Hexe und Inquisitor

Eine nicht ganz ernste Diskussion

Szenerie: Auf dem Dorfplatz befindet sich ein Scheiterhaufen, darum herum eine johlende Meute. Der Inquisitor spricht zu der Angeklagten, einer bildhübsche junge Frau mit feuerrotem Haar, welche als 'Hexe' verschrien ist.

INQUISITOR: Brenne, Du Abscheulichkeit des Bösen, damit der einzig wahre Gott Deine Sünden verzeiht!
HEXE: Aber was sagt Ihr da? Seht Ihr nicht, dass ich eine völlig unschuldige, junge Frau bin?
INQUISITOR: Ihr? Eine Hure des Satans seid Ihr! Die Bewohner dieses Dorfes erzählten mir von Euren schändlichen Taten, die Ihr des nächtens verübt.
HEXE: Oh, diese schändlichen Taten! Ihr sprecht von den Stunden des Glücks und des Wohlgefallens, die ich den jungen Bauersburschen schenke?
INQUISITOR: Ihr gesteht? Aber... ich wollte Euch doch noch foltern, bevor Ihr gesteht. Aber gut: Wenn Ihr es gesteht, dann sollt Ihr brennen, damit Euch Absolution erteilt wird! Und die Burschen sollen 10 Jahre in Abstinenz leben!
HEXE: Was? Ihr wolltet mich foltern? Oh bitte! (fällt auf die Knie) Foltert mich! (entblößt ein Stück ihrer Schulter)
INQUISITOR: Zieht Ihr Euer Geständnis etwa zurück? Und... Versucht Ihr mich mit Eurer Schulter zu becircen?
HEXE: (Sieht unschuldig mit großen Augen zu ihm auf) So etwas würde ich doch nie wagen! (rafft ihr Kleid wieder über die Schulter, was zu einem größeren Ausblick in ihr Dekolleté führt) Aber bitte! Foltert mich!
INQUISITOR: Öhm... Ich hoffe, mein Gott hat das jetzt nicht gesehen... Aber gut! Wenn Ihr gefoltert werden wollt, müsst Ihr Euer Geständnis zurückziehen, sonst habe ich keinen Grund, Euch zu foltern. (Sieht verlegen zum Himmel)
HEXE: Oh, da werde ich sofort alles zurücknehmen, was ich gesagt habe. Ich habe nie am Tage mit den Jungen geflirtet, ich habe nie des Nachts bei ihnen gelegen und ihnen köstliche Erleichterung verschafft, ich habe nie meinen Körper unzüchtig in der Gegenwart von Männern entblößt, und nie habe ich anrüchige Gedanken mit einem bestimmten Inquisitor gehabt!
INQUISITOR: (Hüstelt) Ähem... Ihr wagt es, mich vor dieser Menschenmenge zu belügen? Dann werde ich die Folter über Euch ergehen lassen müssen, im Namen von Merin!
HEXE: Nein, Hilfe, ich will nicht gefoltert werden!
INQUISITOR: Dann gesteht Eure Taten, Hexe, und Ihr werdet nicht lange zu leiden haben. (Die Meute ruft bereits nach dem Feuer)
HEXE: (schaut zu der Meute) Schaulustiges Pack! Doch, doch, foltert mich bitte!
INQUISITOR: Öhm... Könnt Ihr Euch mal entscheiden?
HEXE: Ich will mit Euch allein sein! (Kleid rutscht wieder von der Schulter)
INQUISITOR: Kleidet Euch wieder an, Weib! Wachen: Bringt sie in mein Zimmer, damit ich mit der Folter beginnen kann!
HEXE: (rafft ihr Kleid wieder zusammen und zeigt beim Aufstehen unzüchtig viel Bein; dann wird sie von der Wache abgeführt)
INQUISITOR: Noch heute wird sie ihre Taten gestehen und morgen auf dem Scheiterhaufen brennen! Dies waren meine Worte, die so unfehlbar sind wie die von Merin! (Verlässt den Platz und geht ins Haus)

Szenenwechsel: Zimmer des Inquisitors; die Hexe liegt gefesselt auf dem Tisch; der Inquisitor tritt ein und schließt die Tür hinter sich ab.


