- Der Jakobsweg -
mit dem Fahrrad
Unser Reisetagebuch mit Tips, Fotos und Wissenswertem zum Jakobsweg:
Am 30. Juli haben wir uns mit unseren (zugegebenermaßen recht klapprigen) Rädern, Isomatten, Schlafsäcken und einem Zelt aufgemacht um von Bordeaux nach Santiago de Compostela zu pilgern. Im Folgenden haben wir unsere Erfahrungen, Eindrücke und einige Tips zusammengestellt, die sicherlich interessant sind für jeden, der sich mit dem Gedanken trägt diese oder eine ähnliche Tour zu machen.
Tips:
- Natürlich ist unser Tagebuch ziemlich persönlich und nicht jeder hat Zeit und Lust sich durch den gesamten Text zu arbeiten.
Deshalb habe ich die wichtigsten Punkte in solchen schicken Boxen wie dieser hier zusammengefaßt.
Die gibt's jeweils am Ende jedes Tages. Sozusagen als Quintessenz.
- Die meisten Links sind kleine Exkurse zu verschiedenen Themen, die mit dem Jakobsweg in Verbindung stehen. Wer sich genauer für so ein Thema interessiert, klickt da drauf und schon öffnet sich ein Fenster mit weiteren Informationen.
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Vorbereitungen
Es empfiehlt sich, bei einer Pilger-Gemeinschaft (z.B. Deutsche St. Jakobus Gesellschaft e.V., Aachen) einen Pilgerausweis zu beantragen. Dieser zeichnet einen als Pilger aus und berechtigt zur kostengünstigen Übernachtung in jeder der vielen Pilgerherbergen auf dem Weg.
Da wir unsere letzte Radtour (durch Schottland) noch in allzu guter Erinnerung haben, packen wir jede Menge Klamotten ein. Viel zu viel, wie wir später rausfinden. Aber das scheint wohl den meisten Jakobspilgern so zu gehen...
Pilgerausweis:
- Gibt es bei der Pilgergemeinschaft.
- Sollte auf dem Weg mindestens einmal am Tag (am besten von einem Priester o.ä.) abgestempelt werden.
- Berechtigt zur übernachtung in den Refugios (Pilgerherbergen).
- Ist Voraussetzung für die Credencial (die Urkunde in Santiago).
Gepäck:
- Zelt
- Schlafsack
- Isomatte
- Unterwäsche und Socken
- 4 T-Shirts (reichen vollkommen aus, da es am Weg überall Herbergen mit Waschmaschinen gibt)
- eine kurze und eine lange Hose
- Sandalen und feste Schuhe
- ein paar 0,5 Liter-Trinkflaschen (Flüssigkeit braucht man auf dem camino jede Menge)
- ein Ersatzschlauch, Luftpumpe, Schraubenschlüssel etc.
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Mittwoch, 30.07.2003 (Die Anfahrt)
Am Nachmittag kommen wir mit dem Flug Köln/Bonn - Marseilles an. Wir fliegen mit Hapag-Lloyd Express, daher sehr billig: 35€ pro Person und 25€ pro Rad. Einziger Haken: Die Räder müssen zerlegt werden (Lenker parallel zum Rahmen, Sattel runter, möglichst noch die Räder ab und das ganze dann in einer Fahrradtasche verstaut). Ich habe statt der Fahrradtsche ein Bettlaken für 4€ genommen. Das ist deutlich billiger und eigentlich nicht viel weniger handlich.
Von Marseilles aus nehmen wir einen Zug nach Bordeaux. Der braucht ca. 6 Stunden, kommt erst um 22.00 Uhr dort an und kostet fast 60€. Steht natürlich in keinem Verhältnis zu dem Flug, aber was will man machen?! Im Zug ist es kochend heiß und bereits jetzt beginnen wir, zu begreifen, daß wir uns mit dem August nicht die optimale Reisezeit für Süd-Frankreich und Spanien ausgesucht haben. Zumindest verkauft jemand im Zug kalte Getränke, das macht die Fahrt etwas erträglicher. Als wir in Bordeaux ankommen, werfen wir einen Blick auf den Bahnhofsvorplatz und erleben den ersten Schock: Die Gegend um den Bahnhof rum ist gelinde gesagt schäbig und viel mehr als Rotlicht ist es nicht, was unser Auge trifft... Also ziehen wir es vor, die Nacht im Bahnhof zu verbringen.
Um ca. 23.00 Uhr legen wir uns am Gleis schlafen, ohne eine blasse Ahnung davon, was das für eine turbulente Nacht werden soll. Wir haben uns eine Ecke hinter ein paar Gepäck-Trollies gesucht, wo wir etwas geschützt liegen. Bevor wir endgültig eindämmern, binde ich meine Lenkertasche mit Fotoapparat, Geldbeutel, Brillen, Handy und sämtlichen Ausweisen mit drei Knoten neben meinem Kopf an ein Geländer (s. Foto). Schließlich soll die keiner klauen, während ich schlafe. Aber da habe ich mich geschnitten: Um 3.00 Uhr morgens wache ich auf, weil Malte in Unterhose neben mir steht uns schreit:
"Wach auf, Deine Tasche ist weg!!"
Wach bin ich inzwischen und tatsächlich: Meine Tasche ist weg. Aber wo?!
"Die alte Schlampe hat sie mitgenommen - da vorne!" Ohne Brille und schlaftrunken renne ich in die Richtung in die Malte zeigt und verfolge eine weibliche Gestalt, die etwas in der Hand trägt, was durchaus meine Tasche sein könnte. Das läßt sie aber jetzt fallen und setzt sich 10 Meter weiter ans Gleis. Ich hebe die Tasche auf und tatsächlich es ist meine. Und noch alles drin. Die Alte hatte ihre FlipFlops ausgezogen, war über uns drüber gestiegen während wir schliefen und hat die Tasche losgebunden. Unglaublich! Ich dachte die Zeiten, da irgendwelches Gesindel tugendhaften Pilgern auflauert um sie zu bestehlen, wären vorbei - aber weit gefehlt!! Wir legen uns wieder hin aber ich bewaffne mich mit meinem Messer und die Tasche stecke ich vorsichtshalber in meinen Schlafsack.
Sicherheit:
- Wertsachen sollten beim Schlafen stets im Schlafsack verwahrt werden. Diebe gibt es überall!
Anreise:
- In Frankreich müssen Räder allgemein in ihre Einzelteile zerlegt transportiert werden (sicherlich legt nicht jeder Schaffner gleich viel Wert auf diese Vorschrift, aber wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich einen Sack kaufen, in dem er sein Rad mitführt)
- Hapag Loyd Express fliegt billig nach Bilbao, Madrid, Barcelona und Marseille bzw. German Wings nach Madrid und Barcelona.
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Donnerstag, 31.07.2003 (Bordeaux - Sore)
Unsere Euphorie bezüglich der Pilgerfahrt erhält schon am nächsten Morgen erneut einen Dämpfer: Ganz Bordeaux ist eine Baustelle, und da bilden die Kirchen keine Ausnahme. Und die Kirchen sind leer. Wir versuchen vergeblich in einer der vielen Kathedralen dieser Stadt einen Priester oder Bediensteten zu finden, der uns einen Stempel in unsere Credencial drücken könnte. Endlich werden wir fündig. Malte findet eine alte Dame am Empfang der Kirche St Eulalie die unseren Start mit einem Stempel quittiert. Leider will sie aber nur einen einzigen Stempel geben; aus Gründen, die wir ob unseres nicht-existenten Französisch nicht verstehen. Ich lasse mir also einen Stempel bei "la mairie" (dem Bürgermeisteramt) geben. Das erweist sich als sehr einfach, und schöner ist der Stempel auch noch. Es kann also endlich losgehen!
