Springbock, Kudu & Co. Mit dem
Geländewagen durch Namibia
Hochsommerliche
Temperaturen statt Winterfrust, Wildnis, Weite und sanfte
Abenteuer gegen überfüllte Städte im Kälteschlaf uns
zog es zum Jahreswechsel 2010/2011 ganz klar nach Namibia. Gerade
mal eine Stunde Zeitverschiebung und ein Nachtflug entfernt. Wir
haben uns drei Wochen gegönnt, um mit vorgebuchten Lodges und
4x4-Mietfahrzeug dieses Land näher kennenzulernen. Im Dezember
ist in Namibia Sommer und Regenzeit zugleich. So macht uns nicht
nur die Hitze, sondern im Norden des Landes auch die hohe
Luftfeuchtigkeit etwas zu schaffen.
Nach dem Flug und
dem Transfer nach Windhoek, stehen wir bald unter tropischen
Palmen, ebensolchem Vogelgezwitscher und spazieren mit weißen
und farbigen Afrikanern durch die ruhige Innenstadt. Bald stehen
wir vor Fachwerkhäusern und der Lindenapotheke. Das
ehemalige Deutsch-Südwest lässt grüßen. Nun ist Windhoek,
immerhin Hauptstadt Namibias, mit rund 170 000 Einwohnern für
europäische Verhältnisse recht überschaubar, bietet aber
wirklich alles, was das Herz begehrt. Schade nur, dass wochentags
ab 18 Uhr alle Geschäfte geschlossen sind (übrigens auch
samstags ab 14 Uhr!). Wir sind natürlich um 18.30 Uhr unterwegs
ist also nichts mit Einkaufen. Von der menschenleeren
Innenstadt aus fahren wir zu einem wunderbaren
Dinner-Tip: Joes Beer House. Witzig gestaltete
Biergarten-Hocketse-Außenbar-Gaststätte. Der Laden ist
rappelvoll hier sind sie also, die Windhoeker! Wir
verfallen gleich am ersten Abend dem wunderbaren namibischen
Wild. Springbock, Kudu & Co schmecken gut. Und die begleiten
uns auch die nächsten Wochen.
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Die erste Etappe
unserer Reise führt uns Richtung Süden in die Kalahari. Bald
verlassen wir die Teerstraße B1 und begeben uns bei Aris auf die
gravel road Richtung Brack und von dort nach
Dordabis. Schotterstraße triffts nicht ganz.
Gut befestigt führen diese meist 5 6 Meter breiten und
mit feinem Split versehenen, ebenen Straßen über Land.
Erstaunlich gut ausgebaut, verleiten diese Straßen schnell dazu,
zügiger als die zugelassenen 60 km zu fahren. An sich kein
Problem, solange kein Wellblech, gröberer Split,
Auswaschungen (Regenzeit!) oder Wildwechsel zu stärkeren
Bremsmanövern führen. Nach etwa drei Stunden Fahrt erreichen
wir etwa 70 Kilometer von Dordabis die Kiripotib-Lodge (www.kiripotib.com),
eine kleine, aber sehr engagiert geführte Lodge, wo Einheimische
kunsthandwerklich tätig sind und dergleichen verkauft wird. Zum
Nachmittagskaffee kehren wir in Bitterwasser ein
eine von Segelfliegern sehr geschätzte Oase in der kargen
Wildnis. Bei inzwischen deutlich über 30 Grad bewundern wir auf
der Terrasse die Libellen und Schmetterlinge, die unglaublich
zahlreich auftauchen, sobald es etwas Wasser gibt.
Webervögel und
andere Wildtiere in der Kalahari
Am späten
Nachmittag kommen wir in der Kalahari Anib Lodge gerade noch
rechtzeitig an, um an einer Sundowner-Tour, einer
Fahrt zur Wildbeobachtung mit kleinem Cocktail-Stopp,
teilzunehmen. In hohen, offenen Landrovern kurven wir durch die
Kalahari, bewundern Zebras, Springböcke, Strauße, riesige
Webervögelnester, Hasen und
. große Gewitterwolken stehen
am Horizont. Auf einer dieser typisch ziegelroten Dünen, die
sich durch die ganze Kalahari ziehen, genießen wir unseren
Sundowner, die einen mit Bier, die anderen mit Gin
Tonic oder Cola. Wir sind ein wirklich bunter Haufen mit
Deutschen, Südafrikanern, Namibiern und Italienern. Einige
werden wir im Laufe der Reise wieder sehen. Auf der Rückfahrt
zur Lodge erwischt es uns prompt. Es schüttet in Strömen und
der offene Wagen bietet keinerlei Schutz vor den hart
einschlagenden Tropfen. In abenteuerlichem Tempo hüpfen wir
durch die Savanne und kommen schließlich klitschnass in unserer
Lodge an. Respekt für die Fahrer, die ohne Windschutzscheibe in
diesem Wolkenbruch zurück fanden. Beim leckeren
4-Gänge-Menü begegnen uns erstmals die Klick-Laute der
Nama-Sprache. Völlig fasziniert hören wir diesem Schnalzen und
Klicken im Redefluss zu Unsereins hätte danach einen
Knoten in der Zunge. Der Regen hat bereits wieder aufgehört und
wir schlafen selig in dem großzügig und liebevoll
eingerichteten Häuschen.
