6.5.4. Hypothesenrelevante Ergebnisse

Zur Überprüfung der hypothetisierten Zusammenhänge wurde der Rang-Korrelationskoeffizient nach Spearman berechnet. Die Produkt-Moment-Korrelation nach Pearson musste aufgrund der angestrebten methodischen Stringenz verworfen werden (Backhaus, 1996). Der Korrelationskoeffizient r beschreibt die Enge des linearen Zusammenhangs zwischen zwei Merkmalen anhand einer Zahl, welche zwischen –1 und +1 liegt (Backhaus, 1996; Bortz, 1993).

Bei zweidimensionalen Tabellen kann die Schwierigkeit auftreten, den gefundenen Sachverhalt zu interpretieren. Durch das Einbeziehen einer dritten Variablen W (Vw) kann eine veränderte Interpretation notwendig werden. Zur Umgehung dieser Korrelationsproblematik wurden für die hypothesenrelevanten Ergebnisse der Zusammenhangshypothesen Partialkorrelationen berechnet, um sogenannte Scheinkorrelationen (spurious correlation) auszuschließen. Die ursprünglichen Beziehungen der Variablen der Zusammenhangshypothesen 1. – 5. konnten nach Punkt 5 der folgenden Tabelle 6.16. beibehalten werden.


Tab.6.16.: Klassifikation der Effekte einer dritten Variablen auf die Korrelation zweier Variablen. Friedrichs, J. (1980). Methoden empirischer Sozialforschung.

Es wurde angenommen, dass zwischen der psychosozialen Belastung und der tatsächlich erhaltenen Unterstützung ein negativer Zusammenhang besteht (Hypothese 1). Diese Annahme lässt sich auf dem 1% Niveau bestätigen. Dieser geprüfte Zusammenhang ist für beide Faktoren „GSI“ und „Unterstützunggesamt“ negativ und mittelhoch sowie sehr signifikant (r = .405).

Zudem wurde angenommen, dass dieser negative Zusammenhang hoch korreliert (Hypothese 2). Wie die Berechnung zur Überprüfung der Hypothese 1 zeigt, ist der negative Zusammenhang mit r = .405 nur mittelhoch korreliert. Die Hypothese 2 wird an dieser Stelle mit einem Risiko von .01% verworfen. Es konnte nicht gezeigt werden, dass der Zusammenhang hoch korreliert.
Die Hypothese 3 postuliert einen negativen Zusammenhang zwischen einer depressiven Befindlichkeitsstörung betroffener Patienten und der emotionalen Unterstützung durch Familie, Partner, Freunde, Verwandte, Kollegen, Nachbarn und Mitpatienten. Diese Annahme lässt sich auf dem 1% Niveau bestätigen.
Der geprüfte Zusammenhang ist für beide Faktoren „Depression“ und „Unterstützungemotional“ negativ und mittelhoch sowie sehr signifikant (r = .425). Dies bedeutet, je weniger emotionale Unterstützung die Patienten dieser Stichprobe erhielten, desto depressiver war ihre Symptomenlage.

In der These 4 wurde angenommen , dass der Zusammenhang zwischen Somatisierung und der tatsächlichen erhaltenen Unterstützung durch die Lebenspartner ein negativer ist. Die Berechnungen repräsentieren mit r = .06 ein nicht zu interpretierendes Ergebnis. Somit steht dieses Ergebnis erwartungswidrig zu den theoretischen Überlegungen von Jäger (1989) und Franke (1990). Die These 4 wird an dieser Stelle mit einem Risiko von .01% verworfen.

Die Hypothese 5 postuliert einen negativen Zusammenhang zwischen Somatisierung und der Zufriedenheit der Patienten mit der erhaltenen Unterstützung ihrer Lebenspartner. Diese Annahme lässt sich auf dem 1% Niveau bestätigen. Der geprüfte Zusammenhang ist für beide Faktoren „Somatisierung“ und „Zufriedenheit mit der erhaltenen Unterstützung durch die Lebenspartner“ negativ und mittelhoch sowie sehr signifikant (r = .34).
Dies bedeutet, je unzufriedener die Patienten mit der Unterstützung ihrer Lebenspartner sind, desto stärker zeigen sich körperliche Symptome des vegetativen Formenkreises (Kopfschmerzen, Magen- Darmbeschwerden etc.).
In diesem Fall erscheint die körperliche Belastung („discomfort“ und „distress“) als das Resultat subjektiv eingeschätzter Belastungsereignisse und der Ressourcenwahrnehmung in Abhängigkeit der Bedeutung postulierter Quellenspezifität von sozialer Unterstützung.