Virtueller Rundgang in Athen Teil 10
Endlich auf der Akropolis
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"Propyläen und Nike-Tempel"
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Ich bitte ich Dich nun, bevor Du die Akropolis besuchst, erst mal das Zentrum
für Akropolis Studien (sofern es wieder seine Tore geöffnet hat)
zu besuchen und Dich dort über ihre Geschichte, dargestellt an vielen Modellen
und Zeichnungen, zu informieren. Es ist ja auch auf Deinem Weg zur Akropolis,
auf der anderen Strassen-Seite und fast dem Dionysos-Theater gegenüber. Und
wenn Du Dich gut vorbereitet haben, geht es los! Bevor Du die Eintritts-Karten für die
Akropolis kaufst, schau erst mal hinauf zu den Propyläen! Und wenn Du dort
auf dem ganzen Areal nur Menschen siehst, verschiebe lieber Deinen Besuch. Du
wirst nur in einem Menschen-Strom hin und her geschoben werden! Also sorge
dafür, dass Du um 8.00 Uhr bereits vor dem Eingang stehst. Du könntest
auch die Nachmittags-Stunde fur Deinen Besuch ansetzen (offen bis 18:00 Uhr),
sie soll ja die besseren Farben für Deine Fotos bieten, jedoch das kann ich
nur empfehlen, wenn Du Dich in Athen vor Mitte Mai oder nach Mitte
September aufhältst! Das Gleiche gilt für das Nationale Archäologische
Museum.
INTERMEZZO:Neuerdings bekommt man Kombi-Eintrittskarten,
die nicht nur für die Akropolis, sondern auch für andere archäologische
Stätten (Dionysos-Theater, Agora, römische Agora, Kerameikos, Olympeion)
gelten. ABER .. diese Karten bekommt man NUR bei der Akropolis-Kasse. D.h. wenn Du vor dem
Akropolis-Besuch andere Stätten besucht hast, zahlst Du eben doppelt! Gut, was?! Also
kauf Deine Karten erst bei der Akropolis, auch wenn Du nicht am selben Tag dorthin möchtest!
Und hier oben auf dem Akropolis-Felsen werde ich Dir nicht Vieles erzählen,
denn entweder fühlst Du es oder Du hast Deinen Reise-Führer aufmerksam
gelesen. Dieses Kapitel wird mehr oder weniger ziemlich ausführlich in den
Meisten davon abgehandelt. Doch auf einige Kleinigkeiten will ich doch aufmerksam
machen! Als Erstes, erwarte nicht irgendwelche Original-Statuen oder Reliefs hier
zu sehen! Wären sie hier, würden sie jetzt eine unkenntliche Masse sein.
Die Originale stehen wohl behütet in den Museen, wo sie, nebenbei gesagt,
auch von direkterer Nähe bewundert werden können. Und sei Dir darüber
im Klaren, dass Alles, was auf dieser Ebene steht, nach 490 v.Chr. entstand,
denn die Perser hatten bei der Einnahme von Athen ganze Arbeit geleistet! Der
alte Schutt wurde dann auch gleich benutzt, um das Plateau breiter zu machen und
Platz dadurch zu gewinnen. Gerade diesen alten Bauschutt erkennst Du am tiefen
Schacht neben dem Parthenon-Tempel,
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"Der Jungfrau-Tempel"
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wo Du auch die alte Grenzen sehen
kannst. Und von dort aus siehst Du auch die alten Fundamente des früheren
Tempels, auf die dann der Neue aufgesetzt wurde. Ich möchte an dieser Stelle
auf etwas hinweisen, das von keinem Führer als erwähnenswert erachtet wurde:
Dass nämlich der enormen Bauleistung AUF der Akropolis, eine ebenso gewaltige
UNTER der heutigen Ebene vorausging. Es mussten gewaltige Aufschüttungen von teils
20 Metern (!) Stärke auf den Felsen bewältigt werden, um Platz genug für
all die heute darauf stehenden Bauten zu haben. Und weil der attische Boden nunmal sehr
karg und felsig ist, hat man alles, was nicht mehr gebraucht wurde, dort hinein geworfen,
alte Tempelreste, Säulen, Keramiken etc. Und nach der Perser-Invasion lag damals
mehr als genug Schutt zur Verfügung! In der Zeichnung (aus Prof. M. Korres, "Topographische
Themen der Akropolis") sind (6) Ur-Parthenon um 570 v.Chr., (8) Parthenon I um 500 v.Chr.,
(9) Parthenon II um 490 v.Chr. (10) Parthenon III um 445 v.Chr., der heutige Bau.