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Am nächsten
Morgen ist der Himmel in kürzester Zeit wolkenlos, wir
frühstücken draußen in angenehmer Wärme, bevor wir uns zu
unserer nächsten Station weiter in den Süden nach Keetmanshoop
aufmachen. Von dort sind es zwölf Kilometer zum Köcherbaumwald
und dem Giants Playground. Diese Agavenbäume und die
Gesteinsbrocken sehen in dieser kargen Landschaft recht
unwirklich aus. Im Quivertree Rest Camp versuchen wir uns mit
Cola wieder etwas herunterzukühlen inzwischen dürfte es
locker um die 40 Grad haben. Auf unserer weiteren Fahrt über
einsame Gravel Pads Richtung Fish River Canyon begegnet uns vor
allem eins: die unendliche Weite. Vertrocknete Sträucher und
Grasbüschel auf karger Erde soweit das Auge reicht.
Hügelketten, die über Stunden nur langsam näher kommen. Nur
selten begegnen wir einem Auto. Bahngleise laufen allerdings
schon seit Mariental neben uns. Gelegentlich gibt es in dieser
Einöde doch tatsächlich eine Haltestelle mitten im
Nirgendwo, weit und breit ist für uns keine Farm oder andere
Behausung erkennbar. Übertroffen wird das Ganze noch von
Seeheim. Dieser Ort besteht aus einer Bahnstation und
einem Hotel, das in seiner Anmutung durchaus auch im Schwarzwald
stehen könnte. Nur, soweit wir das erkennen können, ist
mindestens 100 km um Seeheim herum NICHTS, GAR NICHTS! Außer
trockener und eingezäunter Savanne. Kurz bevor wir bei Holoog
Richtung Fish River Canyon abbiegen, kommt uns tatsächlich ein
Zug entgegen. Sicherheitshalber mit zwei Dieselloks ihnen
wird es ähnlich gehen, wie den Autofahrern: Treibstoff immer gut
einteilen, die nächste Tankstelle könnte 300 km entfernt sein
und es haben nicht immer alle Tankstellen auch wirklich Benzin
abzugeben.
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Silvester am
Fish River Canyon
Die traumhaft
schöne Fish River Canyon Lodge
(http://www.gondwana-collection.com/en/Fish_River_Canyon.htm) ist
für zwei Nächte unsere Station. Die einzelnen Bungalows sind
zum Teil direkt an die Felsen gebaut so spart man sich
eine Wand und hat eine besondere und stilvolle Atmosphäre
geschaffen. Der Swimmingpool ist etwas abgelegen, mit dunklen
Natursteinen sehr schön und stimmig ausgelegt und
bietet einen sensationellen Blick über die Ebene.
Der Fish River
Canyon (http://www.namibiorama.com/,
www.namibia-info.net/suednamibia/fishriver_info.html), den wir am
nächsten Tag (Sylvester 2011) besichtigen, sieht wirklich aus
wie der kleine Bruder des Grand Canyon. Zerklüftet
und von beeindruckenden Ausmaßen lädt er geradezu zum Wandern
ein. Allerdings nicht bei diesen Temperaturen um 30 Grad im
Dezember. Der Canon ist in den Monate April bis September offen
für angemeldete Gruppen-Wanderungen. Die fünftägige Wanderung
durch den Canon bedarf wegen der Einsamkeit auch einiger
Sicherheitsüberlegungen. Wir folgen der gemäßigten 4x4-Strecke
entlang des Canon-Randes. Am Abend geraten wir in den ersten
Regen der seit Monaten hier fällt. Die Wolkenformationen und die
Regenwand darunter lassen ernsthaft befürchten, dass ein
vollständiger kompakter Regen-Fluss auf uns zukommt. Nach
eineinhalb Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Die Landschaft
steht partiell unter Wasser. Später am Sylvesterabend haben wir
dann wieder wunderschönes Abendrot. Dieses speziellen Licht, das
jeden Afrika-Liebhaber zum Seufzen bringt.