Bei herrlichstem Sonnenschein fahren wir eine wunderschöne Strecke, links und rechts von uns ein Chateau nach dem nächsten. Nach 50 km kommen wir an einen See, wo wir beschließen für heute Schluß zu machen. Wir genießen unseren ersten Abend als Pilger und Malte genießt den Sonnenuntergang über dem See, den ich, müde wie ich bin, leider verschlafe.
Pilgerausweis:
- Stempel kann man sich auch vom Bürgermeisteramt und ähnlichen öffentlichen Einrichtungen holen.
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Freitag, 01.08.2003 (Sore - Bocas)
Wir fahren weiter über Sore, wo wir eine hübsche kleine Kirche vorfinden. Und hier finden wir auch erste Spuren Jakobus'. In dem Weihwasserbecken der Kathedrale liegt eine Jakobsmuschel. Wir scheinen also auf dem richtigen Weg zu sein...
Aber leider wieder kein Priester in Sicht. Wir gehen zur "mairie" und lassen uns da stempeln.
Weiter geht's nach Luxey, wo wir "deux biere" in der kleinen Kneipe "d' Albret" trinken. Wir stellen fest, daß die alten Leute hier ein komisches Getränk trinken, das sie mit Wasser mischen. Nach einigen Nachforschungen finden wir heraus: es ist Ricard. Keine Zeit, das zu probieren, denn wir müssen noch weiter nach Bocas, wo wir für 5.50€ auf dem Campingplatz übernachten.
Die Franzosen hier in der Gegend scheinen nicht gerade die Party-Community schlechthin zu sein: Als wir um 21.00 Uhr geduscht und gestriegelt ausgehen wollen, hat in dem kleinen Ort keine einzige Kneipe mehr auf... schade. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als ins Bett zu gehen.
Samstag, 02.08.2003 (Bocas - Hagetmau)
Es wird heiß. Bereits um 10.00 Uhr morgens kommen wir beim Festschnallen unserer Fahrradtaschen ins Schwitzen. Kein Witz!
Aber es gibt auch motivierende Momente: Alle paar Kilometer hupt uns ein Auto zu und winkt. Bei einer Strecke, die bergauf geht, beugen sich sogar zwei Mädels aus dem Fenster und klatschen und feuern mich an. Die scheinen noch in der Übung zu sein von der "Tour de France". Ist ja auch erst 2 Wochen her...
Malte kribbelt es im linken Arm und er glaubt, daß er bald stirbt. Aber um ein Bier auf dem Marktplatz von St. Sever zu trinken, ist er fit genug... Als wir die Kathedrale inspizieren, sehen wir, daß ringsum die Kathedrale Muscheln in den Boden eingelassen sind. So langsam fühlen wir uns dem hl. Jakob nahe. Aber da sind wir wohl die einzigen. Kein Priester in Sicht, den Stempel kriegen wir beim Tourismus-Büro.
Wir fahren weiter nach Hagetmau. Hier ist gerade Dorffest. Dutzende Franzosen mit roten Halsbändern und wir mittendrin. Es gibt Muscheln mit Pommes und Wein mit Wasser und dann noch ein Törtchen und Kaffee.
Es wird spät und wir haben noch immer keinen Schlafplatz. Malte möchte nicht im Dorf schlafen und wenn ich ehrlich bin, beim Anblick all der Besoffenen hier würde ich auch gerne in sicherer Entfernung nächtigen. Es ist dunkel und Malte hat kein Licht. Also fahren wir weiter; ich mit der Lampe im Mund und Malte mit dem Rücklicht im Arsch. Nach 5km finden wir einen gut geeigneten Platz um unser Zelt aufzuschlagen. Direkt hinter einem großen Holzkreuz, an dem der Heiland höchstpersönlich prangt. Das kann ja nur eine gesegnete Nacht bedeuten...
Klima:
- Der Jakobsweg ist von Juni bis August nur bedingt geeignet. Es wird so heiß, das es wirklich an die Substanz geht. Wenn man trotzdem im Sommer fährt, empfiehlt es sich, das Pilgern von 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr einzustellen und sich irgendwo im Schatten aufzuhalten. Das heißt natürlich: Bei Zeiten aufstehen. Was ein echter Pilger ist, der ist um 6:00 Uhr schon abmarschfertig.
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Sonntag, 03.08.2003 (Hagetmau - Sauveterre)
Wir wachen auf im Schatten des gekreuzigten Sohns Gottes. Gut geschlafen. Wir haben uns den Wecker auf 8.00 Uhr gestellt. Nach dieser Hitze gestern haben wir beschlossen, daß es wohl besser ist, früh morgens loszufahren und dafür während der Mittagshitze Pause zu machen. Das kann ich auch nur jedem empfehlen, der im Hochsommer in dieser Gegend Rad fährt.
Heute sehen wir zum ersten mal die Pyrenäen. Schock!! Da müssen wir rüber... na, das kann ja ein Spaß werden!
Nachmittags sitzen wir in Orthez. Malte geht in die Kirche und will uns einen Stempel besorgen, da ist allerdings gerade Taufe. Malte kommt rausgespurtet, hat sich nicht getraut nach einem Stempel zu fragen, "wenn der gerade das Kind ersäufen will". Also fahren wir weiter, es wird immer heißer und immer steiler. Unerträglich. Beim folgenden Anstieg rast mein Herz, mir wird immer wieder schwarz vor Augen und Malte kribbelt es im Kopf. Wider besseres Wissen verschwende ich meine letzten Wasserreserven um sie mir über den Körper zu schütten und mich damit zu kühlen... Unter Protest von Malte. Es folgen 5 Kilometer Anstieg ohne Schatten. Wir hätten besser noch ein paar Stunden mehr Mittagspause gemacht... Auf dem höchsten Punkt angelangt steige ich vom Rad und klebe augenblicklich auf dem Teer der Straße fest. Da pilgert man um dem Himmel ein Stück näher zu kommen, aber zumindest die Temperaturen könnten in der Hölle nicht schlimmer sein!
Endlich können wir bergab rollen lassen und der Fahrtwind verschafft uns etwas Kühlung. Unten angekommen finden wir Zuflucht im Schatten einer Kirche. Malte setzt sich unter einen Baum und ich lege mich daneben. Da spüre ich Stiche im Hinterkopf, denke mir aber nichts dabei. Irgendwann tut es aber richtig weh und da merke ich es auch schon: Wir sind Opfer einer Ameisenattacke geworden! Ich hab sie in den Haaren und Malte schreit inzwischen auch schon, denn der hat sie in der Unterhose...
Neben der Kirche gibt es einen Friedhof, wo wir unsere Wassereserven auffüllen können. Angeblich machen echte Pilger das so. Und praktisch ist es in der Tat. Friedhöfe gibt es überall und Wasser haben die auch immer. Meist sogar Trinkwasser.
