Radfahren ist nicht allzu populär in Kamerun. Das Land ist einfach zu bergig und die Pisten oft schlecht, als daß es mit den einfachen Fahrrädern chinesischer Bauart noch Spaß machen würde. Mopeds und Motorräder sind eher verbreitet. Trotzdem wird das Fahrrad auch in Kamerun oft als Transportmittel für Bananen oder Wasserkanister eingesetzt und in größeren Dörfern gibts auch Fahrradwerkstätten. Ersatzteile für MTBs gibts dort natürlich nicht, wenn man viel Glück hat, vielleicht mal 'nen Reifen.
Kamerun mit dem Rad zu bereisen, ist sehr beschwerlich, besonders wenn die Pisten nach der Regenzeit aufgeweicht sind. Eine Vielzahl riesiger Schlammpassagen drückt das Durchschnittstempo auf ein Minimum und wenn die Pisten trocken sind, sind sie oft immer noch schlecht genug.
Auf den Teerstraßen ist ein Rückspiegel unbedingt zu empfehlen. Autofahrer hupen oft zum Gruß, aber auch, wenn die Straße zu eng ist und man in den Graben ausweichen muß. Mit einem Rückspiegel läßt sich die Situation einfach besser erkennen. Achtung auch bei Gegenverkehr. Entgegenkommende Autos überholen oft ohne Rücksicht auf Verluste, auch wenn sie einen Radfahrer damit zum Verlassen der Straße zwingen. Und die ziehen ihren Überholvorgang zumeist durch, auch wenn man versucht, in der Fahrbahnmitte zu fahren. Also rechtzeitig weg von der Straße, sonst kanns verdammt eng werden.
Ortsschilder oder Wegweiser sind Mangelware. Es ist uns passiert, daß wir unterwegs gefragt haben, wie weit es noch zu bestimmten Ortschaften ist und sie lagen bereits hinter uns.
Fast in jedem Dorf gibt es Brot zu kaufen. Man sollte nicht mehr kaufen, als man am gleichen Tag essen kann, weil es über Nacht höchstwahrscheinlich verschimmelt. Gelegentlich gibt es kleine Restaurants, die man aber selten als solche erkennt. Man muß sich halt durchfragen.
Wasser bekommt man nicht überall. Ein Wasserfilter hat sich für uns häufig als nützlich erwiesen, da wir unterwegs gelegentlich auf das Wasser aus Flüssen und Bächen angewiesen waren. Manchmal gibt es in den Dörfer auch öffentliche Wasserhähne zur Versorgung. Wenn man Glück hat, hängt auch eine Wasserleitung dran, die die ganze Installation versorgt. Filtern sollte man das Leitungswasser aber dennoch unbedingt.
Es kommt relativ schnell vor, daß man zum Essen eingeladen wird. Das
angebotene Essen abzulehnen, wäre eine nicht wieder gut zu machende
Beleidigung. Da in Kamerun gerne Bushmeat gegessen wird (also Affen,
Stachelschweine, Buschratten) und jeder, der mal auf einem Markt Fisch oder
Fleisch gerochen hat, lange bevor er es sah, der hat da evtl. nicht wirklich
Appetit darauf. Ich war also immer Vegetarier. Dies wurde von den Gastgebern
akzeptiert.
Das restliche Essen war problemlos genießbar, aber gelegentlich recht
scharf.
Es gibt quasi keine offiziellen Zeltplätze im Land. Auch im kleinsten
Dorf gibt es meist jemand, der ein Zimmer vermietet für ca. 1000 CFA
(1,50 Euro), in größeren Städten dann halt auch etwas mehr.
Da es meist keine Moskitonetze gibt, ist diese Art der Übernachtung
ein wenig riskant.
