6.5. Ergebnisse

Nachdem die Reliabilitätsanalyse, Faktorenanalyse Regressionsanalyse und die Itembeschreibung für die Messinstrumente durchgeführt und beschrieben wurde, werden nun die folgenden Ergebnisse statistischer Operationen dokumentiert.


6.5.1. Ergebnisse der SCL-90-R

Bei der Auswertung aller Fragebögen konnte in 150 Fällen (100%) der Global-Severity-Index (GSI) ermittelt werden. Der GSI der untersuchten Stichprobe (n = 150) betrug x = .34 (s = .25; SD = .00183) und ist somit um den Faktor .01 höher als der GSI der gesunden Eichstichprobe. 81 Patienten (54%) lagen hierbei unter dem GSI der Eichstichprobe von .33 .

Abb. 6.16.: Der GSI der eigenen Untersuchung.


Dies bedeutet, dass sich diese Gruppe als gar nicht oder gering belastet fühlt.

69 Patienten (46%) liegen in ihrer subjektiven Belastung über dem Normwert von .33. Die höchste Belastung GSImax liegt bei 1.31. Frauen und Männer zeigten ein unterschiedliches Belastungsprofil: Frauen fühlten sich stärker belastet.

Abb. 6.17.: Der GSI bei Frauen und Männern in der Stichprobe.


In der Untersuchung waren die türkischen Patienten stärker belastet als die italienischen. Deutsche Patienten waren insgesamt weniger belastet. Bei der Frage nach dem Lebenspartner als wichtige Unterstützungsquelle zeigten sich in bezug auf den GSI kaum Unterschiede.

Abb. 6.18.: Partnerschaft und GSI.

Bei der Frage der psychosozialen Belastung im Hinblick auf die in dieser Stichprobe erhobenen Sexualitätsklassen ergab sich folgendes Bild:


Abb. 6.19.:Der GSI und die Sexualität der Stichprobe.

Die Kategorie „homosexuell“ präsentiert den Anteil homosexueller Frauen, welche insgesamt stärker belastet sind als die homosexuellen Männer (Kategorie „schwul“).Der Anteil der hetero- und bisexuellen Probanden ist am stärksten belastet. Die Kategorie „Pädophil“ war in der Stichprobe durch n = 1 vertreten und wird somit in der weiteren Diskussion nicht berücksichtigt.
Der Anteil der Probanden, die angaben, derzeit unter körperlichen Beschwerden zu leiden, zeigten deutlich höhere GSI Werte.

Abb. 6.20.: Der GSI und die körperlichen Beschwerden der Stichprobe.


Wie die Abbildung 6.20. zeigt, haben die Patienten die zu ihrer HIV Infektion oder AIDS Erkrankung zusätzlich körperlich belastet sind, höhere GSI Werte als Patienten, die zwar HIV/AIDS erkrankt sind, aber derzeit nicht unter körperlichen Beschwerden leiden. Wie die Abb.6.20. zeigt, leiden die Patienten am häufigsten unter gastrointestinalen Beschwerden (12%), Hautproblemen (13,3%), Störungen des ZNS (14,7%) und Tumorerkrankungen (11,3 %).

Insgesamt litten 51,3% aller Befragten unter Beschwerden, Frauen häufiger (56%) als Männer (49,1%).


Die 90 untersuchten Einzelsymptome lassen sich zu den im Kapitel 6.2.2. beschriebenen Subskalen zusammenfassen.

1. Subskala Somatisierung

12 Items repräsentieren diese Skala mit einem x = .34, s = .40 und einem Standardfehler (SD) von .0033.

Abb. 6.21.: Subskala Somatisierung.


Das Symptom „Kopfschmerz“ war mit 16,4% das häufigste Symptom der untersuchten Patienten in dieser Skala.15,8% der Patienten litten unter Taubheit und Kribbeln in Armen und Beinen. Dies lässt auf eine neurologische Ätiologie schließen (vgl. Kapitel 3). Der GSI dieser Skala ist mit x = .34 um den Faktor .01 erhöht.