Wir haben gerade die Flaschen voll, da bemerkt Malte den Druckabfall in seinem Hinterreifen. Ein Platter bei der Hitze! Das hat noch gefehlt. Malte macht sich dran, ihn zu flicken und wir stellen fest, daß wir keine Pumpe für sein neues französisches Ventil haben. Also kleben wir es mit Gewebeband dicht und es kann weiter gehen. Wir quälen uns weiter einen Berg hoch, auf dessen Rücken wir dann in der inzwischen lauhen Abendluft hinunter Richtung Sauveterre hinunter können: Klassische Musik aus dem Radio und Ausblick auf die Pyrenäen, dieses riesige Gebirgsmassiv, das wir in ein paar Tagen zu bezwingen haben werden.
Sauveterre de Bearn ist eine schöne kleine Stadt an einem Hügel, hat eine sehr schöne Kirche und einen Campingplatz direkt am Fluß. Der Campingplatz ist ein Familienbetrieb und wir sind begeistert von den 10/12-jährigen Töchtern, die den Laden schmeißen. Die verstehen mehr Englisch als ihre Mutter und einen Stempel geben sie uns auch.
Wasserversorgung:
- Die Trinkflaschen kann man auf Friedhöfen auffüllen. Davon gibt es ja alle paar Kilometer einen. Und das Wasser ist trinkbar!
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Montag, 04.08.2003 (Sauveterre - St. Jean Pied de Port)
Wir stehen früh auf, um wenigstens noch ein paar Kilometer zu schaffen, bevor es wieder so unerträglich heiß wird. Als erstes wasche ich mein Hemd mit unserem Rei aus der Tube. Schon um 9 Uhr morgens muß ich die feuchte Wäsche nur 10 Minuten in die Sonne hängen und sie ist trocken. Die Hitze hat auch ihre guten Seiten... Aber bevor es los geht brauchen wir noch eine Luftpumpe. Außerdem auch eine Karte und eine Touristeninfo, denn unsere Karte hört hier auf.
Leider ist es Montag und der Fahrradladen hat noch zu... um 10.00 Uhr Montag morgen! Öffnungszeiten scheint es nicht zu geben. Die gibt es allerdings bei der Touristeninformation, dem einzigen Ort, wo wir eine Karte bekommen könnten. Allerdings öffnet die heute erst um 15.00 Uhr. Zu spät für uns. Also weiter ohne Luftpumpe und ohne Karte Richtung St. Jean Pied de Port, dem letzten Ort in Frankreich.
Mittags um 12.00 Uhr wird es uns zu heiß. Ich setze mich unter einen Sonnenschirm einer geschlossenen Kneipe... Hier ist echt der Hund erfroren... eine reichlich unpassende Metapher bei diesen Temperaturen. Aber selbst hier ist es Malte zu heiß und er setzt sich in eine schattenspendende Ecke der Kirche, die -wie sollte es auch anders sein- zu ist. Die machen einem das Pilgern auch nicht gerade leicht hier.
Nach einiger Zeit tut sich drinnen was und wir können die Gastwirtin dazu bewegen, uns jedem ein Bier zubringen. Wasser trinken wir ja schließlich zu genüge... Kalt! Wie gut das tut. Allerdings hält das selbst im Schatten nur ein paar Minuten, dann ist es warm.
Malte philosophiert über politische Fragen: Die ETA und das Baskenland. Nicht gerade mein Wunschthema bei dieser Hitze, aber ob des aktuellen Bezugs werden wir uns wohl mal darüber unterhalten müssen. Wenn wir irgendwo auf unserem Weg von einer Bombe zerfetzt werden, sollten wir wenigstens wissen warum.
Gegen 20.00 Uhr kommen wir endlich in St. Jean Pied de Port an. Wir gehen zum Pilgerbüro in der Rue de Citadelle und besorgen uns ein Nachtquatier. Wir bekommen nur noch ein Bett, das wir uns teilen müssen. In der Herberge treffen wir Daggi, mit der wir uns das Zimmer teilen müssen. Daggi ist Fußpilgerin und befindet sich schon wieder auf dem Rückweg. Nach 4 Tagen hat sie abgebrochen und beschlossen zu einer späteren Jahreszeit noch ein mal wiederzukommen. Die Wege seien einfach zu voll, sagt sie. An manchen Stellen, wo der Weg zu eng für zwei Leute sei, gebe es sogar Stau und man müsse einander ausweichen. Nicht gerade das Richtige, um mit seinen Gedanken alleine zu sein und all die anderen Dinge zu machen, die mal sich so unter Pilgern vorstellt... Da sind wir froh, daß wir mit dem Rad unterwegs sind. Da haben wir diese Probleme nicht. Oder noch nicht... denn Daggi sagt, es werde immer schlimmer, je weiter man nach Westen kommt.
So langsam bekommen wir mit, was es heißt ein Pilger zu sein: Um 22.00 Uhr schließt die Herberge und in ganz St. Jean Pied de Port hat keine Kneipe mehr auf. Absolute Nachtruhe, denn morgen müssen ja alle früh los. Die Jungs machen echt keine Witze...
Pilgerschwemme:
- Im Sommer ist der Jakobsweg völlig überfüllt. Wer also Ruhe und Besinnlichkeit sucht, der sollte die Reise auf Frühjahr oder Herbst verlegen.
Pilgerzeiten:
- Um 22:00 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt. 22:30 Uhr ist Nachtruhe.
- Besonders bei der Pyrenäen-Etappe sollte man früh aufstehen. Schließlich will man über die Höhe rüber sein, bevor die Hitze einsetzt.
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Dienstag, 05.08.2003 (St. Jean Pied de Port - nach Roncesvalles)
Haben unseren Aufstieg in die Pyrenäen begonnen. Also dies sind wahrscheinlich die letzten Zeilen, die wir auf französischem Boden schreiben. Sind nämlich 1 km vor der Grenze. Bisher ist alles noch recht flach, aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Fahren übrigens Autostraße, nachdem uns von verschiedensten Seiten von den alten Pilgerwegen abgeraten wurde: Zu steil, zu vernachlässigt und zu eng und was nicht alles...
Wir machen Pause 6 km vor dem Ibañeta-Paß, dem höchsten Punkt unserer Pyrenäen-Überquerung. Ich wollte uns eigentlich ein Süppchen kochen, auf unserem Gaskocher; aber als wir ihn gerade an haben, fällt uns ein, daß das sicherlich viel zu gefährlich ist, bei dieser Bewaldung, der Hitze und der Trockenheit. Jetzt liegen wir schön im Schatten und müssen uns halt mit Schoko-Cookies und Haribo zufrieden geben. Der Aufstieg ist weniger beschwerlich als ich erwartet hatte. Zumindest bis jetzt. Keine wirklich steilen Stücke und immer wieder schattige Passagen durch viele Bäume. 2 km vor dem Gipfel liegen zwei Sandalen, links und rechts, total ausgelatscht und hinten die Bänder gerissen. Der hatte keinen Bock mehr!
Irgendwann gegen Nachmittag erreichen wir die Spitze. Der Ausblick ist schon überwältigend. Man kann auf beiden Seiten bis ins Tal sehen. Es macht einen schon froh, die eine Seite bergauf aus eigener Körperkraft bewältigt und vor allem die andere Seite bergab noch vor sich zu haben.
