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5. Das Konzept Lebensqualität
Die Grundzüge des Diskussionsgegenstandes der Lebensqualität sind seit der Auseinandersetzung mit der Begrifflichkeit zur Zeit der griechischen Antike bis in unser heutiges Jahrhundert identisch. Laut Seiffert (1992) findet die Diskussion aber erst zu Anfang dieses Jahrhunderts Einzug in den deutschen Sprachraum.
Selbst die kontrahären Diskussionsstandpunkte bezüglich der Dimension der Lebensqualität unter den Philosophen Platon (geb. 427 v. Chr. Athen, gest. 348 v. Chr.) und Aristoteles (geb. in Stagira 384 v. Chr., gest. in Chalkis 322 v. Chr.) finden sich auch in unserer heutigen Gesellschaft. Mit dem alleinigen Vorkommen der Dimension Lebensqualität in ihrer schlichten Gegebenheit kann man sich, philosophisch betrachtet, nicht zufrieden geben. Lebensqualität ist ein Konstrukt und damit etwas, was sich von sich selber her nicht einfach sehen lässt. Beziehungen des Konstruktes zu psychischem Befinden oder zu äußeren sozialen Eingebundenheiten müssen zuallererst gefunden und hergestellt werden (König, 1978).
Damit wir uns in der Welt orientieren können, ist Begründen und derartiges Verknüpfen von Beziehungen eine unserer notwendigsten geistigen Tätigkeiten, um die Welt nach rationaler Planung zu verstehen, zu gestalten und auch zu verändern.
Schon in der Zeit der griechischen Antike, aus der unsere europäische Neuzeit nun einmal hervorgegangen ist, galt die Ansicht, dass alles in der Welt einen Grund haben müsse, und in einer Kausalbeziehung zueinander stehen müsste, was zur Folge hatte, dass sich die Philosophie über Jahrhunderte mit der Problematik befasst hat und in die Tiefen der Metaphysik führte. Inmitten der Vielfalt aller weltlichen Ereignisse führen aber genau diese Kausalbeziehungen, in einer sich ständig wandelnden Wirklichkeit, zu Gesetzförmigkeiten, an deren Erkennungsobjektivität eine für uns qualifizierende Realität geknüpft ist (Descartes, R.).
Sowohl Descartes (1596 1650), der Begründer der neuzeitlichen Philosophie als auch 1814 Laplace (1749 1827), oder auch mehr als ein Jahrhundert später Sir Isaac Newton (1643 1727) reflektierten, unabhängig ihres wissenschaftlichen Tuns, philosophisch die Frage nach den Kausalbeziehungen nach Tatbeständen und Konstrukten (König, 1978).
Wo irrte Descartes ?
Abb.5.14.: René Descartes.
Descartes
René, latinisiert Renatus Cartesius, am 31.3.1596 in Touraine geboren und am 11.2.1650 in Stockholm gestorben. Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler gilt als erster systematischer Denker der Neuzeit. Seine einzige Gewißheit ist die durch methodische Zweifel gewonnene Einsicht des „Ich denke, also bin ich“ (Cogito ergo sum). Die Res extensa (Ausdehnung, Körper) und die Res cogitans (Geist, Innenwelt) und seine grundsätzliche Unterscheidung als metaphysikalischer Dualismus ist im neuzeitlichen Denken die Grundlage der Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt.
Quelle : The Mac Tutor History of Mathematics archive. St. Andrews University, United Kingdom.(http://www-history.mcs.st-andrews.ac.uK/history)
Die Bedeutung des geschichtlichen Exkurses soll anhand des Philosophen Renè Descartes aufgezeigt werden. Sein philosophisches Werk ist für die westliche Welt und ihr Denken bis in unser heutiges Jahrhundert prägend. Descartes trennte in seinen philosophischen Werken das « Denkende (das Gehirn) « , als res cogitans bezeichnet, vom « Nicht-Denkenden (dem Körper) », als res extensa bezeichnet. Dieser Reduktionismus übertrug sich bis in die Neuzeit in die Wissenschaften Medizin, Biologie und Anthropologie. Seiner Meinung nach musste Denken, Emotionen, ethisches Handeln sowie seelischer Schmerz unabhängig vom Körper existieren. Diese kartesianische Anschauung hält sich bis heute. Neuere Ansätze der Neuzeit postulieren jedoch die Ganzheitlichkeit neuronaler, emotionaler, soziokultureller und verhaltensgesteuerter Ansätze.
Descartes Paradigmen bewirkten in der Medizin, dass seelisch-emotionale Befindlichkeiten als vernachlässigbar gegenüber medizinischer Befunderhebung galten. Durch Methodenreflexion und erneuten ethischen Fragestellungen soll eine Leib-Seele-Beziehung erneuten Zugang in eine patientennahe Versorgung finden (Zänker, 1996).
Zentrale Dogmen gehören nicht in wissenschaftliche Bücher. Fortschritt wird behindert, wenn neue Erkenntnisse unbedingt in Einklang mit alten Modellen gebracht werden müssen. Der Fortschritt wird behindert, wahre Erkenntnis kann nicht stattfinden, Fehlannahmen bereiten sich aus und Forschungsergebnisse können fehlinterpretiert werden (Kölle, 1997).
Der Philosoph Platon war der Meinung, dass über den Wert des Lebens chronisch Kranker aufgrund objektiver Einschätzung entschieden werden sollte und das zu solcher Einschätzung nur der Arzt berechtigt sei. Ferner sollten nach Platon die Mediziner die alleinige Entscheidung treffen, wann und ob eine Therapie eingestellt werden solle. Die Mündigkeit betroffener Patienten war irrelevant. Seit dieser Ansicht im Jahre 340 v. Chr. besteht eine sehr kontroverse Diskussion bis in die heutige Zeit, allen voran sei hier Professor Julius Hackethal (1992) als großer Verfechter dieser Ansicht, und seine revolutionären Bemühungen um eine patientennahe Betreuung, genannt. Aristoteles hingegen postulierte schon 335 v. Chr. in Peripatos, dass Lebensqualität von inneren als auch von äußeren Faktoren abhänge. Das heißt, dass psychisches Befinden und äußere Bedingungen, wie soziales Eingebundensein, in Beziehung zueinander stehen.



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