4.4.Die erwartete Unterstützung

Diese Form der Unterstützung lässt sich nicht an reellen Gegebenheiten festmachen, sondern spiegelt die subjektive Einschätzung einer Person, hinsichtlich der Wahrnehmung, Erwartung, Gefühle in Bezug auf die soziale Einbettung, wider. Hierbei handelt es sich um Support auf kognitiver Ebene,
denn laut Sarason, Sarason und Shearin (1986) ist es entscheidend, unabhängig von den Fähigkeiten und Bedingungen, inwieweit sich eine Person als sozial akzeptiert sieht. Laut Leppin (1994) kann die erwartete Unterstützung als eine Persönlichkeitsdisposition aufgefasst werden, welche die Einschätzung und die Bewältigung kritischer Lebensereignisse beeinflusst. Die Annahme, dass es sich bei sozialem Rückhalt um eine stabile Persönlichkeitsvariable handelt, ist laut Bowlby (1969) darauf zurückzuführen, dass die Überzeugung, geliebt und angenommen zu werden, aus Erfahrungen in früher Kindheit herrührt. "...aus diesen frühen Erfahrungen entwickeln sich generelle Erwartungen bezüglich der Verfügbarkeit und Verlässlichkeit von Bindungspersonen und hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten, Bindungsverhalten zu aktivieren..." (Schwarzer & Leppin, 1989).

Laut Schwarzer und Leppin (1989) überschätzen Menschen ihre sozialen Ressourcen und auch ihre eigenen Fähigkeiten. Für die Qualität von sozialem Rückhalt ist damit eine Überschätzung des tatsächlich zur Verfügung stehenden Rückhaltes gemeint. Erhaltener und erwarteter Rückhalt können in einer schwierigen Problematik weit auseinander liegen, entweder weil sich das Netzwerk nicht wie erwartet verhält oder weil eine optimistische Fehlerwartung hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Supportqualität vorliegt. Ob und wie subjektiv wahrgenommener Rückhalt zur Bewältigung einer kritischen Lebenssituation beiträgt, obliegt einer hypothetischen Einschätzung. Erwartete Unterstützung ist nicht als einachsiger Prozess zu verstehen, sondern als Interaktionsprozess der Netzwerkmitglieder. Laut Lazarus und Folkman (1987) hat die Erwartung von Rückhalt bei der Ressourceneinschätzung eine große Bedeutung, und so sprechen Pearlin, Menaghan, Liebermann und Mullan (1981) davon, dass die wahrgenommene Bereitstellung von sozialem Rückhalt die negativen Folgen von Stress mildert. Somit ist der subjektiv erwarteten Unterstützung ein protektiver Faktor in der Lebensbewältigung zuzuschreiben.