Roncesvalles, der erste Ort auf spanischer Seite, ist gar nicht so toll. Die Kirche ist klein und sehr laut; nirgendwo scheint es einen frei zugänglichen Wasserhahn zu geben, der Stempel ist zu groß und für Malte gibt es nichts vegetarisches zu essen. Eigentlich gibt es überhaupt nichts zu essen. Zumindest bis 19.00 Uhr, heute abend.
In der Kirche gab es keine Opferkerzen. Man konnte 50 Cent in einen Schlitz in einer Maschine hinter einem Gitter einwerfen und dann leuchtete eine elektrische Kerze auf... für eine gewisse Zeit. Wir sind uns einig: Einem echten Pilger sowas vorzusetzen ist an Impertinenz nicht mehr zu überbieten!!!
Hier hält uns nicht mehr! Wir fahren noch 2 Ortschaften weiter. Hier setzen wir uns in eine Kneipe, wo wir ein paar Bier trinken, bis die Küche endlich aufmacht. Man sagt ja "7 Bier ersetzen eine Mahlzeit", aber das ist nicht das gleiche. Nach dem Essen noch ein Fläschen Wein und dann schlafen wir auf einer Parkbank im Freien. Könnte kühl werden, heute Nacht, immerhin sind wir ungefähr 900 m hoch.
Route:
- Mit dem Rad sollte man über die Pyrenäen die Straße entlang fahren. Zumindest, wenn man Gepäck hat und nicht Hardcore-Mountainbiker ist.
Übernachtung:
- Trotz der hohen Temperaturen werden die Nächte hier oben kühl und feucht. Das sollte man bei der Wahl des Schlafplatzes berücksichtigen.
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Mittwoch, 06.08.2003 (irgendwo nach Roncesvalles - Cizur Menor)
Wir lassen weiter abwärts rollen und freuen uns darauf, bis Pamplona rollen zu lassen. Hat uns so ein Typ mit Wohnmobil prophezeit: "Bis Pamplona geht's jetzt nur bergab." Schwätzer! Es geht ständig hoch und runter. Und so immer weiter bis wir endlich in Pamplona sind. Die letzten Kilometer müssen wir zu allem Überfluß noch auf einer stark befahrenen Autostraße fahren. Aber auch der Pilgerweg, den wir nicht nutzen können, da er zu oft querfeldein geht, ist voll. Aus jedem Loch ströhmen die Fußpilger.
Hier im Baskenland zeigen die Schilder und Wegweiser immer den spanischen und den baskischen Namen der Orte, z.B. Pamplona und Iruña. Und wenn ein Schild mal nur den spanischen Namen anzeigt, ist es demoliert. Oder mit Farbe besprüht oder durchgestrichen. Ich frage mich, wo die bei der Hitze noch so viel Energie hernehmen...
Pamplona ist wahnsinnig heiß! 47° Und überall wird gebaut. Sämtliche großen und zentralen Plätze sind staubig und laut. Aber ein erheiternder Anblick bietet sich uns doch noch: Eine Kindergärtnerin, die ihre Schützlinge an einer langen Leine hinter sich her führt.
Cizur Menor: Wir finden eine Herberge des Malteser-Ordens. Malte geht rein und will ein Bett klar machen. Er kommt sichtlich amüsiert wieder heraus. "Da drin liegen alle halbnackt auf dem Rücken und knacken. So ein Dicker in Unterhose, und es stinkt." Das umreist die Situation ganz gut. Aber alles was wir brauchen ist ein Bett und das kriegen wir. Und es werden sogar noch Leute umgeschichtet, damit wir uns ein Stockbett teilen können. Ungefragt wohl gemerkt... so empfindlich sind wir ja nicht. Ein paar Deutsche sind auch hier, eine ist ziemlich häßlich. Was garstige Bemerkungen angeht, haben wir uns aber eingeschränkt. Im Angesicht der Kirchen und Heiligenbilder wird nicht geflucht und schlechtes über Religion und Kirche darf man auf der ganzen Tour nicht sagen. So zumindest die Theorie.
Ich habe eine ganz tolle Erfindung gemacht: Habe mir für 0,65€ einen Pflanzenbestäuber gekauft. Den fülle ich immer mit Wasser auf und häng' ihn an meinen Lenker oder an die Satteltasche. Dann kann ich mich während der Fahrt oder bei einer Pause damit einstäuben und es wirkt wirklich Wunder! Und so billig!!!
Route:
- Nach den Pyrenäen wird es hügelig, um nicht zu sagen bergig: Ein einziges Auf und Ab!
- Der "echte" Pilgerweg verläuft nach den Pyrenäen neben der Straße. Der ist durchaus auch für Radfahrer befahrbar. Aber man sollte ein gutes Mountainbike und viel Kondition haben.
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Donnerstag, 07.08.2003 (Cizur Menor - Estrella)
Geschäftiges Treiben auf dem Jakobsweg. Viele Pilger, zu Fuß und mindestens genauso viele auf dem Rad. Von Campanos aus können wir 8km nach Puente la Reina laufen lassen. Hier in Puente la Reina vereinigen sich alle Wegalternativen zum Camino Frances. Außerdem gibt es ein weiteres Highlight: Die spanische Königin Isabella hat im 11. Jahrhundert hier eine Brücke errichten lassen, aus Mitleid mit den Pilgern, die sich hier bei der überquerung des Flusses Arga so schwer taten.
Wir machen Pause unter einer Straßenüberführung. Es gibt Suppe auf dem Gaskocher. Hätte ich gewußt, daß wir den so selten benutzen, hätte ich ihn zuhaus gelassen. Mit uns hat sich ein Typ hierher gerettet, aber der ist gerade gegangen. Ziemlich blemblem bei der Hitze, um 14:30 Uhr. Würd mir im Traum nicht einfallen.
So, jetzt mal Tacheles geredet! Estella. Auf dem Weg hierhin waren mal locker die letzten 3 km kein bißchen Schatten. Bis auf ein Verkehrsschild, und da war der Schatten gerade genug für einen. Das Atmen fällt auch schwer, weil die Luft die man einatmet ja noch heißer ist, als die in der Lunge; da scheint sich der Körper irgendwie gegen zu sträuben... Und die letzten 2 km ging es dann nur noch bergauf. Dem Unbeteiligten schienen 2 km bergauf vielleicht wie nichts, aber unter solchen Bedingungen sieht man das anders!
Wir sind in der Herberge von Estella untergekommen; die ist gerammelt voll. Wir schlafen im Eingangsbereich unterm Schreibtisch vom Chef.
Hier ist Dorffest. Alle tragen wieder weiße Hemden und rote Tücher. Auf einmal rennen ganz viele Leute in eine Gasse und wir denken uns, einfach mal hinterher. Dann kommen wir an eine Holzabsperrung und da geht es auch schon los: Man hört Füße und Hufe klappern da kommen ganz viele Spanier in auch weißen Hemden und roten Tüchern um den Hals und rennen. Dahinter 5 oder 6 oder 7 Stiere mit gewaltigen Hörnern. Ganz unvermittelt. Wieder mal.
Jetzt sitzen wir auf dem "Marktplatz". Direkt vor der Kirche ist eine Bühne und da ist eine Mischung Band mit richtig geilen Tänzerinnen und klassischem Orchester und die spielen Klassik, aber sehr unterhaltsam. Gerade Camina Burana. Toll!