INQUISITOR: So, nun redet, während ich meine Werkzeuge vorbereite.
HEXE: Ich habe mich unzüchtigen Gedanken über Euch hingegeben. Ich habe mir vorgestellt, wie es wohl wäre....
INQUISITOR: (unterbricht eilig die Hexe) Ihr wurdet noch nie gefoltert, stimmt's? Bei einer richtigen Folter müsst Ihr zuerst leugnen, bevor Ihr gesteht, sonst hat die Folterung keinen Sinn.
HEXE: Aber natürlich wurde ich schon einmal gefoltert. Zwei der Bauern hatten mich mit Peitschen geschlagen und erniedrigt, nur um sich dann dem Beischlaf hinzugeben! Aber wenn Ihr es anders wollt: Ich habe natürlich nie daran gedacht, wie es wohl wäre...
INQUISITOR: (unterbricht sie erneut ganz eilig) Öhm... Wie waren die Namen dieser... Schufte? Denn auch sie müssen bestraft werden!
HEXE: Es waren... Nein, das darf ich nicht sagen. Ich kenne sie nicht!
INQUISITOR: (Packt eine Feder aus) Nun denn, wenn Ihr nicht gestehen sollt, müsst Ihr leiden! (Beginnt, sie mit der Feder an den Fußsohlen zu kitzeln)
HEXE: (Fängt an zu kichern und wirft sich hin und her, wobei ihr Rock ein Stück nach oben rutscht) Ah, nein, nicht! Hilfeeee!
INQUISITOR: Gesteht Eure Sünden und Ihr müsst nicht länger leiden!
HEXE: Ich gestehe!
INQUISITOR: Ihr macht da etwas falsch. Eine richtige Folter dauert über mehrere Stunden!
HEXE: Oh, mehrere Stunden? Was habt Ihr denn noch mit mir vor?
INQUISITOR: Ich werde Euch Eure Anrüchigkeit austreiben! Auf die eine oder andere Weise.
HEXE: Was ist denn die andere Art und Weise?
INQUISITOR: Natürlich der rechte Weg des Merin. (holt eine Weinflasche und einen Trichter hervor)
HEXE: Nein, was habt Ihr mit mir vor?
INQUISITOR: (setzt der Hexe den Trichter an den Mund und schüttet die Flüssigkeit hinein) Trinkt von dem Weihwasser Merins und werdet geständig!
HEXE: Hm-Hmmmm! (zwangsweise schluckt)
INQUISITOR: (Nimmt den Trichter wieder heraus) Habt Ihr etwas zu gestehen?
HEXE: Ja, ich möchte von Euch ge... losgebunden werden!
INQUISITOR: Das war kein Geständnis, oder? Aber so lange Ihr nicht gesteht, werdet Ihr nicht befreit! Oder verbrannt.
HEXE: Na gut, ich gestehe! Ich wollte mich Euch zu Füßen werfen, mich von Euch erniedrigen lassen und...
INQUISITOR: (unterbricht sie mal wieder) Ja, ja, schon gut schon gut. Zum Erniedrigen kommen wir noch. (innehält) Was sag ich da?
HEXE: Ich möchte mich vor Euch entkleiden und Eure Merin geweihten Augen schänden mit meiner makellosen...
INQUISITOR: (unterbricht sie wieder) Ja, ja, auch das ist gut. Aber wo ist Euer Geständnis?
HEXE: Was wollt Ihr wissen? Wie zart und weich meine Haut ist? Wie kunstvoll meine Geschicklichkeit, Euch Freuden zu....
INQUISITOR: (bekommt einen lauten Hustenanfall und nimmt einen Schluck aus der Weinflasche) Eigentlich meinte ich, wie Ihr es geschafft habt, Eure Taten zu vollführen... aber... Trinkt! Von dem Weinwasser!
HEXE: (schluckt von dem roten Wein)