Wir haben unterwegs immer nach dem Dorfchef gefragt und um eine Erlaubnis
zum Zelten gefragt. War kein Dorfchef greifbar, dann halt irgenwo, wo es
eine geeignete Stelle zum Übernacchten gab. Natürlich läuft
beim Zeltaufbauen der halbe Ort zusammen. Außerdem zieht es häufig
eine Einladung zum Essen nach sich (s. vorherigen Abschnitt).
In Douala gibt es ein paar Unterkünfte, die für zwei Personen zusammen ca. 15.000 CFA kosten. Zusammen mit ordentlicher Toilette/Dusche, Klimaanlage und Pool ist das ein angemessener Preis. Anlaufstellen sind die Seemannsmission, die Baptistenmission und die katholische Mission. Ohne vorherige Reservierung kann es allerdings eng werden ...
In Kamerun werden Reiseschecks in Banken nur eingetauscht, wenn man auch
den Original-Kaufbeleg vorweisen kann. Hat man den aus Sicherheitsgründen
(Diebstahl) zu Hause gelassen, gibt es kein Geld. Auch unterwegs im Land
ist es wahrscheinlich schwierig, ausländische Währungen in CFA
zu tauschen. Wir haben es nicht ausprobieren müssen, weil wir unterwegs
kaum Geld brauchten.
In kleinen Dörfern kommt es sehr häufig vor, daß man in den
Läden kein Wechselgeld hat. Selbst wenn man 500 CFA zahlt und 100 CFA
(15 Cents) zurück bekommen müßte, ist das häufig
unmöglich. Hier mit einem 5.000 oder gar 10.000 CFA-Schein bezahlen
zu wollen, ist völlig absurd. Am besten, man bezahlt immer mit einem
Geldschein, der so groß ist, daß der Ladeninhaber gerade noch
rausgeben kann, damit man an anderen Stellen genügend Kleingeld
hat.
Da viele Menschen -wenn sie überhaupt eine Arbeit haben- nur so ca.
10-20.000 CFA (15-30 Euro) im Monat verdienen, sollte man unterwegs nicht
so offensichtlich zeigen, wie viel Bargeld man so mit sich rumschleppt. Am
besten verteilt man sein Geld auf mehrere Stellen und hat in seinem Geldbeutel
fürs tägliche Leben nicht zuviel Geld. Es sollte aber ausreichen,
bei einem Straßenraub den Täter zufrieden zu stellen. Ein
kamerunisches Monatsgehalt sollte hoffentlich genügen ...
Sanitäre Einrichtungen? In Kamerun? Besser, man erwartet
nicht zuviel. Unterkünfte, die auf Tourismus eingestellt sind, haben
natürlich Toiletten und Duschen, wobei man nicht davon ausgehen sollte,
daß die Duschen warm sind. Unterwegs auf dem Land machen die Menschen
ihr "großes Geschäft" oft im eigenen "Vorgarten", also sucht man
sich einen schönen Baum und wickelt die Sache unter freiem Himmel ab.
Wird man irgendwo eingeladen, gibt es evtl. auch ein Plumpsklo, vielleicht
aber auch nicht.
Was das Waschen angeht, ist ein Eimer Wasser der Standard. Möglicherweise
bekommt man auch den Weg zum offiziellen Badeplatz des Ortes gezeigt, irgendeine
Stelle am Fluß, die unterhalb der Entnahmestelle für Trinkwasser
liegt.
Douala ist mit 1,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt im Lande
und gilt als "heißes Pflaster". Wer in den kleineren Ortschaften ein
Huhn stiehlt, wird aus dem Dorf verbannt und sucht sein Glück in der
Stadt. So tummeln sich denn vom Hühnerdieb bis zum Gewaltverbrecher
alle liebenswerten Zeitgenossen in Städten und viele davon eben in
Douala.
An Sehenswürdigkeiten bietet Douala eigentlich nichts. Abseits der
Hauptstraßen sehen die Straßen aus wie auf einem
Truppenübungsplatz. Betonplatten decken die offenen Abwasserkanäle
ab, fehlen aber meist und geben den Blick frei auf eine grünlich schimmernde
Substanz mit einprägsamem Geruch.