Ich glaub ja heute ist ein baskischer Feiertag. Alle in Farben, was sehr geil aussieht und die ganze Stadt ist voll. Morgen kommen wir an dem Brunnen vorbei, aus dem für die Pilger Wein fließt. Bin mal gespannt.
In 20 Min müssen wir in der Herberge sein.
Übernachtung:
- Ab Spanien gibt es jede Menge Pilgerherbergen. Die Preise liegen so zwischen 5-10 € pro Bett.
- Die Herbergen sind schnell voll. Am besten kommt man schon mittags und fragt nach einem Bett.
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Freitag, 08.08.2003 (Estella - Navarrete)
Mein Gott, was war das für eine Nacht! Wir mußten doch nicht unterm Schreibtisch schlafen, sondern im Garten neben dem Hühnerstall! Hat nach Hühnerkacke gerochen, aber das war gar nichts gegen dieses fürchterliche "Kikerikieee!" Heute abend gibt's für mich Hähnchen! Selten habe ich ein Tier so gehaßt.
Um 8:30 Uhr kommen wir an dem legendären Brunnen vorbei, aus dem Wein für die Pilger fließt. Daneben steht ein Kelch und jeder der vorbei kommt kann innehalten und sich mit einem Schluck Rotwein "stärken". Näheres zu dem Brunnen gibt es unter www.irache.com. Es gibt sogar eine Webcam. Als wir hier sind, kommen kurz nach uns Italiener an, die ein Glas nach dem andern bechern, Fotos machen und Grüße in die Webcam schreien. Der eine zündet sich eine Zigarrette an und schon ist die Party im Gange... ob das gute Pilgermanier ist?! Aber wir wollen weiter, wir wollen bis Mittag in Logrono sein. Auf dem Weg machen zweites Frühstück am Straßenrand uns sehen einem Mann zu, der seine Mirabellenbäume spritz. Als er uns zwei Pilger da sitzen sieht kommt er rüber und schenkt jedem 4. Sehr nett! Man fühlt sich doch sofort besser, wenn die Leute so nett zu einem sind. In Logrono machen wir Mittag nach immerhin schon 47 km für heute. Ich kaufe mir einen Cowboyhut aus Stroh. Coole Sache bei der Hitze!
Auf dem weiteren Weg zum Etappenziel Navarrete kommen wir zu einem Stausee, mit Bewaldung drum rum. Schatten und kühle Luft vom Wasser. Da machen wir nochmal Pause und dann geht's weiter über Schotterwege nach Naverrete.
In Navarette angekommen, stellen wir fest, daß die Herberge voll ist. Schon seit 12 Uhr mittags, wie uns ein Schweitzer verrät. Anscheinend muß man wirklich schon mittags Schluß machen, wenn man nachts eine Matraze unterm Arsch haben will. Allerdings können wir gegen eine Spende von 0,60€ die Dusche und die Waschräume benutzen. Was den Schlafplatz betrifft, werden wir auf eine Wiese in der Nähe der Kirche verwiesen. Hier haben es sich schon mindestens 40 andere Pilger bequem gemacht. Zumindest haben sie hier ihr Nachtlager aufgeschlagen und sind beim gemeinsamen Essen, als wir ankommen.
Wir schließen die Räder ab und breiten unsere Isomatten und die Schlafsäcke aus. Die Wiese liegt auf einem Hügel, von hier aus haben wir einen wunderbaren 360° Panoramablick. Wir machen uns jeder eine Dose Bier auf, setzen uns auf eine der vielen Bänke und genießen einen stimmungsvollen Sonnenuntergang. Einer ebenso stimmungsvollen und ruhigen Nacht steht nun nichts mehr im Wege. Sollte man meinen... wie man sich doch täuschen kann: Um 5 Uhr morgens werde ich wach, weil Malte in Unterhose neben mir steht und schreit. Nur langsam begreife ich was los ist: Anscheinend ist die Rasensprenger-Anlage losgegangen. Die hatten wohl alle übersehen, die sich gestern abend hier gebettet hatten. Die kann man ja auch nicht erkennen, die kleinen Scheißdinger, wenn die noch im Boden sind. Aber mitten in der Nacht kommen die hoch und fangen an, alles unter Wasser zu setzen! Also: Alle werden naß. Der eine mehr, der andere weniger. Ab jetzt ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Italiener holen die Handies raus und informieren Gott und die Welt über dieses Ereignis, planen ihren Weg u.v.m. Die ersten packen schon ihre Sachen zusammen und ziehen los - wenn man ja eh schon mal wach ist...
übernachtung:
- In Navarette kann man im Sommer umsonst auf einer Wiese auf einem Hügel über der Kirche übernachten. Allerdings gehen hier um 5:00 Uhr morgens die Rasensprenger an.
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Samstag, 09.08.2003 (Navarrete - Redecilla del Camino)
Heute werden wir wieder ein paar Mal angehupt und angesprochen. Außerdem treffen wir gewisse Mitpilger immer wieder. Die scheinen den gleichen Rhythmus zu haben wie wir. Wir kommen an einem Gitterzaun vorbei, wo alle Pilger mit Stöcken und Zweigen Kreuze in den Zaun geflochten haben. Blair Witch Project. Kilometer lang. Unheimlich!
Die letzte Etappe des heutigen Tages geht flott. Nur bergab rollen wir nach Redecilla del Camino.
Hier steckt man Servietten in den Hals der Bierflaschen. Wir fragen uns schon seit Stunden warum... ich glaube jetzt weiß ich es: Die öffnen das Bier an einem Öffner an der Wand. Dann schäumt es und die Kellnerinnen versuchen es dadurch aufzufangen. Komische Sitte...

Sonntag, 10.08.2003 (Redecilla del Camino - Burgos)
Über einen steilen Aufstieg auf 1500 m erreichen wir über Villafranca Montes de Oca und Ibeas Burgos. Hier sehen wir eine der schönsten Kathedralen unserer Reise. Ein wildes Gemisch verschiedenster Baustile, das wohl darauf zurückzuführen ist, daß sich in der Geschichte der Kirche verschiedenste Baumeister an ihr versucht haben, von denen einer den anderen zu übertreffen suchte.

Von hier aus fahren wir etwas weiter weg von Zentrum und dürfen unser Zelt kostenlos auf dem Rasen vor dem Herbergsbungalow aufschlagen. Wir gehen noch mal in die Stadt, um uns Kirche und Stadt genauer anzusehen. Sehr schön alles, wenn auch sehr touristisch. Auf dem Weg zurück zum Zelt kommen wir in den ersten Regen der gesamten Tour. Komisch. Alles so südlich und dann regnet es auf einmal. Die Spanier stellen sich alle unter und warten bis der Schauer vorbei ist. Und selbst wir, als hartgesottene Deutsche, setzen uns unter einen Baum, dessen Blätterdach uns gegen einen Großteil des Wassers abschirmt.
