Schnipsel einer Radtour
| Vorbemerkung | |
| Entgegen meiner bisherigen Radtouren trat ich diese Reise mit einem
Reisepartner an. Daniel, ein Student aus dem Rhein-Main-Gebiet, den ich
übers Internet kennenlernte, hatte die gleichen Interessen und kurz
bevor es richtig losging, lernten wir -durch Daniel per eMail abgesprochen-
in Nairobi noch Axel kennen. Er war schon seit ein paar Monaten unterwegs
und kurbelte die ganze Strecke aus Deutschland bis Kenya, um irgendwann aus
eigener Kraft auch noch Kapstadt zu erreichen.
So bildeten wir nun ein Team, obwohl die Zahl "drei" für eine Gruppe Reisender eigentlich denkbar ungünstig ist und die Konstellation Student (Daniel, 26), Ex-Zivi (Axel, 23) und Beamter (ich, 37) nur suboptimal ist, weil Beamte normalerweise die natürlichen Feinde aller Zivis und Studenten sind ... ;-) |
| Hakuna Matata ... | |
| ... ist Suaheli (bzw. Swahili oder Kisuaheli) und bedeutet wörtlich
"kein Problem". Umgangssprachlich wird es ungefähr verwendet für
"die Lage ist zwar völlig hoffnungslos, aber nicht ernst". Wann immer man unterwegs "Hakuna Matata" hört, beschleicht einen das dumpfe Gefühl, daß man sehr wohl ein ernstes Problem hat. Auch auf unserer Tour läuft nicht alles reibungslos nach Plan. Axels zweifach gebrochenes Zeltgestänge kann von ihm aber repariert werden und mein gebrochener Alu-Lowrider ... |
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... wird von uns mit einem Schraubenschlüssel und Kabelbindern
provisorisch geschient. Später bastelt eine Autowerkstatt eine
stützende Eisenkonstruktion um den Lowrider.
Die eigentlichen Probleme tauchen später im Bericht auf: ein Raftingunfall, ein Autounfall und eine klitzekleine Geiselnahme ... ;-) |
| Lake Naivasha und Hell's Gate Nationalpark | |
Wir starten an einem Sonntagmorgen um 6:30 Uhr, so daß wir ohne größere Probleme mit dem Verkehr die Stadt verlassen können. Unterwegs gehts ordentlich hoch und runter und nach 35 km habe ich eigentlich schon keine wirklich große Lust mehr. Unterwegs platzt Daniels Reifen mit einem Knall, den ich zunächst für eine Fehlzündung eines vorbeifahrenden Autos halte. Sein Schlauch hat ein Loch von etwa 12-15 cm Länge. So etwas habe ich noch nie gesehen. Das hat Daniel echt prima hinbekommen. Noch besser wärs natürlich gewesen, er hätte damit gewartet, bis wir im Schatten sind ... ;-) |
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Am nächsten Tag fahren wir in den Hell's Gate Nationalpark und erfahren
hinterher, daß gerade die Ecken des Parkes, die wir besuchten, für
Radler verboten sind, weil sich dort ein Löwenrudel rumtreibt. Ex-Zivi
Axel fühlte sich wohl an seine Tätigkeit für "Essen auf
Rädern" erinnert ... Das Warnschild hängt natürlich nicht am Parkeingang, sondern beim Hauptquartier der Parkverwaltung, wo wir erst am Ende des Tages vorbeifahren. |
| Nach den ersten beiden Tagen haben wir bereits Paviane, Zebras, Giraffen, Flußpferde, Impalas, Kuhantilopen (Hartebeest), Büffel, Strauße und Warzenschweine gesehen. Bis auf die Flußpferde für mich nichts neues, aber trotzdem immer wieder ein Erlebnis. An einem der nächsten Tage sehe ich sogar noch mein erstes Krokodil in freier Wildbahn. Bisher kenne ich das nur "well done" auf meinem Teller ... | ![]() |
| Afrikanische Verhältnisse | |
| Wir fahren über irgendwelche Schotterpisten und kommen in ein Dorf, wo wir etwas zu trinken kaufen wollen. Man verkauft hier allerdings nur leere 0,3-Liter Colaflaschen. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, denn die Flaschen waren ursprünglich mit Kronkorken verschlossen und können somit auch kaum als Wasserbehälter dienen. Irgendwie scheint sich der Umsatz auch in eng umrissenen Grenzen zu bewegen, denn der Kasten ist noch vollständig gefüllt und die Flaschen ziemlich verstaubt. Wir kaufen übrigens auch nix ... ;-) |
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Später am Menengai-Krater bei Nakuru kämpfen wir uns gerade
den steilen Berg hoch und Daniel fotografiert die Kinder, die Axel und mir
hinterherlaufen. Kurz darauf überholt er uns mit einem Affenzahn, ohne
zu treten. Einige Kinder schieben ihn, wie vom wilden Affen gebissen, den
Berg hoch. Die anderen Kinder nehmen sich ein Beispiel daran und schieben
nun auch Axel und mich. Wie ich später feststellen muß, ist dieser
Brauch allerdings offensichtlich regional stark begrenzt. Schade eigentlich. Ich sollte mich später an anderen Steigungen noch gerne an diesen Moment zurückerinnern. ;-) |
| Lake Bogoria | |
| Am Lake Bogoria gibt es haufenweise Flamingos und sogar heiße
Springquellen.
