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BANA-Umweltprojekt der TU Berlin 2005/2006
„Die Veränderungen städtischer Ufer - am Beispiel Nordufer in Berlin”

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Fische/Wasser

Informationen zu den im Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal lebenden Fischen sowie die Ergebnisse der Wasseranalysen.

Fische

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Allgemeines zu oberirdischen Stadtgewässern

Wasseranalysen

 

Fische

Mit 17 Fischarten ist der Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal die artenreichste künstliche Wasserstraße in Berlin. Das haben auch die Kormorane gemerkt, die hier im Winter (vor allem an der Pankeeinmündung) gerne fischen.

Lebensbedingungen für die Fische: (nach Gunkel und Sukopp)

Obwohl sich die Wasserqualität in den letzten Jahren durch weniger Schadstoffeinleitungen verbessert hat, müssen die Fische mit häufigen Veränderungen zurechtkommen:

  • Das Kanalwasser wird immer wieder durch Abwässer belastet (z.B. mit Stickstoffen, Phosphaten und Schwermetallen)
  • Bei Starkregen eingeleitetes Regenwasser enthält ebenfalls viele organische Stoffe (z.B. Phosphor im Hundekot). Diese werden im Gewässer mit Hilfe von Bakterien unter erheblichem Sauerstoffbedarf abgebaut. Für die Fische wird dann vor allem im Sommer der Sauerstoff immer wieder knapp.
  • Auch der Schiffsverkehr (Lärm, Verletzung durch die Schiffsschrauben, Aufwirbelung von Boden-teilchen) ist ein Stressfaktor für Fische.
  • Weil der Kanal mit Stahlspundwänden eingefasst wurde, fehlen Flachwasserbereiche mit Röhricht als Laichplätze für den Nachwuchs.

Lebensbedingungen (nach Gunkel und Sukopp)

Die Fische müssen mit extremen Lebensbedingungen zurecht kommen. Das Kanalwasser ist aufgrund seiner Verschmutzung, verursacht durch Abwasser (Rückstände phosphorhaltiger Waschmittel und Stickstoffeinträge), sowie Regenabläufe (Fäkalphosphor [Hunde]) sehr nährstoffreich. Das kann zu einer Änderung des Vorkommens von Arten führen. Ein großer Streßfaktor für die Fische ist der Schiffsverkehr (Lärm, Verletzungsgefahr, Aufwirbelung von Sedimenten durch die Schiffsschrauben). Hinzu kommt das Fehlen natürlicher Ufer. Es gibt nur Stahlspundwände oder Steinpackungen als Ufer. Durch diese Bauweise fehlen Flachwasserbereiche und Röhrichtzonen, es sind also keine Laichplätze vorhanden.

Fischarten

Bemerkungen:
1 = Rote Liste
2 = sehr häufig in Berlin
3 = am häufigsten in Berlin

Deutsche BezeichnungLateinische BezeichnungBemerkungen
AalAnguilla anguilla1
AlandLeuciscus idus1
BarschPerca fluviatilis3
BleiAbramis brama3
GüsterAbramis bjoerkna3
HechtEsox lucius1 Einzelfunde
KarauscheCarassius carassius1
KarpfenCyprinus carpio1
KaulbarschGymnocephalus cermuus3
Plötze, RotaugeRutilus rutilus2
QuappeLota lota1
RotfederScardinius erytrophthalmus2
SchleieTinca tinca2
StichlingGasterosteus aculeatus2
Ukelei, LaubeAlburnus alburnus2
WelsSiluris glanis1 Einzelfunde
ZanderSander lucioperca2 Besatzfisch
Deutsche BezeichnungLateinische BezeichnungBemerkungen

Die Rote Liste wird von jedem Bundesland für sein Territorium geführt. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass der Eisvogel in Berlin als ausgestorben gilt, während er in Brandenburg noch zu den häufigen Arten gezählt wird.
Besser wäre es, die Rote Liste nicht für die einzelnen Bundesländer, sondern für größere Gebiete (z.B. Norddeutsche Tiefebene) zu führen.

