| Goethe und die Pinsel |
| Der Insel Verlag ist eine ehrenwerte deutsche Institution. Ehrenwerte
Herausgeber und LeckToren arbeiten dort. Nie würden sie die Texte unserer
Klassiker zensieren. Wirklich nicht! Aber manchmal wissen diese ehrenwerten
Menschen einfach nicht, wie ein Wort geschrieben wird, weil es ihnen unbekannt
ist. Und sie kennen es deshalb nicht, weil sie so ehrenwert sind. Und bevor
sie etwas orthographisch falsch schreiben, lassen sie es lieber gleich ganz
weg. Anstatt bei der kLITsche nachzufragen. Nehmen wir doch nur einmal Goethe:
Was ich am meisten besorge: Bettina wird immer geschickter,
Hmm, welches Wort wußten die ehrenwerten LeckToren nicht? Hier liegt
der Fall noch ganz einfach. Schließlich gibt es nur zwei interessante
deutsche Worte, die mit 'f' anfangen: 'ficken' und 'Fotze'; und nur das letztere
wird groß geschrieben... Voila! Allerdings wird man hier wegen der
Analogie zum bereits verkleinerten 'Züngelchen' ebenphalls den
Diminuitiv nehmen müssen, und dann paßt plötzlich auch der
Genus: das Fötzchen also. Das gleiche Wort ist auch im nächsten Venezianischen Epigramm zu ergänzen:
In dem engsten der Gäßchen -- es drängte sich kaum durch
die Mauern -- Gut, daß Goethe schon wußte, daß die kleinen Frauen meist die größten Fotzen haben, dann brauchen wir es nicht nochmal zu sagen. Sonst heißt es nachher noch, wir wären keine ehrenwerte Zeitschrift. Jetzt aber zu einem schwierigeren Fall, wo es schon den ganzen Germanisten braucht, um ihn zu lösen:
Wundern kann es mich nicht, daß unser Herr Christus mit ...
Die Euphonik dieser Zeilen zeigt eine Häufung der Phoneme 'u', 'e',
'h', 'r' und 'n'. Da es unwahrscheinlich ist, daß unser Herr Jesus
besonders gern mit 'Uhren' oder 'Urnen' verkehrt hat, Urno- und Chronometrophilie
sind so selten, daß nicht einmal unsere Talkshows sich bisher ihrer
angenommen haben, schließen wir einfach mal auf 'Huren' und sind damit
recht glücklich. Jetzt aber ein besonders schwerer Fall:
Pfaffe möchte ich sein im Glauben und Götter verzehren, Natürlich ist es fast unmöglich, eine ganze Zeile zu rekonstruieren. Wir haben es aber geschafft. Als unsere Frauenbeauftragte diesen Vers las, erbrach sie sich auf unseren Parkettfußboden und hatte eine schwere Fehlgeburt. Da wir eine frauengeeignete Zeitschrift sind, können wir diesen Vers also nicht abdrucken. Schade! Wer ihn trotzdem lesen will, muß uns eine E-Mail mit dem Betreff 'Lavater' schicken, wir antworten umgehend. Nun könnte man natürlich auf die Idee kommen, die ehrenwerten Pinsel des Inselverlages hätten hier aus zensorischen Überlegungen Worte gestrichen. Dem ist nicht so. Zum Beweis folgendes Epigramm, in dem nichts gestrichen wurde:
Knaben lieb ich wohl auch, doch lieber sind mir die Mädchen; Da die Mitarbeiter dieses Verlages vor ihrer plötzlichen Entlassung aus dem Staatsdienst meist als Deutschlehrer tätig waren, kennen sie sich mit Minderjährigen aus und haben an dieser Stelle keine lecksikalischen Schwierigkeiten. So sind diese ehrenwerten Damen und Herren. Warum auch nicht?.. |
| Alle Gedichte zitiert aus Goethe, Johann Wolfgang: Gedichte. West-östlicher Divan. Frankfurt am Main 1981(!) |
Und da die kLITsche viel häufiger
auf dem Goethe-Trip ist, als manche glauben, gibt's hier noch die totalen
Links zum tollsten Goethe-Wissen, das man überhaupt mißbrauchen
sollte: |