| 3. Einführung in das Krankheitsbild AIDS Das folgende Kapitel führt in das Immundefektsyndrom AIDS ein. Betrachtet man den Verlauf dieser langsam verlaufenden chronischen Infektionskrankheit im Hinblick auf die zunehmenden gesundheitlichen Einschränkungen, ist es für die Prävention im psychosozialen und medizinischen Bereich unerlässlich zu wissen, welche psychischen, physischen und sozialen Symptome unter dem Begriff "Immundefektsyndrom" zusammengefasst werden, um die Betroffenen in ihrer Adaptionsproblematik adäquat unterstützen zu können. Aufgrund des interdisziplinären Anliegens dieser Arbeit wird im folgenden auf das Krankheitsbild AIDS eingegangen und im Anschluss daran auf die relevantesten medizinischen und medizinisch-psychologischen Konzepte um zu einem genaueren Verständnis der Immunschwäche AIDS beizutragen. Objektive medizinische oder psychosoziale Daten alleine zu betrachten würde der Komplexität dieser chronischen Infektionskrankheit nicht gerecht (vgl. Kapitel 1). Ein großes Problem in bezug auf die HIV Prävention ist, dass Erfolge der derzeitigen Kombinationstherapie als Heilung fehlinterpretiert werden. Dies führt zu einer Vernachlässigung des Schutzes vor der HIV Infektion . Somit ist es für die psychosoziale Betreuung und Präventionsarbeit unerlässlich die Grundlagen viraler, immunologischer und psychoneuroimmunologischer Mechanismen, Ansteckungs- und Übertragungswege sowie die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten zu kennen, um die Gesamtsituation Betroffener optimieren zu können. AIDS heißt acquired immuneo deficiency syndrome (erworbenes Immundefektsyndrom) aufgrund einer vorausgehenden Infektion mit dem HI-Virus (Human Immune Deficiency Virus). Erstmals wurde es 1981 in den USA als erworbenes Immundefektsyndrom beschrieben. 1982 wurden in der Bundesrepublik Deutschland die ersten AIDS-Fälle in den Städten Frankfurt am Main, München und Berlin bekannt (Hamouda & Schwartländer, 1996). Das HI-Virus, zu Beginn LAV/HTLV III-Virus genannt, Lymphadenopathie - assoziiertes - humanes - T - Zell - lymphotropes Retrovirus, stieß eine enorme Anzahl aller bisherigen Dogmen der medizinischen Mikrobiologie um. In der Zeit vor HIV stand fest, dass sich eine Virusinfektion erst dann in der entsprechenden Krankheit manifestiert, wenn eine große Anzahl von Zellen von den Viren zerstört wurde. Das HI-Virus hingegen lässt sich im Blut Infizierter selbst nicht nachweisen. Ob jemand HIV positiv, also Träger des Virus ist, lässt sich nur anhand vorhandener Antikörper nachweisen, die das Immunsystem gegen das Virus gebildet hat. Auch die Regeln der Immunität wurden durch das HI-Virus revolutioniert. Bis zur HIV-Ära war die Medizin der Meinung, dass, wenn sich Antikörper im Blut eines Menschen gegen ein bestimmtes Virus nachweisen lassen, immun gegen eine Erkrankung sei, die von diesem Virus ausgeht. Bei der HIV-Infektion ist es genau umgekehrt. Der Körper bildet zwar die nachweisbaren Antikörper gegen das HI-Virus, doch bilden diese Antikörper keine Immunität gegen die multiplen Krankheitsformen von AIDS (Lanier et al., 1998; Geesing, 1991; Nye & Parkin, 1994). Die Krankheiten, die unter dem AIDS-Vollbild auftreten, sind, auch entgegen aller bisherigen medizinischen Lehren, keine HIV-typischen Leiden, wie etwa die Masern nach Infektion mit dem Masernvirus. AIDS ist keine Krankheit mit einem fest umrissenen eindeutigen Bild. AIDS ist ein Syndrom (gr. Syndromus: Symptomenkomplex, gleichzeitig und zusammen auftretende Krankheitszeichen), das heißt, man kannte alle einzelnen Krankheiten schon lange vor Beginn der HIV-Ära. Diese Krankheiten, isoliert, das heißt also nicht als Syndrom, treten auch als tödliche Erkrankungen bei Nicht-Infizierten auf. Immunforscher sind heute der Meinung, HIV alleine löse die tödliche Erkrankung der Pneumonia cranii, eine gefährliche Lungenentzündung, oder den sehr bösartigen Hauttumor Kaposi, nicht aus. Pilzinfektionen der Lunge sind die häufigste Todesursache bei AIDS Seit der sexuellen Emanzipation in den 70er Jahren hält das Sexdoping Einzug in viele menschliche Lebensformen. In Zusammenhang mit dem Sexdoping, bezüglich der Entstehung der Krankheit AIDS, sei die Droge Poppers genannt. Epidemiologische Untersuchungen belegen eine Korrelation zwischen Gebrauch von Poppers und der Entwicklung von AIDS hinsichtlich des Kaposi - Sarkom (KS), (bösartiger Hauttumor). Bei AIDS-Fällen wird das KS fast ausschließlich bei jungen Homosexuellen, die Poppers benutzten, diagnostiziert. Fast nie bei anderen Betroffenengruppen. Poppers reduziert die Fähigkeit des Blutes Sauerstoff zu transportieren, bewirkt eine Anämie (Blutarmut), schädigt die Lunge und verursacht zelluläre Schäden, indem die nitrithaltigen Bestandteile im Körper als Nitrosamine die ungeschützte DNS (Desoxyribonukleinsäure), (vgl. Kapitel 3.7.1.) der Mitochondrien verändert und Krebserkrankungen auslöst. Ferner kann Poppers durch die direkte cardiovasculäre (herzgefäßbedingte) Wirkung Kollaps oder Infarkt und den Gehirntod bewirken. Demzufolge ist AIDS das gehäufte Auftreten längst bekannter Krankheiten und ihre Kombination miteinander. Man stirbt nicht an AIDS selbst, auch nicht an der HIV-Infektion, sondern letztlich an Krankheiten, die vielleicht latent vorhanden waren, sich aber erst durch die Kombination immunschwächender Faktoren wie zum Beispiel des Sexdopings und des HIV-Virus durchsetzen konnten (Ruf, Pohle, Goebel & L`age, 1996; Jäger, 1989).
|
||