Quellen

Gunkel, Günter: Vorlesung "Einführung in die Limnologie", WS 2005/2006
SenStadtUm
Sukopp, Herbert (Hg):"Stadtökologie - Das Beispiel Berlin",Reimer Verlag,Berlin,1990
Befragung von Anglern vor Ort

(Wolfgang Beier) 


 

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Plötze


Aland


Zander


Wels


Stichling


 

Allgemeines zu oberirdischen Stadtgewässern

Definition

Unter oberirdischen Gewässern werden aquatische Lebensräume auf der Landoberfläche verstanden, die - in Wechselbeziehungen zu ihrem Umland und den jeweils spezifischen abiotischen Bedingungen - charakteristische Lebensgemeinschaften aufweisen.
Fließgewässer (Bäche, Flüsse) einerseits und Stillgewässer oder stehende Gewässer (Seen, Weiher, Tümpel, Teiche, Kanäle) andererseits unterscheiden sich grundsätzlich in ihren ökologischen Bedingungen und Besiedlern.
Stadtgewässer oder urbane Gewässer sind solche Fließgewässer und stehenden Gewässer, die - anders als in der freien Landschaft - den charakteristischen Einflüssen von Siedlungsballungsräumen unterliegen.
(Sukopp/Wittig, Stadtökologie, S.201)

Geschichte

Das Vorhandensein von Wasser war stets eine zwingende Voraussetzung für die Gründung von Siedlungen. Es wurde nicht nur als Lebensmittel dringend gebraucht, sondern als Produktions- und Transportmittel. Deshalb wurden Städte bevorzugt an Flussufern gegründet. Da das Wasser auch zur Abfallbeseitigung genutzt wurde, sind Klagen über die Verschmutzung von Gewässern bereits seit dem Mittelalter bekannt.

Mit der Industrialisierung begann eine flächendeckende Bewirtschaftung der Gewässer:

  • Trinkwasserleitungssysteme wurden gebaut
  • Schwemmkanalisation wurde eingeführt
  • Belastung des Wassers verstärkte sich durch das Heranrücken von Industrieanlagen an die Gewässer
  • Bebauung der Ufer erforderte Hochwasserschutzmaßnahmen
Die Abwassermengen, die in Fließgewässer eingeleitet wurden, stiegen ständig an. Hygienische und seit den 70er Jahren auch ökologische Gründe erforderten eine Reinigung des Abwassers vor dem Einleiten in das aufnehmende Gewässer.

Oberflächengewässer Berlins

Berlins Oberflächengewässer nehmen mit einer Gesamtfläche von 58,9 km² 6,6% des Stadtgebietes ein. Innerhalb der Stadt bringen es Spree, Dahme und Havel auf eine Gesamtstrecke von 89 km. Die Kanäle im Stadtgebiet erreichen eine Gesamtlänge von 67 km. Für Berlin als Wasserstadt ist deshalb der Schutz der Oberflächengewässer von besonderer Bedeutung.
Alle Berliner Hauptfließgewässer sind rückgestaut und extrem langsam fließend. In den seenartigen Erweiterungen von Spree und Havel weist das Wasser sehr lange Aufenthaltszeiten auf. Diese lange Aufenthaltsdauer macht die Seen äußerst empfindlich gegenüber Nährstoffeinträgen. Wegen der hohen Nährstoffeinträge im Spree-Havel-Raum wird die Wasserqualität sehr stark durch die Folgen der Eutrophierung (siehe unten) geprägt und weniger durch den externen Eintrag abbaubarer organischer Stoffe.

Gewässerbelastung

Die Belastung der Oberflächengewässer wird hervorgerufen durch Stoffeinträge

  • aus der Atmosphäre
  • durch Niederschläge
  • durch Einträge von Oberfläche und Boden
Diese Einträge sind organische und anorganische Restbelastungen aus Kläranlagen, landwirtschaftliche Düngemittel, Pestizide aus der Schädlingsbekämpfung, Schwefel, Stickoxide sowie Schwermetalle. Im Gewässer bewirken sie Eutrophierung, Versauerung und direkte toxische Effekte auf die Organismen.

Eutrophierung

Mit Eutrophie wird die Steigerung der pflanzlichen Primärproduktion bezeichnet, die durch eine Zunahme der Nährstoffkonzentration oder eine erhöhte Nutzbarkeit der Nährstoffe im Wasser verursacht wird. Der Prozess der Eutrophierung ist anthropogen (durch den Menschen) bedingt. Er wird hauptsächlich ausgelöst durch erhöhte Zufuhr von Phosphat durch Niederschläge, Landwirtschaft, Abwässer und andere diffuse Quellen.

Die Darstellung der biologischen Gewässergüte erfolgt in den Stufen des Trophiensystems und basiert auf dem Gehalt an organischen und anorganischen Nährstoffen.