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"Parthenon-Baustufen"
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Ferner sind mit (4) der "archaische Tempel" auch Hekatompedos
genannt und neben ihm mit (3) den Vorgänger-Bau vom Erechtheion (5). Man erkennt übrigens
bei (11) hinter der heutigen Mauer die Reste der alten Mykenischen Mauer, die nun im Bauschutt liegen.
Seit dem vergangenen Jahrhundert wurde das Akropolis-Plateau mehrfach
und von sehr bekannten Forschern archäologisch untersucht. Es gab sehr lange Kontroversen
und Diskussionen, die von den teils mangelhaften Untersuchungen der
Aufschüttung, teils durch die Beseitigung von damals als unbedeutsam erachteten Artefakten
hervorgerufen wurden. Es scheint jedenfalls heute die Meinung zu überwiegen, dass
mehrere Parthenon-Bauten in der Vergangenheit gegeben hat. Ebenso herrscht einigermassen
Klarheit über die Bauten an und neben der Stelle des heutigen Erechtheion. Und wenn
man sich etwas weiter in die Vergangenheit vorwagt, gibt es viele Indizien dafür, dass
VOR der Zeiten der verschiedenen Parthenon-Bauten und auch einige Zeit danach der Aufstieg
zur Akropolis nicht bei den heutigen Propyläen war! Vielmehr war der Zugangsweg an der
Süd-Seite knapp vor der Stelle des heutigen Museums (letzteres wiederum steht heute
auf der Stelle, wo ein altes Pandimion-Heiligtum war).
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"Archaische Akropolis"
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Man kann sich es zwar heute kaum
vorstellen, aber man muss eben fast 20 Meter Schutt abziehen. Es sind auch an der Süd-Seite
im Felsen eingehauene Stufen entdeckt worden. Ferner fand man, dass die ehemalige "mykenische"
Mauer um die ganze Akropolis (heute liegt sie tief in Schutt) gerade an der besagten Stelle
unterbrochen war, ohne dass man Spuren einer Zerstörung fand, was ja auf einen Tor-Einlass
hindeutet. Die Zeichnung stammt aus dem genannten Artikel von Prof. Korres und gibt die Verhältnisse
um etwa 500 v.Chr. wider. Darauf ist der gerade im Bau befindliche Parthenon I zu sehen und rechts auf
dem Felsen das Pandion-Heiligtum, etwa an der Stelle des heutigen Museums. Das in Kürze zur Information.
Auf der Rückseite vom Parthenon sind oben unterhalb vom
Fries eine Reihe grösserer und kleinerer Löcher, deren letztere aus der
römischen Zeit stammen und die Befestigungen von Metall-Buchstaben mit Lob-
Preisungen für Kaiser Nero darstellten. Die grösseren Löcher sind
aus der Zeit Alexanders des Grossen. Nach der Schlacht bei Graneikos, liess er
eine Reihe erbeuteter Schilder der Perser vergolden und als Weihe fur Athene hier
aufhängen, und zwar mit dem Hinweis "von allen Hellenen ausgenommen den
Spartanern" (da ja Letztere an seinen Zügen nicht Teil genommen hatten).
