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3.7.3. Psychoneuroimmunologie Die Psychoneuroimmunologie (PNI) beschäftigt sich mit den Schnittstellen zwischen dem Zentralnervensystem (ZNS), dem endokrinen System (hormonelles System), der Immunologie und den psychosozialen Stressbelastungen in bezug auf ihre wechselseitige Beeinflussung. Laut Schwartz, Siegrist und von Troschke (1997) beeinflussen psychische Prozesse Gesundheit und Krankheit. Die ersten Zusammenhänge zwischen zentralem Nervensystem (ZNS) und dem Immunsystem erforschte bereits 1878 der Immunologe Louis Pasteur. Er bewies eine deutlich höhere Infektionsanfälligkeit unter Stressbedingungen im Tierversuch. Der japanische Arzt Tohru Ishigami beschreibt in seinen Arbeiten zur Tuberkulose hinsichtlich Inzidenz und Verlauf der Infektionskrankheit die Gemeinsamkeit emotionaler Faktoren bei allen Erkrankten. Durch die Arbeiten des russischen Physiologen Iwan Pawlow setzte sich in den 20iger Jahren eine neue Richtung durch. Pawlow postulierte die Antikörperproduktion als Reflexphänomen. Jedoch erwies sich seine Untersuchungsreihe in der Konditionierungsliteratur als unzulänglich. 1929 zeigte der Forscher Wittkower eine Blutbildveränderung in Abhängigkeit von Affekten wie Wut oder Trauer. Im Jahr 1962 beobachteten Meyer und Haggerty ein Jahr lang mehrere Familien und zeigten den Einfluss von psychosozialem Stress als Risikofaktor für die Entstehung einer Blutinfektion (beta-hämolytische Streptokokkeninfektion). Erst die Arbeiten der Forscher Ader und Cohen (1975) bewiesen eine konditionierte Immunsuppression. Die Publikation dieser Studie kann als die Geburtsstunde der Psychoneuroimmunologie betrachtet werden (Hennig, 1998). PNI in ihrer wechselseitigen interdisziplinären Beeinflussung Die 1975 geschaffene interdisziplinäre Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie ermöglicht durch ihre Forschungsergebnisse über die jeweils begrenzte Perspektive der Einzeldisziplinen hinaus zuschauen, um interdisziplinär Barrieren in der Erforschung schwieriger Krankheitszusammenhänge, wie zum Beispiel AIDS, zu überbrücken (Adler, 1976; Laudenslager, Fleshner, Hofstadter, Held & Simons, 1988; Nye & Parkin, 1994). Garner, Garfinkel, Schwartz und Thompson (1980) stellten in ihrer Überblicksarbeit Verbindungen zwischen psychosozialen Faktoren und den sich daraus pathologisierenden Mechanismen für den menschlichen Organismus dar. Demzufolge können psychosoziale Faktoren das Immunsystem schwächen und eine Abnahme der T4 Helfer Zellen bei HIV und AIDS begünstigen (Ruf, Pohle, Goebel & L`age, 1996; Petersen, Baatrup, Brandslund, Teisner, Rasmussen & Svehag, 1986). Die enge Interaktion zwischen endokrinen (hormonellen), neuronalen und immunologischen Systemen zeigt, dass das Gehirn nicht nur auf antigene, interne, sondern ebenfalls auf externe Reize, wie zum Beispiel „psychische Stimuli“, reagiert (Blalock, 1984; Besedovsky, Sorkin et al., 1977; Besedovsky & del Rey, 1996; Hennig & Netter, 1996; Lampl, Mayer, Osenbrügge & Hillemann, 1990; Stein, 1989; Brooks & Walmann, 1989). PNI und ihre Bedeutung bei HIV und AIDS Den Zusammenhang zwischen belastenden Lebensereignissen, als psychische Belastung, und den daraus resultierenden Gesundheitsfolgen zeigten die Forscher Filipp und Aymanns (1987) auf. Die HIV- und AIDS Erkrankung und die sich daraus ergebenden Lebens- und Umweltveränderungen erfordern von den Betroffenen enorme Anpassungs- und Veränderungsleistungen. Der Bewältigungsmisserfolg durch fehlende Unterstützung und die damit verbundene erhöhte Aktivität zur Erreichung sozialer und persönlicher Bedürfnisbefriedigung führen zu einer Chronifizierung einer Situation, in der der Wechsel zwischen Anstrengung und Erholung langfristig gestört ist (Jäger, 1989). Eine psychosoziale Belastung führt zu einer hormonellen Veränderung im Sinne einer Aktivierung der *(Hypophysen -Nebennierenrinden-Achse) (siehe Abb. 3.4.) mit der Folge einer vermehrten Ausschüttung des Stresshormons "Cortisol". Das Cortisol wirkt zusätzlich immunsuppressiv.
Abb.3.4.: Die Einflüsse der Hormone auf die stressinduzierte Cortisolausschüttung (in Anlehnung an Kreutzig, 1992). *Hypophyse = Hirnanhangdrüse, hormonelle Steuerung des menschlichen Körpers (Pschyrembel, 1992) Laut Dillmann (1977) kommt es infolge des ständig erhöhten Cortisolspiegels zu einer Dysfunktion und demzufolge zu einer zusätzlich eingeschränkten Immunabwehrleistung bei HIV- und AIDS Erkrankten. Gerade die oberen Luftwege stellen für HIV- und AIDS Erkrankte eine wichtige Eintrittspforte für Krankheitserreger dar. Eine psychoneuroimmunologische Forschungsfrage ist, wie das Immunsystem der Atmungsorgane durch psychische Belastungen beeinflusst wird. Das feuchtwarme Milieu der oberen Luftwege bietet ein ideales Klima für Mikroorganismen. Epidemiologische Studien belegen, dass Personen mit häufigen Infekten der oberen Luftwege über eine starke psychische Belastung klagen (Graham et al., 1986; Cohen et al., 1991). Daraus lässt sich schließen, dass psychische Belastungen die Immunfunktion beeinträchtigen und somit die Infektanfälligkeit ansteigt. Fazit Eine psychische Belastung kann als das Produkt der Interaktion zwischen Situations- und Personenbedingungen verstanden werden. Die Stimulusqualität, wie Dauer und Intensität bestimmt eine psychische Belastung. In Anlehnung an Selyes Stresstheorie postuliert die psychoneuroimmunologische Forschung, dass eine chronische Belastung, wie zum Beispiel die HIV Infektion, eine Hemmung der Ig A Sekretion bewirkt, und somit das Infektionsrisiko für die gefährlichen opportunistischen und persistierenden Erkrankungen bei AIDS ansteigt. Wie biochemisch und physiologisch genau chronische Belastungen auf das Immunsystem mediiert werden, ist derzeit Gegenstand intensiver Forschung. |
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