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Am nächsten
Morgen sind wir vom Fish River Canyon in Richtung Süden
unterwegs, zunächst zum Oranje-River und dann dort entlang nach
Rosh Pinah. Ab Ais-Ais wird es richtig einsam. Bei
unerträglicher Hitze und ohne Handy-Empfang, weiß man sich auf
sich selbst gestellt. Vor Allem, da wir seit einigen Stunden
niemand mehr gesehen haben. Die wenigen Farmen, die
offensichtlich hauptsächlich per Flugzeug erreicht werden, haben
große closed-Schilder an den Gattern mit
Einkehrmöglichkeiten ist es ja schon seit Tagen vorbei. Auch die
so häufig anzutreffenden Springböckchen sind verschwunden,
selbst die letzten Reste der Vegetation weichen langsam zurück.
Ein unheimliches Gefühl der absoluten Verlassenheit schleicht
sich langsam ein.
Entlang am
Oranje-Fluss nach Rosh Pinah
Unser GPS-Gerät
gibt uns allerdings das gute Gefühl, zumindest zu wissen, wo
genau in der Einöde wir sind. Die hochgenaue GPS-Karte von
tracks 4 Africa (www.tracks4africa.ch) ist die Basis für
Abstecher ins Gelände. So verlassen wir die Gravel Road und
kürzen über einen 10km langen 4x4-Trail zum Oranje-Fluß ab. Im
Flussbett müssen wir ein paar Mal die Route suchen und auch im
Sand um große Steine herumfahren. Einige Fahrmanöver weiter
stehen wir unmittelbar am Fluss. Wir gelangen aus der Wüste an
wahrhaft grüne Flußauen. Allerdings nur ca. 20 30 Meter
links und rechts des Ufers. Beeindruckt schauen wir auf das
gegenüberliegende Flussufer und damit nach Südafrika. Den
südlichsten Punkt unserer Reise haben wir erreicht. Ein kurzes
Bad im Oranje-River bei starker Strömung bringt etwas
Erfrischung. Dann eine kurze Schrecksekunde beim Ausstieg: Die
Spur von großen Katzenpfoten im Ufersand führt uns auch das
Thema Wildnis wieder deutlich vor Augen.
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Die Pad entlang am
Oranje ist von außergewöhnlicher Schönheit und wir freuen uns,
mal wieder richtig viel Wasser zu sehen. Vor Rosh Pinah kommen
wir wieder in eine der Polizeikontrollen, wie diese vor jedem
größeren Ort stattfinden. Nach dem obligatorischen Tankstop in
der südlichen Minenarbeiter-Stadt und den folgenden 200 km
über die neue Teerstraße erreichen wir dann unser heutiges
Ziel, Klein Aus Vista. Wieder haben wir einen netten Bungalow
für uns allein und die roten Zipfelmützen auf den Pferdefiguren
erinnern uns daran, dass es eigentlich Weihnachtszeit ist. Dabei
ist das Weihnachtsgefühl soweit weg.
Am Abend fahren
wir noch zu den Desert-Horses, die sich regelmäßig
an einem Wasserloch, etwa 30 km Richtung Lüderitz, versammeln.
Wir sind ganz allein an der Tränke, die etwa 50 Meter entfernt.
Außer einer einsamen Oryx-Antilope ist erst mal nichts zu sehen.
Schließlich sehen wir, wie etwa 50 Wildpferde von den Hügeln im
Hintergrund angetrottet kommen. Auch Fohlen sind dabei. Drei
Pferde halten zuerst mal die Antilope auf Abstand deren
Spießartige Hörner können gefährlich sein. Dann trinkt die
Herde eine halbe Stunde und macht sich wieder auf und davon in
die Berge. Woher sie ursprünglich stammen, weiß keiner so
genau. Vermutlich stammen Sie jedoch von deutschen Armeepferden
ab. Die deutschen Soldaten waren in Klein Aus stationiert und
mussten sich 1915 den Truppen der Südafrikanischen Union
ergeben. Bei Klein Aus kann man heute noch das Internierungslager
für die Deutschen Soldaten besichtigen.
