Straßenschild
BANA-Umweltprojekt der TU Berlin 2005/2006
„Die Veränderungen städtischer Ufer - am Beispiel Nordufer in Berlin”

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Biotope

Böschung

Stadt und Natur - geht das überhaupt?

Sind das nicht zwei Gegensätze, die sich ausschließen?

Sind Städte nicht naturfeindlich?

Schaut man aber genauer hin, sieht man, dass auch hier vielfältige, meist sehr spezielle Lebensbedingungen entstanden sind. In der Stadt gibt es eine Vielzahl an Kleinbiotopen, die aufgrund ihrer standortangepassten, artenreichen Flora und Fauna ökologisch wertvoll sind. Dazu zählen Industriebrachen, Bahndämme, verwilderte Gärten, aber auch solche Uferrandstreifen.

Hier am Nordufer findet sich eine interessante Aufteilung in folgende Naturlebensräume:

  • von Strauch- und Baumweiden dominierte Gehölze mit eingestreuten krautigen Uferpflanzen (z.B. Engelwurz)


  • Halbtrockenrasen in Ufernähe mit krautigen Pflanzen


  • trockene Uferböschungen als Übergang zum Lindenbestand am oberen Gehweg, dominiert von Bocksdorn und Weißdorn, dazwischen Neophyten wie Götterbaum, Robinie und Zürgelbaum



Biotop Biotop


Die ökologische Einordnung der Pflanzen in eine Standorttabelle erfolgt u.a. nach folgenden Kriterien:

Zeigerwerte:

Zeigerwerte geben das Schwergewicht des Vorkommens einer Art in Bezug auf Standorteigenschaften wieder, das sich aus deren ökologischen Ansprüchen unter der Konkurrenz der anderen Arten in Mitteleuropa einstellt. Damit spiegeln sie die ökologischen Bedingungen eines Standortes wider. Von Ellenberg (1991) wurden folgende Zeigerwerte vergeben:

  • Lichtzahl (L) von 1-9 (Tiefschatten- bis Volllichtpflanze)
  • Temperaturzahl (T) von 1-9 (Kälte- bis extremer Wärmezeiger)
  • Kontinentalitätszahl (K) von 1-9 (extremes See- bis extremes Steppenklima)
  • Feuchtezahl (F) von 1-12 (Starktrockenheitszeiger bis Unterwasserpflanze)
  • Feuchtewechsel (stark wechselnde Feuchte bzw. Überschwemmung zeigend)
  • Reaktionszahl (R) von 1-9 (Starksäure- bis Basen-/Kalkzeiger)
  • Stickstoffzahl (N) von 1-9 (Stickstoffarmut bis übermäßigen Stickstoffreichtum)
  • Salzzahl (S) von 0-9 (nicht salzertragend bis zu sehr hohen bis extremen Salzgehalt)
  • Schwermetallresistenz (B) von 1-2 (mäßig bis ausgesprochen schwermetallresistent)

x = indifferentes Verhalten
? = ungeklärtes Verhalten

Menschlicher Einfluss (Hemerobie):

Die Hemerobiestufe gibt an, in wie stark von Menschen beeinflussten Ökosystemen eine Pflanze ihren Schwerpunkt hat ("Kulturabhängigkeit" einer Art). Diese Angaben können daher als Zeigerwerte für den menschlichen Einfluss auf einen Standort betrachtet werden. Dabei bedeuten (nach Kunick 1974; Daten aus Frank & Klotz 1988):

  • 1 = ahemerob (fast ohne menschlichen Einfluss)
  • 2 = oligohemerob (sehr geringer menschlichen Einfluss)
  • 3 = mesohemerob (mäßiger menschlichen Einfluss)
  • 4 = beta-euhemerop (mittlerer menschlichen Einfluss)
  • 5 = alpha-euhemerob (starker menschlichen Einfluss)
  • 6 = polyhemerob (sehr starker menschlichen Einfluss)
  • 7 = metahemerob (überaus starker menschlicher Einfluss)

Standorttabellen über Pflanzen im Uferbereich und an der Steinböschung des Nordufers zwischen Torfstraßensteg und Lynarstraße

(Untersuchungen 8-11/2005)

Gesamtartenzahl (bisher): 52 Pflanzenarten (Gefäßpflanzen ohne Moose/Flechten) aus 28(!) Pflanzenfamilien

Standort I  (Uferböschung, nahe Erzengelwurz + Weidengebüsch)

Standort II  (unter Erzengelwurz vor Zaun + Queckengräser neben Weide vor Zaun)

Nordufer rechte Seite

Standort III  (Uferböschung zum Nordufer mit Steinpflaster, westlich des Torfstraßenstegs)

Nordufer linke Seite

weitere krautige- und Strauch-Arten an diversen Standorten

weitere Baumarten

Literatur

Kowarik, I.,2004: Neue Wildnis, Naturschutz und Gestaltung. Garten und Landschaft, Heft 2, 12-15.
Kowarik, I., 1998: Natur der vierten Art. Eine Abrechnung mit überholten Öko-Konzepten. - Stadtforum [Berlin] 8 (33): 32-33.
Kowarik, I., 1999: Natürlichkeit, Naturnähe und Hemerobie als Bewertungskriterien. - In: Konold, W., Böcker, R. & Hampicke, U. (Hrsg.): Handbuch für Naturschutz und Landschaftspflege. V-2.1, Ecomed, Landsberg, 1-18.
Sukopp, H.; Wittig, R. (Hrsg.) (1998): Stadtökologie. 2. Aufl. Stuttgart, Jena, New York.
Ernst, M.; Salzmann, W., 1995: Naturerlebnisräume in der Stadt. In: Praxis Geographie, H.9, 26-29.

(Dr. Michael Barsig) 



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