Am 26. Juni war es dann so weit, den lang erwarteten Saisonhoehepunkt stand
an.
Also fuhr ich am fruehen Abend zum Zentrum von Sofia um dort die
Randonneurfahrt
Sofia-Varna-Sofia anzutreten. Die Regeln waren die ueblichen, am
Start 21 Fahrer. 10 Bulgaren und 11 Auslaender, Daenen, Britten und ich. Nach
etwas Verzoegerung wegen offizieller Ansprachen wurden wir dann um 22h10 abgeschickt.
Die ersten Kilometer waren wieder Klasse. Polizeibegleitung, und gute
Gruppe. Kurz ausserhalb von Sofia viel das Hauptfeld schon auseinander wegen
Seitenwind. Hier zaehlt dann nicht Staerke, sondern Schlauheit. Ich hatte
aufgepasst, war also beim Anfang vom ersten Pass noch dabei. Auf
Passhoehe hatte ich einen kleinen Rueckstand, die Abfahrt
war aber schwierig genug um wieder zurueck zur ersten
Gruppe zu fahren. Aber kurz danach, bei km 68 uebersah ich
eines der vielen Schlagloecher und musste einen neuen Schlauch einstecken.
Kein Problem 3km weiter war eine Rast vorgesehen, dort wurden die anderen
warten. Aber die Raststelle war geschlossen, bis zur 1. Kontrolle sah ich
die andern nicht mehr.
Weiter fuhr ich in unterschiedliche Gruppen. In der Abfahrt
des 2. Passes (1070m) bemerkte ich eine Acht im Hinterrad. Also bei der ersten
vernuenftigen Gelegenheit zentrierte ich das Hinterrad mal erneut. Das halbe
Feld war schon vorbei. Erst kurz vor der Kontrolle konnte ich wieder in einer
Gruppe mitfahren. Dabei uebernahm ich mich aber, also musste ich bei der 1.
Kontrolle lange ausruhen. Zusammen mit Daniel fuhr ich dann weiter nach Sliven.
Als wir in der Kontrolle von Sliven hereinfuhren fuhr uns ein Organisationswagen
vorbei mit ein Rad hintendrauf. Das war Colin's Rad. Er hatte
der massen hart ein Schlagloch durchfahren das das Laufrad endgültig kaputt
war. Schlechte Sache so frueh. Und sein Kumpel Mike lag jetzt
schwer zurueck. In Sliven selbst noch einmal Pause im
Zentrum, und dann ging's richtig los.
Die Strecke fuehrte quer durch die Stara Planina. Der
Anstieg forderte so rund die 2 Stunden. Oben gab es eine
geheime Kontrolle. Dort hoerte ich das der erste schon 5
Stunden vor mir durchkam, aber schlecht aussah. Die weitere Strecke durch
die Stara Planina war herrlich. Ich war schon ziemlich in
der Naehe von Veliko Tarnovo als es Dunkel wurde. Wegen
der Strecke ist eine Distanz von 400km in den ersten 24 Stunden auch nicht
sehr schlecht. In Veliko Tarnovo verfuhr ich mich nochmals, aber dennoch erreichte
ich die Kontrolle gut innerhalb vom Zeitlimit. Es waren nur wenig Fahrer
schon weg, die meisten lagen im Bett. Ich plante aber die ersten 2 Naechte
durch zu fahren, also nach kurzen Supermarkt und Restaurant besuch ging ich
weiter. Mit ein wenig Sprachkenntnisse war die Strecke gut zu verfolgen. Einige
Fahrer die sogar die Zyrillische Schrift nicht lesen konnten verfuhren sich
aber schlimm. Daniel verfuhr sich um 50km! Es war eine
einsame aber schoene Nacht. Keine groessere Probleme. Nur entschied
ich mich nicht kurz hinzulegen, dort oben gibt's Baeren.
Am Morgen wurde ich von einer kleinen Gruppe Bulgarischen
Fahrer ueberholt, und kurz nachdem sah ich Daniel. Er
schlief am Strassenrand. Auch er wurde wieder wach und
zusammen fuhren wir Richtung Popovo. Kurz vor Popovo gibt's 2 kleine Restaurants.
Wir entschieden uns dort zu Fruehstuecken. Eine gute Planung, den dort
stand auch ein Organisationswagen fuehr eine geheime Kontrolle. Danach
ruhig weiter fahren. Kurz vor der Kontrollein Isperih wurde ich von einige
schnelle Gruppen ueberholt. Deren Raeder hatte ich bei der Kontrolle in Veliko
Tarnovo gesehen. Fuer mich ist das ueblich. Ich brauche nur wenig Schlaf bei
so einer fahrt (weniger als 2 Stunden pro Nacht), fahre aber relativ langsam.
In Isperih entschied ich mich doch 1 Stunde zu schlafen. Wegen der Hitze
ist es fuer mich besser jede Nacht zu fahren und am Nachmittag zu schlafen.
Und heiss wurde es. Ueber 35 Grat. Zwischen Isperih und Novi
Pasar kam ich nur langzam voran. Ich spuerte den
Hitzeschlag kommen, Kopfschmerzen, leichtes Fieber. Also
pausierte ich oft im Schatten, und versuchte viel Trinken zu organiseren.
Dieses Teils Bulgariens ist aber ziemlich Arm, also war dies ein grosses
Problem. Dennoch erreichte ich Novi Pasar am fruehen abend ohne vom Rad zu
fallen. Als ich dort am essen war fuhr der Besenwagen vorbei. Kazimir und
Alexander, die Besatzung vom Besemwagen, frugen mir ob ich
zusammen weiter fahren konnte mit Mike und Jordan, die
beiden letzten, damit Kazimir und Alexander schon zur
Kontrolle in Madara fahren konnten um dort zu schlafen. Das war
kein Thema. Also fuhren wir zu dritt weiter Richtung Varna.
