Niederrhein-Radtour (22.-23.6.2002)

Eigentlich wollten wir (meine Frau und ich) dieses Jahr als Vorbereitungstour für unsere größere Radtour im Juli einen Teil der Wasserburgen-Route im Rahmen einer Wochenendradtour abfahren. Leider hatte aber schon drei bis vier Wochen vorher keines der in Frage kommenden Bett&Bike-Hotels noch ein Zimmer frei (Problem: Formel-1-Rennen am Nürburgring).
Also hieß es mit möglichst wenig zusätzlichem Planungsaufwand eine Alternativ-Tour zu organisieren. Bei dieser Gelegenheit erinnert ich mich daran, dass wir ja den Niederrhein vor der Haustüre liegen haben und dass ich vor einigen Monaten gelesen habe, dass die Niederrheinradroute das Prädikat NRW-Qualitätsroute besitzt.

Bisher konnte ich mich nicht so sehr für den Niederrhein begeistern (einfach zu flach ...). Mit Rücksicht auf meine Frau, die dieses Jahr noch nicht so viel geradelt ist, war ich aber zu diesem Kompromiss bereit. Außerdem hatte ich vor einigen Monaten etwas über die Restaurierung von Schloss Moyland gelesen. Dies erschien mir ein interessantes Ziel.

Übersichtskarte Niederrhein-Radtour

Damit war der Rahmen aber auch schon gesteckt: Da es pro Tag nur jeweils 40-50 Kilometer eigentliche Radtourenstrecke sein sollten, kam als Startpunkt (aufgrund der guten Bahnanbindung) nur Kevelaer in Frage. Ziel sollte ein Hotel in der Nähe von Schloss Moyland sein.

Am zweiten Tag sollte dann Xanten als kultureller Höhepunkt auf der Strecke liegen, das ich schon auf der Römer-Radtour mit Frank H. vor ca. 2 Jahren kurz kennengelernt hatte.

Aber auch am Niederrhein war es nicht so leicht, zwei Wochen vorher ein Zimmer in einem Bett&Bike-Hotel zu ergattern. Fündig sind wir dann etwas weiter nördlich als geplant geworden, in Bedburg-Hau.

Soweit die Vorgeschichte.
 

1. Etappe (Samstag, 22.6.2002 ): Kevelaer - Bedburg-Hau (53 km)

2. Etappe (Sonntag, 23.6.2002 ): Bedburg-Hau - Kevelaer (50 km)

Fazit
 
 
 
 

1. Etappe (Samstag, 22.6.2002 ): Kevelaer - Bedburg-Hau (53 km)

Pünktlich im 8.15 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Düsseldorfer Hauptbahnhof. Wir kommen zeitig (15 Minuten vor Abfahrt des Zuges) auf dem Bahnsteig an. Wir müssen aber nicht lange warten, da der Zug hier Endstation hat und schon gut zehn Minuten eher bereitgestellt wird. Wir haben also genug Zeit zum Einsteigen.

Unser Zug ist der Niers-Express (RE 10), ein moderner Dieselzug mit breiten Türen und flachem Einstieg, also sehr fahrradfreundlich! An den Fahrradstellplätzen sind sogar (etwas improvisiert aussehende) Spannbänder vorhanden.

(Für Frank H.: Kurz nach uns steigt ein "alter Bekannter" ein: der ältere Radler, den wir bei der Dreiländertour vor ein paar Wochen auch schon im Zug von Mönchengladbach nach Boisheim getroffen haben.)

Ansonsten verläuft die Fahrt eher ruhig und in unserem Fahrradabteil sind nur wenige weitere Radler, so dass der Ausstieg in Kevelaer, wo wir ca. eine Stunde später ankommen, kein Problem ist. Vom Bahnsteig kann man ebenerdig den Bahnsteig bzw. Bahnhof verlassen. Man muss nur (erlaubterweise) ein Gleis überqueren. Auch sehr praktisch für Radler.

Wenn man aus dem Bahnhof kommt, findet man zunächst kein Hinweisschild, wo es zur Niederrhein-Route geht. Allerdings gibt es gegenüber vom Bahnhof eine Übersichtskarte und ein Wegweiser zeigt in Richtung Zentrum.

Die recht belebte Fußgängerzone des Wallfahrtsorts Kevelaer ist schnell erreicht. Hier gibt es viele Geschäfte und -- sehr sympathisch -- auch viele Cafes.

Fußgaengerzone in Kevelaer
Fußgängerzone in Kevelaer
 

Die Fußgängerzone führt uns geradewegs auf den Marktplatz mit seinen Kirchen zu. Alles wirkt gepflegt und freundlich. Hier sind auch viele andere Radler.