Durch die
Namib-Wüste
Der nächste Tag
führt uns weiter nordwärts in die Namib-Wüste. Am Horizont
sind formenreiche Gebirgszüge zu sehen und in der Steppe davor
finden sich Kudu, Oryx und Co. Wir nehmen die einsame Pad D 707
durch die südlichen Randbezirke der Namib und kommen
schließlich auch bei der Kanaan-Lodge (www.kanaannamibia.com) in
absoluter Einsamkeit vorbei. Die Pad zieht sich schön und
gelegentlich etwas anspruchsvoller durch weichen Sand durch die
Landschaft. Ein Sekretärvogel, der am Straßenrand nach Beute
sucht, ist vermutlich genauso erstaunt über uns wie wir über
ihn. Hübsch und stolz sieht er aus. Ich steige aus und stehe vor
dem Vogel, der mir bis zur Brust reicht. Auf dem schwarzen Haupt
finden sich knallig rote Federn. Zuerst schaut er mich an und
breitet dann bedrohlich seine Flügel aus. Was für eine
Überraschung ! Was für eine Flügelspannweite! Dann bringt er
sich aber doch lieber in Sicherheit, indem er über meine
Schulter durchstartet. Was für ein schöner Vogel. Wir haben Ihn
danach nur mehr weit entfernt gesehen.
Die Straße D 707
macht ihrem Ruf alle Ehre. Sie zieht sich schön und gelegentlich
durch Sand etwas anspruchsvoller durch die Landschaft. Mit
halbvollem Tank sind wir am Morgen los und so nach rund 300 km
wird die Suche zur nächsten Tankstelle etwas nervöser. Unser
GPS zeigt uns kurz vor unserem nächsten Zwischenziel einen Ort
namens Beta an. Prima, kriegen wir vielleicht etwas zu essen.
Welche Enttäuschung. Beta besteht aus der Tankstelle samt
dazugehörendem Kiosk. Nach dem Tanken entschließen wir uns, ein
paar Kilometer weiter zum Duwisib-Castle (www.farmduwisib.com),
da wirds bestimmt was geben. Und tatsächlich steht bei der
danebenliegenden Farm groß und deutlich Kaffee und
Kuchen dran. Wir besichtigen zuerst dieses kleine
romantische Fort eines Deutschen Offiziers, der mittels dem Geld
seiner reichen amerikanische Frau ein prächtiges deutsche Burg
mitten in die namibische Einsamkeit gebaut hat. Hier ist sie
wieder, diese Irritation beim Anblick von so vertrauten Bauformen
inmitten dieser so fremden Umgebung. Und was für ein
unglaublicher Kraftakt, das Baumaterial, die Inneneinrichtung und
die Handwerker hierher in die einsame Wüste zu schaffen! Gern
würden wir bei Kaffee und Kuchen darüber diskutieren, doch die
Farm ist wie ausgestorben und wir machen uns wieder auf die
Strecke. Die Schotterstraße wird wegen der nun groben
Schottersteine und dem Wellblech zunehmend anstrengender. Die
Namib-Wüste wird mehr und mehr zur atemberaubenden Sandwüste.
Wie in allen Schutzgebieten weichen die sonst unendlichen Zäune.
Direkt hinter einem Achtung Zebra-Schild haben sich
freundlicherweise auch ein paar Exemplare eingefunden. Bei den
Giraffen-Schildern leider nicht. Am Abend nach etwa 400 km Fahrt
über die Gravel Pad kommen wir in der wunderschönen Sossusvlei
Lodge (www.sossusvleilodge.net) an. Unser Häuschen besteht
diesmal aus einem gemauerten Eingangs- und Badbereich, der
Schlafraum ist nur im Bodenbereich und an den Seiten halbhoch
gemauert, der Rest ist Zelt. Traumhaft schön. Und mit
Klimaanlage. Nach vorn haben wir über Netzfenster einen direkten
Blick in die Weite der Namib-Savanne. Auf offener Terrasse essen
wir in angenehmer Wärme zu Abend. Mal wieder das arme leckere
Springböckchen, Impala, Gnu & Co.
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Den nächsten
Morgen verbringen wir erst mal faul am Pool, beobachten die
gelben Webervögel, die nicht in Kolonien leben, sondern mit
großem Stress am Eigenheim bauen. Die Hitze ist kräftig, der
Pool nicht sehr groß, aber seeeehr erholsam. Die Zikaden lullen
uns ein. Am Nachmittag machen wir uns dann auf in die Sandwüste
zur trockenen Seepfanne Sossusvlei. Endlich mit 4x4 im Sand
fahren, das macht richtig Spaß. Dann an der Pfanne angekommen,
rauf auf die Sanddünen, die gelbrot gegen den blauen Himmel
stechen. Auch wenn Oryx-Antilopen manchmal etwas minderbemittelt
dreinschauen, sollte man doch etwas Abstand lassen, denn ihre
Hörner können böse Waffen sein. Vor Sonnenuntergang müssen
wir wieder den Nationalpark verlassen haben und so können wir
nur einen kurzen Blick auf den Sesriem Canyon werfen.
