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5.2. Begriffsbestimmung
Eine Transzendenz der Begrifflichkeit Lebensqualität verdeutlicht, abhängig von der eingenommenen Perspektive, das manche Wissenschaftler unterschiedliche Sichtweisen integrieren, während andere eine Festlegung vermeiden oder nur eine Sichtweise zulassen oder auch Lebensqualität dem Glück zuschreiben (Sebestyén, 1991). Hierbei sind objektive medizinische Daten, die Selbsteinschätzung der Patienten wie auch die gesellschaftlichen sozialen Rollen mögliche Bezüge für eine Begriffsbestimmung. Als Beispiel zur Vermeidung einer genauen Begriffserklärung sei Bortz (1991) genannt, der Lebensqualität so umschreibt: „...ein sehr individuelles Phänomen, an dessen Zustandekommen viele und vor allem der Betroffene selbst beteiligt sind“.
Nach Filipp (1987) bedeutet Lebensqualität aus motivationstheoretischer Perspektive entweder die Erreichung von Lebenszielen oder die Befriedigung vieler Bedürfnisse, also zwei unterschiedliche theoretische Ansätze. Dies würde bedeuten, je mehr Bedürfnisse des Menschen befriedigt sind, desto größer ist die Lebensqualität (Maslow, 1954; Filipp & Aymanns, 1987).
Kognitive Betrachtungsweisen betonen stärker die kognitive Facetten von Lebensqualität. Eine positive Grundeinstellung des Menschen zu seinem eigenen Leben wird gleichgesetzt mit Lebensqualität. Dies impliziert eine Personeneigenschaft, welcher abzuleiten ist, dass Menschen in unterschiedlichem Maße glücksfähig sein sollen (Filipp & Ferring, 1992).
Individuelle komplexe Bewertungs- und Urteilsprozesse hinsichtlich des eigenen Lebens ist die Sichtweise von Lebensqualität aus psychologischer Sicht. Die Faktoren, die sich auf diese Bewertungs- und Urteilsprozesse beziehen, können aber laut Filipp und Ferring (1992) als Konstrukt nicht definitorisch präzisiert werden. Laut Filipp und Ferring (1992) ist das, was sich im subjektiven Urteil jedes Individuums, bezogen auf sein ganzes Leben oder nur auf Ausschnitte seines Lebens, als Lebensqualität bezeichbar. Aufgrund der Subjektivität der wahrgenommenen Qualität, ist es etwas, da selbstreflexierend, was nicht von Außenstehenden eingeschätzt und eingestuft werden kann und basiert infolgedessen auf einer hypothetischen Dimension.
Dagegen sprechen Koch (1992), Seifert (1992) und auch Küchler (1990) von einer Multidimensionalität als zentrale Bedeutung für den Begriff der Lebensqualität. Multidimensionalität berücksichtigt dabei das psychische Befinden, die körperliche Verfassung, die soziale Integration und die funktionelle Kompetenz des Individuums. Lebensqualität soll laut Koch (1992), das subjektive Befinden, körperliche, psychische und soziale Komponenten samt der eigenen Bewertung dieser Komponenten, umfassen. Küchler (1990) setzt die Lebensqualität aus somatischen, psychischen, interpersonellen, sozio-ökonomischen und spirituellen Dimensionen zusammen, welche sich unter Beeinflussung der Bezugsgruppen der Kultur und der Zeit fortlaufend verändert. Er enthebt die Lebensqualität somit gewissen statischen Elementen.
Lehr (1990) setzt den Begriff Lebensqualität mit der WHO-Definition „Gesundheit ist ... nicht alleine Abwesenheit von Krankheit, sondern ein Zustand vollkommenen sozialen, psychischen und physischen Wohlbefindens“ gleich (Bullinger & Hasford, 1992). Raspe (1990) geht davon aus, dass Lebensqualität ein Werturteil sei, wobei Krankheit oder Gesundheit nur eine Determinante darstellt, und Schmidt (1990) beschreibt Lebensqualität sogar als Operationalisierungsansatz in Bezug auf Zustands- und Veränderungsmessung. Ein wesentlicher Punkt, nach Kaplan (1987), ist die Prognose im Hinblick auf Einschätzungs- als auch auf Copingprozesse.
Da einige Autoren Lebensqualität mit sozialen Beziehungen des Menschen in Verbindung setzen, zeigt sich hier eine Schnittstelle der Begriffe „Lebensqualität“ und „sozialer Rückhalt“. In meiner hier vorliegenden Arbeit werden beide Begrifflichkeiten in getrennten Kapiteln bearbeitet, aber als zwei nicht ganz voneinander verschiedene Theoriegebilde betrachtet, unter Berücksichtigung einer teils unterschiedlichen Bedeutung für den Adaptions- und Bewältigungsprozess chronischer Erkrankungen.
Soziale Unterstützung wird als Umweltressource hinsichtlich der Anforderungen und den Bewältigungsanstrengungen betrachtet (Lazarus & Folkman, 1987).
Laut Siegrist (1990) ist soziale Unterstützung von enormer Bedeutung als Coping-Ressource in Bezug auf chronische Erkrankungen, wohingegen Lebensqualität als das Ergebnis eines Verarbeitungsprozesses diskutiert wird. Reaktionen auf einen stressauslösenden Faktor sind abhängig von individueller Disposition und der sozialen Integration und somit ist das Ergebnis eines Stressbewältigungsprozesses abhängig von personalen, sozialen und situativen Faktoren (Lazarus & Folkman, 1987).



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