Mit der SG-Stern auf schweren Klettersteigen unterwegs
Seebenen-Steig, Taja-Kante und Sonnenspitze an einem erlebnisreichen Sommer-Wochenende 2007
Uns wurde ein anspruchsvolles Klettersteigwochenende versprochen ..... und das bei schönstem Wetter. Nun ja - in Stuttgart sahs noch nicht so toll aus. Aber morgens früh um halb sechs gings voller Erwartung los in Richtung Ehrwald. Mit dem Landy waren wir zwar nicht ganz so schnell unterwegs wie die Kameraden in der M-Klasse, aber wir trafen uns schließlich alle pünktlich am Parkplatz der Ehrwalder Gondelbahn und rüsteten uns für den ersten Anmarsch zum Einstieg des Seeben-Klettersteigs. Wir waren eine Gruppe der SG-Stern Sindelfingen bestehend aus neun Personen - drei davon richtige Powermädels.
![]() |
![]() |
Nach kurzem
Marsch bergan, entlang eines malerisch schönen Gebirgsbaches,
gelangten wir gut aufgewärmt zum Einstieg am Wasserfall des
Seebensees (ca. 1300 m). Sehr schwierig - nur für
Geübte stand dort auf großen Tafeln zu lesen. Naja - wenn
Hüsler da mal wieder nicht übertreibt..... Vor uns stieg gerade
eine Gruppe junger englischer Marines in den Steig ein - als
privaten Outdoorevent, die sich nach eigener Aussage zum ersten
Mal an einem Klettersteig probierten. Wisst ihr eigentlich, was
Klettersteig auf Englisch heißt? Ich jetzt schon:
Klettersteig! Unser aller Erwartung, dass wir hier besonders
athletische Leistungen sehen und die boys bald vor uns aus den
Augen verlieren würden, wurde allerdings sehr schnell getrübt
als wir zusehen mussten, dass schon der erste von ihnen vom
Ehrwalder Bergführer am Seil den Einstieg hinaufgezogen wurde.
Der Anblick erinnerte an die Bergung eines Seenotopfers aus der
Luft. Freundlicherweise überließen uns die feschen Briten dann
nach kurzem Smalltalk freiwillig den Vortritt, sodass unsere
Gruppe zügig aufsteigen konnte.
Angespornt durch
die Vorlage des anderen Bergführers, wollten wir dann auch in
unserer Gruppe die sorgfältige Sicherung eines
Mannschaftskameradens am Schleppseil demonstrieren - man/frau
weiß ja nie: vielleicht kann dieses Wissen im Ernstfall mal sehr
wichtig werden. Der - zugegebenermaßen - etwas übergewichtige
Rucksack des Freiwilligen wurde von einem anderen Kletterer auf
dessen Rucksack aufgesattelt. Schließlich sollte ja alles so
realistisch wie möglich dargestellt werden. Unsere Gruppe
arbeitete sich zügig an Stahlseil und eisernen Tritten den
senkrechten Hang hinauf, bis an der Schlüsselstelle die
Verfolgergruppe nur noch in weiter Ferne erkennbar
war. Nach wenigen Höhenmetern und ein paar Anspannungsübungen
für die Bizeps mehr war dann schnell der Ausstieg erreicht.
![]() |
![]() |
Oben angekommen
belohnte dann ein Meer aus Blüten und ein idyllischer Pfad über
den Bach des Wasserfalls für den ersten Anstieg. Nach kurzer
Gehzeit wurde auch der wunderbar blaugrün schimmernd und
friedlich darniederliegende Seebensee erreicht (ca. 1600 m), wo
sich dann nach kurzer Rast die Gruppe aufteilte. Ein Teil
marschierte direkt zur Hütte. Ein kleinerer Kern nahm den
geringfügig längeren, dafür von Panorama und Tiefblicken auf
den Seebensee aber ungleich beeindruckenderen Weg über die
Tajakante dorthin. Wir mussten uns aber schon ein bisschen
beeilen, der Hüttenwirt ließ extra sein Abendessen für uns
Nachzügler etwas später auftragen. Aber nach der vorigen
Erstürmung war auch dieser kurze Anstieg nur als eine
konditionssteigernde Maßnahme zu betrachten. Einfach ein echtes
piece of cake, wie die Eingeweihten es nennen
würden. Daran konnten auch einige auf dem letzten Anstieg zum
Gipfelkreuz (ca. 2450 m) aufziehende Nebelschwaden nichts
ändern. Die größten Überwindungen bestanden jetzt nur noch
darin, den mitgebrachten Gipfeljägermeister zu vertilgen
(schüttel!) und anschließend von diesem herrlichen
Panoramapunkt wieder hinab zu steigen .... - welche ihre Größe
in den letzten beiden Stunden doch merklich verringert hatte. In
der langsam einsetzenden Abenddämmerung gelangten wir sicheren
Tritts zum Drachensee und zur Hütte (ca. 1900 m), wo uns eine
herzliche Umarmung und eine leckere Mahlzeit bereits erwarteten.