Wir zelten auf der Acacia Campsite und was wir leider zu spät merken, sind die stacheligen Samenkapseln der Akazien, die sich rund herum in unsere Reifen bohren. Dadurch entstehen zwar keine Löcher, aber beim Fahren würden sie sich im Laufe der Zeit durcharbeiten, also müssen wir die Dinger mühsam entfernen. Axel und ich sind völlig platt und Daniel kämpft sich mit dem 10-Liter-Wassersack über eine üble Piste noch mal zu einer mehrere Kilometer weit entfernten Quelle, weil unser Wasser fast bis zum letzten Tropfen aufgebraucht ist und das Wasser des Sees viel zu salzig ist, um es zu trinken. |
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In der Zwischenzeit streunen Paviane durch die Gegend und kommen immer
näher, so das Axel und ich versuchen, sie mit Steinwürfen zu
vertreiben. Wir wollen nächtlichen Besuch durch die nicht
ungefährlichen Tiere vermeiden. Ich rutsche dabei irgendwie aus und knicke um. Ich war schon immer irgendwie gut darin, mich auf möglichst überflüssige Weise sinnlos zu verletzen. Am nächsten Morgen benötige ich mehrere Minuten um Socken und Schuh anzuziehen und am Abend dauert das Ausziehen noch länger. Ab da fahre ich barfuß in Badelatschen ... |
| Rift Valley | |
| Auf unserer geplanten Route auf dem Weg nach Uganda müssen wir den
ostafrikanischen Grabenbruch durchqueren und das bedeutet, daß es ziemlich
anstrengend wird. Eine Stunde vor Sonnenaufgang fahren wir los, um die 1.000
Höhenmeter zum Rand des Rift Valley noch bei möglichst niedrigen
Temperaturen zu bewältigen. Dann geht es nochmal "etwas" runter und
wieder hoch und schließlich fahren wir über 1.000 Höhenmeter
runter und auf der anderen Seite wieder hoch. Im Innern des Rift Valley ist
es extrem heiß (wohl so um die 40 Grad), da die Wände des "Canyons"
die Hitze noch reflektieren. Am Abend des Tages können wir sehen, wo
wir am Vormittag pausierten. Als ich am nächsten Morgen aufwache, weiß ich dank Daniels Höhenmesser wenigstens, warum ich so komatös gut geschlafen hatte. 2.500 Höhenmeter mit Gepäck unter der Äquatorsonne gehen nicht ganz spurlos an einem vorbei. |
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| Trennung am Mount Elgon | |
| In Kitale habe ich abends und auch am nächsten Morgen Knieprobleme
und sehe ein, daß es keinen Sinn macht, nun die heftigen Bergetappen
des Mt. Elgon auf mich zu nehmen. Ich lege einen Ruhetag ein und
beschließe, südlich des Mt. Elgon durch relativ flaches Gebiet
nach Jinja zu fahren, während Daniel und Axel den Mt. Elgon auf der
bergigen nördlichen Route umfahren. In Jinja wollen wir uns in etwa
vier Tagen wiedertreffen und ich sollte später erfahren, daß mein
Entschluß wohl ziemlich richtig war, denn die Berge im Norden des Mt.
