[O. Kiprenskij: A. S. Puschkin]

Alexander Puschkin (1799 – 1837)

Arion

Wir waren viele auf dem Kahn;
Die einen hingen in den Wanten,
Es stemmten unter Deck die andern
Die Ruder. Unser Steuermann
Stand weise schweigend auf der Brücke
Und steuerte das Frachtschiff still;
Und ich – von Glauben tief erfüllt –
Sang sorglos Lieder … Als voll Tücke
Uns eine Sturmbö überfiel …
Steuermann und Schiffer kamen um! –
Nur mich, den Sänger, hat's im Sturm
Geheimnisvoll zurück zum Strand verschlagen, …
Ich sing die alten Lieder weiter
Und trockne meine nassen Kleider
Im Sonnenlicht, wo Felsen ragen.

1827


Der Engel

Im Tor von Eden strahlte helle
Ein Engel zart und senkt sein Haupt
Zum finstren Dämon und Rebellen,
Der ihn vom Höllenschlund erschaut.

Der Geist des Zweifels, der Verneinung,
Erblickte diesen reinen Geist
Zum ersten Mal und die Erscheinung
Ihn ungewollt zum Bessren weist.

»Verzeih«, sprach er, »dass ich so frech,
Doch nicht vergeblich strahlt dein Schimmer:
Auf Erden ist nicht alles schlecht,
Nicht alles hasse ich im Himmel.«

1827


Der Dichter

    Der Dichter bleibt, solang ihn nicht
Apoll zum heilgen Opfer fordert,
Kleinmütig der Welt verpflichtet,
Wird geplagt von eitlen Sorgen;
In kaltem Schlaf verharrt die Seele,
Und seine heilge Leier schweigt,
Noch unter den Geringsten zählt er
Als Allerwenigster vielleicht.

    Doch kaum berührt sein feines Ohr
Das Wort, das ihm von Gott gegeben,
Schon schwingt die Seele sich empor,
Ein Adler, neu erwacht zum Leben.
Er bleibt nun fern den irdschen Festen,
Wenn Menschen reden, scheint er taub,
Und vor den hocherhobnen Götzen
Senkt er nicht mehr das stolze Haupt.
Er flüchtet wild und ungebändigt,
Verwirrt dem innren Klang zu lauschen,
Zum öden Wellenschlag der Strände,
Wo Eichenwälder weithin rauschen …

1827


19. Oktober 1827

Gott mög euch helfen, meine Freunde,
Bei Alltagssorgen, Zarendienst,
Bei Festgelagen, die sich ziehn,
Bei dem, was süße Liebe träumte!

Gott mög euch helfen, meine Freunde,
Im Sturmwind und im Lebensschmerz,
Im fremden Land, auf ödem Meer,
Im finstren Schlund der Erde leidend!


Eines der alljährlichen Gedichte, die Puškin anlässlich
der Gedenktage zum Abschluss des Lyzeums verfasste.
(E. B.)

Erinnerung

Wenn für den Sterblichen der laute Tag verweht,
            Sich auf die stummen Parkanlagen
Halb durchsichtig nächtlicher Schatten legt
            Und Schlaf, der Lohn für Tagesplagen,
Zu dieser Zeit ziehn sich im Stilln für mich
            Die Stunden hin des quälerischen Wachens:
Beim Nichtstun, nachts, trifft brennender der Biss
            Des nimmermüden Herzensdrachens;
Die Träume brodeln; Schwermut drückt das Hirn
            Im Überfluss schwerer Gedanken;
Stumm breitet die Erinnerung vor mir
            Den Bauernkittel aus, den langen:
Und widerwillig lese ich mein Leben,
            Das ich verfluch, mich selber hassend,
Beklag mich bitter, weine bittre Tränen,
            Und weiß nicht eine Zeile auszuwaschen.

1828


* * *

               26. Mai 1828

Warum gab sinnlos nur der Zufall,
Leben, dich mir zum Geschenk?
Und aus welch geheimem Schicksal
Hat man dir den Tod verhängt?

