[Marina Cvetaeva]

Marina Cvetaeva (1892 – 1941)

* * *

Wer kein Haus sich baute –
War nicht der Erde wert.

Wer kein Haus sich baute –
Wird nicht Erde werden:
Verstroht – wird zu Asche …

– Ich baute kein Haus.

26. August 1918


Augen

Steppenbewohnte – die Augen,
Tränengewohnte – die Augen,
Die grünen – die salzigen –
Ländlichen Augen.

Wär ich ein einfaches Weib –
Zahlte ich meinen Verbleib –
Mit lachenden, schachernden,
Grünenden Augen.

Wär ich ein Weibchen vom Land,
Schirmte ich sie mit der Hand,
Wiegte mich – schmiegte mich,
Senkte die Augen.

Kam einst ein Krämer daher …
Jetzt drückt die Nonnentracht schwer
Friedlich – besonnene –
Ländliche Augen.

Steppenbewohnte – die Augen,
Tränengewohnte – die Augen.
Was sie erblickten – die ländlichen Augen –
Geben es nicht mehr heraus!

9. September 1918


Der Komödiant

1

Nicht Liebe, eine Wunde ist's!
Verlogner Kampf mit leichtem Degen.
Heut verbittert, morgen süß,
Heute tot – und morgen lebend.

Es tobt der Kampf. Es lachen beide:
Wie ist er klug – und sie versiert!
Wenn Held und Heldin trefflich streiten
Bin gleichermaßen ich verführt.

Den Hirtenstab als Schwert gezückt?
Tanzt man Gavotte – ist's ein Kampf?
Ein Schrittchen vorwärts – drei zurück,
Ein Schritt zurück – und drei voran.

Sein Honigmund, treu Augen leuchten,
Er zieht die Braue hoch, da, sieh!
Das ist nicht Liebe, das ist Täuschung,
Nicht Liebe – das ist Clownerie!

Im Ausgang der (in Klammern sag ich's –
Gar nicht vollzognen!) Sünden – mehrt
Sich wieder so ein leichter Stapel
Bezaubernder, verzückter Verse.

20. November 1918


Der Komödiant

2

Man schließt mit mir nicht Freundschaft, kann mich auch nicht lieben!
Ihr schönen Augen müsst euch in Vorsicht üben!

Schwimmen muss das Schiff, sich die Mühle drehen.
Bringst du dieses Herz, den Kreisel hier, zum Stehen?

Wer nur mit Heften bürgt – wird nicht zum Herrn erhoben!
Was soll denn dies Geseufze, wenn Komödianten toben?

Der Liebe Kreuz wiegt schwer – wir rühren es nicht an.
Das Gestern liegt im Grab – ein neuer Tag bricht an.

20. November 1918


Der Komödiant

3

Das reinste Küssen ist ihr zarter Mund …
– Das war's dann wohl, zur Neige ging der Rausch.
Wer bin ich jetzt? – Die Einzige? – Nein, 's Tausend!
Bin ich der Eroberer? – Nein, die Eroberung!

Ist das nun Liebe – Liebelei?
'ne Laune der Feder – als tiefster Grund
Die Sehnsucht nach Engelsgesängen – und
Aus Berufung – etwas Heuchelei …

– Der Seelenschmerz, in den Augen blitzt's,
Ein Schnörkel der Feder – ach! – mir ist nicht bange,
Wie Lippen heißen – mir gleich! – solange
Ihr zarter Mund das reinste Küssen ist!

Dezember 1918


Der Komödiant

4

Man langweilt sich nach dem Gelage.
Hoffe nicht – ich bleibe heiter!
Du bist ein Herr – und ich die Dame,
Doch Hauptsache, dass wir uns gleichen!

Täusche dich nicht! Dir wird doch klar
Am kalten Frosch, den im Hals du gefangen,
Dass ich für deine Lippen nur war
Der Schaum von den Hügeln der Champagne!

Goldene gibt es, Gelage.
Und meins zeigt in goldener Klarheit:
Wo Liebe gelogen, enthält ihr Champagner –
Keinerlei Sirup von Liebeswahrheit!


* * *

Du wirst es nicht schaffen, mich zu verjagen:
Den Frühling zu bannen, hat keiner geschafft!
Mich anzufassen, wirst du nicht wagen:
Viel zu zärtlich sing ich im Schlaf!

Du schaffst es auch nicht, mich in Worte zu fassen:
Mein Name ist Wasser den Lippen – und aus!
Du wirst es nicht schaffen, mich zu verlassen:
Die Tür ist geöffnet – und leer ist dein Haus!

Juli 1919


* * *

Mein Weg führt nicht am Haus vorbei – dem deinen.
Mein Weg führt an dem Haus vorbei – von keinem.

Doch trotzdem vom Wege ich eile,
(Im Frühling besonders!)
Doch trotzdem nach Menschen ich heule,
Wie ein Hund unterm Monde.

Als Gast überall gern gesehen:
Geb ich Obdach nicht jedem!
Mit Großvater würfle ich gerne
Und sing mit dem Enkel.

Auf mich ist kein Weib eifersüchtig:
Bin Stimme und Blicke.
Für mich war kein Liebster so tüchtig,
Ein Schloss zu errichten.