Spreetshoogte-Pass,
Gamsberg-Pass und Kuiseb Canyon
Nach einer
schwül-heißen Nacht in der Sossusvlei Lodge jenseits der 30
Grad machen wir uns auf die Fahrt Richtung Swakopmund und
entschließen uns, den Umweg über Spreetshoogte-, Gamsberg- und
Kuiseb Pass Richtung Walvis Bay zu nehmen. Die Pässe, vor allem
der erste gelten als die schönsten und schwierigsten in Namibia.
Schön sind sie allemal, die Hochebene kommt mit ganz anderer,
grünerer Vegetation daher, und auch die Aussicht in die tiefer
gelegene Ebene ist großartig. Und wer schon mal die nicht
ausgebauten europäische Alpenpässe mit dem Auto erklommen hat,
wird sich auch von der Steilheit der namibischen Pässe nicht
schrecken lassen. Der Umweg ist allerdings wirklich richtig weit
und die Strecke nach Walvis Bay wird dadurch sehr lang.
Ein Highlight auf
der Strecke ist der Blick in den beeindruckenden Kuiseb Canyon,
in dem sich die Deutschen Hermann Korn und Henno Martin während
ihrer Flucht im Zweiten Weltkrieg über zweieinhalb Jahre
versteckt hielten. Sie führten ein primitives Jägerdasein und
hielten sich dort versteckt. Das Buch Wenn es Krieg gibt,
gehen wir in die Wüste ist lesenwert. Rund 80 km vor dem
Atlantik und der Hafenstadt Walvis Bay beginnt bereits der
Strand. Die Namib senkt sich ganz sanft Richtung Küste ab.
Wieder erwischt uns eines der für die Regenzeit typischen
Unwetter wir fahren mit 5 Meter Sicht zwischen Blitzen durch die
Seen und Bäche auf der Straße. Von Walvis Bay fahren wir die 20
km weiter an der Küste und durch die Wüste bis Swakopmund.
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Nach der
bisherigen Wüsten- uns Savannenlandschaft wähnen wir uns nun in
einem anderen Universum: Hier siehts aus wie in einem
Nordseebad rutschts mir so heraus. Unser
Guesthouse-Vater lächelt milde, vermutlich hat er
das schon tausendmal gehört. Natürlich empfängt er uns auf
deutsch, passend zum Alten Amtsgericht, das wir schon
in der Stadt gesehen haben und den vielen Geschäften und Hotels
mit deutschem Namen. Nun weiß man eigentlich, dass in Swakopmund
deutsche Tradition gepflegt wird, die sich aber logischerweise
ganz anders bis auf die Sprache entwickelthat als
in Deutschland selbst. Und mittendrin zu sein, irritiert
unglaublich. Gänzlich in der Fremde steht man plötzlich in
Vertrautem und erkennt, dass dieses Vertraute einem völlig fremd
ist! Zum Glück hilft das gute einheimische Bier oder besagter
südafrikanischer Wein beim Neusortieren.
Am folgenden Tag
machten wir eine ausgiebige Bootstour zu Pelikanen, Flamingos,
Robben und Delfinen. Es ist so beeindruckend, diese Tiere zum
Teil ganz hautnah zu erleben. Der Abschluss mit Austern
natürlich den weltbesten und südafrikanischem Schampus
war stilgerecht. Der Rest des Tages gehört einem ausgiebigen
Strandspaziergang samt Erholung.