Montag, 11.08.2003 (Burgos - Frómista)
Oh! Ein Nachtrag zu gestern: Nach Ibeas haben wir uns verfahren. Wir wollten alternativ an einem Fluß, dem Rio Arzalon entlang fahren, da war dann aber erst Schotter und dann wurde der Weg völlig unbefahrbar. Das Interessante dabei war, daß wir gleich in doppeltem Sinne von rechten Weg abgekommen sind: In unseren Fahrradradios kam "Sympathy for the Devil", ein denkbar unpassendes Lied wenn man sich auf einer Pilgerfahrt befindet. Trotz Bedenken haben wir aber nicht ausgestellt, oder auch nur den Sender gewechselt. Und da ist es passiert, wir sind die falsche Route gefahren und mit einer Sackgasse bestraft worden. Dann wollten wir auf dem Rückweg noch abkürzen und zack! standen wir an einem Fluß, da mußten wir dann durch. So viel Matsch... Also sind wir schleunigst auf den richtigen Weg zurückgekehrt.
Die Herberge in Frómista ist der letzte Scheiß! (Ich darf das sagen, weil sie anscheinend privat und nicht kirchlich ist. Als wir nach 80 km um 16:00 Uhr ankommen, ist sie schon längst voll. Wir dürfen allerdings die Duschen nutzen... für 1,50 € (!) und die Dusche ist so schwach wie keine auf der ganzen Tour und wenn dann noch einer die Hände wäscht, kommt gar nix. Und dreckig ist sie auch.
Dienstag, 12.08.2003 (Frómista - Sahagún)
Wir powern 60 km durch bis Shagún. Kurz vor der Stadt sehen wir eine Fußpilgerin, die ihr zweijähriges Kind in der glühenden Mittagshitze auf den Schultern trägt. In völliger Einsamkeit. Unverantwortlich!! In Sahagún angekommen finden wir Unterschlupf in der Herberge. Ist in einer alten Kirche. Sehr schön, aber auch sehr warm. Die Hitze staut sich unter dem Dach. Wir gehen in die nächste Kneipe und da passiert es: Wolkenbruch! Und unsere Wäsche hängt draußen... dafür wird Spanien endlich mal ein bißchen sauber. War ja auch immer so staubig hier. Wir kaufen ein im "Spar" und teilen unsere Einkäufe beim Adendessen mit den anderen Pilgern in der Herberge. Die Stimmung ist sehr freundlich, aber wie immer gehen alle früh ins Bett. Wenn man hier am Party-Tisch zu laut hustet, beugen sich die Spießer aus den Betten und strafen einen mit ihrem "Es-gibt-hier-auch-richtige-Pilger-die-morgen-früh-loswollen-und-deshalb-schlafen-müssen-Blick". Malte schwächelt auch schon, die hübsche Holländerin ist auch weg und um 22:30 Uhr ist Nachtruhe angesagt und das Licht ist aus.
Mittwoch, 13.08.2003 (Sahagún - León)
Ich habe gestern abend mein Handy in der alten Kirche eingesteckt um es aufzuladen. Heute morgen ist der Raum aber abgeschlossen. Also muß ich auf die Putzfrau warten und sie auf Spanisch überreden, mir den Raum aufzuschließen und ihr auch noch erklären warum ich da rein will. Dann geht es flüssig weiter über Steinpiste immer weiter ins Nirgendwo. Die Gegend vor Mansilla de las Mulas ist so einsam, daß irgendwo der Weg aufhört. Der geht mitten durch einen Fluß und da ist noch nciht mal eine Brücke drüber. Hier sind wohl schon vor 100 Jahren die Pilger durch den Fluß gelaufen. Mit den Räder ist das etwas schwerer, wir müssen abschnallen wenn wir die Taschen vor der Nässe retten wollen.
Mansilla de las Mulas ist super: Alles top organisiert. Reisende werden von ein paar Damen in Uniform begrüßt und eingewiesen und auf Wunsch auch mit Stadtplan ausgestattet. Der Oberweiten-Durchschnitt bei den Frauen scheint mir auch eine ganze Ecke höher als normal. Wir sitzen vor einer Kneipe und mit jedem Bier ("pression!") gibt es tapas. Ganz verschiedene. Am besten schmeckt Baguette mit einer warmen Paste drauf, die ehrlich gesagt aussieht wie Scheiße. Aber super-lecker. Einen Stempel haben wir auch schon.
León Innenstadt: Etwas windig, aber gut. Untergekommen in 'ner Jugendherberge die Betten für Pilger freihält. Der Weg war heute alles in allem doch nicht ganz einfach: Schotter ab 3 km nach Sahagún und dann für 18 km. Malte hatte inzwischen 2 Platte und alle beide Ersatzschläuche aufgebraucht. Wenn ich überlege, daß wir uns heute auf diesen Weg begeben haben, wo 15 km kein Haus kam und das ohne Ersatzreifen, wird mir ganz anders. Zumindest Wasser zum Flicken hätten wir gehabt... in dem Scheiß-Fluß!
Donnerstag, 14.08.2003 (León - Astorga)
Wir haben's beide am Magen. Der "echte" Weg ist schotterig, geht neben der N120 her, auf der wir fahren. Viele Autos, kein schöner Ort auf dem Weg. Und auf den letzten 15 km nach Astorga Gegenwind und Auto, Autos, Autos.
Sind in Astorga angekommen, nach etwas Suchen haben wir eine Herberge gefunden. Wir legen uns kurz hin. Zum Nachmittagsschlaf. Malte wacht auf, weil die Alte vom Nachbarbett ihm über die Haare gestreift hat. Absichtlich oder nicht sei dahingestellt... Danach machen wir uns fertig und genießen den wohlverdienten Feierabend: Erstmal besichtigen wir die Kirche, leider nicht von innen, die ist nämlich zu. Aber auch von außen bietet sie einen imposanten Anblick. Ihr ornamentüberladener Haupteingang wird übrigens, wie wir lesen, nur in den heiligen Jahren geöffent. Morgen wird's sicherlich laut. Nebenan schlafen 10 Leute, für die dieses Zimmer Durchgang ist.
Wir waren im internet. Mein neuer Traumberuf: Polizist in Spanien: Unserer Bar gegenüber steht einer schon seit 20 Minuten und paßt auf ein Verkehrsschild auf...
Donnerstag, 15.08.2003 (Astorga-Ponferrada)
Es geht steil nach oben bis zum Cruz de Ferro. Das Eisenkreuz, das auf einem Steinhaufen trohnt. Jeder Pilger legt dort einen Stein aus seiner Heimat ab. Viele heften auch ein Fotos Ihrer Liebsten an den Stamm, auf dem das Kreuz befestigt ist. Leider wird das Kreuz in regelmäßigen Abständen von der ETA immer wieder abgesägt :( Ich lege einen Stein aus dem Rhein dort nieder, den Kathrin mir vor meiner Abfahrt geschenkt hat. Das Kreuz gefällt uns sehr gut. Wir setzen uns kurz hin um uns auszuruhen und einen weiteren Höhepunkt unserer Pilgerreise zu genießen, da stoppt leider schon ein italienischen Auto samt Inhalt. Eine Familie steigt aus und vergewaltigt den Steinhaufen: Der kleine Sohn schubst von oben aus Türme aus Steinen um, der nächste spuckt sein Kaugummi aus und die Mutter drückt auf diesem Denkmal der Geschichte, diesem Monument der Pilgerschaft, ihre Kippe aus. Unangemessen für einen Ort, an den seit mehr als 1000 Jahren Menschen aus einem bestimmten Grund kommen. Hier hält uns nicht mehr. Also geht es weiter bergab Richtung Ponferrada.
