Schnipsel einer Radtour
| Der Start
Als ich aufwache, ist es taghell. Ein Blick auf die Uhr verwundert mich noch mehr. Es ist drei Uhr und ich denke zunächst, daß meine Uhr kaputt ist oder ich bis in den Nachmittag gepennt habe. Doch dann merke ich, daß mir die Mitternachtssonne einen Streich gespielt hat. Es ist meine erste Nacht im Norden.
|
![]() |
| Wind |
![]() |
Der Wind macht mir unterwegs zu schaffen und selbst in der
Ebene schaffe ich bei Seitenwind oft nicht mal 8 km/h. Einmal fahre ich mit
vollem Einsatz und schaffe bergab(!) vier(!) km/h. Ich steige entnervt ab.
Auf der letzten Testfahrt zuhause habe ich für 100 km drei
Stunden gebraucht und jetzt gebe ich alles, um bergab vier km/h zu fahren
...
Bei Seitenwind muß ich mich fast im 45°-Winkel dagegenlehnen, um bei plötzlich nachlassendem Wind quer über die gesamte Straßenbreite zu schießen. Meist setzt der Wind gerade dann wieder ein, wenn ich das Gleichgewicht wiedererlangt habe und so werde ich sofort wieder zurück auf die richtige Seite geblasen. Von hinten sieht das bestimmt sehr witzig aus, auf dem Rad verlangt es höchste Konzentration, um nicht plötzlich im Straßengraben zu landen. |
| Hitchcock läßt grüßen |
| Ich staune nicht schlecht, als ich -durch ein Vogelbrutgebiet fahrend-
plötzlich von einem Schwarm Küstenseeschwalben attackiert werde.
Sie fliegen über und hinter mir, laut kreischend und Luft-Boden-Raketen
abwerfend. Zum Glück habe ich zufällig gerade eine Regenjacke an.
Die eine Hand am Lenker, die andere hinter dem Kopf hin und her schwenkend,
versuche ich Land zu gewinnen, doch ab und zu spüre ich dennoch eine
leichte Berührung durch die Vögel.
Insgesamt darf ich dieses Erlebnis auf meiner Tour dreimal genießen, bevor mich zwei Skua-Raubmöwen in die Zange nehmen. Diesmal ist es wirklich gefährlich und ich habe echt Glück, daß ich mal keinen Gegenwind habe. Auf einmal dämmerts mir, warum hier -des Radfahrens offensichtlich unkundig- so viele tote Schafe nutzlos herumliegen. |
![]() |
| 'Maggi-Kochstudio' |
| Eines abends komme ich recht spät an einem Campingplatz an und beginne,
ein paar Nudeln zu kochen. Plötzlich aufkommende Windböen lassen
die Flammen des Kochers plötzlich bedrohlich in Nähe des Zeltes
schlagen. In einem Anflug von Panik reiße ich den Topf vom Kocher und
drehe die Benzinzufuhr ab, doch der Topf ist extrem heiß, weil er zuvor
komplett in den Flammen stand. Die zufällig exakt 100 Meter zum
nächsten Wasserhahn laufe ich querfeldein in handgestoppten 9,5 Sekunden,
die für die nächste Olympiaqualifikation wegen nicht zugelassener
Bahnoberfläche jedoch nicht anerkannt werden. Ich schlafe die gesamte Nacht mit der im Kochtopf in kaltes Wasser eingetauchten Hand |
| Auf den Hund gekommen |
![]() |
Ich bin unterwegs im östlichen Hochland, als plötzlich von
einem einsamen Haus aus ein Hund auf mich losstürmt.
Bevor ich noch erkennen kann, ob er friedlich ist oder möglicherweise
heute noch nichts gefressen hat, ist er schon an mir vorbeigeschossen, kehrt
um und rennt zu mir zurück, um dann gleich wieder loszuspurten.
So begleitet mich der Hund zweieinhalb Stunden durch die einsame
Schotterwüste und wenn ich wegen Spurrillen plötzlich die Fahrbahnseite
wechseln muß, springt er reaktionsschnell zur Seite.
Nachdem ich mir langsam Gedanken mache, wie ich den Hund abends aus meinem Zelt bekomme, löst sich das Problem von selbst. Am Dettifoss hat ein Tourist (?) einen Hund dabei und der ist nun noch interessanter als der komische Radler. |
| Im Schwimmbad |
| In einem Schwimmbad liege ich gerade im Heißwasserbecken
und erhole ich mit von den Anstrengungen des Tages, als
ich die Bademeisterin bemerke. Es ist das erste Mal, daß ich ein Freibad
mit einer Bademeisterin in Daunenjacke erlebe während fünf Meter
weiter kleine Kinder in Badehosen im knietiefen Wasser planschen.
Bedingt durch die raschen Wetterwechsel laufen in Island auch sonst oft Leute in kurzen Hosen und solche mit Winterjacken kreuz und quer durcheinander, doch irgendwie scheint keiner so wirklich passend angezogen für diese kuriosen Wetterschwankungen. |
![]() |