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6.2.2.3. Die Skalen der SCL-90-R Die SCL-90-R besteht aus 90 Fragen zur subjektiven Befindlichkeit. Laut Franke (1990) darf bei der Anwendung psychodiagnostischer Verfahren nicht beim Zitieren des Skalennamens stehengeblieben werden. Als Originalautor belegte Derogatis die einzelnen Skalen mit Namen. · Skala 1: Somatisierung (somatization) · Einfache körperliche Belastung bis hin zu funktionellen Störungen werden in 12 Items dieser Skala beschrieben. Distressempfindungen äußern sich als körperliche Dysfunktionen: kardiovasculäre, gastrointestinale, respiratorische und somatische Komponenten der Angst. Personen mit einer hohen Belastung leiden unter Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Übelkeit oder Magenverstimmung, Atemschwierigkeiten, Muskelschmerzen, Hitzewallungen oder Kälteschauern, Taubheit oder Kribbeln in einzelnen Körperteilen, Schwächegefühl in einzelnen Körperteilen sowie einem Schweregefühl in Armen und Beinen. · Skala 2: Zwanghaftigkeit (obsessive-compulsive) · Leichte Konzentrations- und Arbeitsstörungen bis hin zur Zwanghaftigkeit werden in 10 Items dieser Skala erfasst. Zwanghaftigkeit meint Gedanken, Handlungen und Impulse, welche vom Individuum als nicht änderbar, fremd-gewollt und „ich-fremd“ erlebt werden. Personen mit hoher Belastung leiden unter immer wieder auftretenden unangenehmen Gedanken und Vorstellungen, Gedächtnisschwierigkeiten, dem Gefühl, dass es schwerfällt, etwas anzufangen, Schwierigkeiten sich zu entscheiden, Leere im Kopf, dem Zwang, immer nach zu kontrollieren was, man tut, und der zwanghaften Wiederholung derselben Tätigkeit. · Skala 3: Unsicherheit im Sozialkontakt (interpersonal sensivity) · Leichte soziale Unsicherheit bis hin zum Gefühl völliger sozialer Unzulänglichkeit werden durch 9 Items dieser Skala beschrieben. Diese Skala bezieht sich auf die subjektive persönliche Unzulänglichkeit und dem Gefühl der Minderwertigkeit in bezug auf andere Personen, wobei bei hoher Belastung folgende Symptome auftreten: Allzu kritische Einstellung gegenüber anderen, Verletzlichkeit in Gefühlsdingen, dass andere sie nicht verstehen oder teilnahmslos sind, Minderwertigkeitsgefühle gegenüber anderen, starke Befangenheit im Umgang mit anderen sowie Unbehagen beim Essen und Trinken in der Öffentlichkeit. · Skala 4: Depressivität (depression) · 13 Items beschreiben Symptome der Traurigkeit bis hin zur Depression. Hierbei stehen eine dysphorische Stimmung, verringertes Interesse am allgemeinen Leben und eine verringerte Motivation im Vordergrund. Personen mit einer hohen Belastung beschreiben Symptome wie Verminderung ihres Interesses an Sexualität, Energielosigkeit oder Verlangsamung im Denken oder in den Bewegungen, Neigung zum Weinen, Einsamkeitsgefühlen, Schwermut, dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit angesichts der Zukunft, dem Gefühl, sich für nichts zu interessieren, dem Gefühl, wertlos zu sein und dem Gefühl, dass alles sehr anstrengend ist. · Skala 5: Ängstlichkeit (anxiety) · Diese Skala beschreibt in 10 Items eine spürbare körperliche Nervosität bis hin zu tiefer Angst. Die Items fokussieren Angst mit Nervosität, innerer Spannung und Zittern, Panikattacken sowie Schreckgefühlen. Personen mit einer hohen Belastung leiden unter innerem Zittern und einer Spannung, plötzlichem Erschrecken ohne Grund, Herzjagen, unter dem Gefühl, gespannt oder aufgeregt zu sein, starker Ruhelosigkeit, Panikattacken und dem Gefühl, dass ihnen etwas Schlimmes passiert. · Skala 6: Aggressivität/Feindseligkeit (anger-hostility) · Starke Aggressivität mit feindseligen Aspekten, Reizbarkeit, den negativen Gefühlszustand von Ärger und Unausgeglichenheit werden in 6 Items dieser Skala beschrieben. Personen mit einer hohen Belastung berichten über das Gefühl, leicht verärgerbar und reizbar zu sein, den Drang, Dinge zu zerschmettern, und jemanden zu schlagen, zu verletzen oder ihm Schmerzen zuzufügen. Ferner leiden sie unter der Neigung, immer wieder in Erörterungen und Auseinandersetzungen zu geraten und unter dem Bedürfnis mit Gegenständen zu werfen und laut zu schreien. · Skala 7: Phobische Angst (phobic anxiety) · Bei den sieben Items mit den beschriebenen Gefühlen der Bedrohung bis hin zur massiven phobischen Angst bezieht sich Derogatis auf die Definition von Agoraphobie nach Marks (1969), welche auch „phobisch-ängstliches Depersonalitätssyndrom“ genannt wird. Personen mit einer hohen Belastung leiden unter der Furcht, alleine aus dem Haus zu gehen, unter Furcht auf der Straße und auf offenen Plätzen, unter der Notwendigkeit, bestimmte Dinge und Orte meiden zu müssen, weil sie durch diese erschreckt werden würden, unter Nervosität, wenn sie alleine gelassen werden, und unter der Abneigung gegen Menschenmengen, z.B. im Kino oder beim Einkaufen. · Skala 8: Paranoides Denken (paranoid ideation) · Misstrauen, Minderwertigkeitsgefühle sowie starkes paranoides Denken werden durch 6 Items dieser Skala erfasst. Paranoides Verhalten wird hierbei als Denkstörung verstanden, wobei wahnhafte Täuschungen, Einengungen, Argwohn, Gedankenprojektion, Grandiosität und Angst vor Autonomieverlust als primäre Aspekte skizziert werden. Personen mit einer hohen Belastung leiden unter dem Gefühl, dass man den meisten Leuten nicht trauen kann, unter dem Gefühl, dass andere an ihren Schwierigkeiten schuld sind, unter dem Gefühl, dass andere sie beobachten oder über sie reden, unter mangelnder Anerkennung ihrer Leistung und unter dem Gefühl, von anderen ausgenutzt zu werden. · Skala 9: Psychotizismus (psychoticism) · Zwischenmenschliche Entfremdung bis hin zur dramatischen Evidenz psychotischer Episoden werden durch 10 Items erfasst. Die Items umfassen die kontinuierliche Dimension menschlichen Erlebens, das heißt, von verzerrtem, isoliertem und schizoidem Lebensstil bis hin zu Erstsymptomen der Schizophrenie wie z.B. Halluzination und Gedankenzerfall. Personen mit einer hohen Belastung leiden unter dem Auftauchen von Gedanken, die nicht ihre eigenen sind, unter unangenehmen sexuellen Vorstellungen, unter der Vorstellung, dass mit ihrem Körper etwas nicht in Ordnung ist, unter dem Gedanken, dass sie für ihre Sünden bestraft werden sollten und dass irgend etwas mit ihrem Verstand nicht in Ordnung ist (Franke, 1995). |
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