Elgon waren ziemlich heftig. Durch den Ruhetag und die "Weicheietappe"
südlich des Mt. Elgon ist aber mein Knie wieder in Ordnung. Für
ein paar Tage jedenfalls ... Als ich mich in dem kleinen Kaff Sirisia nach einer Übernachtungsmöglichkeit für die vorläufig letzte Nacht in Kenya durchfrage, führt mich jemand zum Hospital, auf dessen Gelände ich tatsächlich problemlos mein Zelt aufstellen kann. Diese Erfahrung nutze ich später noch einmal aus, indem ich zielstrebig auf das Gelände eines Hospitals fahre und einfach frage, wo man in der Stadt einen sicheren Platz zum Zelten findet. Ein paar Meter weiter steht kurze Zeit danach mein Zelt ... |
| Geldwechseln in Uganda | |
| Nach 45 Minuten Anstehen in der Bank komme ich bereits an die Reihe (in
der anderen Bank der Stadt , in der sich offensichtlich die halbe
Bevölkerung Ugandas drängelt, wäre ich derweil verhungert
und vermutlich vollständig verwest) und sage, daß ich Kenya-Schillinge
gegen Uganda-Schillinge tauschen möchte. Man entgegnet mir, daß
man leider keine Kenya-Schillinge annimmt. Ich versuche es mit Euro und mein
Gegenüber hinter dem Schalter blättert umständlich in einer
Liste, bevor er zu dem Schluß kommt, auch keine Euro tauschen zu
können. Ich frage ihn noch nach US-Dollar, Reiseschecks, Maestro-Card
und Visa-Card, bevor er mit der Information rausrückt, daß man
in dieser Bank eigentlich -genau genommen- überhaupt kein Geld
wechselt. "Tauscht denn die andere Bank in der Stadt?" -- "Nein" "Komme ich denn überhaupt irgendwie an Geld?" -- "Hakuna Matata - kein Problem" "Und wo, wenn nicht hier, ist es bitte sehr kein Problem?" -- "Es gibt eine Wechselstube in der Stadt". "Aha. Und wo befindet sich die Wechselstube?" -- "Die Wechselstube ist in der xy-Straße" "Und wo finde ich die Straße?" -- "Ganz einfach, erst geradeaus, dann die zweite oder evtl. dritte Straße nach links ... ach nee, nach rechts und dann ..." Ich fülle im Geiste schon ein Teilnahmeformular für die Afrikameisterschaften im 3000-Meter-Amoklauf aus, frage mich unterwegs zu der Straße durch und fahre sie hoch und runter. Und was sehen meine entzündeten Äuglein? Jedenfalls keine Wechselstube weit und breit. Ich frage mich wieder durch und tatsächlich verbirgt sich in der hinteren Ecke eines unscheinbaren Ladens ein kleiner Schreibtisch, an dem man tatsächlich Geld wechseln kann. |
| Rafting in Jinja | |
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Wie abgesprochen treffen wir uns in Jinja wieder. Axel und Daniel kommen
bereits eine Stunde nach mir an, obwohl ich erst am nächsten Tag mit
ihnen rechne. Wie ich erfahre, ging Axels Freilauf am Hinterrad unterwegs kaputt und Daniel schleppte ihn mit zwei aneinander gehängten Kabelschlössern sogar 30 km ab, bis Axel irgendwo ein einigermaßen passendes Rad kaufen konnte. Wir übernachten auf dem Campground der Nile River Explorers bei den Bujagali Falls und beschließen, an einer der Rafting-Touren teilzunehmen. Schließlich haben unsere Klamotten dringend eine Wäsche nötig. Wir wissen, daß weltweit keine heftigeren Touren angeboten werden. Nur auf dem Colorado kann man zu bestimmten Zeiten vergleichbare Touren mitfahren ... |
| ... und so überlege ich am Vorabend beim Betrachten des Videos,
aus dem zwei der Bilder stammen, die ganze Tour wieder zu stornieren.
Schließlich bin ich ja nicht lebensmüde.
