![[Osip Mandelstam]](images/mandel1.jpg)
So wie Rauschgoldengel glühn
Tief im Wald die Weihnachtsbäume;
Im Gebüsch: der Spielzeugwölfe
Wilde Schreckensaugen schieln.
Meine Trauer ist so alt
Wie der Freiheit leises Rufen;
Unbelebter Himmelskuppel
Ewig lächelnder Kristall!
1908
Nur noch Kinderbücher zu lesen,
Nur noch Kindergedanken zu hegen,
Alles Große ganz weit zu verwehen,
Aus tiefem Kummer stets aufzuerstehn.
Ich bin vom Leben so tödlich geschafft,
Dass ich von ihm nichts mehr annehmen werde,
Ich liebe jedoch diese kärgliche Erde,
Weil ich noch nie eine andere sah.
Ich schaukelte in einem Garten, weit fort,
Auf einer einfachen, hölzernen Schaukel.
Hohe Tannen am dunklen Ort
Sah ich, erinnernd, durch Traumnebel gaukeln.
1908
Zärtlicher als zärtlich
Ist dein Gesicht,
Weißer als Weißes
Ist deine Hand,
Stets bliebst du fern
Der Welt, der gesamten,
Allem, was dein ist,
Niemand entkam.
All deiner Trauer
Niemand entkam,
Auch den nie erkaltenden
Fingern der Hand,
Auch dem nie verzagenden
Ruhigen Klang
Im Fernen
Der Reden
Und Augensterne.
1909
Man gab mir einen Körper – was fang ich mit ihm an,
Mit diesem einen, der mein ist so ganz?
Der stillen Freude zu atmen, zu leben,
Wem hab ich dafür den Handschlag zu geben?
Ich bin der Gärtner, auch's Blümelein,
Im Kerker der Welt bleib' ich nicht allein.
Das Fenster zur Ewigkeit hat schon behaucht
Meine Atmung, mein Wärmendes auch.
Auf seinem Glase ein Muster sich zeigt,
Das niemand verstehen kann seit langer Zeit.
Verfliegt auch die Trübung im Augenblick –
Das liebliche Muster untilgbar entzückt.
1909
Sie kam noch nicht einmal zur Welt,
Sie ist sowohl Musik als Worte,
Ist des, was lebt an jedem Orte,
Verbindung, die niemals zerfällt.
Des Meeres Brüste atmen Ruhe,
Doch wie ein Irrer strahlt der Tag,
Die Gischt des blassen Flieders ragt
In dem Geschirr, das schwarz-azuren.
Und es erlangt mein Lippenpaar
Dieses ursprüngliche Schweigen,
Den kristallinen Notenreigen,
Der von Geburt an rein und klar!
Bleib Schaum und Gischt, o Aphrodite,
Und, Wort, kehr in Musik zurück,
Und, Herz, schäm dich im Augenblick,
Wo du im Grund des Seins zerfließest!
1910
Durch Nebelwolken kamst du gegangen,
Ein zartes Rot auf deinen Wangen.
Es strahlt der Tag kalt und bedrückend.
Ich wandre frei und überflüssig …
Der böse Herbst behext uns tüchtig,
Bedroht mit überreifen Früchten,
Er spricht von Höhe mit den Höhen
Und küsst auf's Aug mit Spinnenfäden.
Des Lebens Tänzeln scheint wie tot!
Auf allem spielt dein Wangenrot!
Auch durch die Nebelwolken schlagen
Die klaffenden Wunden greller Tage.
1910
Vielleicht siehst du mich, Nacht, nicht gerne,
Doch aus dem Maelstrøm dieser Welt,
Wie eine Muschel ohne Perlen,
Bin ich an deinem Strand zerschellt.
Du schäumst die Welln wie unbeteiligt
Und trällerst, ohne dass du sprichst,
Doch du erachtest hoch und heilig,
Was die Muschel unnütz lügt.
