Einleitung

AIDS stellt eine nicht behandelbare Erkrankung des Immunsystems nach Infektion mit dem HI-Virus dar (http://www.hivnet.de).

Gesellschaftlich betrachtet ist das Problem der HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung durch die medizinische Wissenschaft allein, trotz Integration ihres Wissens in Diagnose und Therapie, gegenwärtig nicht hinreichend gelöst. Die soziale Problematik läßt sich schon daran erkennen, daß klassische Supportsysteme bei AIDS versagen. Jäger (1989) spricht von einem „Abrücken der Verwandten“. Keine andere Erkrankung verbindet so viele unterschiedliche Lebensbereiche und Lebensstile einschließlich der daraus resultierenden diskriminierenden gesellschaftlichen Betrachtungsweisen (Franke, 1990).

Das Studium der Medizin und die klinische Tätigkeit ließ eine reduktionistische Betrachtungsweise der Krankheit AIDS erkennen. Seit Beginn der HIV-Ära beschäftigt sich die Medizin rein disziplinär mit den Gebieten der Neurologie, Psychiatrie, Dermatologie und Ophthalmologie im Hinblick auf HIV und AIDS. Bemerkenswerte interdisziplinäre Ansätze lassen sich bis heute nicht erkennen (http://www.medonline.de).

Mein Studium der Erziehungswissenschaft zeigte integrierende psychosoziale Problematiken und die Bemühungen, chronische Erkrankungen interdisziplinär zu verstehen. Laut Franke (1990) besteht demzufolge ein Mangel an psychosozialen Studien über HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung.

Demzufolge hat der zentrale Ansatz dieser Arbeit einen interdisziplinären Charakter.

Die Thematik „Gesundheit“ findet zunehmend Einzug in andere Disziplinen, wodurch der Zweig der Gesundheitspsychologie entstand. Gesundheitsverhalten und gesundheitsrelevante Kognitionen werden hinsichtlich Prävention und Intervention erforscht (Hurrelmann & Laaser, 1993). Ein interdisziplinärer Ansatz zwischen medizinischen, gesellschaftswissenschaftlichen und psychologischen Disziplinen wird hierbei angestrebt (Badura, 1994).

Die Diskrepanz von medizinischen und gesellschaftswissenschaftlichen Ansätzen ist der Grund dafür, dem Mangel an psychosozialen Studien über HIV und AIDS durch eine eigene interdisziplinäre Untersuchung abzuhelfen.

Zentral bei meiner Arbeit ist der Versuch, soziale und medizinische Konzepte gegenüberzustellen und die Erkenntnisse in der vorliegenden Arbeit zu verbinden, um zu einem genaueren Verständnis der Situation HIV- und AIDS Erkrankter bei gleichzeitiger Optimierung der Behandlung und sozialer Betreuung beizutragen.

Allgemeine Überlegungen in Integration der behandelnden Thematik im aktuellen Kontext werden vorangestellt, um in die Multidimensionalität von AIDS aus sozialer, psychologischer und medizinischer Perspektive einzuführen.

In dem empirischen Teil stelle ich meine eigene Untersuchung an 150 HIV- und AIDS Patienten vor, die ich im Zeitraum von September 1998 bis April 1999 querschnittlich in allen Erkrankungsstadien durchgeführt habe.

Um eine solidarische Umgehensweise bemüht, wäre es wünschenswert, wenn die Qualität der vorliegenden Arbeit gerade von Erkrankten selbst beurteilt werden würde.

Alle in der Arbeit verwendeten Termini gelten selbstredend für Frauen und Männer.