INTERMEZZO: Eine weitere Empfehlung, die ich hier den Freunden der Dia-Fotografie geben möchte,
ist, die Dia-Serien an den Eingängen der meisten archäologischen Stätten
und Museen doch mal unter die Lupe zu nehmen! Erstens viele davon sind aus Perspektiven
gemacht worden, die für den Touristen nicht erreichbar sind und zweitens, sie
sind professionell gemacht, während Du mit Deiner teuren Kamera vor unlösbaren
Licht- / Farbe-Aufgaben stehst. Darüber hinaus musst Du in den meisten Museen auf
Dein Blitzlicht verzichten! In diesem Zusammenhang sei auch dessen bewusst, dass
die Lichtfülle in Griechenland recht viele Deiner Fotos zunichte machen
könnte! Verwende nur Filme mit 100 ASA für Aussen-Aufnahmen. Bei Innen-
Aufnahmen (Kirchen, Museen, Abende) sind 400-er Filme eine grosse Hilfe.
Nachdem Du sicher Alles über den Parthenon (direktübersetzt: der Jungfrau-
Tempel) in Deinem Reise-Führer gelesen hast, will ich Dich hier nur auf den
Vor-Parthenon aufmerksam machen, dessen Fundamente noch zwischen Parthenon und
Erechteion zu sehen sind. Er fiel den Persern zum Opfer und die gewaltigen
Säulen-Trommeln, die als Bestand-Teil der Nord-Mauer zu sehen sind (auch
als Erinnerung an die persische Freveltat), stammen eben aus jenem Tempel. Und
beim Erechtheion will ich Dich nur mit der Preis-Frage konfrontieren "Welche von
den berühmten Karyatiden ist die Kopie?", denn bekanntlich Lord Elgin hatte
Anfang des vorigen Jahrhunderts u.a. eine davon nach England mitgenommen.
Antwort: "es sind alle Kopien", die Originale befinden sich im Museum und davon
die Best-Erhaltene ist gewiss die im englischen Museum!
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"Die Nordhalle am Erechtheion"
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Auf der anderen Seite
des Erechtheion wiederum wirst Du eines der schönsten Tore des Altertums
sehen können, die Nordhalle! Ionischer Stil und Ornamentik in höchster
Vollendung! Und noch etwas: Du wirst bemerken, dass an der Decke ein Loch zu sehen
ist, ebenso darunter auf dem Boden der Halle. Das sind keineswegs die Ergebnisse
von Zerstörungen oder der Zeit, sondern unterhalb der Halle befindet sich
ein Felsen mit drei Eindrücken darauf. Die alten Athener glaubten, dass dies
die Stelle war, wo Poseidon beim Streit mit Athene um die Namens-Gebung der Stadt
mit seinem Drei-Zack in den Felsen eingeschlagen hatte und daraus eine Salzwasser-
Quelle entsprang. Eine solche Stätte war natürlich hoch heilig und
durfte deshalb nicht bedeckt werden, daher die offenen Stellen auf Fundament undDecke darüber.
Es bleibt jetzt nur noch der Museums-Besuch, und an dieser Stelle will ich Dir
einige Tips geben, die fur alle Museen gelten, damit Du Dich nicht
langweilst und den Museen letzt endlich Unrecht tust indem Du feststellst "der
eine Stein wie der Andere"! Wenn Du nicht eine heisse Liebe fur Geschichte,
Archäologie etc. hast oder wenn Du nicht viel für bildende
Künste übrig hast, dann erspare Dir den Besuch aller Museen, die in
Deinem Reise-Führer als unbedingt sehenswert angegeben sind! Wenn Du die
Akropolis ohnehin besuchst, hast Du auch Zutritt zum Akropolis-Museum, das einen
sehr guten Überblick über die klassische Geschichte Athens bietet und
einen erträglichen Umfang. Das Gleiche gilt für Kerameikos und das
angeschlossene Museum und auch für die Agora und die Attalos-Stoa, wie wir
bereits besprochen haben. Das National-Museum ist wirklich etwas für die
Spezialisten!
