6.1.2. Die Fragestellung der vorliegenden Untersuchung

Das Untersuchungsmodell der vorliegenden Arbeit (siehe Abb.6.15.) zeigt die Multidimensionalität und die Interdependenz sozialer, psychologischer und physischer Faktoren bei der HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung.

Abb.6.15.: Das Untersuchungsmodell. Hartkopf, D.(1999). Die psychische, physische und soziale Situation bei HIV und AIDS.

HIV-Seropositivität bedingt zunehmende gesundheitliche Einschränkungen. Laut Jäger (1989) versagen bei AIDS klassische Unterstützungssysteme. Daher stehen HIV-bedingte Symptomauswirkungen in Wechselwirkung zu der Lebensqualität aufgrund einer zugrundeliegenden chronischen Krankheit ohne Heilungsaussichten und zu sozialem Rückhalt, da soziale Trennungen und soziale Desintegration zunehmen, wenn die Hoffnung auf eine vollständige Heilung aufgegeben werden muss (Jäger 1989). Es wird angenommen, dass diese soziale und physische Situation bestimmte Symptome bei den Betroffenen auslöst. Aus diesem Grunde setzte ich als psychometrisches Messinstrument die Symptom-Check-Liste nach Derogatis ein (Derogatis 1986). So erhielt ich, wie das Untersuchungsmodell zeigt, das aktuelle Befindlichkeitsprofil mit den neun Symptomgruppen (vgl. Kapitel 6.2.2.).
Das Konzept „Lebensqualität“ ist als solches nicht erhoben worden und wäre somit eine Fragestellung in weiterführenden Forschungen. Aufgrund ihrer gegenseitigen Bedingtheit wurde die SCL-90-R in das Konzept „Lebensqualität“ integriert.

Da klassische Supportsysteme laut Jäger (1989) versagen, setzte ich, um dieser Aussage nachzugehen, als weiteres Messinstrument den Fragebogen über „erhaltene soziale Unterstützung“ nach Dunkel-Schetter ein. Patienten, die viel Unterstützung erfahren, müssen nicht zwangsläufig damit zufrieden sein (vgl. Kapitel 4). Zufrieden mit einer unterstützenden Handlung ist man nur dann, wenn die Bedürfnisse des Empfängers von der richtigen Quelle adäquat befriedigt werden. Die Untersuchung geht der Frage nach, von welcher Quelle die Stichprobe welche Form an Unterstützung erhielt und wie zufrieden die Stichprobe damit war.
Ob ein Zusammenhang zwischen der erhaltenen Unterstützung und dem aktuellen psychosozialen Befindlichkeitsprofil besteht, ist die zentrale Frage der vorliegenden Arbeit.