Nach einem Umfaller steht in der Regel der Lenker schief. Liegt oft daran, daß sich die beiden Gabelbrücken gegeneinander verdreht haben. Kann man leicht prüfen, indem man von oben an beiden Brücken entlangpeilt. Klemmschrauben der Gabelbrücken lösen, Lenkkopf-Hutmutter lösen (muß man den Lenker für abbauen, ist aber unverzichtbar!), Rad zwischen die Knie nehmen und den Lenker ein paar mal kräftig hin- und herschlackern (dazu muß man den Lenker wieder anbauen), sodaß die Gabel eine spannungsfreie Position einnimmt.
Nicht einfedern wie oft empfohlen wird! Damit erreicht man nur, daß die Holme sich durch die Gabelbrücken nach oben durchschieben. Wenn einfedern, dann nur durch Druck auf die Gabelholmdeckel und nicht auf den Lenker. Läßt sich die Parallelität der Gabelbrücken nur mit Kraft oder gar nicht herstellen, ist wahrscheinlich ein Gabelholm oder eine Gabelbrücke verbogen, aber dann war´s auch mehr als nur ein Umfaller. Steht trotz paralleler Gabelbrücken der Lenker immer noch schief, kann es noch an verkanteten Gummilagern der Lenkerhalterung liegen oder natürlich auch ein einem verbogenen Lenkerrohr.
Wenn man eh gerade die Hutmutter ab hat, sollte man bei der Gelegenheit ruhig mal das Lenkkopflager auf Spiel prüfen und gegebenenfalls nachziehen. Siehe unten.
Achtung: die Hutmutter kontert die Lenkkopf-Einstellmutter, also nicht vergessen, erstere mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von 60-100Nm anzudonnern. Ich hab mal im Tran gedacht, 50Nm wären Vorschrift, dadurch hat sie sich bald gelöst und das Lenkkopflager begann zu schlackern. Beim Festziehen der Hutmutter können sich die Gabelbrücken wieder etwas gegeneinander verdrehen. Meiner Erfahrung nach stützt man am besten die obere Gabelbrücke z.B. mit einem Gummihammer irgendwo gegen ein Rahmenteil ab.
Die Gabelbrückenschrauben, besonders die unteren,
bitte nicht anknallen wie blöd. 15-25Nm bedeuten bei der großen
Ratsche nur wenig Kraft (schlecht wenn man Unterarme wie Popeye hat!).
Die Schrauben reißen ab! Nimm lieber die kleine Ratsche :-)
Wenn das Lenkkopflager Spiel hat, spürt man bei der Fahrt über kleine Unebenheiten ein Schlagen in der Lenkung. Genau kann man es prüfen, wenn die Big auf dem Hauptständer steht. Gibt man leicht Druck auf den entlasteten Vorbau, kann man das Spiel spüren. Wenn man z.B. den Daumen auf den Spalt zwischen unterer Gabelbrücke und Rahmenrohr legt, fühlt man deutlich wie sich beide gegeneinander bewegen. Schlecht oder sogar gefährlich ist aber auch, wenn die Lenkung schwergängig ist, oder wenn man beim Fahren oder bei entlastetem Vorderrad an bestimmten Stellen Widerstände in der Lenkung fühlt. Meist haben verschlissene Lenkkopflager die Angewohnheit in der Mittelstellung einzurasten. Gibt einen deutlich spürbaren und recht unangenehmen Effekt beim Einlenken in Kurven.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, baut zum Nachstellen die obere Gabelbrücke ab. Dazu muß allerdings das Vorderrad abgenommen werden und die Gabelrohre aus der oberen Gabelbrücke rausgezogen werden (gut wenn man jetzt Unterarme wie Popeye hat!). Nur bei abgebauter oberer Gabelbrücke läßt sich ein im Werkzeughandel erhältlicher Hakenschlüssel (Größe 36-38) effektiv einsetzen. Das Suzuki-Spezialwerkzeug ist nicht notwendig. Lenker ab, Hutmutter ab, Gabelbrücke runter. Mit dem Hakenschlüssel die Einstellmutter richtig kräftig festziehen, die untere Gabelbrücke einige Male hin- und herdrehen, Einstellmutter nochmals festziehen und dann wieder eine viertel bis halbe Umdrehung öffnen. Gabelbrücke wieder drauf, Rohre wieder reinschieben und Hutmutter mit 60-100Nm anknallen (siehe oben). Anschließend Spiel prüfen und mit der Feineinstellung fortfahren.
