Selbst galvanisch verzinken
Der Audi ist zum Schutz vor Korrosion werkseitig vollverzinkt. Bei Karosserieschäden (Unfall, Kratzer, Steinschlag etc.) kann die auch Zinkschicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Um sie auszubessern, steht im Autozubehörhandel Zinkspray bereit. Eine preiswerte und technisch bessere (weil haltbarere) Alternative stellt galvanisches Verzinken dar, weil bei diesem Verfahren eine echte chemische Verbindung zwischen Karosserie und Zinkschicht entsteht. Hier wird beschrieben, wie man mit einfachen Mitteln selbst galvanisch verzinken kann.
Idealerweise setzt man die abgebildeten Geräte ein. Der Hobbymechaniker kann sich aber auch mit preiswerten Alternativen behelfen.
Links ein Labornetzgerät, Flasche mit Zinkelektrolyt, Handgalvanisiergerät,
davor ein gelber Schwamm.
Zinkelektrolyt
Als Elektrolyt wird eine gesättigte Zinkchloridlösung eingesetzt.
Dazu besorgt man in der Chemikalienhandlung Zinkchlorid und gibt davon so viel
in warmes Wasser, bis sich nichts mehr auflöst und sich ein Niederschlag
bildet.
Wer diese Möglichkeit nicht hat, nimmt Zinkspäne. Diese kann
man aus einem sauberen Stück Zinkblech schneiden/raspeln, das man z.B.
aus dem Abfallcontainer eines jeden Dachdeckerbetriebes (meist umsonst) bekommen
kann. Die Späne werden mit 25%-iger Salzsäure (Baumarkt) übergossen.
Da sofort eine starke Gasentwicklung (Wasserstoff) einsetzt, sollte man dies
unbedingt draußen tun. Der Wasserstoff ist zwar in diesen Mengen
wenig gefährlich, allerdings reißen die Gasbläschen Salzsäuremoleküle
mit, die natürlich "echt ätzend" sind. Möglichst Schutzbrille
und Handschuhe tragen. In diesen Ansatz gibt man so viele Späne, bis sich
auch nach einigen Tagen nichts mehr auflöst. Die fertige Lösung ist
trübe grau, nicht mehr ätzend und sollte abfiltriert werden (mit einem
Kaffeefilter). Wer die Möglichkeit hat, gibt noch einige Tropfen Natronlauge
hinzu, um eventuelle Reste der Salzsäure zu neutralisieren.
Prinzip des Galvanisierens
Der Zinkelektrolyt wird zwischen eine positive und eine negative Elektrode (=Karosserie)
gebracht und eine Spannung angelegt. Durch den fließenden Strom wandern
die positiv geladenen Zinkionen zur negativen Elektrode und schlagen
sich dort als elementares Zink nieder. Die ebenfalls in der Lösung enthaltenen
negativ geladenen Chloridionen entweichen an der positiven Elektrode in Form
von Chlorgas (draußen in diesen Mengen gesundheitlich unbedenklich).
Damit ist der "Weg des Zinks" aus dem Blech zum Auto vollendet:
das Blech löst sich in der Salzsäure (=Wasserstoff und Chlor) auf,
wobei Wasserstoff abgeht. Zink und Chlor verbleiben in der Lösung. Beim
Galvanisieren entweicht das Chlor als Gas, und Zink bleibt auf dem Auto zurück.
Galvanisiergerät
Das abgebildete Gerät besteht aus einem Handgriff, dem Schaft und einem
Kopf, auf dem sich ein Schwamm befindet. Der Schwamm ist etwa 3 Millimeter dick
und kann z.B. aus einem Abwaschlappen geschnitten werden. Er nimmt die Zinklösung
auf, der Kopf ist die positive Elektrode. Das Gerät kann bei Conrad
Electronic bestellt werden, oder mit einfachen Mitteln z.B. aus einer einfachen
Metallplatte (kein Zink!) nachgebaut werden. Der Kopf sollte etwa 1x5 cm groß
sein.
Spannungsversorgung
Am besten wird ein regelbares Netzgerät eingesetzt. Dessen Strombegrenzung
wird so eingestellt, daß etwa 100-200 mA Strom pro cm² Schwammfläche,
also etwa 500 mA für den beschriebenen Schwamm, fließen. Zu niedriger
Strom zieht die Arbeit *endlos* in die Länge, zu hoher Strom läßt
das Zink zu schnell abscheiden, so daß die Schicht porös wird.
Wer kein Netzgerät besitzt, schließt seine Galvanisiervorrichtung
in Reihe mit einem 10W-Birnchen an die Autobatterie (Zigarettenanzünder)
an. Das Birnchen begrenzt den Strom auf 10W / 12V, also knapp 1 A. Es leuchtet
"automatisch" zur Kontrolle, wenn galvanisiert wird, und im Falle
eines Kurzschlusses zwischen Galvanisierkopf und Auto passiert nichts weiter.
Galvanisieren
Vorher muß die entsprechende Stelle gründlich entrostet und
blankgeschliffen werden, idealerweise mit Sandstrahl,
sonst mit Schmirgelpapier.
Den getränkten Schwamm auf die zu verzinkende Stelle aufsetzen, leicht
andrücken und ganz vorsichtig hin- und herbewegen (nicht etwa "pinseln").
Etwa 20 Sekunden auf einer Stelle lassen, je nach Ergebnis ggf. länger.
Danach die neu verzinkte Stelle mit Wasser abspülen, abtrocknen, grundieren
und überlackieren.
Wenn die Roststelle vorher wirklich gründlich (auch etwas über ihren Rand hinaus) entfernt wurde, entsteht auf diese Weise eine Zinkschicht, die der werkseitigen Verzinkung fast nicht nachsteht.