4.5. Die erhaltene Unterstützung

Die Wahrscheinlichkeit soziale Unterstützung in der richtigen Form und zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten ist groß, wenn 1.) direkt um entsprechende Hilfe gebeten wird (Sachgüter oder emotionale Hilfe), 2.) das Problem genau umschrieben werden kann, 3.) um Zuwendung und 4.) um Rat gebeten wird (Cutrona, Suhr & Mac Farlane, 1990). Laut Schwarzer und Leppin (1989a, 1990) schätzen Personen, die wenig Support wahrnehmen, bei einer subjektiven Beurteilung tatsächlich erhaltener Unterstützung, diese geringer ein. Der Zusammenhang zwischen Coping und erhaltener Unterstützung ist sowohl von den Bewältigungsstrategien einer Person, als auch von deren Fähigkeit Hilfe entgegenzunehmen abhängig. Empfinden Personen Gefühle der Anspannung und Verpflichtung oder sehen sie gar ihr Selbstwertgefühl und ihren sozialen Status bedroht, werden sie nur schwer Hilfe annehmen (Suls, 1982).
Das soziales Bewältigungsverhalten die Verfügbarkeit von Unterstützung bestimmt, beschreiben viele Autoren, so Schwarzer, Dunkel-Schetter,
Weiner und Woo (1992) sowie Sarason und Sarason (1985a). Unzureichendes Bewältigungsverhalten kann so mit einer tatsächlichen Abnahme "erhaltener Unterstützung" einhergehen. Hier treten gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse (Attribuierung) in Kraft. Personen die sich durch Bluttransfusionen mit HIV infiziert haben, und auch Kinder werden nicht in dem Maße für ihre Erkrankung verantwortlich gemacht wie i.v. Drogenabhängige und Homosexuelle mit HIV, und erhalten viel eher gesellschaftliches Mitgefühl und tatsächliche Unterstützung (Franke, 1990). Übertragen lässt sich diese Situation auch auf viele andere Erkrankungen und die gesellschaftliche Bewertung darauf. Aus der Kardiologie ist bekannt, dass ein Myocardinfarkt als selbst verschuldet angesehen wird, wenn der Betroffene als Risikopatient gelebt hat, sich falsch ernährte, nie Sport getrieben hat, rauchte und adipös war (Hall, 1990). Laut Schwarzer und Leppin (1991a) zeigen erwartete und erhaltene Unterstützung keine Korrelation: "...das Konzept der wahrgenommenen Unterstützung bewegt sich zwischen konkreten zukunftsbezogenen Erwartungen an das Verhalten und Empfinden anderer einerseits und Schemata sozialer Identität andererseits. Erhaltene soziale Unterstützung dagegen bezieht sich retrospektiv auf behaviorale Prozesse, das heißt hier auf das konkrete Handeln anderer, bezogen auf die eigene Person..." (Leppin, 1994, 93).