Muss über das Beugen und Bücken
Von euch Kaufleuten lachen!
Ich selbst bau Paläste und Brücken
Für eine Nacht.

(Musst das, was ich sage, nicht hören!
Die Alte lass plappern!)
Von selbst ich am Morgen zerstöre,
Was ich erschaffen.

Dein Traumschloss gilt mir so viel, wie 'ne Garbe der Scheune!
Mein Weg führt am Haus nicht vorbei – dem deinen!

April 1920


* * *

Кто дома не строил –
Земли недостоин.

Кто дома не строил –
Не будет землею:
Соломой – золою …

– Не строила дома.

26 августа 1918


Глаза

Привычные к степям – глаза,
Привычные к слезам – глаза,
Зеленые – соленые –
Крестьянские глаза!

Была бы бабою простой –
Всегда б платили за постой –
Всё эти же – веселые –
Зеленые глаза.

Была бы бабою простой –
От солнца б застилась рукой,
Качала бы – молчала бы,
Потупивши глаза.

Шел мимо паренек с лотком …
Спят под монашеским платком
Смиренные – степенные –
Крестьянские глаза.

Привычные к степям – глаза,
Привычные к слезам – глаза.
Что видели – не выдадут
Крестьянские глаза!

9 сентября1918


Комедьянт

1

Не любовь, а лихорадка!
Легкий бой лукав и лжив.
Нынче тошно, завтра сладко,
Нынче помер, завтра жив.

Бой кипит. Смешно обоим:
Как умен – и как умна!
Героиней и героем
Я равно обольщена.

Жезл пастуший – или шпага?
Зритель, бой – или гавот?
Шаг вперед – назад три шага,
Шаг назад – и три вперед.

Рот как мед, в очах доверье,
Но уже взлетает бровь.
Не любовь, а лицемерье,
Лицедейство – не любовь!

И итогом этих (в скобках –
Несодеянных!) грехов –
Будет легонькая стопка
Восхитительных стихов.

20 ноября 1918


Комедьянт

2

Дружить со мной нельзя, любить меня – не можно!
Прекрасные глаза, глядите осторожно!

Баркасу должно плыть, а мельнице – вертеться.
Тебе ль остановить кружащееся сердце?

Порукою тетрадь – не выйдешь господином!
Пристало ли вздыхать над действом комедийным?

Любовный крест прошел – и мы его не тронем.
Вчерашний день прошел – и мы его схороним.

20 ноября 1918


Комедьянт

3

Ваш нежный рот – сплошное целованье …
– И это всё, и я совсем как нищий.
Кто я теперь? – Единая? – Нет, тыща!
Завоеватель? – Нет, завоеванье!

Любовь ли это – или любованье,
Пера причуда – иль первопричина,
Томленье ли по ангельскому чину –
Иль чуточку притворства – по призванью …

– Души печаль, очей очарованье,
Пера ли росчерк – ах! – не всё равно ли,
Как назовут сие уста – доколе
Ваш нежный рот – сплошное целованье!

Декабрь 1918


Комедьянт

4

Скучают после кутежа.
А я как веселюсь – не чаешь!
Ты господин, я – госпожа,
А главное – как ты, такая ж!

Не обманись! Ты знаешь сам
По злому холодку в гортани,
Что я была твоим устам –
Лишь пеною с холмов Шампани!

Есть золотые кутежи.
И этот мой кутеж оправдан:
Шампанское любовной лжи –
Без патоки любовной правды!


* * *

Ты меня никогда не прогонишь:
Не отталкивают весну!
Ты меня и перстом не тронешь:
Слишком нежно пою ко сну!

Ты меня никогда не ославишь:
Мое имя – вода для уст!
Ты меня никогда не оставишь:
Дверь открыта, и дом твой – пуст!

Июль 1919


* * *

Мой путь не лежит мимо дому – твоего.
Мой путь не лежит мимо дому – ничьего.

А всё же с пути сбиваюсь,
(Особо весной!)
А всё же по людям маюсь,
Как пес под луной.

Желанная всюду гостья:
Всем спать не даю!
Я с дедом играю в кости,
А с внуком – пою.

Ко мне не ревнуют жены:
Я – голос и взгляд.
И мне ни один влюбленный
Не вывел палат.

Смешно от щедрот незваных
Мне ваших, купцы!
Сама воздвигаю за ночь –
Мосты и дворцы.

(А что говорю, не слушай!
Всё мелет – бабье!)
Сама поутру разрушу
Творенье свое.

Хоромы – как сноп соломы – ничего!
Мой путь не лежит мимо дому – твоего

Апрель 1920 г.


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Wer kein Haus sich baute
Кто дома не строил
 
Augen
Глаза
 
Der Komödiant
1. Nicht Liebe, eine Wunde ist's
1. Не любовь, а лихорадка
2. Man schließt mit mir nicht Freunschaft
2. Дружить со мной нельзя, …
3. Das reinste Küssen ist ihr zarter Mund
3. Ваш нежный рот – сплошное …
4. Man langweilt sich nach dem Gelage
4. Скучают после кутежа
 
Du wirst es nicht schaffen, …
Ты меня никогда не прогонишь
 
Mein Weg führt nicht am Haus vorbei …
Мой путь не лежит мимо дому …

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