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"Betrunkener Athener"
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Oder willst Du auch nach einer Stunde zu den gelangweilten,
ausgelaugten Menschen gehören, die mit glasigen Augen nach einer Sitz-
Gelegenheit suchen? Und wenn Du Dich doch nicht davon abhalten lassen willst,
dann geh bitte gezielt vor: schaue Dir die mykenischen Schätze, die
minoischen Fresken und gehe dann weiter, stehe nicht vor jeder Statue und jedem
Relief! Und was ich anfangs gesagt habe, kannst Du hier anwenden. Gehe so schnell
es geht zum ersten Stock und studiere die Hunderte von Vasen!
Nicht ob ihrer schönen Form oder ob der Feinheit der Linien, sondern um die "Fotos" der
damaligen Zeit zu sehen! Dort wirst Du wirklich den Alltag der alten Athener
hautnah erleben: die Herren beim Symposion (sich übergebend), die Frauen
bei der Haus-Arbeit, Andere auf Jagd, etc. Ich denke, dies kann manches erschlaffte
Gemüt wieder aufrichten!
Und vom Besuch des byzantinischen Museums rate ich ebenfalls ab! Es sei denn,
Du kennst Dich mit dem Ritus der orthodoxen Kirche und mit der besonderen Symbolik
der Ikonen-Malerei aus, und Du hast ein Spezial-Interesse an die byzantinische
Zeit! Weitaus interessanter für die meisten Touristen (nichts desto weniger
kaum von ihnen besucht) ist das Museum im Alten Parlament auf dem Kolokotronis
Platz.
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"Im Nationalgarten"
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Du wirst dort Gelegenheit haben, Dich mit der weniger bekannten Geschichte
des modernen Griechenlands zu befassen und darüber hinaus einen guten
Überblick über die verschiedenen Trachten des Landes erhalten. Das
Benaki-Museum in der Nähe vom National-Garten, mit wirklich wertvollen und
schönen Exponaten bietet einen guten Querschnitt über alle Kultur-
Epochen in Griechenland. Für den Kunst-Kenner kann ich ferner den Besuch
der National-Gallerie wärmstens empfehlen, denn Du wirst hier Gelegenheit
haben, manche international weniger bekannte griechische Maler kennen zu lernen
und Dich von ihrem Können überzeugen zu lassen. Sie ist eine Metro-
Station vom Syntagma-Platz entfernt, aber auch innerhalb von 20 Minuten gut zu
Fuss zu erreichen.
In der Nähe der National-Gallerie befindet sich das Panathenäische
Stadion. Nicht das Olympia-Stadion wohlgemerkt, sondern eine Nachbildung des
Panathenäen Stadions wie es ca. 330 v.Chr. für die Lauf-Wettbewerbe
der Panathenäen errichtet und in seiner heutigen Gestalt 140 v.Chr.
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"Das Panathenäen-Stadion"
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von Herodes Attikus, dessen Grab auf dem rechten Hügel ist, vollendet wurde.
Die Länge der Laufbahn betragt 1 attisches Stadion (184,3 m).Die Läufer
jener Zeit waren nicht um die Kurve gelaufen, sondern kehrten einfach um.
Für heutige Wettbewerbe ist der Kurven-Radius einfach zu klein. Und wenn
Du Dir die Mühe machst, alle Stufen hinauf zu gehen, wirst Du am oberen
Rand an manchen Stellen Teile aus dem urprünglichen Stadion entdecken.
Und jetzt, nach so vielen Mühen, hast Du Dir Deine Ruhepause redlich verdient!
Geh zum National-Garten, erhole Dich eine Weile und der Rest des Tages steht zu
Deiner freien Verfügung :-) Morgen geht es bei den Vororten weiter!
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