Feineinstellung
Wer zu faul ist, die obere Gabelbrücke abzubauen
bzw. wer nur eine Feineinstellung vornehmen möchte, braucht nur die
Klemmschrauben der Gabelbrücke sowie die Hutmutter des Lenkkopfs zu
lösen und den Lenker abbauen. Nun kann man mit Hämmerchen und
Schlitzschraubendreher, den man in eine der Nuten der Einstellmutter ansetzt,
diese leicht drehen. Anschließend Hutmutter festziehen (siehe
oben),
Lenker befestigen und Spiel bzw. Leichtgängigkeit der Lenkung prüfen.
Wenn ok, Gabel entspannen (Rad zw. Knie nehmen und Lenkerenden wackeln)
und Klemmschrauben der Gabelbrücke festziehen.
Wenn Nachstellen des Lenkkopflagers keine Besserung bringt, müssen die beiden Kegelrollenlager im Lenkkopf ausgetauscht werden. Die Lager werden von verschiedenen Herstellern (FAG, SKF etc) angeboten und sind überall zu kaufen, z.B. bei den "großen Drei", im Industriezubehörhandel bzw. Werkzeughandel (gelbe Seiten) oder bei StefanRB. Ich hab beim Industriezubehör 50 Euro bezahlt für beide zusammen (SKF), fand ich etwas teuer. Die Bezeichnungen variieren, bei SKF lauten sie 32005X für oben und 32006X für unten (SR42B). Falls auf den Lagern keine Bezeichnungen zu finden sind am besten mit der Schieblehre Innendurchmesser der Innenschalen und Außendurchmesser der Aussenschalen abmessen und beim Kauf angeben. Alte Modelle (SR41B) haben oben noch ein Kugellager, das aber durch ein Kegelrollenlager ersetzt werden kann und sollte. Der Austausch der Lager ist nicht einfach und kann diverse Schwierigkeiten mit sich bringen, also besser ein paar Tage Zeit dazu nehmen, falls man es das erste mal macht.
1 - Untere Innenschale (sichtbarer Verschleiß!); 2 - Unterer Rollenkäfig
incl demolierter Staubdichtung; 3 - Oberer Rollenkäfig incl. Innenschale
Zunächst vorgehen wie folgt: Vorderrad ausbauen, Gabelrohre aus den Gabelbrücken ziehen, Führungen für Bremsschlauch und Tachowelle von der unteren Gabelbrücke abschrauben, die große Hutmutter oben auf dem Lenkkopf abschrauben, Lenker zur Seite legen, Einstellmutter abschrauben, dabei die untere Gabelbrücke festhalten, da die sonst runterfällt, untere Gabelbrücke, die mit der Lenkachse eine Einheit bildet, nach unten rausziehen, oberes Kegelrollenlager rausnehmen.
Nun gibt es zwei Stellen, die problematisch sein können, das Abziehen der Innenschale des unteren Lagers, die auf die Lenkachse aufgepreßt ist, sowie das Austreiben der äußeren Lagerschalen, die in das Rahmenrohr gepreßt sind. Bei der unteren Innenschale empfiehlt es sich zunächst die Rollen aus dem Rollenkäfig zu drücken und den Rollenkäfig abzunehmen. Dann kann man nämlich die Staubdichtung (Blechring mit Gummilippe) ohne Beschädigung von der Innenschale abhebeln und wiederverwenden. Falls der Rollenkäfig aus Metall ist, tja, notfalls eben kaputtmachen. Jetzt kann man mit einem kleinen Flachmeißel die Innenschale in wenigen Minuten hochhämmern. Bei höher wandernder Innenschale Muttern o.ä. wachsender Dicke bzw. Durchmesser als Unterlage für den Meißel nehmen.
