Radfahren in Ghana ist je nach Region ganz verschieden. Da gibt es die
großen Hauptstraßen mit dem Fernverkehr, die man besser meidet
und -wenn überhaupt- nur mit Rückspiegel befahren sollte. Hier
wird häufig übelst knapp überholt und auch der überholende
Gegenverkehr rauscht mit geringem Abstand an einem vorbei. Das macht absolut
keinen Spaß und ist bisweilen äußerst gefährlich..
Dann gibt es die Nebenstraßen, die oft in hervorragendem Zustand sind
und auf denen der Verkehr sehr gering und ohne großen Zeitdruck unterwegs
ist. Hier macht Radfahren ziemlich Spaß, wenngleich in einigen Regionen
sehr steile Abschnitte zu bewältigen sind. Es gibt Steigungen auf
Teerstraßen, die nicht mehr zu radeln sind bzw. mehr anstrengen als
Schieben.
Und -wie überall in Afrika- gibt es Pisten unterschiedlichster
Qualität. Manche sind wirklich hervorragend, andere völlig sandig,
voller Schlaglöcher, großer Steine und einmal lief die Piste auch
einfach einen felsigen Hang mit bis zu 30 cm hohen Stufen entlang, über
die ich das Rad wuchten mußte. An jenem Tag traf ich kein Auto und
niemanden, der Englisch sprach. Bei den zahlreichen Abzweigungen konnte ich
mich glücklicherweise an einer vorhandenen Stromleitung orientieren,
denn Wegweiser sind Mangelware.
Gefiltertes Wasser gibt es fast überall, 0,4 bis 0,5 Liter zu umgerechnet
3 Cents und meistens gekühlt unter dem Namen "Pure Water" in
verschweißten Plastiksäckchen. Angesichts dieser Preise kam der
Wasserfilter nie zum Einsatz, aber einmal war die Etappenlänge so
groß, daß er beinahe ran mußte.
Es gibt auch "Iced Water" in verknoteten Plastiksäckchen, aber das ist
ganz normales ungefiltertes und lediglich gekühltes Wasser, das oft
aus einem Bach stammt, also Vorsicht! Wasser in Flaschen gibts gelegentlich
auch, aber da kostet der Liter bzw. 1,5 Liter ca. 80 Cents.
Restaurants nach europäischem Maßstab gibt es nur in Accra, Kumasi
und diversen Touristengebieten an der Küste mit Preisen, die so etwa
der Hälfte unserer Preise entsprechen. Ansonsten ißt man, was
die Garküchen am Straßenrand so hergeben und das ist oft nicht
schlecht und für ca. 30-40 Cents zudem so reichlich, daß man
Mühe hat, alles aufzuessen. Ich für meinen Teil habe Fleisch und
Fisch vermieden, da man nie so genau weiß, welche Bestandteile eines
(welchen?) Tieres da so auf dem Teller landen. Gelegentlich sieht man mal
jemanden stolz mit einer gefangenen Buschratte aus dem Wald kommen. Man
kommt aber auch als Teilzeitvegetarier ganz gut durchs Land, zudem gibt es
Brot und frisches Obst wie Bananen, Ananas, Papaya, Mangos, Orangen.
Gegessen wird üblicherweise mit den Händen, aber fast überall
gibt es auch einen Löffel, wenn man danach fragt. Nachdem man durch
reichlich Schafscheiße gefahren ist und gerade einen Reifen geflickt
hat, mag man vielleicht auch mal lieber mit Besteck essen ...
Es gibt relativ viele einfache Unterkünfte im Land, die auch von
Einheimischen betrieben werden. Das Geld landet also direkt bei den
Einheimischen, und nicht bei irgendwelchen europäischen Betreibern von
Hotelketten. Ich habe daher überwiegend in Unterkünften
genächtigt, die alle Moskitonetze an den Fenstern hatten. Normalerweise
gibt es einen Ventilator, aber Stromausfälle sind besonders in den
Städten häufig. Die Taschenlampe griffbereit zu haben, vereinfacht
so manchen nächtlichen Toilettengang.
Die Wasserversorgung funktioniert auch nicht immer zuverlässig. Statt
einer Dusche ist dann Waschen mit Wasser aus dem Eimer angesagt und die
Wasserspülung funktioniert auch über Eimer. Funktioniert die Dusche,
steht meist trotzdem ein Eimer daneben, den man besser vor dem Duschen
füllt. Fällt die Wasserversorgung plötzlich aus, während
man eingeseift unter der Dusche steht, kann man sich wenigstens noch
abspülen.
Die Unterkünfte und sanitären Anlagen waren zwar oft alt und
heruntergekommen, aber immer sauber, ebenso die Betten. Die Kosten betrugen
zwischen 4 und 6 Euro, in Kumasi und Accra bis zu 11 Euro und in den von
Weißen geführten Unterkünften in Wli und am Lake B. habe
ich 11 bzw. 18 Euro bezahlt, aber dort war auch alles tiptop. Um
Mißverständnissen vorzubeugen: Duschen sind natürlich -wie
so oft in Afrika- immer kalt.
Der Verdienst in Ghana liegt im Schnitt umgerechnet bei vielleicht einem
Euro pro Tag, viele verdienen noch wesentlich weniger. Die Währung Cedis
fällt im Wert langsam, aber stetig und zum Zeitpunkt meiner Reise lag
der Euro bei ca. 10.800 - 10.900 Cedis. Wer 100 Euro wechselt, ist also bereits
Millionär.