2. Subskala Zwanghaftigkeit

Die Zwanghaftigkeit wird durch 10 Items gemessen, der Mittelwert lag bei x = .25, s = .26 und der Standardfehler betrug SD = .0021. Mit einem Mittelwert von x = .75 stellen Konzentrationsstörungen das häufigste Symptom dieser Skala dar.


3.Subskala Unsicherheit im Sozialkontakt

Die durchschnittliche Unsicherheit im Sozialkontakt betrug x = .27, Standardabweichung s = .25 und SD = .0020. Das Gefühl, andere würden sie nicht verstehen oder erscheinen teilnahmslos, stellte mit x = .58 einen mittleren Wert dar. Das Item „Verletzlichkeit in Gefühlsdingen“ präsentierte mit x = 1.12 einen hohen Wert.


4. Subskala Depression

Der Mittelwert der 13 untersuchten Items lag bei x = .64, s = .35 und SD = .0035. Mit diesem Wert liegt die untersuchte Stichprobe um den Faktor .31 über dem Gesamtwert der Eichstichprobe.

Abb. 6.22.: Subskala Depression


Das Symptom „Neigung zum Weinen“ wurde von 17,2% der Patienten angegeben. 14,3% fühlen sich kraftlos und 13,8% haben das Gefühl der Hoffnungslosigkeit angesichts der Zukunft. Eine Verminderung des Interesses und der Freude an Sexualität gaben 10,5% der Patienten an.


5. Subskala Ängstlichkeit

Die durchschnittliche Ängstlichkeit der untersuchten Stichprobe lag bei x = .03, s = .26, SD = .0026. Unter dem Gefühl, dass ihnen etwas Schlimmes passiert, litten mit einem hohen Wert durchschnittlich x = 1.06 der Befragten.




6. Subskala Aggressivität und Feindseligkeit

Durchschnittlich lag die Aggression und Feindseligkeit mit einem Mittelwert von x = .42, s = .37, SD = .0037 über dem Wert der Eichstichprobe

Abb. 6.23.: Subskala Aggressivität


Das Symptomenprofil der Aggression zeigt, dass 36,2% der Patienten unter Gefühlsausbrüchen litt, gegenüber denen sie machtlos waren, 25,6% litten unter dem Bedürfnis, laut zu schreien, und 18,5% gaben an leicht reizbar und verärgerbar zu sein. Insgesamt hatten 16,6% sowohl den Wunsch, Dinge, Gegenstände zu werfen oder zu zerstören, als auch Personen zu schlagen oder zu verletzen. 3% der Befragten leiden darunter, häufig in Auseinandersetzungen zu geraten.



7. Subskala Phobische Angst

Die untersuchten 7 Items repräsentierten die Phobische Angst der Stichprobe mit einem Mittelwert von x = .17, s = .30, SD = .0030. Das Symptom „starke Nervosität, wenn man alleine gelassen wird“ war mit einem Mittelwert x = .33 die häufigste Antwort dieser Skala.


8. Subskala Paranoides Denken

Paranoides Denken lag mit 6 Items im Durchschnitt bei x = .14, s = .24, SD = .0023. Keines dieser Items lag außerhalb der GSI Normbereiche.


9. Subskala Psychotizismus

10 Items repräsentieren diese Skala mit einem Mittelwert von x = .25, s = .19, SD = .0019. Mit einem Mittelwert von x = 1.38 war das Item 87, „dem Gedanken, daß etwas mit dem Körper ernstlich nicht in Ordnung ist“ am stärksten in dieser Skala vertreten. Dieses Item ist um den Faktor 1.0 höher gegenüber der Eichstichprobe.