Na ja ... - vielleicht doch. Am nächsten Morgen sitze ich also mit im Boot und anfangs ist auch alles recht locker. Wir üben verschiedene Dinge wie z.B. aus dem Boot zu fallen und wieder einzusteigen. Als wir in den G-Spot, einen Strudel der Kategorie 5 fahren (schwieriger ist nicht fahrbar), ist mir klar, daß wir das Rausfallen auch so geschafft hätten. Plötzlich ist das Boot nicht mehr da, wo es Sekundenbruchteile zuvor noch war und oben ist unten und überall drum herum ist Wasser. Ich verliere völlig die Orientierung und fühle mich wie in einer Waschmaschine. 80-100 Meter später (wie ich anschließend erfahre) ist oben wieder dort, wo es üblicherweise zu sein pflegt und ich bin froh, daß ich vor dem Kentern -von einen Geistesblitz geblendet- noch mal schnell 'ne Prise Luft geholt habe. |
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In solchen Momenten beruhigt es ungemein, drei Kayakfahrer der Weltklasse
in seiner Nähe zu wissen, die ihr gewaltiges Bestes geben, absaufen
zu drohende Mitfahrer notfalls in Sicherheit zu bringen.
An der WW-5-Stromschnelle "Silverback" zeigen wir der Kamera dann auch die Unterseite unseres Bootes. Es wirkt nicht ganz so fotogen wie im Promo-Video, aber schon ganz gut für den Anfang. Eine Welle erwischt uns so heftig, daß es das Boot aufstellt und nach hinten umwirft. Beim Kentern fällt jemand seitwärts auf mein Knie und ich mache gerade den Mund auf, um laut "Sch...." zu schreien, aber weiter komme ich auch nicht, weil mein Kopf schon wieder unter Wasser ist. Mein Kleinhirn vermeldet einen Wassereinbruch mit 3 atü und ich mache den Mund daraufhin besser mal zu. Der Rest der Tour macht nicht mehr ganz so viel Spaß, weil ich nun ziemlich verkrampft bin und das Knie sich auch gelegentlich zu Wort meldet. Shit happens ... |
| Erneute Trennung | |
| Nach dem Unfall beim Rafting ist mein Knie ziemlich dick und läßt sich kaum bewegen. Ich rechne nicht damit, in den nächsten Wochen überhaupt noch mal vernünftig radeln zu können und sage zu Axel und Daniel, daß sie ohne mich weiterfahren sollen. Schließlich bin ich nicht so verletzt, daß ich ihre Hilfe benötige, aber ihre Tour soll nicht unter meinem Problem leiden. Ich gebe Axel noch mein Hinterrad, damit er wieder vernünftig fahren kann und baue dafür seines ein, von dessen Zahnkranz nur drei Ritzel verwendbar sind. Einer der beiden Overlander-Trucks, die gerade auf dem Campingplatz sind, fährt drei Tage später in Richtung Kenya und hat genügend Platz an Bord, um mich und mein Gepäck mitzunehmen. Wir verabreden uns also für Nairobi, um uns kurz vor Ende meiner und Daniels Reise und Axels Weiterfahrt wieder zu treffen. Irgendwie werde ich schon dorthin kommen - Hakuna Matata ... |
| Über Kakamega nach Kisumu | |
| Eine halbe Stunde nach Abfahrt des Trucks schlafen bereits sämtliche
Mitfahrer außer mir. Wie will man ein Land kennenlernen, wenn man nur
die Campingplätze kennenlernt und abends Party macht bis um Uhr, aber
den Alltag der Menschen nicht einmal im Vorbeifahren sieht, sondern einfach
verpennt? Ich werde es wohl nie begreifen ... 70 km nach der Grenze lasse ich mich an einer Kreuzung absetzen. Der Truck fährt weiter über die Hauptstraße und ich will Richtung Süden zum Kakamega Regenwald. Ab der Kreuzung versuche ich es wieder mit dem Radfahren und benötige für die ersten 120 km drei Tage, aber immerhin ... - es geht einigermaßen. Der weitere Weg führt "über" den Äquator. Obwohl es tatsächlich zufällig bergauf geht, ist es kein wirklich ernstzunehmendes Hindernis.