Marktplatz mit Priesterhaus
Marktplatz mit Priesterhaus
 

Gnadenkapelle
Gnadenkapelle
 

Die Beschilderung der Niederrheinroute führt uns auf ruhigen Straßen aus der Stadt hinaus und schnell wird es richtig ländlich. Wir kommen an einem großen Bauernhof nach dem anderen vorbei.

Bereits nach wenigen Kilometern erreichen wir Schloß Wissen, eine rechte große, wenn auch von außen nicht besonders prächtige Wasserschloßanlage in der üblichen Backsteinarchitektur.

Schloss Wissen von der Seite
Schloss Wissen (von der Seite)
 

Schloss Wissen von vorn
Schloss Wissen (von vorn)
 

Leider ist der Weg hinter dem Schloss wegen Astbruchgefahr gesperrt, so dass wir zurück und einen kleinen Umweg entlang der Bundesstraße (Radweg) fahren müssen. Danach geht es entlang der Niers, meist direkt am Ufer, nach Weeze.

Die Niederheinroute führt uns über den Marktplatz von Weeze, der zwar insgesamt unspektakular ist, aber trotzdem gemütlich für eine Rast wirkt (Bäckerei/Cafe vorhanden). Da wir noch nicht so weit gefahren sind, setzen wir uns Fahrt jedoch fort.
Der Weg folgt weiter der Niers, wenn auch meist in einem gewissen Abstand und nur selten direkt am Ufer. Auf dem Weg nach Goch machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Schloß Kalbeck, auf das wir einen kurzen Blick werfen. Die Gebäude machen einen gepflegten Eindruck, allerdings stören einige Bagger die Idylle, die um das Schloss herum arbeiten.

Problemlos führt uns die Beschilderung in die Fußgängerzone von Goch hinein. Nach einer kurzen Rast auf einer der zahlreichen Bänke und nach einem kurzen Blick auf das sogenannte Steintor setzen wir unsere Fahrt fort.

Das Steintor in Goch
Das Steintor in Goch
 

Bis zum Asperberg folgen wir noch der Niers, dann verlassen wir die eigentliche Niederrheinroute und fahren diesen recht harmlosen Berg hinauf, um über Nierswalde nach Bedburg-Hau zu gelangen, wo sich unser Hotel befindet.

Bevor wir unser Hotel ansteuern, wollen wir noch einen Abstecher durch das vermeintliche Zentrum von Bedburg-Hau machen, so wie es sich uns auf der Karte darstellt. Wir müssen aber feststellen, dass Hau im Wesentlichen aus dem riesigen Gelände der Rheinischen Klinik besteht. Aus touristischer Sicht gibt es dort nichts zu sehen. Ein echtes Zentrum scheint Bedburg-Hau nicht zu besitzen.

Also geht es (leider auf einem Umweg) in den Ortsteil "Schneppenbaum", wo sich unser Landgasthof "Schwanenhof" befindet, den wir aus dem Radwanderführer Bett & Bike NRW ausgesucht haben.

Dort kommen wir um ca. 15 Uhr an, laden uns Gepäck ab und setzen unsere Fahrt fort, um das ca. 3-4 km entfernte Schloss Moyland zu besichtigen. Dieses romantische, im englischen Tudor-Stil erbaute Schloß, dass von einem sehr schönen Wassergraben umgeben ist, wurde am Ende des zweiten Weltkrieges stark zerstört und erst in den letzten Jahren wurde seine Restaurierung fertiggestellt.

Schloss Moyland (von vorne)
Schloss Moyland (von vorne)
 

Während das Schloß äußerlich in seiner alten Pracht erstrahlt, wurden seine Innenräume recht modern und hell für ein Museum hergerichtet. Interessant ist die Verbindung der durch das Schloss geprägten Raumaufteilung mit der mordernen Innenarchitektur. Im Museum findet man zahlreiche Werke von Joseph Beuys und anderen Künstlern.

Der Eintritt kostet 5,50 Euro, dafür kann man dann aber neben dem Museum auch den schönen Park rund um das Schloss mit einem schönen Rosen- und einem interessanten Kräutergarten besichtigen.

Schloss Moyland mit Kräutergarten
Schloss Moyland mit Kräutergarten
 

Vor der Besichtigung stärken wir uns noch bei Kaffee und Kuchen auf der an sich schön gelegenen Terrasse des Nebengebäudes von Cafe-Restaurants Nederkorn. Leider gibt es hier nur weniger stilvolle Selbstbedienung. Dafür ist der zu klein geratene Milchkaffee mit 2,80 Euro eindeutig zu teuer. Der Erdbeerkuchen ist aber lecker.