Es gibt Geldscheine zu 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Cedis, wobei
die Scheine zu 20.000 Cedis noch recht selten sind. Es empfiehlt sich, eine
kleine Plastiktüte mit in die Bank zu nehmen, denn die 100 Euro, die
zuvor in Form von zwei Geldscheinen bequem ins Portemonnaie passten, tun
das in Form von Cedis nicht mehr.
Zumindest in Accra ist es auch möglich, mit Kreditkarte oder Reiseschecks
an Geld zu kommen. In Kumasi oder den anderen Hauptstädten der einzelnen
Regionen ist zumindest der Umtausch von Bargeld möglich.
Accra und Kumasi sind mit ca. 2 bzw. 1 Million Einwohnern Großstädte,
die man in Deutschland als Radfahrer schon lieber meidet. Dabei sind die
Innenstadtbereiche noch eher unkompliziert mit dem Fahrrad zu erkunden, aber
die Außenbezirke und der Einzugsbereich sind die Hölle in Dosen.
Scheinbar jede Nebenpiste wird nach und nach zur Hauptstraße, wenn
man in Richtung der beiden Städte fährt und darauf tobt der Verkehr.
Als Radfahrer banciert man zwischen den knapp und laut hupenden Fahrzeugen
und den offenen und einen halben Meter tiefen Abwasserkanälen.
In den Städten selbst fühlt man sich auch im Dunkeln noch sicher
und die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Die Zahl der aufdringlichen
Verkäufer, die einem irgendwelches Zeug aufschwätzen wollen, ist
im Vergleich zu anderen Ländern gering.
In Kumasi gibt es einen sehenswerten Markt, der als der größte
in Westafrika gilt und auf dem ganzen Kontinent wohl nur von dem Markt in
Addis Abeba in Äthiopien übertroffen wird. Manchmal liest man auch,
der Markt in Kumasi sei der größte Markt Afrikas.
In Accra gibt es ein Art Centre, wo man Schnitzereien und andere Andenken
kaufen kann. Es gibt einige Leute, die hier auch Trommeln bauen und verkaufen.
Die geforderten Preise sind allerdings viel zu hoch und man muß handeln.
In meinem Fall lagen die geforderten Preise zwischen 65 Euro und 150 US-Dollar.
Bezahlt habe ich am Ende kanpp unter 20 Euro ...
Die Gelbfieberimpfung ist vorgeschrieben und ohne gültige Impfung bekommt
man kein Visum. Das Visum ist für Geschäftsreisende über diverse
Konsulate in Deutschland erhältlich. Als Tourist bleibt einem nur der
Weg über die Botschaft in Berlin.
Impfungen gegen Hepatis A+B, Typhus und Tollwut sind ratsam, die
Standardimpfungen Tetanus und Polio sowieso.
In Ghana ist Malaria die Todesursache Nummer 1 und Prophylaxe daher ratsam.
Da auch Denguefieber und andere durch Stechmücken übertragene
Krankheiten stark verbreitet sind, sind Mückenmittel ratsam. Oder lange
Klamotten. Oder und. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es so, daß
es ganz einfach zu heiß und schwül ist und man schwitzt manchmal
wie ein Schwein. Meine Klamotten waren oft den ganzen Tag naß und zwar
so, als hätte man sie gerade aus dem Wasser gezogen. Um sieben Uhr morgens
nach 30 Minuten lockerem Radeln waren sie stärker durchnäßt
als nach 2 Stunden Badminton an einem schwülen Sommertag in Deutschland.
Mückenmittel werden da ganz einfach weg geschwemmt und lange Klamotten
mag man da auch nicht wirklich anziehen ...
Ein Rückspiegel fürs Fahrrad ist unbedingt empfehlenswert, besonders
auf Teerstraßen.
Ein Zelt ist wichtig, da man nicht immer ein Dorf mit
Übernachtungsmöglichkeiten erreicht und eine Taschenlampe oder
Stirnlampe ist unverzichtbar, da es von 18 - 6 Uhr dunkel ist und
Stromausfälle ziemlich häufig vorkommen.
Überhaupt nicht benötigt habe ich in Ghana meinen Wasserfilter
und den Kocher.
Mir sind in Ghana keine aggressiven Hunde begegnet. Man sollte sich wegen Tollwutgefahr trotzdem besser fernhalten von jenen.
Ich habe für meine Reise den Ghana-Teil des englischen Reiseführers
über Westafrika verwendet. Es gibt auch einen deutschsprachigen vom
Reise-Know-How-Verlag, der von einem Ghanaer geschrieben wurde, aber nicht
immer so gut ankommt. Ich habe meinen Reiseführer eigentlich nur
benötigt, um in Kumasi eine möglichst zentrale Unterkunft zu
finden.
Der Kauf von Landkarten ist auch nicht so einfach. Es gibt kaum Landkarten
von Ghana und noch weniger gibt es brauchbare. Auch auf der besten Karte
sind immer wieder Fehler vorhanden. Da sind Straßen verzeichnet, wo
es keine gibt oder Dörfer entlang der Piste in falscher Reihenfolge
eingezeichnet.
In Ghana kommt man prima mit Englisch zurecht. An der Grenze zu Togo sprechen manche Menschen nur Französisch. Ansonsten gibt es im Lande etwa 70 verschiedene Sprachen, von denen die wichtigsten wohl Twi, Ewe und Ga sind. Aber auch in den kleinen abgelegenen Dörfern findet sich irgendwie immer jemand, der Englisch kann.
Auf einer Reise durch Ghana fühlt man sich eigentlich nie unsicher oder unwohl. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Bevor man in einem Dorf etwas ißt oder trinkt, sollte man sich jedoch besser vorher nach dem Preis erkundigen. Ansonsten kann es passieren, daß man hinterher mit überhöhten Forderungen konfrontiert wird.