In Kisumu zelte ich am Kisumu Beach Resort und bleibe dort für zwei
Nächte. Als ich am Morgen fahren will, werde ich vom Nachtwächter
und einem Angestellten der Anlage aufgehalten, die behaupten, ich hätte
am Vorabend nicht bezahlt. Dummerweise habe ich die Quittung bereits weggeworfen,
was man in Afrika natürlich nie voreilig tun sollte. Sie wittern nun
die Chance, sich etwas hinzuverdienen und den Betrag noch einmal kassieren
zu können, doch ich bleibe stur. In einem günstigen Moment fahre
ich schnell davon. |
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| Predigt im Bus | |
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In Kericho, dem Ort der Teeplantagen, erkundige ich mich nach einer Busfahrt
bis Naivasha, um die unschöne Hauptstraße zu umgehen. 300 KSh
soll es bei der billigsten "Gesellschaft" kosten, doch am nächsten Morgen
will man plötzlich allein 400 KSh für mein Gepäck. Am Ende
bezahle ich 400 KSh insgesamt.
Während der Fahrt steht zwei Reihen vor mir plötzlich ein Fahrgast auf und beginnt zu predigen. Wenn nicht ständig "in the name of Jesus" vorkäme und er nicht wild mit seiner Bibel rumfuchteln würde, wüßte ich kaum, worum es geht, denn seine Predigt erfolgt größtenteils auf Kisuaheli und wirkt sehr aggressiv. |
| Von Lake Naivasha zu den Thika Falls | |
| Ich fahre wieder am Lake Naivasha vorbei, dessen Umgebung mir auf der
Hinfahrt sehr gefallen hatte, besonders, weil man hier die Gelegenheit hat,
Tiere außerhalb der Nationalparks aus nächster Nähe zu sehen.
Vom Lake Naivasha will ich auf möglichst direktem Weg zu den Thika Falls fahren, doch dieses Vorhaben ist nahezu unmöglich. Ich finde noch die richtige Straße aus Naivasha heraus, die ich laut Karte eigentlich nur weiterfahren muß. Leider führt die Teerstraße in eine völlig falsche Richtung und nach einem halben Tag stehe ich an einer weiteren Kreuzung, die von meiner eigentlichen Route weit entfernt ist und kehre um. Auf dem Rückweg achte ich um so mehr auf eine evtl. verpaßte Abzweigung, doch es gibt keine. Die anfangs ausgeschilderte Hauptstraße zweigt irgendwo von der Teerstraße ab. Es ist eine der zahllosen kleinen einspurigen Schotterwege, die ohne Richtungsschild in die Pampa führen. Am Abend bin ich wieder in Naivasha ... |
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Ich fahre am nächsten Tag nach Kiambu, um von dort den Weg nach
Thika zu nehmen. 40 km sind es von Kiambu bis Thika, doch schon für
die ersten 15 km fahre ich 62 km, obwohl (oder weil) ich an jeder Abzweigung
nach dem Weg frage.
Eigentlich ist es völlig sinnlos, hier nach dem Weg zu fragen, denn die Leute haben anscheinend keine Ahnung, in welche Richtung es zum nächsten größeren Ort geht. An einer Kreuzung drängeln sich einmal Dutzende von Menschen um mein Rad und die hilfsbereiten Leute zeigen gleichzeitig in alle vier Richtungen, als ich den Namen des Ortes nenne.. Es ist ein harter Tag, physisch wie psychisch. Vor meinem geistigen Auge erscheint einmal mehr das Teilnahmeformular für die Afrikameisterschaften im Amoklauf. |
| Wiedersehen in Nairobi | |
| Als ich die Upper Hill Campsite in Nairobi erreiche, sind Axel und Daniel
schon ein oder zwei Tage da. In der Zwischenzeit waren sie auf dem Mount
