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3.7.2. Allgemeine Immunologie Um einen so hoch differenzierten und anpassungsfähigen organismischen Abwehrmechanismus als System zu entwickeln, benötigte die Evolution über 400 Millionen Jahre (Burmester, 1998). Im Bereich der Immunologie, als einem Teilgebiet der Biologie, geht es um besondere Systeme, nämlich in erster Linie um menschliche Organismen. Organismen gehören zur Klasse der autopoietischen, das heißt der sich selbst erhaltenden Systeme (an der Heiden, Roth & Schwegler, 1989). In diesem selbst herstellenden System bedingen sich die Teile und das Ganze gegenseitig, da keines ohne das andere existieren kann. Die Steuerung eines solchen Systems funktioniert über „Rückkopplungssysteme“. In dieser Form sind sie typisch für biologische Systeme.
Abb.3.2.: Rückkopplungsfunktion biologisch und technisch (in Anlehnung an, an der Heiden, 1998). Aus den Bemühungen, Krankheitsformen als auch den Übergang von Gesundheit zu Krankheit durch mathematische Modelle zu verstehen, entspringt das Konzept der dynamischen Krankheit (Bélair, Glass, et al., 1995). Der Schutz des Körpers gegen bakterielle, virale und parasitäre Infektionen wird von einem System geleistet, das hierarchisch angeordnet ist.
Abb.3.3.: Die Anordnung des Immunsystems (in Anlehnung an Zänker, 1996). Im Sinne eines evolutionären Prozesses ist die unspezifische und spezifische Abwehrfunktionsleistung nicht abgeschlossen. Sie muss sich neuen Anforderungen, wie z.B. dem HI-Virus, anpassen. Eine immunologische Aktivierung wird durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen spezifischer und unspezifischer Immunfunktion bestimmt (Hennig, 1998). Hierbei erfüllt die immunologische Unterscheidung zwischen körpereigenen und körperfremden Substanzen den Zweck, die Individualität und besonders die Unversehrtheit eines Lebewesens zu garantieren. Der Fortschritt höher entwickelter Organismen und die Komplexität des Immunsystems liegt darin, dass mit der spezifischen Erkennung von Erregern und Noxen (Gifte) die Fähigkeit des Systems verbunden ist, aus diesen immunologischen Reaktionen zu "lernen"(Gemsa, Kalden & Resch, 1997). Erkrankt ein Kind nach der Infektion mit dem Masernvirus an Masern, wird das Kind bei einem erneuten Kontakt mit dem Virus nicht mehr erkranken, es ist immun. Für das HI-Virus gilt das nicht. Es gibt keine Immunität gegen die multiple Formen des HIV. Wenn sich der Organismus mit einem Virus auseinandersetzt, führt das zur Bildung von bestimmten Eiweißen (Proteinen), welche wiederum auf spezifische Weise mit dem Virus reagieren (Gemsa, Kalden & Resch, 1997). Chemisch gehören diese Proteine zu den Globulinen und werden aufgrund ihrer Funktion als "Antikörper" bezeichnet. Diese sogenannten Immunglobuline (Ig) werden von den weißen Blutkörperchen produziert und dienen der Erkennung von körperfremdem Material (Burmester & Pezzutto, 1998). Diese Immunglobuline haben eine wesentliche Bedeutung bei der Auswirkung psychosozialer Stressoren auf das Immunsystem HIV-Infizierter und AIDS-Erkrankter. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Immunglobulin A (Ig A) zu. Das Ig A ist die Klasse, die am stärksten in Tränenflüssigkeit, Verdauungssekreten und auf den Schleimhäuten vorkommt (Schimpl, 1997). Aufgrund seiner Lokalisation bietet das Ig A einen direkten Schutz bei lokalen viralen, bakteriellen und parasitären Infektionen. Immundefekt bei HIV und AIDS Das HI-Virus verursacht eine langsam verlaufende Systemerkrankung (slow-virus-infection), (Burmester & Pezzutto, 1998). Die Zielzellen des HI-Virus sind die im Blut vorkommenden T4-Helfer-Zellen. Diese Zellen sind spezialisierte Zellen des Immunsystem zur Abtötung pathogener (krankheitsverursachender) Keime. Im Verlaufe der Infektion werden sie durch das HI-Virus zerstört (Zänker, 1996). Die quantitative Erfassung der sogenannten CD4 Helfer Zellen ist bis heute der wichtigste Laborwert für den HIV Verlauf (L`age-Stehr & Koch, 1997). Diese Zellen sind hochempfänglich für das HI-Virus, besonders für das HIV-Hüll-Glykoprotein gp 120. Die daraus resultierende immer wiederkehrende Infektion der Zielzellen ist die zentrale Reaktion für die Pathogenese der HIV Erkrankung und den nachfolgenden klinischen Komplikationen (Schedel, 1996). Der Grund für den starken zytopathischen (zelltötenden) Effekt ist die Anhäufung und die gesteigerte Produktion von HIV-gp 120. HIV spezifische Immunreaktion Die CD8 Helfer - Zellen sind diejenigen Zellen, die einen Schutz gegen das HIV darstellen. Diese Zellen wirken durch direkten Kontakt zytotoxisch gegenüber HIV infizierten Zellen (Kotler, Tierney & Francisco, 1989). Eine vermehrte Anzahl an CD8 Helfer Zellen schützt somit menschliche Zellen vor dem HI-Virus und geht mit einer Abnahme der Krankheitssymptome einher. Diese Aktivität der spezifischen Helferzellen wird als Charakteristikum von Betroffenen mit Langzeitüberleben (bestehende Infektion seit 10 Jahren) diskutiert (Levy, 1993; Levy, 1994). Tab.3.4.: Charakteristika von Patienten mit Langzeitüberleben (in Anlehnung an Levy, 1993). |
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