Leider Gegenwind. Aber dafür Wahnsinnsausblicke. Viel weiter als von den Pyrenäen aus. Wir sind ja schließlich auch auf 1500m hochgekeucht. Es ist etwas kühl an den Füßen in dem Wind, aber alles in allem angenehm. Es geht weiter bis zur Herberge in Ponferrada: Etagenbett im Riesenzimmer (44 Leute) inklusive lauten Engländern und natürlich Italienern.

Na, das war ja mal ein Reinfall: Malte hatte sich so auf Ponferrada gefreut. Jetzt sind wir da und ich muß sagen: Selten so ein Drecksloch gesehen. Alles Baustelle, jeder zweite Laden zu bzw. dicht und zu vermieten. Windig wie nur was und in der Herberge dieses Massenzimmer... Vor lauter Frust setzen wir uns in eine Kneipe und bestellen ein Bier nach dem anderen...
So, jetzt ist es passiert: Wir haben so viel Bier getrunken, daß wir eins auf's casa gekriegt haben... oder so...

Samstag, 16.08.2003 (Ponferrada - O'Cebreiro)
Wir machen uns auf in Richtung O'Cebreiro. Zuerst sehen wir nur gewaltig Berge vor uns, aber die scheinen sich zur Seite zu schieben, je näher man ihnen kommt und so geht es mit stetig leichter Steigung durch die Täler. Allein der Gegenwind macht uns etwas zu schaffen. Malte hat ein Lied gedichtet und singt es mir vor. Es geht um mich! Außerdem ist da noch ein Müller und eine Müllerin und ich bin schwul und Sex ist auch im Spiel. Tolles Lied! Wir hoffen auf einen Campingplatz in O'Cebreiro. Wir wollen mal wieder richtig ausschlafen und, was damit in Verbindung steht, etwas länger als 22.00 Uhr aufbleiben. Dann werden nämlich die Herbergen abgeschlossen und dann heißt es entweder drin sein, oder draußen frieren.
Die letzten 10 km sind deutlich schlimmer als gedacht. Es geht von 543m hinauf auf 1300m. Und das ohne Vorwarnung im Führer. Den Weg bergauf sind wir plus minus genauso schnell wie ein paar hochmotivierte Fußpilger, die wir immer wieder treffen und die uns zusätzlich antreiben. Schließlich wollen wir wenigstens vor den Fußgängern oben ankommen! Mir wird auf meinem Rad etwas schwummerig und mein Herz sticht auf einmal. Ist das die Höhenluft? Oder die Anstrengung? Keine Ahnung. Ich steige ab und schiebe 5 Minuten, aber dann kommt die letzte Kurve und wir sehen O'Cebreiro (webcam) vor uns: Ganz oben auf der höchsten Stelle des Bergkamms. Nur ein paar Häuser, Hütten und eine Kirche. Die Herberge ist schon voll. Wir schlagen unser Zelt hinter der Kirche auf und sehen uns danach in selbiger den heiligen Kelch an. Dieser Kelch ist über 800 Jahre alt und legendenumwoben. Den Rest des Abends verbringen wir in den Tavernen hier oben. Um Mitternacht kommt eine Gruppe Musikanten mit landestypischen Instrumenten, u.a. einem Dudelsack, der hier "gaita" genannt wird. Die machen ebenso interessante wie laute Musik und vertreiben uns die Nacht. Nach einigen weiteren cervecas wanken wir gegen 3 Uhr dann in unser Zelt.
Weg:
- Der Weg nach O'Cebreiro ist sehr steil und anstrengend. Wenn man schon den ganzen Tag gefahren ist, sollte man (so schön es da oben auch ist) die letzten 10km vielleicht auf den nächsten Tag verschieben oder vorher wenigstens noch eine Pause einlegen.
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Sonntag, 17.08.2003 (O'Cebreiro - Sarria)
Heute morgen wache ich um kurz nach 6 auf. Kann ja nie besonders lange schlafen, wenn ich am Abend getrunken habe... Als ich aus dem Zelt klettere, um den Kater bei einem Spaziergang zu vertreiben, sehe ich einen der schönsten Anblicke meines Lebens: Wir sind auf unserem Berg so hoch, daß wir über den Wolken liegen. Man kann zwar ins Tal sehen, aber man sieht den Boden nicht. Die Bergspitzen ragen wie Inseln aus dem Wolkenmeer. Die Welt da unten scheint völlig von uns abgeschieden zu sein. Dann geht die Sonne auf und taucht das ganze Szenario in ein weiches Gelb. Das sind Augenblicke die einem die Existenz Gottes auf dem Jakobsweg so greifbar erscheinen lassen.
Erstmal geht es jetzt bergab, aber nicht allzulange. Noch zweimal müssen wir auf Paßhöhen (die höchste ist Alto do Poio 1337m) aufsteigen aber dann... 12 km bergab rollen lassen!!! Was für ein Genuß. Wir kommen nach Samos. Sehr schönes Örtchen. Wir machen Pause, immerhin habe wir die letzten 12 km in Rekordzeit gefahren. Außerdem ist Mittag und in der Kneipe gegenüber von dem Kloster sitzen gerade ein paar Fußpilger die Deutsch reden. Zwei von denen sind schon auf dem Rückweg und da hört man natürlich gerne zu. Wenn man allerdings etwas bestellen will, muß man allerdings sehr hartnäckig auf sich aufmerksam machen. Dann wieder nur Spanisch (das ist ja eher unsere Schuld).
Wir fahren heute noch bis Sarria wo wir uns erstmal in eine Kneipe am Fluß setzen. Wunderschöne Promenade! Später suchen wir einen Campingplatz, aber alles was wir finden ist ein Feld, 5 Min vom Fluß weg, auf dem eine Schulklasse zeltet oder CVJM oder sowas. Auf jeden Fall haben die Schnallen dabei. Neben dem Feld ist eine Turnhalle wo die Pilger schlafen. 40 Stück oder so. Die sanitären Anlagen sind beschissen und wir sind zurück über den Fluß gegangen, jetzt sitzen wir irgendwo und die Bedienung redet viel und wir verstehen "nada"!
Jetzt schlägt's 13!! Ein Typ kommt an und gibt uns UNGEFRAGT eine Wettervorhersage: "Ohh! Weather bad. Rain tonight." Sehen wir so aus, als ob wir das wissen müssen?! Als ob wir unter Brücken schlafen?! Wahrscheinlich schon...
Montag, 18.08.2003 (Sarria - Melide)
Wir haben gestern abend noch Billard gespielt und ich habe verloren bis auf einmal oder so. Der Einsatz war immer verschieden. Malte muß deshalb heute das Zelt alleine abbauen und ich muß mich alleine um die Rückfahrt kümmern und Maltes nächsten Platten flicken und heute nacht ohne Schlafsack schlafen. Scheiße!
Sitzen in Palais de Rei auf'm Marktplatz, ist ganz laut Musik: Galicische Klänge. Die haben wir aber auch schon live gehört! Malte mockiert sich gerade über unseren neuen Freund Michael Kasper den wir in den letzten Tagen ganz besonders lieb gewonnen haben und der unseren Führer verfaßt hat... der schreibt eine Scheiße manchmal!