Geländefahrt
von der Spitzkoppe zum Brandberg
Die nächste
Etappe führt uns zur Spitzkuppe, dem Matterhorn Namibias. Mit
glattem, rotbräunlichem Fels lädt die Spitzkuppe zum Klettern
ein. Doch dafür müssen wir nochmals extra herkommen, denn die
Temperatur im Dezember liegt hier jenseits der 30 Grad. Der
leichteste Anstieg auf die Spitzkoppe ist eine anspruchsvolle 5+,
wobei Zwischensicherungen teils mittels Keilen erfolgen. Es gibt
hier aber auch noch Kletterpotenzial für die Zukunft, da der
Granit auf der Westseite äußerst kompakt ist. Hier gehen
sicherlich Touren im 8. Schwierigkeitsgrad und mehr. Statt dem
Klettern habe ich mir im GPS einen der Off-Road-Tracks
herausgesucht, die in Tracks for Africa zu finden sind. Die alten
Tracks finden wir ganz gut, jedoch müssen einzelne Passagen
heute umfahren werden, da sich das Gelände verändert hat. Die
Querungen der Trockenflusstäler lassen sich mit dem GPS aber
bestens finden. Wir umfahren zunächst die große und kleine
Spitzkoppe um dann nordwestlich Richtung Brandberg-Massiv
voranzukommen. Ohne GPS oder ausgezeichnete
Orientierungskenntnisse sollte man dies nicht wagen. Ganz leicht
nur zeichnen sich Reifenspuren auf dem steinigen Untergrund ab
und allzu oft gehen Routen links und rechts weg und führen nicht
zum Ziel. Anspruchsvoll, aber fahrbar ist die Strecke für
unseren Hillux allemal und es macht Spaß, den richtigen Weg zu
finden. Und es braucht Zeit. Die Strecke ist ungefähr 100 km
Off-Road und im zweiten Teil auf Pfaden durch den Trockenfluss.
Zwischendurch Sandpassagen, bis wir schließlich am
Brandbergmassiv wieder auf die große Pad kommen. Insgesamt 3
Stunden haben wir für diese spannende Strecke gebraucht.
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Wildelefanten
in Twyfelfontein
In der
Twyfelfontein Country Lodge bleiben wir ebenfalls zwei Nächte.
Hier ist es wieder richtig heiß und keine Klimaanlage.
Erst am folgenden Tag begeben wir uns auf Kultur- und Pirschtour.
Der Vormittag gehört Anton, dem Guide von der Twyfelfontein
Lodge, der uns die wunderschönen Felsgravuren samt der
Zweifelhaften Quelle zeigt, die dem Ort den Namen
gab. Bei der Rückfahrt dann die Nachricht: Die Wüstenelefanten
sind auf dem Weg zum Wasserloch bei der Lodge. Tatsächlich kommt
eine Herde von etwa 12 15 Tieren gemächlich zum etwa 200
Meter von der Lodge entfernten Wasserloch. Vorne dran ein
halbstarker Bulle, der langsam aus dem Verband der weiblichen
Tiere hinaus komplimentiert wird. Eigentlich will er auch lieber
direkt aus der Wasserleitung schlürfen und zieht dazu ein paar
Mal kräftig am Rohr der Wasserleitung zur Lodge, worauf
hektisches Geschrei der Lodge-Angestellten losbricht, so dass er
genervt wieder davon ablässt. Anschließend begutachten manche
Elefanten noch die einzelnen Lodge-Häuschen von außen,
entschließen sich aber zum Glück nicht einzuziehen. Am
Nachmittag sind wir mit Anton und seinem, wie immer offenen
Armee-Fahrzeug ganz nah dran an den Elefanten. Sie scheint es
trotz der Jungtiere nicht zu stören. If you respect them
they respect you ist das Credo unseres Guides. Und obwohl
die Wüstenelefanten als aggressiv gelten, sind sie
in respektvollem Abstand sehr entspannt.
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Kunene-Feld
bzw. Kaokoland
Über gravel pads
geht es weiter nach Norden. Bei dem Kontrollpunkt zum
Desease-Schutzgebiet (Rinderseuche) werden wir
gebeten, ein Farmer-Pärchen samt Tochter in die nächste
Ortschaft mitzunehmen. Sie sind vermutlich anfangs ähnlich
unsicher wie wir, aber tauen im Gespräch ein wenig auf. Sie sind
Damara, erfahren wir, die vor Allem Ziegen besitzen und nun zur
Jahresversammlung der Farmer fahren, um dort über die
Produktionsziele des neuen Jahres zu verhandeln. Die Kleine ist
samt ihrer Eltern sehr stolz darauf, dass sie schon ein Jahr
Schule hinter sich hat. Die Fahrt gefällt ihr und sie freut sich
diebisch, wenn wir andere Wagen überholen. In dem kleinen Nest
Sesfontein lassen wir sie aussteigen. Im Ort gibt es an der
einsamenTanksäule weder Sprit noch gibt der dortige Bankomat
Bargeld. Somit fällt die geplante kurze Pause in der Sesfontein
Lodge wegen akutem Geldmangel aus. Dasselbe gilt auch für den
gut gefüllten Laden, auf den der halbe Ort aufzupassen scheint.