Wer hat mich mit Feindesmacht
Aus dem Nichtsein herbestellt,
Mich erfüllt mit Leidenschaft,
Mit Zweifeln den Verstand vergällt? …

Ziele hab ich keine mehr:
Der Verstand, das Herz sind leer,
Und mich quält die Schwermut sehr
Eintönig im Lebenslärm.


* * *

Sing mir, schönes Mädchen, nicht
Das Lied Georgiens voll Trauer;
Denn allzusehr erinnert's mich
An fernes Leben, fremd-vertraut.

O weh, es steigt Erinnrung schon
Aus deinen feurigen Gesängen:
Die Steppe, Nacht – und unterm Mond
Des fernen Liebchens sanfte Tränen.

Es war dies liebliche Gespenst,
Als ich dich sah, schon fast vergessen;
Jedoch du singst – und es bedrängt
Von Neuem mich wie ein Verhängnis.

Mein schönes Mädchen, singe nicht
Das Lied Georgiens voll Trauer;
Denn allzusehr erinnert's mich
An fernes Leben, fremd-vertraut.

1828


* * *

Fliegt zum Raben Rabe,
Spricht zum Raben Rabe:
Werden wir heut satt, Rabe?
Zeige deine Sehergabe!

Antwort gibt dem Raben Rabe:
Kenne unsre Mittagslabe;
Unterm Weidenstrauch, im Feld,
Liegt ein totgeschlagner Held.

Wer erschlug ihn, und warum?
Nur sein Falke kennt den Grund:
Rabenschwarz ist seine Stute,
Seine Frau von jungem Blute.

In den Hain der Falk' entschwand,
's Pferdchen folgt des Gegners Hand,
Und die Frau erwartet eben
Schon den Liebsten, der am Leben.

1828


Der Dichter und die Menge

                 Hinfort, Uneingeweihte!

    Es spielt' auf inspirierter Leier
Der Dichter mit zerstreuter Hand.
Er sang – doch kalt und unbeteiligt
Ringsum das Volk, das ungeheiligt,
Es lauschte ihm voll Unverstand.

    Der tumbe Pöbel tief sinnierte:
»Warum er wohl so klangvoll spielt?
Ganz sinnlos er die Ohrn verführte,
Er führt uns, doch zu welchem Ziel?
Was klimpert er, was will er lehren?
Was rührt und quält er unsre Herzen
Wie'n launenhafter Zauberer?
Sein Lied ist wie der Wind so frei
Und fruchtlos wie der Wind dabei:
Sagt, welchen Nutzen uns erbringt er?«

                    D i c h t e r

    Verstumme, sinnentleertes Volk,
Das sorgenvoll dem Sachzwang folgt!
Kann dein Gewäsch nicht mehr ertragen,
Du Erdenwurm, nicht Himmelssohn,
Du kannst beim Standbild Apollons
Nur nach Gewicht und Nutzen fragen.
Welch Nutzen könnt er dir erweisen?
Der Marmor ist ein Gott, kein Herd,
Das Ofenrohr ist dir mehr wert:
Denn darin wärmst du deine Speisen.

                    P ö b e l

    Nein, du als himmlisch Auserwählter,
Setz deine Gabe, Gottbeseelter,
Zu unserm Wohl und Vorteil ein:
Mach unsrer Brüder Herzen rein.
Kleingläubig sind wir, und verschlagen,
So schamlos, böse; Danke sagen,
Fällt uns nicht ein; am Herz kastrierte,
Verleumder, Sklaven, dumme Tiere;
Wir sind der Nistplatz schlimmster Laster,
Du musst, wenn du den Nächsten liebst,
Uns so belehrn, dass wir's erfassen,
Und wir gehorchen dir bestimmt.

                    D i c h t e r

    Hinfort mit euch – was hat ein Dichter,
Der Ruhe sucht, mit euch am Hut!
In Schmutz und Schund erstarrt ihr sicher,
Die Leier wärmt nicht euer Blut!
Wie Särge ihr das Herz erfreut.
Für eure böse Dämlichkeit
Bot doch bis heut der Henker feil
Die Peitsche, Folter und das Beil; –
Genug von euch, hirnlose Sklaven!
In euren Städten von den Straßen
Kehrt man den Müll, – was nützlich ist! –
Doch seinen Gottesdienst vergessend,
Altärlich das Oblatenessen,
Ein Priester je zum Besen griff?
Der Unterhaltung nicht der Toren,
Nicht für den Nutzen, nicht zum Kampf,
Wir sind der Eingebung geboren,
Für das Gebet, den süßen Klang.