Beginnst mit ihr im Sand zu wühlen,
Wirfst dich dazu in dein Ornat,
Beständig dann mit ihr zu knüpfen
Die riesige Glocke des Wellenschlags;
Die Muschelwände, die so brüchig,
Wie's Haus des Herzens, halb zerfall'n,
Erfüllst du leis mit Gischtgeflüster,
Mit Nebel, Wind und Regenfall …
1911
Hagia Sophia – hier befahl zu bleiben
Herrgott selbst den Völkern und den Zarn.
Deine Kuppel nämlich, schrieben Augenzeugen,
Hängt vom Himmel wie an Ketten gar.
Allen Zeiten diene Justinian als Beispiel,
Wie man für die eignen Götter raubt
Hundertsieben grüne Marmorsäulen,
So dass es Diana auch erlaubt.
Und was war das für ein Bauherr wieder,
An Vorausschau und an Seele groß,
Der da zeigen ließ Exedren und Apsiden
Hin zum Westen und zudem nach Ost.
Schöner Tempel, der im Frieden badet,
Vierzig Fenster – feierliches Licht;
Wie auf Segeln von der Kuppel ragen
Vier Erzengel: Schönres gibt es nicht.
Und das weise, sphärische Gebäude
Überlebt die Völker und die Zeit.
Und der Seraphime dröhnendes Geheule
Schadet dunklem Blattgold keinen Deut.
1912
Kinder des Staubes sind hier die Pfarre,
Wo Ikonen Tafeln weichen,
Wo mit der Kreide Sebastian Bachs
Lediglich Ziffern die Psalme bezeichnen.
Welch ein polyphones Treiben:
Kneipenlärm und Kirchenkrach;
Doch du jauchzest wie Jesaia,
O du rationaler Bach!
Spieltest du für Enkel festlich
Den Choral im Glaubensstreit,
Hast du dann die Glaubensfestung
Durch Beweise aufgezeigt?
Was ist Klang? Sechzehn Register,
Orgel: hochkomplexer Schrei,
Nur dein Brummeln ist's, dein Flüstern,
O du Greis, der lieber schweigt.
Und der Pfarrer Martin Luthers,
Der auf schwarzer Kanzel tätig,
Stört uns, da wir sprechen, Bruder,
Durch den Klingklang seiner Predigt.
1913
Bedrücktes Schweigen können wir nicht leicht ertragen –
Dass Seelen schwächeln, schließlich, wird nicht gern gelitten!
Ob er wohl störe, sprach, der kam, was vorzutragen,
Und freudig grüßen wir den Mann: Wir bitten!
Ich wusst' auch so, wer hier war, unsichtbar zu dienen:
Der Albtraummensch liest für uns »Ulalume«.
Der Inhalt weltlich und das Wort nur ein Gebrumm,
Solang Phonetik dienstbar ist den Serafimen.
Und Edgars Harfe sang das Lied vom Haus der Usher,
Vom Wasser trank der Irre, sah auf und schwieg versonnen.
Ich war schon auf der Straße. Es pfiff Altweibersommer, –
Die Gurgel wärmt ein Seidenschal, der kitzlig ist, und raschelt.
1913
Сусальным золотом горят
В лесах рождественские елки;
В кустах игрушечные волки
Глазами страшными глядят.
О вещая моя печаль,
О тихая моя свобода
И неживого небосвода
Всегда смеющийся хрусталь!
1908
Только детские книги читать,
Только детские думы лелеять,
Все большое далеко развеять,
Из глубокой печали восстать.
Я от жизни смертельно устал,
Ничего от него не приемлю,
Но люблю мою бедную землю,
Оттого, что иной не видал.
Я качался в далеком саду
На простой деревянной качели,
И высокие темные ели
Вспоминаю в туманном бреду.
1908
Нежнее нежного
Лицо твое,
Белее белого
Твоя рука,
От мира целого
Ты далека,
И все твое –
От неизбежного.
От неизбежного
Твоя печаль,
И пальцы рук
Неостывающих,
И тихий звук
Неунывающих
Речей,
И даль
Твоих очей.