Es kommen in dieser Saison allerdings wenige, die hier einkaufen
könnten. Weiter nach Norden wird die Vegetation grüner,
das Gelände hügeliger und es gibt hier auch keine Zäune mehr.
Daher kurvt man nun öfter um Rinder- und Ziegenherden herum, die
sich bevorzugt auf der Straße aufhalten. Auch die ersten
Himba-Dörfer zeigen uns, dass wir wieder in einer ganz anderen,
eher schwarzafrikanischen Welt angekommen sind. Und obwohl dieser
Landstrich gemessen am Viehbestand reicher sein müsste als der
trockene Süden, sehen wir oft bettelnde Kinder und Erwachsene.
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Opuwo ist der
Verwaltungssitz der Region Kunene, bzw. Kaokoland. Hier mischen
sich afrikanische Neuzeit und alte Tradition. Die Himba, eines
der letzten traditionell lebenden Nomadenvölker, zeigen sich
hier traditionell gekleidet allerdings nur die Frauen.
Ebenso sind die Herero-Frauen an ihren Gewändern und Hauben zu
erkennen. Dazwischen modern gekleidete Männer und
Jugendliche. Eine seltsame Region. Einerseits auf traditionelle
Lebensart und Rinderzucht bedacht und doch waren die Himba
bereit, sich im Befreiungskrieg durch die Südafrikaner an den
Waffen ausbilden zu lassen, um gegen die SWAPO zu kämpfen. Seit
dem Sie nach dem Krieg entwaffnet wurden leben die meisten wieder
von Rinderzucht oder machen untereinander irgendwelche Deals die
für uns Europäern etwas undurchsichtig scheinen. In jedem Fall
bin ich froh, dass wir mit Hab und Gut und ohne Verluste wieder
weiter nach Norden Richtung Angola fahren können. Vor allem für
die Himba-Männer ist ja das Leben nicht schlecht. Die Kinder
kümmern sich ums Vieh, das in der Umgebung grast. Ein paar Tiere
sind im Kraal im Dorfinnern und werden von den Frauen gemolken,
die für das Essen zuständig sind und das den unter den Bäumen
sitzenden Männern bringen. Warum daran was ändern?
Epupa-Falls an
der Grenze zu Angola
Auf dem Weg zu den
Epupa-Wasserfällen kommen wir an der Farm des Kinderprojektes
Dreilinden in Okanguati vorbei an deren Eingang uns ein Schild
auf deutsch darauf hinweist, dass hier ein Waisenhaus entstehen
soll. Das wollen wir uns genauer anschauen. Gisela Horn, eine
resolute Berlinerin, zeigt uns die Neurungen im Projekt
(www.kaokoland.de) und freut sich über unseren Besuch. Zur Farm
gehören verschiedene Versuchsfeldchen für Gemüse und Obst und
ein kleiner Zoo mit teils verletzten Tieren. Sie berichtet uns
von ihren Erfahrungen damit, die Menschen hier zu neuen
Farmmethoden zu ermutigen, um so den Anschluss an die
Weiterentwicklung des Landes nicht zu verpassen der Erfolg
zeigen sich Schritt für Schritt. Die umliegenden
Dorfgemeinschaften freuen sich zwar, dass ihre Kinder in der
Station kostenfrei zu essen bekommen, doch dort zu arbeiten
scheint verpönt zu sein. Wer arbeitet, wird als arm und
bedürftig angesehen. Das passt nicht wirklich zum
Selbstverständnis der rinderzüchtenden Nomaden.
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Die Epupa
Wasserfälle am Kunene, dem Grenzfluss zu Angola, sind um diese
Jahreszeit wirklich beeindruckend. Der Kunene führt Hochwasser
mit starker Strömung und so bekommen wir keine der zahlreichen,
bis 7m großen Krokodile zu sehen. Dass sie trotz des schnell
fließenden Flusses auf Futterjagd sind, zeigt uns ein verletzter
Esel, der in der Nähe unseres Camps wohl etwas am Ufer
rumgetrödelt hat und dem ein Krokodil das Hinterteil abgebissen
hat. Das Tier wird wegen des großen Infektionsriskos bei der
Hitze die Verletzung vermutlich nicht überleben. Hier im Norden
hat es auch spürbar mehr Stechmücken, wir haben zum Glück
unsere Malaria-Prophylaxe schon begonnen. Zumal das Abendessen im
Freien direkt am Kunene wirklich zu schön ist.