Diese Ergebnisse zeigen einen erhöhten GSI der untersuchten Stichprobe in den Subskalen „Depression (22,8%)“, Aggressivität (14,9%)“ und „Somatisierung (12,0%)“ (vgl. Abb. 6.24.). Eine detaillierte Befunderhebung und daraus resultierende Einzelbefunde sind den Einzelabbildungen zu entnehmen. Die Skalen „Zwanghaftigkeit“, „Unsicherheit im Sozialkontakt“, Ängstlichkeit“, „Phobische Angst“, „paranoides Denken“ und „Psychotizismus“ zeigten in der Auswertung keine erhöhten Werte. Aus den einzelnen Subskalen zusammengesetzt lässt sich der GSI wie folgt darstellen:

Abb. 6.24.: Die Subskalen der Stichprobe (GSI).


6.5.2. Ergebnisse des Fragebogens zur „erhaltenen“ Unterstützung (UNTERST)

Für diese Skala ist die Faktorenlösung akzeptiert worden, und es werden zunächst Ergebnisse vorgestellt, die die gesamte Skala betreffen. Anschließend werden die Ergebnisse der Subskalen besprochen.

Die insgesamt erhaltene durchschnittliche Unterstützung (UNTERST A) liegt in einem sehr niedrigen Bereich (x = .80, s = .49, SD = .004). Die instrumentelle Unterstützung durch Freunde (x = 2.13, s = 1.02, SD = .008) und durch Geschwister (x = 1.89, s =1.12,SD = .009) stellen sowohl die häufigste Form des Supports, als auch die häufigste Support-Quelle, dar. Dies bedeutet, dass die HIV- und AIDS Patienten von ihren Freunden und von den Geschwistern die wichtigste Unterstützung in Form von „Hilfe durch Taten“ beziehen.


1. Subskala „Unterstützung durch die Eltern“

Durchschnittlich erhielten die Probanden von ihren Eltern wenig Unterstützung (x = 1.45, s = 1.21, SD = .008). Mit x = 1.69, s = 1.27 und SD = .10 gibt der instrumentelle Support die tatsächliche erhaltene Unterstützung am besten wieder. Am wenigsten Unterstützung erhalten die Patienten im Bereich des informationellen Supports (x = 1.29, s = 1.26, SD = .10). Insgesamt ist die emotionale Unterstützung sehr gering, wobei die Eltern eher „Verständnis“ zeigen als ihren erkrankten Kindern „Mut“ zuzusprechen (x = 1.33, s = 1.33, SD = .10).


2. Subskala „Unterstützung durch die Geschwister“

Die erhaltene Unterstützung durch die Geschwister ist gering und liegt im Durchschnitt bei x = 1.85, s = 1.04, SD = .008. Trotz des geringen Durchschnittswertes stellt die Supportquelle „Geschwister“ die zweithäufigste Quelle der Untersuchten dar. Am häufigsten unterstützen die Geschwister durch „Taten“ (x = 1.89, s = 1.12, SD = .009) und weniger dadurch, Mut zuzusprechen oder ihren erkrankten Geschwistern zuzuhören (x = 1.34, s = 1.16, SD = .009).


3. Subskala „Unterstützung durch Verwandte“

Der Durchschnittswert der Unterstützung durch Verwandte liegt in einem niedrigen Bereich (x = .23, s = .58, SD = .004).Verwandte scheinen den Probanden am besten durch Zuhören und durch Taten (x = .27, s = .27, SD = .008) zu helfen.


4. Subskala „Unterstützung durch den Partner“

Die erhaltene Unterstützung durch den Partner liegt mit durchschnittlich x = 1.23, SD = .008 und einer empirischen Standardabweichung von s = 1.04 in einem niedrigen Bereich. Partner unterstützen am häufigsten durch Taten (x = 1.42, s = 1.19, SD = .009) und weniger dadurch, ihren Lebenspartnern verständnisvoll zuzuhören (x = 1.35, s = 1.15, SD = .009). Die Probanden erhalten ebenfalls wenig Tips, Informationen oder Ratschläge (x = 1.03, s = 1.21, SD = .009) durch ihre Lebenspartner.

5. Subskala „Unterstützung durch Freunde“

Bei dieser Skala liegt der Wert der durchschnittlichen Unterstützung in einem niedrigen Bereich (x = 1.93, s = .88, SD = .007), stellt aber gleichzeitig den höchsten durchschnittlichen Wert der gesamten erhaltenen Unterstützung in der Stichprobe dar. Freunde scheinen den Probanden am häufigsten durch Taten, verständnisvolles Zuhören und Mut zusprechen zu helfen (x = 2.13, s = 1.02, SD = .008).