Zur Strecke: Geradeaus und flach geht es so gut wie gar nicht mehr. Nur noch auf und ab. Aber wir schlagen uns tapfer. Am Himmel sind etliche Wolken, also auch nicht allzu heiß.
MEMO: Zu Sahagun: In der Herberge haben wir zwei deutsche Mädchen getroffen, die einen Deutschen in der "Reisegruppe" haben, so deutsch wie es nur geht: Und dieser Typ hat gesagt (hihi) er sei mit dem Jakobsweg so zu 60% zufrieden, aber zu 40% paßte es ihm nicht. Also, daß diese Spanier immer 10€ wollten, damit sie ihm seinen Rucksack zur nächsten Herberge vorausfahren... (Nur gut, daß er über die kritischen 50%-Marke ist. Sonst müßte er seinen Urlaub ja reklamieren!)
Herberge in Melide: Schlafplatz auf dem Boden im Aufenthaltsraum mit mindestens 20 anderen und ich weiß nicht genau wie das passen soll... Wir gehen noch kurz in den Ort. Malte stellt philosophische Fragen bzw. linguistische oder moralische. Ich weiß nicht genau was er meint. Ich esse ein Sandwich und es wird kühl... ist es überhaupt schon seit 3-4 Tagen. Keine Ahnung, ob das die Gegend ist oder ob es im allgemeinen kühler wird.
Ich muß es einmal sagen: Wir sind schnell! Wenn wir solche Modesäue im Trikot sehen, sind die auch nicht schneller als wir. Meistens kommen wir auch vor denen an. Die sind zwar top ausgerüstet, aber kochen anscheinend auch nur mit Wasser. Wir schlafen heute in der Herberge im Wohnzimmer auf dem Boden. Inzwischen mit 40 anderen. Keinen Bock drauf. Aber was soll man machen?!
Dienstag, 19.08.2003 (Melide - Monte do Gozo)
Heute ist überall Nebel. Aufgestanden um 8:30 Uhr. So ein Italiener hat eine halbe Stunde seine Tasche gepackt und stand dabei mitten im Durchgang wo alle ihre Räder durchschieben mußten. Keine Ahnung, was der da so lange gemacht hat. Ich will nicht wissen, wie lange es dauert, bis der sich morgens in sein hauchdünnes super-windschnittiges- Rad-Strech-Trikot gezwängt hat.
Nach 15 km sitzen wir in Arzua. Hier gibt es laut Führer gar nix, außer 6900 Einwohner. Sehe gerade die Karte an. Santiago ist darauf nur noch 10 km entfernt. Schon ein komisches Gefühl... zum Schluß ging alles so schnell. Aber noch sind wir ja nicht da... Monte do Gozo: Jetzt sind wir nur noch 5 km von Santiago entfernt. Die Herberge: erinnert eher an ein Truppenlager. In unserem Zimmer mieft es und das obwohl nur zwei Typen drin liegen, aber die sehen auch entsprechend aus. Einer von den Rezeptionisten ist bekifft. Oder besoffen. Oder beides. Malte will duschen, aber die Duschen sind alle besetzt. Jetzt hat der Bekiffte auch noch angefangen Gitarre zu spielen.
Wir sitzen in der Bar dieser Massenherberge und die ist super! Na, zu teuer halt und steril und nix los, aber es läuft Bruce Springsteen. Wenn man das hört... ist ja ein Phänomen: Irgendwann denkt man "So, das war jetzt alles Gute von ihm." und dann kommt immer noch ein geiles Lied, das man vergessen hat.
Wetter heute war wolkig. Kaum Sonne. Bin in langer Hose gefahren. In der Bar gefällt's uns nicht mehr und die Musik ist auch weg. Wir gehen ein bißchen spazieren auf den Hügel. Den höchsten Punkt des Monte do Gozo: Der Berg der Freude! Wenn die alten Pilger den erreicht hatten, konnten sie Santiago sehen und brachen allesamt in Freudengeschrei und Tränen aus. Da steht jetzt ein Denkmal von eben solchen zwei Pilgern. Riesengroß ist es und Malte muß ihnen natürlich unter dem Rock gucken. Danach muß er noch ein Foto von ein paar Spaniern machen. Wir trinken noch ein Glas von dem Wein, den wir mit hier hoch genommen haben und gehen ins Bett. So toll ist der Ausblick auf Santiago nämlich gar nicht. Kann auch am Wetter liegen...
Unterkunft:
- Die Herberge auf dem Monte do Gozo ist die reinste Massenabfertigung. Baracke and Baracke und nur fast Touristen, die die letzten paar Meter laufen wollen, nachdem sie sich mit dem Bus bis hier hin haben karren lassen. Wenn möglich, sollte man entweder vor dem Monte do Gozo übernachten oder durchfahren bis Santiago.
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Mittwoch, 20.08.2003 (Monte do Gozo - Santiago de Compostela)
Gegen Mittag kommen wir endlich in Satiago an und schnell finden wir auch das Ziel unserer Reise: Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Sternen-Feld davor fällt eine Fußpilgerin sogar auf die Knie und weint. Kann man schon verstehen. Das ist wohl für jeden Pilger ein ergreifender Augenblick. Wenn wir auch nicht in Tränen ausbrechen, setzen wir uns doch vor die Kathedrale und versuchen erstmal uns bewußt zu machen, was wir geleistet haben, wofür wir es gemacht haben und daß jetzt alles vorbei ist.
Haben den Ablaß in der Tasche und gesegnet sind wir auch! Der Gottesdienst war allerdings etwas dürftig für meinen Geschmack: Als erstes mal kein Weihwasser im Becken. Im Führer stand was von mehrsprachigem Gottesdienst; kann man auch nicht wirklich von sprechen: Ein Deutscher hat ein paar hohle katholische Floskeln abgelassen, aber ansonsten kaum was verstanden. Die Kirchenpforten sollten angeblich während des Gottesdienstes geschlossen werden. Aber waren sperrangelweit offen und lauter Leute rein und raus und rein und raus... Und Kamerablitze überall. Alle haben laut gelabert und gelacht und wenn man die Augen zugemacht hat, hat man gedacht man ist auf dem Oktoberfest.
Haben unser Ankunftsfoto gemacht. Wir zwei vor der Kathedrale. Mit Selbstauslöser! Danach setzen wir uns in die Fußgängerzone. Die Musik wird besser. So soll's bleiben. Sind übrigens über 1100 km gefahren. Habe mir gestern anhören müssen, daß ich ein "lustiges Fahrrad" habe. Da war ein Österreicher in der Herberge. Den hatten wir schon mal überholt und er hat gesagt: "Ach, Du warst doch der mit dem lustigen Fahrrad." Möchte mal wissen, was daran lustig ist! "Lustiges Fahrrad?!" hab ich gefragt und da hat er versucht, es etwas abzumildern: "Naja, mehr so'n Stadtfahrrad." Nur wenn ein Korb an einem Rad ist, heißt das ja wohl noch lange nicht, daß es ein Stadtrad ist!
Gottesdienst:
- Wer im Sommer oder zu anderer Hauptsaison in Santiago ankommt, sollte sich auf was gefaßt machen: Die Kirche ist voll von Touristen. Mit Pilgerromantik ist es da nicht weit her.
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