1909
Дано мне тело – что мне делать с ним,
Таким единым и таким моим?
За радость тихую дышать и жить
Кого, скажите, мне благодарить?
Я и садовник, я же и цветок,
В темнице мира я не одинок.
На стекла вечности уже легло
Мое дыхание, мое тепло,
Запечетлеется на нем узор,
Неузнаваемый с недавних пор.
Пускай мгновения стекает муть –
Узора милого не зачеркнуть.
1909
Она еще не родилась,
Она и музыка и слово,
И потому всего живого
Ненарушаемая связь.
Спокойно дышат моря груди,
Но, как безумный, светел день,
И пены бледная сирень
В мутно-лазоревом сосуде.
Да обретут мои уста
Первоначальную немоту,
Как кристаллическую ноту,
Что от рождения чиста!
Останься пеной, Афродита,
И слово в музыку вернись,
И сердце сердца устыдись,
С первоосновой жизни слито!
1910
Ты прошла сквозь облако тумана.
На ланитах нежные румяна.
Светит день холодный и недужный.
Я брожу свободный и ненужный…
Злая осень ворожит над нами,
Угрожает спелыми плодами,
Говорит вершинами с вершиной
И в глаза целует паутиной.
Как застыл тревожной жизни танец!
Как на всем играет твой румянец!
Как сквозит и в облаке тумана
Ярких дней сияющая рана.
1910
Быть может, я тебе не нужен,
Ночь; из пучины мировой,
Как раковина без жемчужин,
Я выброшен на берег твой.
Ты равнодушно волны пенишь
И несговорчиво поешь,
Но ты полюбишь, ты оценишь
Ненужной раковины ложь.
Ты на песок с ней рядом
Оденешь ризою своей,
Ты неразрывно с нею свяжешь
Огромный колокол зыбей,
И хрупкой раковины стены,
Как нежилого сердца дом,
Наполнишь шепотами пены,
Туманом, ветром и дождем…
1911
Айя-София – здесь остановится
Судил Господ народам и царям!
Ведь купол твой, по слову очевидца,
Как на цепи, подвешен к небесам.
И всем векам – пример Юстиниана,
Когда похитить для чуших богов
Позволила эфесская Диана
Сто семь зеленых мраморных столбов.
Но что же думал твой строитель щедрый,
Когда, душой и момыслом высок,
Расположил апсиды и экседры,
Им указав на запад и восток?
Прекрасен храм, купающийся в мире,
И сорок окон – света торжество;
На парусах, под куполом, четыре
Архангела прекраснее всего.
И мудрое сферическое зданье
Народы и века переживет,
И серафимов гулкое рыданье
Не покоробит темных позолот.
1912
Здесь прихожане – дети праха
И доски вместо образов,
Где мелом Себастиана Баха
Лишь цифры значатся псалмов.
Разноголосице какая
В трактирах буйных и в церквах,
А ты ликуешь, как Исайя,
О рассудительнейший Бах!
Высокий спорщик, неужели,
Играя внукам свой хорал,
Опору духа в самом деле
Ты в доказательстве искал?
Что звук? Шестнадцатые доли,
Органа многосложный крик –
Лишь воркотня твоя, не боле,
О несговорчивый старик!
И лютеранский проповедник
На черной кафедре своей
С твоими, гневный собеседник,
Мешает звук своих речей!
1913
Мы напряженного молчанья не выносим –
Несовершенство душ обидно, наконец!
И в замечателстве уж объявился чтец,
И радостно его приветствовали: просим!
Я так и знал, кто здесь присутствовал незримо:
Кошмарный человек читает «Улялюм».
Значенье – суета, и слово – только шум,
Когда фонетика – служанка серафима.
О доме Эшеров Эдгарда пела арфа.
Безумный воду пил, очнулся и умолк.
Я был на улице. Свистел осенний шелк …
И горло греет шелк щекочущего шарфа …
1913