5.5. Lebensqualitätsforschung und resultierende Probleme

Das psychische Befinden, die Rolle in der Familie, häusliche und außerhäusliche Pflichten und die körperliche Verfassung sind, unterscheidbar nach Häufigkeit und Intensität, Indikatoren von Lebensqualität, wobei die positiven Affekte der Lebensqualität innerhalb eines definierten Zeitraumes stärker ausgeprägt sein sollten als negative Affekte der Lebensqualität (Filipp & Ferring, 1992). Die Häufigkeit meint, wie oft ein Affekt im definierten Zeitraum aufgetreten ist, wohingegen die Intensität die Tatsache beschreibt, wie stark sich ein Affekt auf die Lebensqualität im definierten Zeitraum auswirkt.
Laut Diener, Sandvik und Pavot (1991) ist die Häufigkeit bedeutsamer als die Intensität, was bedeutet, dass Personen positive Affekte eher in der Quantität als in der Qualität erleben. Ob es einen Rückschluss bezogen auf negative Affekte gibt lässt sich der Literatur nicht entnehmen.

Eine problematische Diskrepanz in der Lebensqualitätsforschung sind die subjektiven Einschätzungen der Patienten auf der einen und die Fremdeinschätzung der Mediziner durch objektiv gewonnene Daten auf der anderen Seite. Ungeachtet der subjektiven Einschätzung der Patienten könnte die Fremdeinschätzung, basierend auf objektiven Daten (zum Beispiel die CD4-Helfer-Zellen bei HIV), eine zu dominierende Rolle bei therapeutischen Entscheidungskriterien einnehmen. Unter Berücksichtigung der subjektiven Einschätzung der Patienten könnte eine Fremdeinschätzung und demzufolge diagnostische und therapeutische Maßnahmen patientengerechter und patientenorientierter werden.

Gerade in Entscheidungen über eine therapeutische und medikamentöse Behandlung bei HIV und AIDS ist die Berücksichtigung der Selbst- wie auch der Fremdeinschätzung insofern sehr bedeutend, als antiretrovirale Medikamente, wenn sie einmal appliziert wurden, ein Leben lang eingenommen werden müssen.
Bullinger und Pöppel (1988) postulieren eine Sensibilisierung für die psychosoziale Dimension von Krankheit und die Berücksichtigung der daraus resultierenden Konsequenzen. Diagnose, Therapien, medikamentöse Invasivmassnahmen und auch Rehabilitationen sollten, psychosozialen Kenntnissen folgend, auf den jeweiligen Patienten, unter Berücksichtigung seiner Einschätzung, seines Befindens und der Einschätzung über die Erträglichkeit einer Behandlung (Chemotherapien bei Neoplasien),
zugeschnitten sein. In dem Punkt, dass subjektive Einschätzungen der Lebensqualität von Situationsbedingungen und Persönlichkeitsdispositionen abhängen, liegt die Verbindung der Konzepte Lebensqualität und Stress.