Senat und der Deutschen Reichsbahn verzögerte sich um Jahre und kam eigentlich erst mit Übernahme der S-Bahn durch die BVG wieder weiter. Die politische Lage änderte sich wenige Jahre später bekannter Weise auch und nun ging es erst richtig los.



Der Bahnhof Papestraße wird wachgeküsst und aus seinem Dornröschenschlaf gerissen. Er wird zum Hauptbahnhof in 
Berlins Süden und erhält neben den S-Bahnsteigen auch noch Fernbahn- und Regional-Bahnsteige. Die elende Lauferei fällt auch weg, der Ringbahnsteig wird nach West verschoben und gelangt genau quer über alle Nord-Süd-Bahnsteige.

Gegenwärtiger Stand (April 2005) ist, dass die Vorort-S-Bahn schon in der neuen, unteren Halle hält und die Ringbahn in Richtung West bereits oben, in der neuen Ringhalle hält. Gegenwärtig hat sehr schlechte Karten, wer aus West kommend, zur Vorortbahn muß. Empfehlenswert ist hier einen Bahnhof weiter fahren und mit dem nächsten Zug zurückkommen. Dann kann man schon elegant mit der Rolltreppe nach unten gleiten.

Nachfolgend ein paar Bilder ohne sonderliche Kommentierungen in den Infoseiten. 
Die Bilder sprechen eigentlich für sich.

 

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