1828


* * *

Auf Georgiens Hügeln liegt nächtliches Düster;
          Der Aragva rauscht vor mir wie toll.
Leicht ist mir, traurig; mein Schmerz ist nicht finster;
          Denn dieser Schmerz ist von dir voll,
Von dir, allein von dir … Und mein Verzagen
          Nichts mehr erregt, nichts mehr bedrückt,
Und's Herz muss brennend Liebe tragen,
          Weil's stets erfüllt ist, ständig liebt.

1829


Арион

Нас было много на челне;
Иные парус напрягали,
Другие дружно упирали
В глубь мощны веслы. В тишине
На руль склонясь, наш кормщик умный
В молчанье правил грузный чёлн;
А я – беспечной веры полн, –
Пловцам я пел… Вдруг лоно волн
Измял с налету вихорь шумный…
Погиб и кормщик, и пловец! –
Лишь я, таинственный певец,
На берег выброшен грозою,
Я гимны прежние пою
И ризу влажную мою
Сушу на солнце под скалою.

1827


Ангел

В дверях эдема ангел нежный
Главой поникшею сиял,
А демон мрачный и мятежный
Над адской бездною летал.

Дух отрицанья, дух сомненья
На духа чистого взирал
И жар невольный умиленья
Впервые смутно познавал.

«Прости, – он рек, – тебя я видел,
И ты недаром мне сиял:
Не всё я в небе ненавидел,
Не всё я в мире презирал».

1827


Поэт

    Пока не требует поэта
К священной жертве Аполлон,
В заботах суетного света
Он малодушно погружен;
Молчит его святая лира;
Душа вкушает хладный сон,
И меж детей ничтожных мира,
Быть может, всех ничтожней он.

    Но лишь божественный глагол
До слуха чуткого коснется,
Душа поэта встрепенется,
Как пробудившийся орел.
Тоскует он в забавах мира,
Людской чуждается молвы,
К ногам народного кумира
Не клонит гордой головы;
Бежит он, дикий и суровый,
И звуков и смятенья полн,
На берега пустынных волн,
В широкошумные дубровы…

1827


19 октября 1827

Бог помочь вам, друзья мои,
В заботах жизни, царской службы,
И на пирах разгульной дружбы,
И в сладких таинствах любви!

Бог помочь вам, друзья мои,
И в бурях, и в житейском горе,
В краю чужом, в пустынном море,
И в мрачных пропастях земли!


Воспоминание

Когда для смертного умолкнет шумный день,
            И на немые стогны града
Полупрозрачная наляжет ночи тень
            И сон, дневных трудов награда,
В то время для меня влачатся в тишине
            Часы томительного бденья:
В бездействии ночном живей горят во мне
            Змеи сердечной угрызенья;
Мечты кипят; в уме, подавленном тоской,
            Теснится тяжких дум избыток;
Воспоминание безмолвно предо мной
            Свой длинный развивает свиток;
И с отвращением читая жизнь мою,
            Я трепещу и проклинаю,
И горько жалуюсь, и горько слезы лью,
            Но строк печальных не смываю.

1828


* * *

               26 мая 1828

Дар напрасный, дар случайный,
Жизнь, зачем ты мне дана?
Иль зачем судьбою тайной
Ты на казнь осуждена?

Кто меня враждебной властью
Из ничтожества воззвал,
Душу мне наполнил страстью,
Ум сомненьем взволновал?…

Цели нет передо мною:
Сердце пусто, празден ум,
И томит меня тоскою
Однозвучный жизни шум.


* * *

Не пой, красавица, при мне
Ты песен Грузии печальной:
Напоминают мне оне
Другую жизнь и берег дальный.