Stufen des Trophiensystems:

Trophiestufe I: oligotroph
Gewässer mit wenigen Nährstoffen und geringer organischer Produktion, sehr klar, sparsamer Pflanzenbewuchs, Lebensraum nur für wenige Fische

Trophiestufe II: mesotroph
Gewässer in einem Übergangsstadium von der Oligotrophie zur Eutrophie, Nährstoffgehalt bereits erhöht, Licht kann aber noch in tiefere Wasserschichten eindringen

Trophiestufe III: eutroph
Gewässer mit hohem Nährstoffgehalt und deshalb hoher Produktion an Biomasse, trüb, Grund mit anaerober Faulschlammschicht bedeckt

Trophiestufe IV: hypertroph
Gewässer mit weit fortgeschrittener Eutrophierung, Sauerstoff am Ende der Sommerstagnation weitgehend aufgebraucht, Fischsterben


  oligotroph mesotroph eutroph hypertroph
Sichttiefe in m 5 - 10
höchstens 15 - 20
1 - 2
höchstens 5 - 10
<1
höchstens 2 - 3
<1
Tiefengrenze der
submersen
Vegetation in m
12 - 30 5 - 10 <2 <1
Phosphat
(PO4-P) in mg/l
<0,05 0,06-0,08 0,08-0,16 >0,16
Bakterienzahl
pro ml
<100 ca. 10.000 bis 100.000 >100.000

Submerse Vegetation sind Wasserpflanzen, die nur unterhalb der Wasseroberfläche wachsen.

Die Wasserqualität wird ebenfalls nach chemisch/physikalischen und morphologischen Gesichtspunkten beurteilt.

Bisher wurde eine Einstufung der Berliner Hauptfließgewässer in Güteklassen auf Grundlage der LAWA-Empfehlungen vorgenommen. (Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser).

Am 22.12.2000 trat die Europäische Wasserrahmenrichtlinie in Kraft, die den Gewässer- und Grundwasserschutz europaweit einheitlich regeln soll.

Quellen

Sukopp/Wittig, Stadtökologie, Stuttgart 1998
Materialien zur Vorlesung "Landschaftsökologie" SS 2004
www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/wasser/
de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite

(Petra Hoffmann) 


 

Wasseranalyse

Ergebnisse der Wasseranalytik im Rahmen unseres BANA-Grünflächen-/Gewässerrand-Projekts in der Messzelle e.V. Berlin (Müller-Breslau-Straße 10)

Den in der folgenden linken Spalte fett geschriebenen Gewässern wurden Mitte Juni 2006 von uns Wasserproben entnommen und anschließend beim Messzelle e.V. untersucht.

Bei den fett geschriebenen Werten handelt es sich um erhöhte Werte, d.h. der Schifffahrtskanal am Nordufer hat einen erhöhten Nitratgehalt und die Wuhle einen erhöhten Phosphatgehalt!



Probe Blei*
ppb
Phosphat
(PO4-P)
mg/l
Nitrat
(NO3-N)
mg/l
Leitfähigkeit
(µS/cm)
pH Härtegrad
°dH
Schifffahrtskanal
Nordufer
<1,00 0,766 4,43 740 7,79  
Landwehrkanal
Salzufer
  0,512 1,80 660 7,65  
Wuhle   1,270 2,13 830 8,39 18,0
Müggelspree   0,351 1,29 630 7,66  
Müggelseeufer
Rahnsdorf
  0,204 0,56 660 7,57  
Müggelsee
Mitte
  0,209 0,45 670 8,72
?
 
Tiergarten-Gewässer
1989(Max.-Werte:
- Sommer)
6,89 0,210 2,93 714 9,25  
Tegeler See 2003   0,120 2,70 885    
Nährstoffarme
Gewässer
  <0,05 0,50-01,00      
Güteklasse II   0,06-0,08 1,50-02,50      
Güteklasse II-III   0,08-0,16 2,50-04,99      
Güteklasse III   0,16-0,30 5,00-10,00      
Trinkwasser-Werk
Tiefwerder
<5,00     880 7,40 20,5
Probe Blei*
ppb
Phosphat
(PO4-P)
mg/l
Nitrat
(NO3-N)
mg/l
Leitfähigkeit
(µS/cm)
pH Härtegrad
°dH

*EU-Trinkwasser: max 25ppb
Güteklassen: P als Ges.-Phosphor, Nitrat nach SenStadt/LAWA

Kläranlage Schönerlinde leitet gereinigte Abwässer auch in die Panke-->Schifffahrtskanal.
Bei erhöhten pH-Werten wird durch Pflanzenwachstum Kohlensäure verbraucht = erhöhter Eintrag von Ammonium, Nitrat bzw. Phosphat.



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