| 250 Jahre sind schon eine gaaaannnnzzzzz schön lange Zeit. Brauchen wir den alten Geheimrat noch? Kann er uns verhaltensgestörte Postmoderne in der Stunde der Notgeilheit wieder aufrichten? Die kLITsche jedenphalls ständergemäß voll informativ und so... |
| Viele unserer Leser sind der Meinung, daß Goethe ein ziemlicher
Hänger war, dem nicht einmal Viagra helfen konnte. Naja, in Wirklichkeit
war er ein ziemlicher Feger. Man muß nur die Andeutungen in seinen
brandheißen Werken lesen können. Nehmen wir doch mal den Werther:
Dies schrieb dieser junge Stecher am 15. Mai: Letzthin kam ich zum Brunnen, und fand ein junges Dienstmädchen, das ihr Gefäß auf die unterste Treppe gesetzt hatte und sich umsah, ob keine Kamerädin kommen wollte, ihr es auf den Kopf zu helfen. Ich stieg hinunter und sah sie an. |
| Für den heutigen Leser, der sich zur Abendstunde noch ein zwei kurze
Hardcore-Pornos reinzieht, wirkt das natürlich völlig unschuldig.
Aber warum wird diese Jungfer nur so rot? Und was soll dieser Kringen, den
sie sich zurechtlegt? Dazu muß man natürlich wissen, daß
Dienstmädchen im 18. Jhr. das reinste Freiwild waren, das jeder umsonst
haben konnte. Der Kringen ist eine symbolische Umschreibung für die
Möse, die sie sich für einen Quickie zurechtlegt und den Rest darf
man sich selber denken. Schließlich wird da ganz schön heftig
rauf und runtergestiegen... Jaaahaaa, damals hatten die Leute noch Phantasie!
Eine kurze Andeutung und alles war klar. Goethe soll ja auch immer mit Windeln
rumgelaufen sein. Nein, nicht wegen seiner Inkontinenz, du Dödel!
Aber unser Goethe konnte auch deutlicher werden! Etwa im Faust: |
| FAUST mit
der Jungen tanzend. Einst hatt ich einen schönen Traum: Da sah ich einen Apfelbaum, Zwei schöne Äpfel glänzten dran; Sie reizten mich, ich stieg hinan. DIE SCHÖNE. Der Äpfelchen begehrt ihr sehr, Und schon vom Paradiese her. Von Freuden fühl ich mich bewegt, Daß auch mein Garten solche trägt. MEPHISTOPHELES mit der Alten. Einst hatt ich einen wüsten Traum: Da sah ich einen gespaltnen Baum, Der hat ein ungeheures Loch; So groß es war, gefiel mirs doch. DIE ALTE. Ich biete meinen besten Gruß Dem Ritter mit dem Pferdefuß! Halt er einen rechten Pfropf bereit, Wenn er das große Loch nicht scheut. |
| Selbst der heutigen Unterhaltungsindustrie dürfte bei Sex-Szenen
mit alten abgefuckten Weibern noch der Kopf schwellen. Sex sells da nicht
gar so gut. Ganz zu schweigen von germanistischen Buchherausgebern, die diese
Stelle im Faust gerne mal zensieren (besonders der "rechte Propf" und die
"Löcher" gelten als streichungswürdig, tse tse).
Das rote Mäuschen, das der Schönen bald darauf aus dem Munde springt, ist auch nicht von Pappe. Das hübsche Kindchen hat gerade ihre Tage, soll uns das sagen. Und Mephisto meint dazu: "Wer fragt danach in einer Schäferstunde?" Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft bei blutverschmierten Geschlechtsteilen eher sehr gering und deshalb durchaus angenehm zu hören. Allerdings kaum jedermanns Sache. Die Blutgerinsel im Monatsabfluß mit roten Mäuschen zu vergleichen, ist dennoch eine Genialität, die man in Metaphernlexika vergeblich suchen wird. Die deutsche Literatur wäre nicht so anständig, wenn es nicht ihre Apologeten wären, aber über Verklemmung läßt sich nicht streiten und vieles ist auch schon besser geworden (ob Germanisten inzwischen Bravos Dr. Sommer gelesen haben, um immerhin Grundbegriffe in die Interpretation einbeziehen zu können? Wer weiß...) Verglichen mit dem hochverklemmten Thomas Mann ist Goethen jedenfalls auch heute noch eine Reise wert und die sollte man sich nicht von seinen Deutschlehrern verwässern lassen. Kleiner Tip: das Heideröslein ist eine gut umschriebene Vergewaltigung (außer kleinen Dornenstichen ungesühnt!) und der Erlkönig eine schwere Kindesmißhandlung mit Todesfolge (da können auch heutige böse Onkels mit ihren Bonbons noch was lernen!). Oder darf man das so nicht sehen? Muß mal meine Geheimratsecken befragen... |
Und da die kLITsche häufiger
auf dem Goethe-Trip ist, als manche glauben, gibt's hier noch die Links zu
mehr Goethe-Wissen, als man überhaupt mißbrauchen kann: |