Увы! напоминают мне
Твои жестокие напевы
И степь, и ночь – и при луне
Черты далекой, бедной девы.

Я призрак милый, роковой,
Тебя увидев, забываю;
Но ты поешь, и предо мной
Его я вновь воображаю.

Не пой, красавица, при мне
Ты песен Грузии печальной:
Напоминают мне оне
Другую жизнь и берег дальный.

1828


* * *

Ворон к ворону летит,
Ворон ворону кричит:
Ворон! где б нам отобедать?
Как бы нам о том проведать?

Ворон ворону в ответ:
Знаю, будет нам обед;
В чистом поле под ракитой
Богатырь лежит убитый.

Кем убит и отчего,
Знает сокол лишь его,
Да кобылка вороная,
Да хозяйка молодая.

Сокол в рощу улетел,
На кобылку недруг сел,
А хозяйка ждет милого
Не убитого, живого.

1828


Поэт и толпа

            Procul este, profani

    Поэт по лире вдохновенной
Рукой рассеянной бряцал.
Он пел – а хладный и надменный
Кругом народ непосвященный
Ему бессмысленно внимал.

    И толковала чернь тупая:
«Зачем так звучно он поет?
Напрасно ухо поражая,
К какой он цели нас ведет?
О чем бренчит? чему нас учит?
Зачем сердца волнует, мучит,
Как своенравный чародей?
Как ветер, песнь его свободна,
Зато как ветер и бесплодна:
Какая польза нам от ней?»

                    П о э т

    Молчи, бессмысленный народ,
Поденщик, раб нужды, забот!
Несносен мне твой ропот дерзкий,
Ты червь земли, не сын небес;
Тебе бы пользы всё – на вес
Кумир ты ценишь Бельведерский.
Ты пользы, пользы в нем не зришь.
Но мрамор сей ведь бог!… так что же?
Печной горшок тебе дороже:
Ты пищу в нем себе варишь.

                    Ч е р н ь

    Нет, если ты небес избранник,
Свой дар, божественный посланник,
Во благо нам употребляй:
Сердца собратьев исправляй.
Мы малодушны, мы коварны,
Бесстыдны, злы, неблагодарны;
Мы сердцем хладные скопцы,
Клеветники, рабы, глупцы;
Гнездятся клубом в нас пороки.
Ты можешь, ближнего любя,
Давать нам смелые уроки,
А мы послушаем тебя.

                    П о э т

    Подите прочь – какое дело
Поэту мирному до вас!
В разврате каменейте смело,
Не оживит вас лиры глас!
Душе противны вы, как гробы.
Для вашей глупости и злобы
Имели вы до сей поры
Бичи, темницы, топоры; –
Довольно с вас, рабов безумных!
Во градах ваших с улиц шумных
Сметают сор, – полезный труд! –
Но, позабыв свое служенье,
Алтарь и жертвоприношенье,
Жрецы ль у вас метлу берут?
Не для житейского волненья,
Не для корысти, не для битв,
Мы рождены для вдохновенья,
Для звуков сладких и молитв.

1828


* * *

На холмах Грузии лежит ночная мгла;
          Шумит Арагва предо мною.
Мне грустно и легко; печаль моя светла;
          Печаль моя полна тобою,
Тобой, одной тобой… Унынья моего
          Ничто не мучит, не тревожит,
И сердце вновь горит и любит – оттого,
          Что не любить оно не может.

1829


Inhalt:  >>

Arion
Арион
 
Der Engel
Ангел
 
Der Dichter
Поэт
 
19. Oktober 1827
19 октября 1827
 
Erinnerung
Воспоминание
 
Warum gab sinnlos nur der Zufall
Дар напрасный, дар случайный
 
Sing mir, schönes Mädchen, nicht
Не пой, красавица, при мне
 
Fliegt zum Raben Rabe
Ворон к ворону летит
 
Der Dichter und die Menge
Поэт и толпа
 
Auf Georgiens Hügeln …
На холмах Грузии …

>> [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] <<

>>Mozart und Salieri
>>Der geizige Ritter
>>Puschkin – Biographie

Aleksandr Puškin (4)