Schnipsel einer Radtour
(Die Fotos öffnen sich beim Anklicken in einem neuen Fenster)
| Es wird ernst |
| Tok Junction - Chicken |
| Die Piste ist staubig. Wenn ein Auto vorbeikommt, fahre
ich minutenlang im Staub und beim Versuch, abends die Haare zu kämmen,
komme ich genau 1 mm weit. Auf der Strecke liegen immer wieder Zeugnisse
des Goldrausches am Ende des letzten Jahrhunderts, Überreste von Camps,
alten Geräten und sogar ein riesiger alter Schwimmbagger dümpelt
neben der Piste vor sich hin. Nach einer anstrengenden Tagesetappe auf
schwierigem Geläuf erreiche ich nach etwa 160 km gegen 22 Uhr mauseplatt
Chicken, den nächsten Ort, der ebenfalls Ende des letzten Jahrhunderts
entstand und auf äußerst kuriose Weise zu seinem Namen kam. Schnell
waren sich die Bewohner einig, den Ort nach dem alaskaischen Staatsvogel
zu benennen. Da man sich nicht über die Schreibweise des Schneehuhns
(Ptarmigan) einigen konnte, nannte man den Ort kurzerhand Chicken. Heute wie vor 100 Jahren leben hier gerade einmal 25 Einwohner und trotzdem ist der Ort für mich ein wichtiger Verpflegungspunkt. Ein Schild zeigt großspurig in Richtung Downtown und hier stehen tatsächlich gleich drei Blockhütten dicht nebeneinander. Eine dieser Hütten beherrbergt den General Store. Hier gibt es auf der Fläche einer durchschnittlichen Supermarkt-Käsetheke alles von Lebensmitteln bis Klamotten, von der Motorsäge bis zum Jagdgewehr ... |
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| Boundary Lodge - Dawson City |
| Auf dem weiteren Weg erreiche ich am nächsten Nachmittag die Boundary
Lodge, kehre ein und trinke einen Kaffee, der recht dünn ist, kurz darauf
einen zweiten. Als ich eine dritte Tasse Kaffee trinken will, muß der
Besitzer erst welchen kochen und ich sehe, daß das Wasser, das er oben
in die Kaffeemaschine schüttet, bereits fast so dunkel ist wie der Kaffee,
der später unten raus kommt. Das verspricht Spannung für die
nächsten Tage ...
Der weitere Weg nach Dawson City führt über den
Top-of-the-World-Highway, eine der schönsten Strecken weit und breit.
Er verläuft auf dem Grat einer Bergkette und bietet eine
überwältigende Aussicht. Irgendwann fällt die Piste ab, man
steht am Ufer des Yukon Rivers und erblickt das sagenhafte Dawson City auf
der anderen Seite des Flusses. Noch heute sieht es fast aus wie vor 100 Jahren,
bestehen die Bürgersteige aus Holz und versinken die Straßen bei
Regen im Schlamm. Wenn hier nicht einige Häuser bereits sehr windschief
aussähen und die Schaufelraddampfer einen Kilometer weiter am Flußufer
verrotteten, könnte man fast meinen, die Zeit wäre
stehengeblieben. |
| Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus |
| Nachtfahrten |
| Ursprünglich will ich am Roadhouse übernachten und am
nächsten Morgen den Dempster in Angriff nehmen, doch die
Übernachtungsmöglichkeiten sind nicht sehr gut. Jede einigermaßen
ebene Fläche rund um das Roadhouse ist entweder sumpfig oder von Kleinteilen
oder Ölflecken bedeckt. Ich esse und trinke eine Kleinigkeit und
überlege, was ich tun soll. Gegen 0 Uhr breche ich auf und fahre im
Mondschein durch die Nacht. Es ist eisekalt und ich habe schon jetzt ziemlich
alle Klamotten an, die ich dabeihabe, obwohl es noch weitere 800 km in Richtung
Norden geht. Wundersamerweise bin ich nicht müde und bis
zum späten Abend des nächsten Tages lege ich auf der
üblen Piste 265 km zurück. Während diese Nacht noch ziemlich dunkel war, erlebe ich die nächsten Tage Mitternachtssonne. An der Stelle, an der die Piste den Polarkreis überquert, baue ich gegen 0 Uhr mein Zelt auf, die Sonne ist kurz vorm Untergehen. Am nächsten Tag radle ich erneut durch die Nacht. Um 2:15 geht die Sonne unter und es wird nur leicht dämmrig. Nur 30 Minuten später geht die Sonne wieder auf - ein faszinierendes Erlebnis. Während meiner nächsten und letzten Etappe steht die Sonne die gesamte Nacht am Himmel und ich erlebe zum ersten und bisher einzigen Mal im wachen Zustand 24 Stunden Sonnenlicht am Stück.
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| Begegnung unterwegs |
| Die freundlichsten Tiere ... |
| ...Alaskas und Nordkanadas sind die Moskitos. Sie empfangen einen jeden Reisenden bereits am Flughafen und begleiten ihn während seiner gesamten Reise. Und je weiter man nach Norden kommt, desto schlimmer wird es. Nach dem ersten Tag auf dem Dempster hatte ich Stiche an meinem Körper zählen wollen. Bei 32 hatte ich aufgegeben - 32 alleine am linken Fußgelenk. Die Moskitos sind einfach überall und es ist oft unmöglich, das Moskitonetz überzustreifen, ohne das einige der Blutsauger auf der Innenseite sind. Das ständige Gesumme nervt, sobald man stehenbleibt oder die Geschwindigkeit unterhalb von etwa 8 km/h liegt (was oft passiert, denn der Durchschnitt auf der Piste liegt so bei 10-12 km/h). Und zu allem Überfluß stechen die Viecher durch die Klamotten ... |
| Die Déné-G'wichin |
| Im MacKenzie-Delta |
| In Tuktoyaktuk |
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