6. Subskala „Unterstützung durch Kollegen“

Die erhaltene Unterstützung durch Kollegen liegt mit x = .35, SD = .005. und einer empirischen Standardabweichung von s = .66 in einem sehr niedrigen Bereich. Instrumentelle Hilfe bekamen die Probanden von den Kollegen am häufigsten (x = .48, s = .83, SD = .008). Informationelle Unterstützung erhielten sie durch die Kollegen mit einem Mittelwert von x = .002 (s = .67, SD = .005) fast nie. Emotionale Unterstützung gaben die Kollegen mit den Mittelwerten x = .31 (s = .005, SD = .69) durch „Zuhören und Verständnis zeigen“ und mit x = .33 (s = .006, SD = .77) durch „Mut machen“ insgesamt auch weniger als die Kategorie „selten“. Kollegen scheinen die Patienten in jeder Hinsicht sehr wenig zu unterstützen.


7. Subskala „Unterstützung durch Nachbarn“

Durchschnittlich erhielten die Probanden von den Nachbarn noch weniger Unterstützung als von den Kollegen. Der Durchschnitt liegt bei einem Mittelwert von x = .31 (s = .0032, SD = .18). Hierbei fand die Frage nach instrumenteller Unterstützung mit einem Mittelwert von x = .48 (s = .36, SD = .001) die häufigste Zustimmung. Am wenigsten gaben die Probanden die informationelle Unterstützung an (x = .02, s = .12, SD = .009). Nachbarn scheinen den Patienten allgemein wenig zu helfen, doch am meisten erfolgt die Unterstützung durch Taten.


8. Subskala „Mitpatienten“

Der Durchschnittswert der Unterstützung durch Mitpatienten liegt in einem sehr niedrigen Bereich bei x = .28 (s = .65, SD = .005). Sie unterstützten die Probanden am häufigsten durch emotionale Unterstützung und zwar durch Zuhören und Verständnis zeigen (x = .31, s = .82, SD = .006). Mut gemacht haben ihnen die Mitpatienten dagegen weniger. Mit einem Mittelwert von x = .25 (s = .70, SD = .005) liegt das Item „Mut machen“ am niedrigsten. Mitpatienten scheinen durch Zuhören und Verständnis zeigen emotionell zu unterstützen, doch durch „Mut machen“ geschieht dies seltener.


Die Skala der Reziprozität zeigte, dass die untersuchten Patienten durchschnittlich mehr Unterstützung gewähren als selbst Unterstützung bekommen (x = 1.2, s = .48, SD = .0093).


Subskala „Zufriedenheit mit der tatsächlich erhaltenen Unterstützung“ (UNTERST B)

Dieser Skala liegt ein bipolares 7-stufiges Rating zugrunde (1 = sehr unzufrieden bis 7 = sehr zufrieden). In dieser Untersuchung wird die Zufriedenheit in bezug auf die Supportdimension ebenfalls nach Supportquellen unterteilt.

Die durchschnittliche Zufriedenheit mit der tatsächlich erhaltenen Unterstützung ist niedrig (x = 1.84, s = .745, SD = .0061).mit der Unterstützung durch Taten waren die Probanden am zufriedensten (x = .94, s = .40, SD = .0033), doch erhalten sie wenig emotionale Unterstützung und sind demzufolge damit sehr unzufrieden (x = .90, s = .38, SD = .0031). Mit der Unterstützung durch Geschwister (x = 1.00, s = .65, SD = .0054) und durch Freunde (x = 1.00, s = .819, SD = .0067) sind die Patienten am zufriedensten.

Die stärkste Unzufriedenheit mit erhaltener emotionaler, instrumenteller und informationeller Unterstützung liegt bei der „Unterstützung durch den Lebenspartner“ (x = .64, s = .72, SD = .0059).