INQUISITOR: Was wollte ich denn jetzt noch mal wissen? Erzählt einfach alles.
HEXE: Wie Ihr wünscht. Ich ging am Nachmittag in einem aufreizenden Kleid über die Straße unseres Dorfs und warf den jungen Burschen kokette Blicke zu, die sie erröten ließen.
INQUISITOR: Also wirklich. (Trinkt einen Schluck Wein)
HEXE: Dann machte ich eine schwungvolle Bewegung mit meiner Hüfte und ging langsam auf den Waldrand zu. (muss einen Schluck Wein trinken, den der Inquisitor ihr aufzwingt)
INQUISITOR: Soso, soso...
HEXE: Dann ist mir einer der Burschen gefolgt...
INQUISITOR: Wer war das?
HEXE: Der Dorfvorsteher!
INQUISITOR: Ups. Ich glaube, ich muss das ganze Dorf abfackeln... (Trinkt noch einen Schluck Wein und flößt der Hexe vorsichtshalber noch einen Schluck)
HEXE: Wir trafen uns in einem dichten Gebüsch, wo er mich sogleich entkleidete und mit Wollust in den Augen über mich herfiel.
INQUISITOR: (schreibt etwas auf einen Zettel und befreit sie von den Armfesseln, damit sie alleine trinken kann und stellt ihr die Flasche hin)
HEXE: (greift nach der Flasche und nimmt einen Schluck) Euer Wein ist aber gut!
INQUISITOR: Ja, ist von dem Weingut meines Vaters... öhm... ich meine... Es ist geweihtes Wasser! (trinkt ebenfalls einen Schluck)
HEXE: Ich mag geweihtes Wasser. Wollt Ihr hören, was er mit mir angestellt hat?
INQUISITOR: Wahrscheinlich das Gleiche wie mit seinen Schafen... öhm... Dafür wollte ich ihn ja noch verbrennen... Wache! Bringt den Dorfvorsteher an den Pranger!
HEXE: Was macht er denn mit den Schafen?
INQUISITOR: Es ist zu... grausam... um es zu beschreiben!
HEXE: Wirklich? Deswegen wollte er mich also immer von hinten...
INQUISITOR: (befreit sie von den restlichen Fesseln) So ist das also... Ein ganzes, anrüchiges Dorf!
HEXE: Ganz anrüchig! Seht Ihr (Kleid vorne aufschnürt) Solch einen makellosen Körper gab man mir, und...
INQUISITOR: (unterbricht sie) Schon gut, schon gut. Ihr könnt das Kleid anbehalten.
HEXE: (lässt das Kleid zu Boden gleiten) ...und warum sollten sich nicht alle an diesem Anblick ergötzen? Warum sollte nicht ein Mann seine Freude mit ihm haben?
INQUISITOR: Nach der Ehe, nach der Ehe. (flüsternd) Obwohl...
HEXE: (kommt näher)
INQUISITOR: (rezitiert sämtliche Gebete, die ihm einfallen und trinkt einen Schluck Wein)
HEXE: (reißt Ihm seine Kleider vom Leib und wirft ihn aufs Bett) Eure Gebete retten Euch nicht...
INQUISITOR: Ich wollte den Job eh loswerden... (stellt die Weinflasche weg)

Am nächsten Tag wurde das gesamte Dorf im Namen Merins verbrannt. Nur der Inqisitor und eine hübsche junge Frau verließen das Dorf.

Weitere Pforten:
Eingangssaal
Traumgebilde (Fantasy-Kurzgeschichten)

Märchenhaftes
Feenfänger
Der Junge von den Sternen
Tulpenfee und Apfelbaumgeist
Blumenzauber

Fantasiereisen
Halbdämon
Frühstück

von: Mona Czeranna
und Marco Stark
Erstellt am: 2002-02-23