Bettler, einige davon mit fehlenden Gliedmaßen (Unfallopfer?) oder
Lepra sitzen am Straßenrand, manche von ihnen völlig nackt.
Wer Andenken sucht, findet die am ehesten auf dem Handwerkermarkt am Marché
de Fleurs. Mehr als die Hälfte des geforderten Preises muß man
nicht zahlen, sonst ist man reingelegt worden. Wer gut handeln kann, kann
den Preis noch weiter drücken.
Der Zentralmarkt (früher: Marché de Lagos) ist Kameruns
größter Markt und hat frappierende Ähnlichkeit mit einer
Müllkippe, auf der Verkaufsstände stehen. Kann man mal gesehen
haben, muß man aber nicht. Fotografieren bringt nur unnötig
Ärger, also Kamera am besten gleich in der Unterkunft lassen.
Die Gelbfieberimpfung ist vorgeschrieben und wird bei der Einreise auch
kontrolliert. Sogar bei einer Polizeikontrolle im Land wurde der Impfausweis
einmal gefordert.
Impfungen gegen Hepatis A+B, Typhus und Tollwut sind ratsam, die
Standardimpfungen Tetanus und Polio sowieso. Kamerun ist Malaria-Hochrisikogebiet
und Prophylaxe ist ratsam. Da auch Denguefieber und andere durch
Stechmücken übertragene Krankheiten stark verbreitet sind, sind
Mückenmittel ratsam. Oder lange Klamotten. Oder und ...
Mir sind in Kamerun keine aggressiven Hunde begegnet. Man sollte sich wegen Tollwutgefahr trotzdem besser fernhalten von jenen.
Meines Wissens gibt es nur zwei Reiseführer für Kamerun, einen
deutschsprachigen vom Reise-Know-How-Verlag und einen englischen von Lonely
Planet, der jedoch ganz Westafrika abdeckt und daher Kamerun nur einen
vergleichsweise geringen Teil widmet. Am besten schaut man sich die beiden
mal an.
Der Kauf von Landkarten ist auch nicht so einfach. Es gibt kaum Landkarten
von Kamerun und noch weniger gibt es brauchbare.
In Kamerun werden ungefähr 200 Sprachen gesprochen. Nur wenige Menschen
beherrschen alle ... ;-)
Der Großteil des Landes ist französischsprachig. Im Süd-
und Nordwesten kommt man aber prima auch nur mit Englisch zurecht. Kamerun
ist übrigens das Land in Afrika mit den meisten Schülern, die Deutsch
lernen. Hin und wieder versucht mal jemand, seine Sprachkenntnisse
auszuprobieren. Mit einigen kann man sich ein wenig unterhalten, andere versteht
man fast überhaupt nicht.
Es gibt ständig Polizeikontrollen im Land, sei es von der Polizei, vom
Militär oder von wem auch immer. Bei Autofahrern sind diese Kontrollen
angeblich berüchtigt, weil man doch immer wieder für irgendwas
eine Gebühr fordert oder eine Strafe für ein Vergehen.
Mit dem Fahrrad konnten wir meist unbeachtet durchfahren. Ab und an wurde
mal der Paß kontrolliert, aber eher aus Neugier wegen der vielen bunten
Stempel aus anderen Ländern. Einmal bekamen wir an einer Straßensperre
sogar Palmwein angeboten.
Man kann eine Kopie des Reisepasses machen und gegen eine geringe Gebühr
(500 CFA oder so) bei der Polizei offiziell bestätigen lassen. Es reicht
dann aus, diese Kopie mitzuführen und man kann das Original z.B. im
Safe der Unterkunft verwahren lassen. Im Falle eines Diebstahls unterwegs
gibts dann keine Scherereien mit der Rückreise.