Insgesamt ist Schloss Moyland aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Für die heutige Etappe stellte der Schlossbesuch den Höhepunkt dar.

Zurück in unserem Landgasthof machen wir uns schnell frisch, denn im hoteleigenen Biergarten wird heute abend gegrillt. Das wollen wir natürlich nutzen. Das Wetter spielt auch mit. Nachdem es heute meist sonnig mit ca. 25 Grad war, kann man auch am Abend noch angenehm draußen sitzen.

Unser Zimmer (Nr. 3) im Landgasthof Schwanenhof (zwei Sterne) ist relativ groß und gemütlich eingerichtet. Eine Mini-Bar ist nicht vorhanden. Stattdessen gibt es aber auf dem Flur einen Kühlschrank mit Getränken. Dort gibt es auch Mineralwasser zu einem (für ein Hotel) akzeptablen Preis. Eine von durstigen Radlern wie uns gern in Anspruch genommene Einrichtung. Unsere Fahrräder können wir übrigens für die Nacht in einer Scheune hinter dem Hotel unterbringen.

Auf unserer Fahrt von Kevelaer und Bedburg-Hau/Schneppenbaum haben wir mit Abstechern insgesamt ca. 53 km zurückgelegt. (Mit unserer Anfahrt zum Düsseldorfer Hauptbahnhof haben wir rund 60 km zurückgelegt.)
 

2. Etappe (Sonntag, 23.6.2002 ): Bedburg-Hau - Kevelaer (50 km)

Nach einem radler-gerechten Frühstück in unserem Hotel (Frühstücksbuffet: u.a. mit Müsli, Joghurt, Bananen) starten wir um etwa 9.50 Uhr unsere zweite Etappe. Um schneller voranzukommen, nehmen wir bis nach Kalkar den gut ausgebauten Radweg entlang der Bundesstraße, wo um diese Uhrzeit noch nicht viel Verkehr ist.

Obwohl wir noch keine 10 Kilometer gefahren sind, machen wir am Marktplatz von Kalkar eine Kaffeepause in bzw. vor Niederkorn's Markt-Cafe, wo auch einige andere Radler und Motorradfahrer dem gemütlichen Ambiente erlegen sind.

Marktplatz in Kalkar
Marktplatz in Kalkar mit Rathaus und Nederkorn's Markt-Cafe (links)
 

mittelalterliches Haus am Marktplatz in Kalkar
mittelalterliches Haus am Marktplatz in Kalkar

Beim Verlassen des Zentrums von Kalkar kommen wir noch an einer schönen Windmühle vorbei.
 

Windmühle in Kalkar
Windmühle in Kalkar

Ab Kalkar versuchen wir eine möglichst kurze Strecke nach Xanten zu fahren und nutzen dabei streckenweise die Via Romana, Radfernweg Nr. 1 und die Niederrheinroute. Der Weg führt uns über Appeldorn und Marienbaum. Zwischen Marienbaum und der Abzweigung nach Wardt kürzen wir etwas ab und nehmen wieder den Radweg entlang der Bundesstraße.

Auf der Höhe von Wardt nehmen wir nicht den Radweg entlang der Hauptstraße, sondern nehmen den (nicht mehr ausgeschilderten) Feldweg, der zunächst genau auf die alte Römerstadt zuführt. Von hier hat man schon von weitem den Blick auf die "alte" Stadtmauer mit den Türmen und Stadttoren. Leider endet der Weg frühzeitig wieder an der Hauptstraße, weil das letzte Wegstück einem Baggersee gewichen ist. Wenig später werden wir von den mächtigen Türmen des Xantener Doms begrüßt.

Xantener Dom
Der Xantener Dom
 

Selbstverständlich besichtigen wir in Xanten als erstes die teilweise rekonstruierte Römerstadt Colonia Ulpia-Trajana. Auch wenn nur ein geringer Teil dieser Stadt rekonstruiert wurde, reicht dies, damit einem bewußt wird, was die Römer um ca. 100 n. Chr. geleistet haben, um diese Stadt für ca. 10.000 Einwohner (weit weg von Rom) zu bauen: mit Tempeln, Thermen, Amphitheater, Kanalisation und Frischwasserversorgung vom ca. 8 km entfernen Heesberg (den wir später noch kennenlernen werden) her.

