Artikel vom 07.09.2002 aus

Werkstatt für Behinderte
Virtueller Bummel durch die Stadt

Lernfest zum Welttag der Alphabetisierung
Von Helmut Dawal
Köthen/MZ.
Rund 130 Beschäftigte der Lebenshilfe-Werkstatt für Behinderte (WfB) feierten am Freitag mit Freude und Begeisterung das nunmehr dritte Lernfest, das gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule Köthen veranstaltet wurde.

Die Behinderten unternahmen einen virtuellen Stadtbummel zu verschiedenen Köthener Einrichtungen. Etwa zum Naumann-Museum, dessen Mitarbeiter Bernhard Just Wissenswertes zur Welt der Vögel vermittelte. Oder zur Kreismusikschule. Hier luden die Musikpädagogen Andreas Hardelt und Regina Baufeld zum gemeinsamen Musizieren ein, wobei sich die Werkstatt-Mitarbeiter an verschiedenen Rhythmusinstrumenten versuchen konnten. Weitere Stationen waren die Bibliothek, wo erläutert wurde, was man dort alles ausleihen kann, sowie die Polizei, bei der es Hinweise zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr gab.
Wie Mitarbeiter Norbert Trottnow erläuterte, bietet die Werkstatt gemeinsam mit der Volkshochschule den Behinderten neben ihrer Arbeit Lernkurse an, die rege genutzt werden. Beim Lernfest am Freitag konnten die Teilnehmer nun ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen in unterschiedlichen Situationen anwenden.
Eingebettet war das Fest in den Welttag der Alphabetisierung. Nicht nur in der Werkstatt für Behinderte gibt es Menschen, die unzureichend oder gar nicht lesen und schreiben können. Auch Menschen ohne geistige Behinderung haben damit Probleme, war von Renate Esche zu erfahren, die als Honorarkraft an der Kreisvolkshochschule lehrt. Deshalb findet einmal in der Woche ein Kurs für Analphabeten statt, an dem rund 20 Menschen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren teilnehmen. "Alle, die bisher zu uns gekommen sind, haben Lesen und Schreiben gelernt, zumindest das, was sie für das tägliche Leben benötigen", sagte Frau Esche. Und sie will Betroffenen Mut machen, sich anzumelden. "Wir schicken keinen weg."

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