1 - Untere Gabelbrücke; 2 - Lenkachse; 3 -
Untere Innenschale; 4 - Flachmeißel; 5 - Mutter
Weitaus mühsamer gestaltet sich der Ausbau
der Außenschalen. Die Schalen sitzen fast bündig im Rahmenrohr,
sodaß ein Werkzeug zum Austreiben kaum Ansatzfläche findet.
Bei mir war der Grat nur ca. 1mm breit und außerdem abgerundet, sodaß
alle zunächst probierten Werkzeuge abrutschten bzw. die benutzten
Ecken oder Kanten der Werkzeuge ihrerseits abrundeten und nach zwei Schlägen
schon unbrauchbar waren. Den Erfolg brachte letztendlich ein langer schmaler
Flachmeißel (7mm Schneide) in Verbindung mit ausgiebiger Verabreichung
von Kältespray (z.B. Kälte 75, Conrad Electronics, 200ml
€ 7,75), um die Schalen so stark wie möglich zu schrumpfen.
Falls Dich der Ausbau der Außenschalen zur
Verzweiflung treibt, hier ein Trost: Du bist nicht allein (toller
Trost, ich weiß ;-). Und hier ein paar Tricks, die notfalls die Erlösung
bringen.
Ich will aber auch niemanden Bange machen: viele Leute haben es mit ganz einfachen Mitteln wie Schraubenziehern oder oval geklopften Rohr-Enden hingekriegt. |
1 - Untere Staubdichtung; 2 - Flachmeißel
(7mm); 3 - Untere Außenschale; 4 - Kältespray
Der Wiedereinbau der Lagerschalen hat sich bei mir relativ schnell vollzogen. Zunächst die untere Gabelbrücke eine Weile ins Tiefkühlfach gelegt, dann das untere Lager (Innenschale incl. Rollenkäfig) auf einer heißen Herdplatte ordentlich heiß gemacht. Vorsicht, wenn der Rollenkäfig aus Kunststoff ist! Besser vorher abnehmen. Vor dem Auftreiben des unteren Lagers den Dichtring auf die Lenkachse schieben! Trotz der Temperaturbehandlung ließ sich das Lager noch nicht mit Handkraft auf die Lenkachse drücken, aber durch ringsum gleichmäßiges Runterklopfen mit dem schmalen Meißel (vorsichtig, nicht auf den Rollenkäfig schlagen!) hatte ich es in wenigen Minuten komplett unten sitzen. Supermikrometergenau muß es eh nicht sein, da sich eventuell noch vorhandenes Spiel beim anschließenden Festziehen des Lenkkopfs setzt.
Die Außenschalen hab ich ebenfalls gut tiefgekühlt. Das Rahmenrohr von innen gründlich sauber machen, alles bereitlegen, damit man die Schalen drin hat bevor sie wieder warm werden. Auch hier hilft Kältespray, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Schale ansetzen, kleinen passenden Holzklotz drauf und mit dem kleinen Hammer vorsichtig in den Sitz schlagen. Die untere Schale wird ein paar mm tief in das Rohr hineingetrieben, für die letzten mm nimmt man daher zum Eintreiben am besten die alte Außenschale. Anfangs verkanten die Schalen gerne ein bischen, also vorsichtig und mit Gefühl! Auch für die Außenschalen gilt: der letzte Rest setzt sich beim Festziehen des Lenkkopfs oder spätestens auf den ersten Kilometern Fahrt.