Kenya und auf ihrem weiteren Weg war auch einiges passiert. Daniel wurde von einem Matatu-Fahrer fast über den Haufen gefahren, der ihn erst knapp überholte, dann scharf bremsend zum Fahrbahnrand zog und ihn in den Graben drängte. Daniel "reichte ihm daraufhin freunschaftlich die Hand" und machte ihm mit einer Ohrfeige klar, was er von seinen Fahrweise hielt. Selbst mit Suaheli-Kenntnissen hätte er sich kaum besser verständigen können. Axel wurde irgendwo von einem Bus gerammt und landete zum Glück unverletzt im Straßengraben. Der Busfahrer hielt an und mischte sich ängstlich unter die Fahrgäste, während Axel wütend einen Scheinwerfer eintrat und den Bus mit den Worten stürmte, nun den Fahrer umbringen zu wollen. Weil sich der Fahrer daraufhin erstaunlicherweise noch immer nicht zu erkennen gab, schleppte Axel einen Fahrgast als Geisel zu seinem Fahrrad und hielt ihn mit seiner Machete in Schach, während sich nach und nach einige Fahrgäste mit Knüppeln bewaffneten, um mit schlagkräftigen Argumenten eine klärende Diskussion zu suchen. Bevor die Situation langsam eskalierte, kam zufällig der Polizeichef der Region vorbei und sorgte dafür, daß Axels Schaden ersetzt wurde. Auf seiner Homepage ist das ganze Vorkommnis noch etwas ausführlicher beschrieben. |
| Safari ... | |
| ... ist Suaheli und heißt "Reise" und wer eine Reise "tut", der
kann bekanntlich was erzählen. Daniel hat über einen kenyanischen Arbeitskollegen Verbindungen zu einem Einheimischen in Nairobi, der uns günstig einen Safaribus mit Fahrer für eine Tour durch den Nairobi Nationalpark vermittelt. Eigentlich haben wir nur eine Halbtagesfahrt vor, doch eine gewöhnliche Reifenpanne (acht Kilometer entfernt vom Eingang) zögert das Ganze um fast drei Stunden heraus. Nachdem der Ersatzreifen auch defekt ist, fordert der Fahrer über Handy einen Ersatzreifen an. Was er leider nicht ausdrücklich erwähnt, ist die Tatsache, daß wir gerne einen intakten Ersatzreifen hätten und so kommt, was kommen muß - in Afrika jedenfalls. Irgendein Hanjockel wirft einen defekten Ersatzreifen in ein Auto und karrt ihn zu uns, ohne sich die Frage zu stellen, was wir unterwegs in der Pampa wohl mit einem defekten Reifen sollen. Nun fährt der Fahrer mit dem Hanjockel weg und wir hocken hier in der Pampa rum, während wir zwei Kilometer Luftlinie entfernt zuvor noch einen Löwen rumstreunen sahen. Ich überprüfe im Geiste noch einmal die Angaben im Anmeldeformular für den Amoklauf. Wann geht es endlich los. Ich glaube, ich bin auf den Punkt topfit ... Dem Fahrer ist der ganze Vorfall höchst unangenehm und er gibt sich wirklich größte Mühe und fährt die unmöglichsten Pisten, um uns vielleicht doch noch einen Löwen aus der Nähe zeigen zu können, doch es soll einfach nicht sein. |
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| The Carnivore | |
| Am letzten gemeinsamen Abend in Nairobi besuchen wir zusammen mit Neyschibt
und Brigitte das legendäre Carnivore. Man kann hier für einen
Pauschalbetrag so lange und so viel essen, bis selbst mit äußerster
Gewalt nichts mehr reingeht. Die ganze Zeit laufen Kellner mit großen,
schwertähnlichen Spießen umher, auf denen die verschiedensten
Fleischsorten befestigt sind. Jeder Kellner sagt dann am Tisch, welches Fleisch
er durch die Gegend schleppt und dann entscheidet man, ob man sich davon
etwas auf den Teller schneiden läßt oder lieber 'ne Minute wartet,
bis der nächste mit etwas anderem kommt, was einem mehr zusagt.
Wir halten uns anfangs vornehm zurück und nehmen nur wenig, aber oft
und dann viel. Zunächst probieren wir Schwein, Wildschwein, Rind, Huhn,
Lamm, Würstchen, Antilopen-Frikadellen, Eland, Strauß und Zebra,
um uns später auf die Frikadellen, Eland, Strauß und Zebra zu
spezialisieren und richtig reinzuhauen. Schließlich machen wir uns
nicht viel aus wenig. Wir essen quasi, bis die Messer stumpf sind und zum
ersten Mal auf dieser Reise kann ich mit Daniel und Axel konditionell mithalten.
Neyschibt und Brigitte schauen uns nur fassungslos zu und die Leute am
Nebentisch, die nach uns kamen, sind längst wieder weg, als wir endlich
unser Fähnchen am Tisch niederlegen, was für das Personal das Zeichen
ist, nun zum Nachtisch überzugehen. |
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