3.6. Krankheitsstadieneinteilung von AIDS

Obwohl es mittlerweile eine neue Verfassung der AIDS-Klassifikation gibt, erwies sich in der eigenen Untersuchung die aufgeführte Stadieneinteilung als effektiver bezüglich des Verständnisses seitens betroffener Patienten (neue Klassifikation: Walter-Reed-Stufe I-VI).

In einem Drittel der Fälle manifestiert sich die HIV-Infektion mit neurologisch-psychiatrischen Symptomen, vor allem psychopathologischen Veränderungen im Sinne eines depressiven Syndroms, organischen Psychosyndroms, mnestische Schwierigkeiten oder einer Demenz. In 40 - 50% kommt es zu einer Mitbeteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS): ZNS - Infektionen und ZNS - Tumore (Pschyrembel, 1990).


Tab. 3.1.: AIDS-Stadien. (in Anlehnung an Pschyrembel, 1990. Auflage 265.; Stadieneinteilung nach Definitionen des Centers for Disease Control, Atlanta,USA.

Die Stadien AIDS I-IV wurden in der eigenen Untersuchung durch die Stadien HIV keine Beschwerden, gelegentliche Beschwerden und öfters Beschwerden ergänzt (http://www.aids98.ch).

Eine Bewältigung von Anforderungssituationen resultiert aus kognitiven Einschätzungen und Bewertungen, sowie der Mobilisierung personaler und sozialer Ressourcen
( Feifel & Strack, 1989; Schwarzer, C., 1992). Gerade AIDS erfordert die Einbindung psychosozialer Konzepte in die Flut objektiver medizinischer Daten.
Die durch HIV bedingten organischen hirnmorphologischen Veränderungen interagieren mit psychosozialen Folgen und emotionalen Verarbeitungsweisen (Hofmann, 1981). Der aktuelle Zustand der Betroffenen ist immer von direkten (organisch bedingten) und indirekten (durch die Persönlichkeit und der emotionalen Verarbeitung) cerebralen Schädigungsfolgen durch das HI-Virus geprägt (Hempel & Hermes, 1989).

Die mit AIDS einhergehenden neurophysiologischen und neuropsychologischen Defizite, welche häufig mit hirnorganisch affektiven Veränderungen gekoppelt sind, schränken die psychischen Bewältigungsmöglichkeiten (Coping) und die soziale Kompetenz weiter ein und werden zu einem zusätzlichen erheblichen Belastungsfaktor. Dies ist einer der wesentlichsten Unterschiede von AIDS verglichen zu anderen chronischen Krankheiten.
Neben der medikamentösen Therapie sollte es bei den neuropsychologischen Störungen Ziel sein, eine Besserung der sekundären Beeinträchtigungen der Hirnfunktionen bzw. eine Umorientierung der Betroffenen im Sinne einer Adaptation an das Restpotential, zu erreichen (Hempel & Hermes, 1989).
Nach Hempel und Hermes (1989) treten folgende speziellen psychopathologischen Symptome, aufgrund der veränderten Hirnmorphologie, auf:


- allgemeine Hirnleistungsschwäche wie Verlangsamung, Ablenkbarkeit, mangelnde Belastbarkeit, Störungen der Zielgerichtetheit des Denkens und Handelns

- Teilleistungsstörungen der Informationsverarbeitung über die verschiedenen Sinneskanäle und des
Gedächtnisses

- Veränderungen der Affektivität und des Verhaltens, wie Einschränkungen der Kontrolle über Gefühle, Grundbedürfnisse und Verhalten, emotionale Reduktion, Ausdrucksarmut und Antriebsschwäche sowie unkritische Selbsteinschätzung.

In Anlehnung an die Tabelle "Die psychologischen Auswirkungen erworbener Hirnschäden" (Hofmann, 1981) lassen sich für HIV und AIDS modifiziert, folgende Beziehungen aufzeigen.

Tab.3.2.: Psychologische Auswirkungen erworbener Hirnschäden (Hofmann, 1981), modifiziert von Hartkopf, D..

Die Tatsache allein lebenslang Medikamente nehmen zu müssen, stellen Wöller et al. (1993) als eine chronische Bedrohung dar. Antiretrovirale Medikamente gegen AIDS müssen lebenslang eingenommen werden um den Ausbruch des AIDS-Vollbildes zu verzögern. Diese Tatsache ist ein weiterer Unterschied der Krankheit AIDS zu anderen chronisch verlaufenden Erkrankungen. Aus pharmakologischer Sicht heißt das für AIDS "es gibt keinen Weg zurück".