Die anschließende Übernachtung in unserem 10-Personen
Appartement ließ keine Wünsche offen - sogar ein wohlmeinender
Hüttenhund vor dem Fenster bellte uns in den verdienten Schlaf.
![]() |
![]() |
Das Frühstück
war so üppig wie die saftigen Weiden des Alpenvorlandes. Und das
Wetter versprach, es heute besonders gut mit uns zu meinen. Unser
stets um unser Wohl und Sicherheit bemühter Guide hatte sich ein
besonderes Leckerli für uns Schreibtischhocker ausgedacht: eine
komfortable Bergwanderung auf das Sonnenspitzl (welches zumindest
an diesem Sonntag seinen Namen zu Recht trug). Nach kurzem Check
von Ausrüstung und Make-up gings zunächst sanft einen
steinigen Pfad hinauf. Der morgendliche Nebel ließ uns kaum
erahnen, was vor uns lag. Bald endete das Geröll und wir
erreichten den Fuß des Felsens. Hier hieß es Dreiergruppen
bilden und sich als solche anzuseilen. Von hier aus gings
nur noch steil nach oben - gerade rechtzeitig, bevor sich die
ersten Treppensteiger zu langweilen begannen.
Dies hier war
kein Klettersteig, weswegen es auch kein durchlaufendes Drahtseil
gab. Als Sicherung sorgten über Felsköpfe gelegte Bandschlingen
mit Exen, in die sich jeder mit seinem Seil einklinkte. Und
gelegentlich machten wir die Bekanntschaft von Sauschwänzchen,
also fest installierten Seilsicherungen. Wir kamen zügig voran
und hatten bald einen herrlichen Blick hinab auf die Hütte in
derstrahlenden Morgensonne mit dem noch friedlich schlummernden
Drachensee. Als sich unsere drei Gruppen einmal wieder sammelten,
führte uns ein ebenso früh wie wir aufgestandener Gamsbock vor,
wie man sich elegant und leichtfüßig auf dem steilen Fels
bewegt - vollkommen entschleunigt auf seinen vier
Kontaktkleberpfoten .... und ganz ohne sicherndes Seil. So
- habt ihrs alle gesehen...? In dreißig Sekunden
gehts weiter! O.k. - schließlich wollten wir hier ja
keine Wurzeln schlagen (wie auch - hier gabs ja nur Fels).
Steilheit und Ausgesetztheit des Weges variierten im weiteren
Verlauf. Zur Auflockerung wurden die Gruppen nochmal leicht
gemischt. Lächeln! Und ehe wirs uns versahen, standen wir
auch schon auf Höhe des Gipfels der Sonnenspitze (2417 m), von
der uns nur noch ein kleiner - an den Seiten steil bis ins Tal
abfallender - Grat trennte.
![]() |
![]() |
Mutprobe
bestanden. Unterm Kreuz gabs Platz für alle und diesmal
hielt die Gipfelapotheke Ramazotti bereit (mhm - gar nicht so
übel). Gegenüber prangte das Zugspitzl im Schein der prallen
Sonne - im Tal arbeiteten die unten Gebliebenen an ihrem
Handicap. Welch ein Anblick...!
Der Abstieg
geschah mit sorgfältiger Sicherung. Zum Glück - auch für einen
anderen Bergabgeher, da ihn diese nach einem unvorsichtigen
Fehltritt vor ernsthaften Folgen bewahrte. Bald wechselte der
brüchige Fels unter unseren Füßen und wir gelangten auf
weichem Pfad zurück zum Seebensee. Hier musste nur noch kurz das
malträtierte Schuhwerk eines Kameraden mit Bordmitteln geflickt
werden. Danach gings über die Hohen Gänge - einer Art
Klettersteigfußweg ohne Seil - weiter hinab, auf dessen unteren
Geröllhalden der Interessierte den fachgerechten Einsatz
des dreifach gesprungenen Bergabbergers praktizieren konnte.
Dergestalt überhitzte Sohlen konnten dann im Bach des
Seebenwasserfalls umgehend gekühlt werden. Das Löschen unserer
durstigen Kehlen erfolgte anschließend in Ehrwald. Mit Blick
hinauf zur Sonnespitze und der unbeantworteten Frage, wie man von
dort oben überhaupt nur hinunterlaufen konnte.....
Eines stand dann
aber fest: uns wurde nicht zu viel versprochen.
von Christoph,