Radfahren in Alaska

Radfahren in Alaska ist einfacher als man zunächst glaubt. Es geht nicht so hektisch zu auf den Straßen, die oft sogar einen breiten Seitenstreifen haben, die Leute hilfsbereit und aufgeschlossen gegenüber Radfahren und die Kriminalität ist gering. Die Entfernungen zum nächsten Ort betragen oft über 100 Kilometer - und dieser Ort hat dann womöglich nur 100 Einwohner. Sind die Entfernungen noch größer, gibt es in der Regel zwischendrin irgendwo ein Roadhouse, wo man etwas zu essen und trinken bekommt und notfalls manchmal auch übernachten kann. Als Ausnahme gilt der Dalton Highway nördlich von Fairbanks, wo fast keine Infrastruktur mehr vorhanden ist und diverse Stichstraßen zu irgendwelchen gottverlassenen Siedlungen und Ruinen, auf denen man evtl. mal 300 km auf sich alleine gestellt ist.

Denkt daran, daß es im Sommer viele Waldbrände gibt und Straßen ggf. tagelang gesperrt sein können. Ausweichrouten bedeuten oft einen Umweg von mehreren hundert Kilometern.

Genaue Infos über Entfernungen, Campingplätze, Verpflegungsmöglichkeiten, geplante Großbaustellen, Grenzöffnungszeiten usw. findet man in der Milepost, die jedes Jahr neu herauskommt. Dieses telefonbuchgroße Werk enthält Streckenlogs zu allen Straßen und Pisten in Alaska und Westkanada. Man erhält es zum Teil auch im Buchhandel in Deutschland bzw. in jeder Tourist Information vor Ort. Am besten besorgt man sich hier die Ausgabe, trennt die Seiten mit den Karten raus und notiert darauf weitere Details.   

In vielen Teilen Alaskas ist der Einzeller Giardia Lamblia verbreitet. Er verursacht Krämpfe und blutigen Durchfall und kann wochenlang anhalten. Ausgelöst wird das ganze durch Trinken von unbehandeltem Wasser. Nur kurzes Abkochen reicht möglicherweise nicht aus und viele Entkeimungsmittel wie Micropur töten den Erreger nicht ab, auch wenn es in vielen Reiseführern fälschlicherweise behauptet wird. Ruft notfalls beim Hersteller an bzw. verwendet einen Wasserfilter, wenn Ihr auf einsameren Strecken unterwegs seid.

In den nördlichen Teilen ist die Moskitoplage oft schlimm, bis Fairbanks ist es erträglich, aber für empfindliche Personen evtl. schon zuviel. Die Straßenarbeiter im Land verwenden meist das Mittel Muskol, das es in verschiedenen Konzentrationen bis hin zu 95% DEET gibt. Vergeßt Mittel wie Autan, denn dort, wo man wirklich ein Mittel braucht, hilft es garantiert nichts.

Sonnenschutzmittel ist wichtig in Alaska. Im Sommer brennt es hier mit 30° vom Himmel, nur scheint die Sonne deutlich länger als bei uns. Auf meiner ersten Tour dachte ich noch, es könne nichts passieren, weil es ja die ganze Zeit durch Wald geht. Leider werden die Bäume hier oft nur 7-8 Meter hoch und stehen 15 Meter weit weg vom Straßenrand, damit Autofahrer und Elche genug Zeit haben, sich gegenseitig zu sehen und nicht pausenlos zusammenzustoßen. Im Schatten radeln ist nicht ...

Natürliche Bären haben meist mehr Angst vor Euch als umgekehrt und ich habe einige vor mir weglaufen sehen. Leider gibt es oft Bären, die das nicht wissen bzw. durch falsches Verhalten (Füttern) sogenannter Tierfreunde nicht nur an den Menschen gewöhnt wurden, sondern sein Erscheinen nun mit Futter verbinden. Diese Bären können lästig und gefährlich werden, meist leben sie jedoch nicht lange, weil sie bald abgeschossen werden. Verhaltensregeln im Umgang mit Bären, die man in Reiseführern findet, sind oft recht nutzlos. Besorgt Euch lieber ein Buch über Bären (Stadtbibliothek) und informiert Euch richtig - es ist außerdem sehr interessant. 

 


Radfahren in Canada

Canada ist ein so riesiges Land mit so vielen Zeitzonen, daß, wenn die Leute im Westen zu Bett gehen, sie im Osten die Nacht bereits hinter sich haben. Im Süden leben auf dem Breitengrad von Frankreichs Mittelmeerküste Kolibris, während im Norden Eisbären durch die Arktis streifen. Die folgenden Tips beschränken sich auf British Columbia, die Nortwestern Territories und vor allem das Yukon Territory.

Alles, was unter Alaska steht, gilt auch hier - einschließlich der Informationsquelle Milepost. Das einzige, was hier anders ist, ist, daß der Yukon noch 'alaskaischer' ist als Alaska selbst. Selbst auf dem Alaska Highway liegen zweimal Entfernungen von über 500 Kilometern zur nächsten Ortschaft und auf dem Dempster Highway sind es etwa 650 Kilometer - hier allerdings ohne die regelmäßigen Roadhouses und auf Schotterpiste.

Alleine das Yukon-Territory ist riesengroß. Es bedeckt etwa die gemeinsame Fläche von Deutschland, Dänemark, Belgien, Niederlande, Luxemburg und der halben Schweiz, doch leben außerhalb der Hauptstadt nur 5.000 Menschen in diesem Gebiet. Es mag auf den ersten Blick verrückt erscheinen, es mit dem Fahrrad zu durchqueren und ich möchte allen 'Nachahmern' empfehlen, den Yukon nicht gerade auf der ersten Radtour unter die Räder zu nehmen.

Wer wie ich über den Dempster Highway ans Polarmeer will, der sollte folgendes bedenken:

Der Dempster ist kein Radweg für Ausflüge, sondern eine anspruchsvolle Schotterpiste durch einsame, subarktische und arktische Tundra. Die Straße ist für Mietwagen verboten. Welchen Grund das haben könnte, kann sich jeder selbst überlegen. Der nächste Ort liegt 650 km entfernt und ist wahrhaft keine Großstadt.

Man sollte auf die Wetterprognosen hören! Ich wartete in Dawson City fünf Tage eine Schlechtwetterlage ab und hatte am ersten Tag des besseren Wetters noch solchen Frost und heftigen Wind, daß ich hier am 1. Juli sämtliche Kleidungsstücke anzog, die ich dabeihatte. Da der MacKenzie erst Anfang bis Mitte Juni auftaut, kommt man vorher ohnehin nicht über der Fluß, weil die Fähre nicht verkehren kann.

Da das letzte Stück von Inuvik nach Tuktoyaktuk am Polarmeer nur im Winter auf dem zugefrorenen Fluß befahrbar ist, muß man die letzten 60 km mit dem Flugzeug oder evtl. Boot zurücklegen. Einen Flug bekommt man problemlos vor Ort und wenn man das riesige, 160 km breite Delta aus der Luft gesehen hat, dann ist klar, daß man es mit dem Boot durch die verästelten Kanäle ohne ortskundigen Führer vermutlich nicht schafft.