Alle 20km eine kurze Pause. 35km vor Varna gab es eine
kleine 24 Stunden Tankstelle. Dort noch mal Pause gemacht
und eingekauft. Danach mussten wir links. Jordan sah ein Schild Varna und
dueste ab, dahin muessen wir sagte er. Wir folgten. So 2 Stunden spaeter bermerkten
wird as dies doch nicht die gute Strecke war. Also weiter gefragt und
endlich die gute Strecke wieder gefunden. Dies kostete uns anderthalb Stunden,
Zeit die wir nicht hatten.
In Varna war das Restaurant fuer die Kontrolle schon
geschlossen. Die Kontroleure sassen im Wagen vor dem Eingang. Nach
einer kurzen Pause zurueck Richtung Sofia. 690km waren schon geschafft, und
wir fuhren auf den Zeitlimit herum. Es war sehr fragwuerdig ob das ganze noch
zu schaffen war.
Richtung Novi Pasar gab es keine richtige Probleme. Der Tankstellenwart
war ziemlich ueberrascht als wir mitten in der Nacht wieder auftauchten.
Die Kontrolle in Madara liegt oben auf dem Berg. Ein Anstieg der
frisch schon ein Problem ist, jetzt war er sehr hart. In
der JH von Madara war alles still als wir ankamen um 7Uhr.
Das war auch der offizielle Zeitlimit. Die restlichen Fahrer
waren schon wieder unterwegs. Erst legten wir uns mal hin. Drei Naechte ohne
vernuenftigen Schlaf ist doch was hart. So rund 9 verzogen wir uns zum Restaurant
neben an zum Fruehstueck. Da besprachen wir die Taktik mit Kazimir und
Alexander. Wir fuhren erstmals die leichte Strecke nach Targovishte. Dort
mussten wir einkaufen. Ich brauchte irgendwelchen Handschutz.
Meine Haende waren ganz Wund von den Staendigen
Schlagloechern. Manchmahl musste man den Asfalt zwischen
den Schlagloechern suchen.
In Targovishe fanden wir alles. Ich hatte schon errechnet das der naechste Ort,
Omurtag um 16 Uhr erreicht sein muesste, sonst war es zwecklos.
Jordan war schon weitergefahren, er brauchte nichts in
Targovishte. Ich klebte erst die Haende vol damit es etwas
mehr daempft, dann fuhren wir los. Schon schnell bemerkte
ich das es fuehr mich aus war. Ich konnte nicht laenger als 10km den Lenker
festhalten ohne die Haende ruhe zu goennen. So viel Zeit hatten wir nicht.
Also fuhr ich zurueck nach Targovishte wo Kazimir und Alexander die Fussball
WM folgten. In Omurtag begegneten wir dan Mike. Er war zwar um 16Uhr da,
aber total Erschoepft. 'In diesen Zustand wurde ich nie eine Fahrt von fast
400km anfangen, ich hoere Auf' sagt er.
Also auch sein Rad am Auto geschnallt. Vom Auto aus
war die Strecke herrlich. So 40km vor Sliven setzten wir uns im Restaurant.
Irgendwann tauchte dann Jordan auf. Er war total Kaputt. Jetzt muesste
er schon in Sliven sein, war aber noch einen Pass entfernt. Auch er stieg
im Wagen. In Sliven wurde er dann nach Hause gebracht (er wohnt dort). Wir
fuhren weiter bis zur letzten Kontrolle. Erst dort sahen wir
wieder Fahrer. Es wurde gegessen und getrunken. Die
verbleibende Fahrer hatten das Gefuehl das es schon
geschafft war. Nur 170km zu fahren, und dazu gab's bis 16Uhr zeit (es war
kurz vor Mitternacht). Nur 2 Fahrer (Haratayam und Rick) wahren
schon durch. Den Rest wurde den Morgen abwarten. Der
erste richtige Schlaf in 4 Tage tat sehr wohl.
Am naechsten Morgen fuhren wir ziemlich spaet ab.
Ich fuhr jetzt im 2. Betreuungswagen. Nach einige Stunden
sahen wir erst den ersten Fahrer. Er stand am Streckenrand mit ein kaputtes
Hinterrad. Nach einige Minuten kam auch der andere Wagen mit den angeschnallten
Raeder. Mein Hinterrad war das aelteste (8-Fach gegenueber 9- Fach),
passte also noch in ein altes Puch mit 5-Gang Friktionsschaltung. Der Fahrer
war sehr froh und duesste weiter. Es fuhren noch drei kleine Gruppen herum,
und einige Einzelfahrer. Keiner brauchte richtig Hilfe, nur wurde dann und
wann etwas ueberfluessiges Gepaeck im Wagen verfrachtet. Alle schafften es
schliesslich noch innerhalb der Zeit, einer mit nur 6 Minuten
Reservezeit. Fazit, ein sehr schoenes Brevet, aber zu hart
fuehr Normalfahrer. Leute die PBP innerhalb von 72 Stunden
schaffen bleiben hier nur einige Stunden vor den Zeitlimit.
Die Fahrer die normalerweise gegen das Zeitlimit fahren haben hier wenig
Chance. Aber als 'Cyclotouriste' Brevet mit 110-120 Stunden Zeitlimit wurde
dies eine sehr schoene Fahrt sein. Aber dann mit Reiserad und 35mm Bereifung.