Etosha -
Nationalpark
Vom nördlichsten
Punkt unserer Reise, führt unsere Tour zur Huab-Lodge. Ca. 60 km
von der großen Pad entfernt, liegt sie in einem bezaubernden Tal
und empfängt uns mit einer sehr familiär-freundschaftlicher
Atmosphäre. Die nachmittägliche Wild-Tour führt uns noch
weiter in das Trockental hinein. Außer ein paar Adlern bekommen
wir vor allem viel Landschaft zu sehen und mal wieder
Regen. Allerdings schaffen wir es diesmal gerade noch, bevor man
die Regenfäden sichtbar werden, zurück zur Lodge, wo wir ein
wunderbares gemeinsames Abendessen am großen Tisch des
Haupthauses erleben. Am nächsten Morgen gönnen wir uns noch ein
Bad in der gut 40 Grad heißen Thermalquelle und kühlen uns ab
im Pool.
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Nach drei Stunden
Fahrt erreichen wir am nächsten Morgen den Etosha Nationalpark
und beziehen unser Quartier im Okaukuejo Camp die
Renovierung zum 100. Geburtstag vor 3 Jahren hat sich wohl
gelohnt. Wir wohnen sehr komfortabel und sauber im
Reihenhäuschen. Giraffen haben uns schon begrüßt,
Springböckchen sowieso mitsamt ihren Jungen, auch die Schakale,
die frech bis ins Camp kommen, haben Junge. Selbst Elefanten mit
Nachwuchs, Zebras, Impalas, Mungos bekommen wir zu Gesicht. Die
Löwen hören wir nur am Abend brüllen. Am Wasserloch selbst ist
nichts los, es hat einfach schon zuviel geregnet und die
tierische Belegschaft des Parks ist wohl auf Urlaub von den
Zweibeinern gegangen. Beeindruckend ist es allemal, all die
Tiere in (fast) freier Wildbahn zu erleben und von ihnen
neugierig beäugt zu werden.
Waterberg-Plateau
Die letzte Etappe
unserer Reise führt zum Waterberg Plateau, einem Tafelberg, der
rund 200 km nördlich von Windhoek in den Himmel ragt. Die
Waterberg Wilderness Lodge (www.waterberg-wilderness.com) macht
ihrem Namen alle Ehre. In einem traumhaft schönen grünen Tal
liegt sie von den roten Felsen des Waterberg umschlossen. Eine
Warzenschweinfamilie begrüßt uns schon ein paar Kilometer
davor. Schon fast tropisch ist die Vegetation und wir genießen
unseren Nachmittagskaffee auf der Terrasse mit freundlichem
Vogelgekreisch und leider auch mit Stechmücken. Die Region ist
bei Wanderern zu Recht sehr beliebt und wir machen noch eine
dreistündige Tour auf das Plateau vor dem Abendessen. Ein
bisschen seltsam fühlt es sich schon an, dieser Wildnis zu
wandern, doch außer den Spuren von Paarhufern sehen wir nichts
Verdächtiges. Das Gelände oben auf dem Plateau ist
so undurchsichtig, dass hier ohne GPS nur eine Tour mit Führer
der Lodge bleibt. Wir haben den Weg Mithilfe des GPS jedoch
selbst gut gefunden, haben dieses aber auch mehrfach zur
Orientierung gebraucht, da viele Stellen absolut gleich
ausschauen und in der atemberaubenden Landschaft auf den
Dschungelpfaden schnell der Überblick verloren geht. Nach dem
Abendessen zurück in der Lodge werden wir noch Zeuge, wie sich
zwei Stachelschweine über die Salatreste hermachen. Die Nacht
ist richtig finster, keine künstliche Lichtquelle stört die
Dunkelheit.
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Etwas traurig
machen wir uns am nächsten Morgen auf die Weiterfahrt nach
Windhoek, von wo wir am Abend zurückfliegen werden. Das
Mittagessen nehmen wir um die Runde wieder zu beenden
in Joes Beer House und brechen mit unserem
special local guide, dem Namibier Eddi, noch zu einer
kleinen Rundtour durch Windhoek auf. Den Crafts Market hätten
wir gern beglückt, doch es ist Samstag nach 14 Uhr. In einem
Laden werden wir aber doch noch etwas fündig, fahren zum
Helden-Acker, dem Denkmal für die Freiheitskämpfer
am Rand von Windhoek. Von dort haben wir nochmals einen
wunderschönen Blick über die Stadt ein würdiger
Abschluss einer wunderbaren Reise. Nach drei Wochen kommen wir
wieder um einige Erlebnisse reicher im verschneiten und eisigen
Frankfurt an.