(rekonstruierte) Reste des römischen Tempels im archäologischen Park Xanten
(rekonstruierte) Reste des römischen Tempels im archäologischen Park Xanten
 

Der Eintritt in den Archäologischen Park Xanten kostet 5,50 Euro. Praktisch für Radler: Kurz hinter dem Eingang (im "Toiletten-Pavillon") befinden sich Schließfächer, wo man während der Besichtigung sein Gepäck unterbringen kann.
Vom aräologischen Park aus können wir noch eine weitere Windmühle sehen. Die sogenannte Krimhild-Mühle.

Krimhild-Mühle
Krimhild-Mühle
 

Anschließend geht es weiter ins Zentrum, wo wir nach einer kurzen Besichtigung des Doms Rast im Cafe de Fries stärken (reichhaltige Kuchenauswahl!). Nachdem wir auf dem Weg nach Xanten an Erdbeerfeldern vorbeigekommen sind (man riecht sie, bevor man sie sieht), ist es klar, dass ich mir ein Stück Erdbeerkuchen mit Sahne genehmige. Bisher sind wir 28 km gefahren.

Schönes Haus am Marktplatz in Xanten
Schönes Haus am Marktplatz in Xanten
 

Gegen 14 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Unser Ziel ist es, auf einem möglichst kurzen Weg nach Kevelaer zurück zukommen. Wir nehmen daher zunächst die Via Romana nach Südwesten. Bis zum Heesberg, den man schon von weitem sehen kann Foto), verläuft der Radweg entlang der Straße.

Am Fuße des Berges folgen wir dann der Zwei-Länder-Route den Berg hinauf. Leider müssen wir feststellen, dass uns die Karte weder vor der Steigung (die wir allerdings schon ahnen konnten) noch vor dem schlechten Belag gewarnt hat. Eigentlich kann man gar nicht von Belag sprechen. Es ist ein geschotterter und sandiger Feld- bzw. Waldweg, der für weniger geübte Radfahrer zumindest teilweise schieben bedeutet. Die Mountain-Biker, die uns den Berg hinunter entgegen gebraust kommen, haben dafür natürlich nur ein müdes Lächeln übrig.

Heesberg (aufwärts)
Heesberg (aufwärts)
 

Landschaftlich haben die sanften Hügel allerdings ihren Reiz. Und nachdem wir den höchsten Punkt erreicht haben geht es ersteinmal über mehrere Kilometer immer mehr oder weniger leicht abwährts (insgesamt 40 Höhenmeter).

Heesberg (abwärts)
Heesberg (abwärts)
 

Der Weg führt uns auf der Zwei-Länder-Route bzw. einem Verbindungsweg der Niederrheinroute über Balberg  nach Winnekendonk. Die letzten Kilometer nach Kevelaer fahren wir auf auf einem ruhigen Weg (R8) nach Kevelaer hinein.
Um ca. 15.30 Uhr kommen wir (wie geplant) nach ziemlich genau 50 km in Kevelaer an, rechtzeitig genug für unseren Zug zurück nach Düsseldorf, der stündlich verkehrt (Abfahrt: 15.59 Uhr).

Die Fahrt im bereits oben beschriebenen Dieselzug verläuft problemlos. Etwa eine Stunde später sind wir wieder in Düsseldorf. Den restlichen Nachhauseweg kennen wir jetzt schon im Schlaf. Damit ist unsere Wochenendradtour leider beendet.
 

Fazit

Eine tolle Tour die unsere Erwartungen voll erfüllt hat: Schöne Landschaft, gute Wege und Ausschilderungen, einladende kleine Örtchen fernab des Großstadtstresses. Dabei auch noch an beiden Tagen sonniges Wetter (ca. 25 Grad) mit leichtem Wind (was man bei den täglich wechselnden Wettervorhersagen die letzten drei bis vier Tage vor der Tour nicht für möglich gehalten hätte).

Noch ein Wort zum Thema NRW-Qualitätsroute:


Verwendetes Kartenmaterial:

Niederrhein I, BVA-Verlag. 1:75.000 (aufgrund des Maßstabs sind kleinere Straßen nicht eingezeichnet. Das erschwert manchmal die Orientierung in den Orten. Sehr hilfreich ist jedoch, dass von größeren Straßen die Namen eingetragen sind. Hin- und wieder trifft man auf kleine Abweichung von der Beschilderung. Der Baggersee kurz vor Xanten ist noch nicht eingetragen. Insgesamt ist die Karte jedoch eine gute Hilfe, den Überblick in dem Radrouten-Wirrwarr des Niederrheingebiets zu bewahren.)
 

Kommentare nehme ich gerne entgegen unter:

bike-turtle@online-club.de
 

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