Spezialwerkzeug für Arbeiten am Ventiltrieb
Um den Ventiltrieb zu zerlegen und die Ventilschaftdichtungen zu erneuern, ist folgendes Spezialwerkzeug erforderlich. Es muß vor der Arbeit besorgt bzw. ausgeliehen werden, kann aber auch (geeignete Mittel vorausgesetzt) selber hergestellt werden.
Druckluftadapter für das Kerzenloch
Niederhalter für Ventilfedern
Eintreiber für Schaftdichtungen
Lange Telefonzange bzw. Schaftdichtungszange
Das Bild zeigt die Spezialwerkzeuge. 1 - Hebelstange des Niederhalters, 2 -
die beiden Hälften der Brücke des Niederhalters, 3 - Gelenknuß
des Niederhalters mit Druckstange. 4 - Druckluftadapter, 5 - Eintreiber, 6 -
Zange
Druckluftadapter
Er wird benötigt, um den Zylinder über das Kerzenloch unter Druck
zu setzen. Er hat an seinem einen Ende ein Zündkerzengewinde, einen Sechskant
passend zur Zündkerzennuß und an seinem anderen Ende einen Preßluftnippel.
Er kann bei geeigneter Ausrüstung aus einer alten Zündkerze hergestellt
werden. Dazu zuerst die Außenelektroden der Kerze absägen (flexen).
Vorsicht, Gewinde nicht beschädigen. Dann den Metallkragen oberhalb des
Sechskantes bis auf das Keramikteil wegflexen. Das Keramikteil ist härter
als Stahl! und läßt sich mit der Flex nicht trennen. Dann Keramikteil
mitsamt der Mittelelektrode
von der Elektrodenseite aus mit einem Splinttreiber herausschlagen. Schnittflächen
glattfeilen. Preßluftnippel auf Gewindeteil aufsetzen und Teile mit langer
Schraube fixieren. Beide Teile mit Silberlot zusammen hartlöten (bestenfalls
unter Verwendung von Sauerstoff). Anschließend feilen und auf Dichtheit
prüfen.
Niederhalter
Um die Ventilfedern entgegen ihrer Kraft herunterdrücken zu können,
wird ein Hebelmechanismus benötigt. Dieser wird mit M8-Muttern auf den
Stehbolzen der Nockenwellenlager aufgeschraubt. Er besteht im einzelnen aus
folgenden Teilen, die aus geeigneten Eisenprofilen/Stangen/Rohren nach den jeweiligen
Maßen gefertigt werden müssen:
Die einzelnen Teile des Niederhalters. Maus auf das jeweilige Teil bewegen für
Erklärung.
Hebelstange
etwa 50 cm lang, 18 mm Durchmesser. Das Langloch sollte ca. 13 mm breit und
20 mm lang sein. Die Querstange hat hier einen Durchmesser von 12 mm und wurde
festgeschweißt, damit nicht unpraktisch viele Einzelteile "herumfliegen".
Brückenteile
Je ein Brückenteil wird auf zwei benachbarten Nockenwellenlager-Stehbolzen
(8 mm Durchmesser) aufgeschraubt. Die entsprechenden Bohrungen in der Brücke
haben für den DS-Motor einen Durchmesser von 13 mm und einen Abstand von
92 mm. Durch das etwas zu große Loch werden alle Stehbolzenabstände
abgedeckt, die um 4 mm unterschiedlich sind. Für andere Motoren müssen
die Maße der Brückenteile entsprechend angepaßt werden. Sie
lassen sich gut aus 20x20 mm Vierkantstahl herstellen. Durch die dreieckigen
Einschnitte an der Seite wird die Gelenknuß beim Hebeln gerade geführt.
Die Lagerbohrungen für die Querstange des Hebels haben einen Durchmesser
von 13 mm. Die Lager für die Querstange sind einfache Metallplatten, die
aufgeschweißt wurden. Wer keinen Schweißplatz zur Verfügung
hat, kann die Brückenteile ggf. auch aus Winkelprofilen herstellen. Immer
darauf achten, daß sich die Brückenteile auf den Stehbolzen spielfrei
festziehen lassen, damit die Bolzen beim Hebeln nicht verbogen werden.
So werden die einzelnen Teile zusammengesetzt und auf den Motor aufgeschraubt.
Gelenknuß
Sie überträgt die Hebelkraft über die Druckstange auf den Federteller.
Damit sie die Kippbewegung ausgleichen kann, muß ein "Gelenk"
konstruiert werden: Die Druckstange besteht aus einer M8-Gewindestange. Mit
der Mutter der Druckstange kann zusätzlich ihre Arbeitslänge eingestellt
werden. Vorn auf der Druckstange wird eine M 12-Stoppmutter aufgeschweißt.
Die eigentliche "Nuß" besteht aus einem etwa 40 mm langen 1-Zoll-Rohrstück,
in das die Seitenöffnungen geflext bzw. gefeilt werden. Die Bohrung für
den Gelenkbolzen hat einen Durchmesser von 13 mm. Der Bolzen besteht aus einem
Stück M 12 Gewindestange, die an einem Ende so flachgefeilt wird, daß
sich der Bolzen mit einem Maulschlüssel SW 8 mm in die Mutter drehen läßt.
Schema der Gelenknuß: 1 - Druckstange M 8, 2 - Unterlegscheibe, 3 - Einstellmutter
M 8 für die "Länge" der Druckstange, 4 - Stoppmutter M 12
(innerhalb der Nuß), 5 - Gelenkbolzen M 12 (durch Seitenbohrung der Nuß),
6 - Nuß aus 1"-Wasserrohr
Wer keinen Schweißplatz
hat, kann ggf. auch eine Konstruktion bauen, bei der die Federn durch Drehen
einer Spindel (Gewindestange) ohne Hebel gerade von oben heruntergedrückt
wird.
Der Niederhalter kann bzw. muß den Abmessungen im Motor und der eigenen
Werkstattausrüstung angepaßt werden. Die hier vorgestellte Konstruktion
erfordert wenigstens Schweißgerät und Flex, eine Tischbohrmaschine
bzw. Bohrständer erleichtern die Arbeit darüber hinaus erheblich.
Eintreiber
Als Eintreiber eignet sich prinzipiell ein Rohrstück mit einem Innendurchmesser
von 8 mm und einer relativ großen Wandstärke (>4 mm), mit dem
die Ventilschaftdichtungen eingetrieben werden können, ohne beschädigt
zu werden. Am einfachsten nimmt man eine große Unterlegscheibe mit einem
8 mm - Loch, die auf ein Kupferrohr mit 12 mm Durchmesser und ca. 10 cm Länge
weich aufgelötet wird. Am anderen Ende eine kleine Scheibe auflöten,
um einfach hämmern zu können.
Zange
Die Werkstatt verfügt über eine Spezialzange. Diese kann man entweder
durch eine etwa 30 cm lange Telefonzange ersetzen, oder aber man kauft eine
preiswerte Flachzange, an deren Spitzen je eine Hälfte einer Mutter M 10
oder M 12 aufgeschweißt wird. Auch mit dieser Konstruktion lassen sich
die Dichtungen gut packen.