Nachdem man die Rollenlager gründlich eingefettet hat, kann man die untere Gabelbrücke wieder in das Rahmenrohr einführen, oben das obere Lager einsetzten, die Dichtscheibe drauf, dann die Einstellmutter aufschrauben und mit dem Hakenschlüssel (s.o.) festziehen und zwar fest (Handkraft). Anschließend die untere Gabelbrücke einige Male von Anschlag bis Anschlag drehen. Und wieder die Einstellmutter festziehen. Und wieder die Gabelbrücke zehnmal oderso hin- und herdrehen. Das ganze so lange wiederholen, bis sich durch Drehen der Brücke kein neues Spiel mehr ergibt und sich die Mutter mit Handkraft nicht fester anziehen läßt. Von dieser Position aus die Einstellmutter wieder um eine viertel- bis halbe Umdrehung aufdrehen und zwar so, daß die Lenkung leichtgängig ist, aber noch kein Spiel hat. Ich tendiere eher zur strammeren Einstellung, da sich die Lager beim Fahren möglicherweise doch noch etwas setzen. Keinesfalls darf aber die Lenkung schwer gehen.
Der Rest ist Wiederzusammenbau und Ausrichten (s.o.)
der Vordergabel. Während der ersten Zeit beim Fahren drauf achten,
ob der Lenkkopf Spiel bekommt, oder einfach nach ein paar hundert km vorsorglich
nachziehen.
Nachdem ein Holm undicht geworden war, hab ich die Holme zerlegt und neue Simmerringe eingebaut. Bei der Gelegenheit natürlich auch gleich gründlich die Holme von innen gereinigt (einfach ein altes Handtuch in die Tauchrohre reingedreht, in nullkommanix blitzblank!) und neues Öl eingefüllt. Die ganze Arbeit ist relativ simpel, man braucht allerdings ein Werkzeug zum Gegenhalten der Dämpferstange, wenn man die Schraube unten am Dämpfer lösen will. Ich hab dazu einfach eine lange und dicke Sechskantschraube für 24er Schlüsselweite plus zwei passende Muttern im Baumarkt besorgt und die beiden Muttern am Ende gegeneinander gekontert. Mit dem Teil kann man die Dämpferstange sowohl lösen als auch wieder festziehen, je nachdem wie rum man es reinsteckt. Um tief genug in den Holm reinzukommen mußte ich allerdings beide Verlängerungen aus dem Raschenkasten auf die Ratsche stecken.
Nachdem man den Sicherungsring aus der Nut gefuddelt hat, läßt sich jetzt das Standrohr nach dem Ziehhammerprinzip aus dem Tauchrohr ziehen. Den größten Widerstand setzt einem dabei die äußere Lagerschale entgegen, die fest in ihrem Sitz sitzt. Die Lagerschalen sind laut WHB danach angeblich unbrauchbar, kann ich aber nicht bestätigen. Allerdings waren meine verschlissen, das Teflon war praktisch runter. Zum Wiedereinbau muß zunächst die innere Lagerschale auf das Standrohr geschoben werden, das Standrohr in das Tauchrohr geschoben werden, und erst dann wird die äußere Lagerschale in ihren Sitz gepreßt. Dazu muß man sich wieder ein passendes Werkzeug bauen, in diesem Fall hab ich ein PVC-Rohr mit 50mm Durchmesser (Baumarkt) und ca. 50cm lang zum Eintreiben benutzt. Ging echt einfach. Auf die Lagerschale kommt dann einer der Metallringe, dann der Simmerring, die Staubdichtung, der zweite Metallring und zuletzt wieder der Sicherungsring. Fertig.
1 - 24er Schraube zum Gegenhalten der Dämpferstange
2 - Sicherungsdraht
3 - 1. Metallring
4 - Staubdichtung
5 - Simmerring
6 - 2. Metallring
7 - Lagermetall innen
8 - Lagermetall außen